Mythos Rommel

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von ursi, 19. Juli 2007.

  1. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das geht m.W. mehr auf ehemals Britische und US-Amerikanische Darstellungen als die der NS-Propaganda zurück.

    Für die Briten war es seinerzeit einfacher die Niederlagen gegen das Afrikakorps als durch die "genialität" Rommels bedingt darzustellen als es auf die technische und taktische Unterlegenheit ihrer eigenen Truppen und die Unfähigkeit ihrer Offiziere zu schieben. Churchill selbst hat dem mal ein Riegel vorgeschoben, weil die große Gefahr bestand, dass Rommel zur psychologischen Waffe werden konnte.

    Im Film "Patton" (mit George C. Scott) brannte dieser förmlich danach sich gegen den "berühmten" Rommel zu messen und war sehr enttäuscht, als dieser nicht mehr in Afrika war, als er selbst dort zum Einsatz kam.

    Die Briten haben ja sogar zwei Mordanschlage durch Kommandos gegen ihn versucht, einen 1941 in Nord Afrika, bei Beda Littoria (wo er gar nicht war) und einen 1944 in Frankreich, der jedoch ins leere lief, weil er am Tag zuvor durch den Tiefflieger verletzt worden war. Das haben sie m.W. in dieser Art gegen keinen weiteren militärischen Kommandeur versucht.

    Wenn man ausserhalb Deutschlands jemand nach dem Namen eines deutschen Generals aus den 2 WK fragt, kriegt man zuerst immer Rommel benannt, einige Spezialisten kennen dann vielleicht noch Guderian, Paulus (wegen Stalingrad) und eventuell Mannstein oder Kesselring...und das wars.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. November 2012
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  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Wenn man die Frage heute stellt, liegt das natürlich am Mythos Rommel, der den historischen Details entrückt ist.

    Wenn man das zeitgenössisch betrachtet: Dass die Alliierten mit der deutschen Ostfront-Generalität weniger vertraut waren, sondern bis zur Invasion auf den Mittelmeerraum fokussiert waren (und deshalb ein Bayerlein oder Kesselring vertrauter waren), liegt auf der Hand.

    Immerhin hat es Manstein auf das Cover des Time Magazin geschafft.
    TIME Magazine Cover: Fritz von Manstein - Jan. 10, 1944 - World War II - Germany - Military

    Die Rommel-Phobie würde ich nicht unbedingt als Propaganda-Trick sehen, um Fehlschläge zu entschuldigen. Eher versuchte man, das zu unterdrücken (speziell nach Tobruk 1942).
     
  3. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied

    Es gibt verschiedene Gründe, warum Rommel bei den Briten große Aufmerksamkeit erfuhr:
    • Rommels "Gespensterdivision" in Frankreich stand für die Idee des Blitzkrieges
    • auch in Nordafrika stieß Rommel unerwartet, schnell und trickreich vor
    • in Tobruk kapitulierte die bis dahin größte Zahl britischer Streitkräfte im 2. WK.
    • Rommel behandelte gefangengenommene deutsche/österreichische Emmigranten, die bei den Briten bzw. in der französischen Fremdenlegion Kriegsdienst leisteten, als Kriegsgefangene; hinsichtlich der Fremdenlegionäre, die sich vom Vichy-Regime losgesagt hatten, war dies doppelt bemerkenswert
    • Rommels Rückzug in Nordafrika galt als sehr geschickt

    Den Rommel-Spielfilm fand ich - für einen Spielfilm - eigentlich ganz gut. Unter einem Spielfilm kann man freilich keine Doku erwarten. Die kam ja im Anschluss. Die Normalbevölkerung weiss von Rommel so gut wie nichts und nun ein bißchen mehr. Vielleicht kauft sich ja der eine oder andere ein vernünftiges Buch.

    Bei mir selbst löste der Film zunächst einmal aus, dass ich mir eine Biographie über Manstein aus dem Regal zog. Der Vergleich drängt sich auf. Beide waren sehr eitel und hatten keine Hemmungen ihre Soldaten für einen Eintrag in die Geschichtsbücher zu opfern.

