Ich versuche es mal möglichst sachlich. Ich zitiere
@dekumatland , der wiederum Flaig zitiert. Ich unterstelle dekumatland nicht, dass er Flaigs Thesen vertritt, sondern versuche mich mit Flaigs Thesen auseinanderzusetzen.
Der Essay Der Islam will die Welteroberung (2006)
Im Islam gib es durchaus die Auffassung, dass man diese Religion verbreiten solle und man die Lehren des Christentums und Judentums - als Buchreligionen - verbessert habe und somit "Gottes wahren Willen" verkünde. Es gibt im klassischen islamischen Rechtsverständnis eine Einteilung der Welt unter islamischer Herrschaft (
Dār al-Islām) und nicht-islamischer Herrschaft
(Dār al-Harb, wörtlich "Haus des Krieges"). Diese Einteilung beruht noch auf der Zeit der islamischen Expansion im Mittelalter, daher klassisch.
Das unterscheidet sich aber nicht wesentlich vom Missionseifer, den das Christentum in den vergangenen Jahrhunderten auf allen Kontinenten an den Tag legte. "Machet euch die Erde Untertan" wurde auch dort lange praktiziert.
kommt zu dem Schluß "die islamische Toleranz sei ein Märchen"
Im Islam gibt es das Konzept von "Buchreligionen", also Religionen, die der Islam als nicht ganz so weit entwickelt ansieht, die aber zu seinen Vorläufern gehören (Judentum und Christentum) bzw. eine lange schriftliche Tradition haben (Hinduismus in Indien, Zoroastrier). Anhänger dieser Religionen wurden oft mit einer Sondersteuer (
Dschizya) in islamischen Staaten belegt, konnten aber ihre Religion weiterhin praktizieren. Bei Juden im mittelalterlichen, christlichen Europa ist dies mit dem Judenregal vergleichbar. Ansonsten sind Vertreibungen von "Ungläubigen" und "Zwangsbekehrungen" im christlichen Europa belegbar, Beispiel Spanien ab 1492. Gibt es vergleichbare Vorgänge von Deportationen und erzwungenen Bekehrungen in der Geschichte islamischer Staaten?
Die
Mamlucken als Militärsklaven schafften es eine Dynastie von Sultanen in Ägypten zu etablieren. Man kann sie als Zeichen von "Toleranz" gegenüber Sklaven im Islam ansehen. Sie schafften es eine eigene Herrschaftselite zu bilden. Ein vergleichbares Beispiel dazu im christlichen Europa fällt mir nicht ein.
und lehnt die Scharia als demokratiefeindlich ab
"Die Scharia" gibt es in diesem Sinn nicht. Es gibt keinen Konsens aller moslemischen Konfessionen, was Teil der Scharia ist und was nicht. Der Wahhabitismus in Saudi Arabien definiert die Scharia anders als der schiitische Iran.
In der OIC (Organisation für islamische Zusammenarbeit) sind 56 Staaten organisiert. Nur in 17 Staaten spielt die Scharia eine mehr oder weniger große Rolle in der Judikative und Legislative (mMn 17 Staaten zu viel).
Das 1. Gebot "Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben." ist auch nicht kompatibel mit der Religionsfreiheit und dem Demokratieverständnis des 20. und 21. Jahrhundert. Kommt man deswegen auf den Gedanken, die 10 Gebote als demokratiefeindlich zu bezeichnen?
Man mag mir die Vergleiche mit dem Christentum als "whataboutism" auslegen, ich denke aber ein Vergleich mit einer anderen Religionen ist angemessen, um zu sehen, ob nicht doch mit zweierlei Maß gemessen und dadurch ein einseitiges
Islambashing betrieben wird.