    Manstein war im Vergleich zu Rommel ein echter Intellektueller. Doch sein scharfer Verstand hat ihn nicht davor bewahrt Kriegsverbrechen zu begehen. Hinsichtlich Leningrad empfahl er Hitler, die Stadt eng zu blockieren und auszuhungern. Durch den Manstein-Befehl legitimierte er die Judenverfolgung im Hinterland seiner Armee. Auf diese angesprochen, verstellte er sich, hielt sich für ein Eingreifen nicht zuständig. Den verbrecherischen Charakter des NS-Regimes wollte er nicht erkennen und noch im Januar 1945 bot er sich Hitler zur Verwendung an. Nach dem 2. WK verteidigte er sich in seinem Kriegsverbrecherprozess mit der Argumentation, der Krieg im Osten habe in Asien stattgefunden und habe deshalb auch ein asiatisches Gesicht gehabt.

    Rommel hingegen war wohl eher ein Kommißkopf mit einer beschränkten politischen Auffassungsgabe. So soll er Hitler empfohlen haben, einen Juden zum Gauleiter zu bestellen, um der Kritik des Auslands hinsichtlich des Umgangs mit den Juden entgegenzuwirken. Auch seine Erwartung, Hitler solle die Konsequenzen aus der militärischen Niederlage ziehen, war doch sehr naiv. Gleiches gilt für seine Vorstellung, Hitler ein Ultimatum stellen zu können und danach im Westen eigenmächtig zu kapitulieren.

    Interessant ist aber, dass sich Rommel zwar von den Nazis propagandamäßig verreinnahmen liess, gleichwohl Hitlers Befehle nicht immer ausführte. Das war zunächst bei den Kriegsgefangenen so und gipfelte schliesslich darin, dass er Hitlers Befehl, das Afrikacorps in aussichtsloser Lage bei El Alamain entweder zum Sieg oder zum Tod zu führen, ignorierte und den Rückzug antrat. Das war schein ein deutlicher Gegensatz zu Paulus oder Manstein im Ostfeldzug, die ein solches persönliches Risiko für ihre Soldaten nicht eingingen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. November 2012
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  4. Cliomara

    Cliomara Aktives Mitglied

    "Halten bis zum letzten Mann" - das war eine gängige Parole in den letzten Kriegsjahren.

    Der Gegner sollte durch fanatischen Widerstand zermürbt werden. Armeeführer sollten nicht nur die fachliche Qualifikation mitbringen, sondern auch vom Sieg überzeugt sein. Das wiederum setzte in den Augen des Regimes eine nationalsozialistische Gesinnung voraus.

    "Weitere Forderung des Führers: In der Truppenführung sollen nur Generäle Verwendung finden, die Zuversicht ausstrahlen und den Kampf für unsere Weltanschauung innerlich bejahen,", in:

    Bradley; Dermont; Schulze-Kossens, Richard (Hrsg.): Tätigkeitsbericht des Chefs des Heerespersonalamtes General der Infanterie Rudolf Schmundt (fortgeführt von General der Infanterie Wilhelm Burgdorf), Osnabrück 1984, Blatt 111f. Eintrag vom 10.11.1943

    Die Forderung vom Widerstand bis zum Äußersten gibt es aber nicht nur im Nationalsozialismus. Er ist Teil einer tradierten militärischen Rhetorik. Die Spartaner, die bei den Thermopylen bis zum letzten Mann ausharrten, haben diesen Mythos möglicherweise begründet.
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    ...Paulus nicht, aber sicher nicht wegen des persönlichen Risikos, sondern aus militärischer Befehlstradition.

    ...Manstein schon, die Räumung von Charkow und der rohstoffreichen Ostukraine 1943 sind hier Beispiele. In diesen generalstabmäßigen Operationen und ihren logistischen Voraussetzungen (Stabilisierung der Ostfront nach Stalingrad) zeigt sich der wesentliche Unterschied zu einem Rommel als "Korpskommandeur".

    Dieser Haltebefehl hat den Hintergrund der speziellenvHitler-Weisung vom 8.7.44 "über die weitere Kriegführung im Westen". Darin wurde lediglich zugestanden, örtlich kleinere Rücknahmen der Front zuzulassen.

    Der Kontext ist, dass angesichts des langsamen Ausblutens der deutschen Verbände in der Normandie über größere Rückzüge diskutiert wurde. Hitler hing der irrealen Idee an, die gepanzerten Großverbände aus der Front zu ziehen, um nach Auffrischung eine Aufspaltung des Brückenkopfes anzugehen.

    Vgl. Ose, Entscheidung im Westen - Invasion 1944, wo auch der Befehl im Wortlaut abgedruckt ist. Rommels Telegramm an Hitler vom 15.7. war die Reaktion darauf.
     
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  6. salvus

    salvus Aktives Mitglied

    Ich muß sagen, daß mich dieser Spielfilm durchaus positiv überrascht hat. Ich fand auch durchaus, daß der Streifen gut besetzt war. Tukur als Rommel war eine durchaus gute Wahl. Eigentlich war der Film bis in die Nebenrollen gut, tw. sogar hochkarätig besetzt. Der Film lief an einem Donnerstag zur besten Sendezeit. Da muß man natürlich auch schon etwas mehr auffahren, zumal Geschichte nicht jedermanns Sache ist. Der Film hat ja auch schon im Vorfeld für einigen Wirbel gesorgt, was ich im nachhinein garnicht verstehe. Jedenfalls war auch die Quote alles andere als schlecht. Im Gegenteil sie war eher gut.Immerhin lief zur gleichen Zeit ja auch "The Voice of Germany". So etwas ist fürs gemeine Fernsehvolk sicherlich verdaulicher als eine Geschichtsstunde in Sachen Rommel.

    Anfangs wurde die Handlung eine wenig zu sehr "durchgepeitscht" - das ganze schien zunächst wie eine Aneinanderreihung von geschichtlichen Fakten und Daten mit tw. großen Sprüngen. Das wurde dann allerdings besser. Gefallen hat mir insbesondere die Darstellung des inneren Konfliktes von Rommel. Auf der einen Sete das Wissen, das der Krieg verloren ist und es eigentlich nur noch um Schadensbegrenzung gehen kann und auf der anderen Seite der nach wie vor vorhandene militärische Gehorsam. Ich denke, daß der Film durchaus den Stand der gegenwärtigen Forschung wiedergegeben hat. Es bleibt halt immer der große Spagat zwischen Wirklichkeit und Mythos.

    Spannend aber leider spekulativ:cry: bleibt die Frage was passiert wäre, wenn dieser verhängnisvolle Fliegerangriff nicht stattgefunden hätte: Hätte Rommel die Westfront wirklich geöffnet? Tja hätte, könnte oder wie auch immer. Das wird wohl im Dunkel der Geschichte bleiben.
     
  7. Cliomara

    Cliomara Aktives Mitglied

    Musste Rommel in Nordafrika nicht unter schwierigeren Bedingungen seine Entscheidungen treffen? Die logistische Unterstützung war doch wohl problematischer als an der Ostfront.

    David Fraser widerspricht in seiner 1993 erschienen Biographie über Rommel der Ansicht, der Generalfeldmarschall sei "nur" ein guter Taktiker gewesen. Natürlich waren die ihm unterstellten Truppen nicht so stark wie eine Heeresgruppe im Osten.

    Warum Rommel der wohl bekannteste deutsche Heerführer des letzten Krieges ist, kann ich mir auch nicht so ganz erklären.

    Lag es daran, dass er in Frankreich, Nordafrika, Italien und Frankreich Kommandos innehatte und damit nicht in den Weltanschauungskrieg an der Ostfront verwickelt war? Lag es auch daran, dass seine Art der Kriegführung etwas von einem "Actionfilm" an sich hat? Dass Rommel so etwas wie eine Projektionsfläche für den "guten Deutschen" abgibt, der "anständig" kämpft? Oder sein Ende, das schon tragische Züge hat, denn am Widerstand war er nicht beteiligt?
     
  8. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied


    Ergänzend dazu eine kleine Geschichte: Meine Mutter, anfang der 30er Jahre geboren, hat mal erzählt, dass alle Mädchen an ihrer Mädchenschule für Rommel geschwärmt hatten. So schneidig, so gutaussehend (!), so erfolgreich...!
    Heutzutage versteht sie diese Schwärmerei natürlich nicht mehr; sie erklärt das aber damit, dass eine geschickte Propaganda Rommel zielgerichtet zum "Superstar" aufgebaut hat. Was für die Jugendlichen heute Musik- oder Filmstars, waren damals die deutschen Kriegshelden: Galland, Marseille - und eben Rommel.
    Als Rommel 1944 "an den Spätfolgen seiner bei einem Tieffliegerangriff erlittenen Verletzungen" (so die Propaganda damals) gestorben war, hat die halbe Schule geweint.
    Erst nach Kriegsende kam die Wahrheit über seinen Tod ans Licht...

    Ein inzwischen verstorbener Bekannter hat erzählt, dass er und seine Kameraden sich anno 1942/43 an der Ostfront immer gewünscht hatten, "einen wie Rommel" als Kommandeur zu haben, wenn es gar zu schlecht aussah an der Front...

    Dieser Nimbus, verbunden mit der anhaltenden Anerkennung durch den "Feind", aber auch mit der Nähe Rommels zum Widerstand, prägt auch heute noch das überwiegend positive Rommelbild.
     
  9. salvus

    salvus Aktives Mitglied

    Wie nah Rommel wirklich am Widerstand war, bleibt wohl immer ein Rätsel.
    Ansonsten hat wahrscheinlich die NS-Propaganda wirklich den Mythos Rommel aufgebaut.
    Die Erfolge im Afrika Feldzug kamen Goebbels gerade zur rechten Zeit. Da konnte man wirklich gut von den aufkommenden Schwierigkeiten im Osten ablenken.
    Es gibt durchaus Meinungen, daß auch andere Befehlshaber den Krieg in Afrika erfolgreich (vieleicht auch erfolgreicher als Rommel) hätten führen können.
    Fakt ist wohl, daß Rommel zumindest teilweise bei seiner Art der Kriegsführung größere Risiken eingegangen ist, siehe auch das Beispiel der Gespensterdivision. Das hätte durchaus auch schiefgehen können. Ist es aber nicht. In der Truppe war er sehr beliebt. Unter den Offizieren sah das oft anders aus. Aber genau das begründet auch seinen Mythos.
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  11. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Und noch einmal die britische Perspektive, die ihre Leser bei der Kritik sogar auf D. Irving lenkt (The Independent):

    "The production has infuriated the surviving relatives of the general who committed suicide in 1944. Its authors stand accused of relying on the works of the discredited Holocaust-denying British historian David Irving. A German historian involved walked out in disgust."

    Row over film that portrays Rommel as more rat than fox - News - Films - The Independent
     
  12. salvus

    salvus Aktives Mitglied

    Sehr interessante links.
    Vielen Dank dafür.

    Ich bin mir nicht sicher, ob der Film einen Mythos zerstört. Der Mythos wird vielmehr hinterfragt. Der Film zeigt deutlich eine innere Zerissenheit Rommels. Wobei die Mitwirkung beim Widerstand nach wie vor irgendwie ungelöst bleibt. Ich denke ein solcher Spielfilm hat es schwer allen gerecht zu werden. Das zeigen auch die Reaktionen.
     
  13. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Gern geschehen.

    Neben der Diskussion der Zerrissenheit fand ich allerdings die völlig andere Fragestellung von rena8 interessant, die mW so noch nicht gestellt worden ist:

    Ob sich Rommel von anderen Truppenführern in der spezifischen Frage des Rückzugs anders verhalten hat oder hätte?

    1. Bzgl. der Normandie muss wegen seiner Verwundung offenbleiben, wie er sich nach dem Telegramm an Hitler verhalten hätte.

    2. In Nordafrika hat er aus rein militärischen Gründen, um den Truppenkörpern intakt zu halten, mehrere Male auch gegen Befehl den Rückzug angetreten. Das sollte man nicht überbewerten, weil Rommel dabei nicht die Mannschaften in einer sinnlos gewordenen Schlacht im Blick hatte, sondern die restliche Schlagkraft nach dem Rückzug.

    3. An der Kapitualtion des Afrikakorps war er nicht beteiligt, sondern nur an sinnlosen Gegenoffensiven Anfang 1943. Die Kapitulation hat sein Nachfolger v.Arnim in Tunesien vorgenommen. Rommel war da von Hitler bereits zurückbeordert worden
     
  14. salvus

    salvus Aktives Mitglied

    Was genau meinst Du mit "von anderen Truppenführern"?

    In den Punkten 2 und 3 stimme ich mit dir überein.
    Interessant ist natürlich der Punkt 1.
    Diese Frage habe ich auch schon aufgeworfen. Im Film war von einer Öffnung der Westfront die Rede, wenn Hitler einem Rückzug nicht zustimmen würde. Ob es eine solche Öffnung wirklich gegeben hätte (auch im Hinblick auf die anwesenden Truppen der Waffen SS) ist die wirklich spannende Frage.
    Was hätte eine solche Öffnung der Westfront zur Folge gehabt? Bündelung der Kräfte für die Ostfront zur Abwehr der Sowjets? Oder eine Besetzung des Reiches durch die Westalliierten? Oder beides? Worauf spekulierte Rommel?
     
  15. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ich meine mit "anderen" die sonstige Wehrmachtsgeneralität in West und Ost, die nicht mehr oder weniger "truppennah" war wie Rommel. Letztlich fielen die Entscheidungen "abstakt", sozusagen auf dem Kartentisch, Rommel machte da keine Unterschied.

    Das bezog sich auf die Frage von Rena oben.

    Bzgl. 3.: alle Eindrücke im Juli 1944 und die Nachkriegsäußerungen deuten darauf hin, dass Rommel die Waffen-SS-Divisionen (wie auch ein Hoth oder Manstein oder Model im Osten) ausreichend "unter Kontrolle" hatte.

    Das extreme Beispiel Sepp Dietrich - Kommandeur der SS-Leibstandarte und des I. SS-Panzerkorps im Osten - folgte so zB auch einem Manstein im Rückzug, gegen ausdrückliche Anweisung Hitlers. Wenn man die propagandistisch erzeugte Popularität Rommels, auch die bei der Truppe, ernst nimmt, dann könnten ihm auch die SS-Generalität in der Normandie bei einer solchen Entscheidung gefolgt sein.

    Das ist oben an anderer Stelle zu Rommel ausgiebig an den Einzelbeispielen von Hausser über Bittrich bis Dietrich angeführt worden. Ein wesentlicher Teil der Spitzngeneralität der Waffen-SS (zB bis auf Steiner) war da unter Rommels Kommando versammelt. Interessanterweise unternahmen die auch nichts, als Stülpnagel in Paris fast 2000 Mann von SD und gewöhnlicher SS festnehmen ließ.

    Wenn die Widerständler mit etwas spekuliert haben müssen, dann mit dem Folgen Rommels nach dem Attentat zur Öffnung der Westfront. Ansonsten, wenn Rommel da nicht gefolgt wäre, wären solche Absichten - gegen Rommel - geradezu absurd gewesen.
     
  16. beetle

    beetle Aktives Mitglied

    Auf Grund dieser Diskussion habe ich mir ein Buch ausgeliehen:

    Erwin Rommel, Geschichte und Mythos
    herausgegeben vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg
    in Verbindung mit der Landeshauptstadt Stuttgart
    ISBN-10: 3765085405
    Verlag: Braun, Karlsruhe; Auflage: 1 (23. Juni 2009)

    Inhaltsverzeichnis:

    Wolfgang Mährle
    "Erwin Rommel u. d. Württembergische Gebirgsbataillon in der 12. Isonzo-Schlacht
    - Wahrnehmung und Deutung eines militärischen Erfolgs"

    Jürgen Förster
    "v. d. Reichswehr zur Wehrmacht. Das höhere Offizierskorps u. d. Nationalsozialismus"

    Reinhard Stumpf
    "Der Kriegsschauplatz Nordafrika 1941 - 1943 in seiner strategischen u. politischen Bedeutung"

    Maurice Philip Remy
    "Rommel u. d. militärische Widerstand"

    (Remy wurde ja im Thread bereits erwähnt)

    Kay Hoffmann
    "wir müssen weiter.... - Erwin Rommel der Held d. Wochenschau"

    Marc von Lüpke-Schwarz
    "Der 'Nationalheros' des deutschen Volkes. Hans Speidel und der 'Mythos Rommel' "

    Ernst-Heinrich Schmidt
    "Rommel ohne Mythos in d. Gedenkstätte El Alamein"
     
  17. excideuil

    excideuil unvergessen

    Interessante Aspekte.
    Nach Hellmuth Lang (Adju. Rommels, Aussage von 1950) fragte Rommel beim Treffen mit den SS-Kommandeuren Bittrich und Dietrich (17.Juli 1944), "ob Dietrich seine Befehle auch dann ausführen werde, "wenn sie im Widerspruch zu denen Hitlers ständen?" Dietrich habe daraufhin erklärt: Sie, Feldmarschall, sind mein Oberbefehlshaber; ich gehorche nur Ihnen, was Sie auch immer vorhaben werden."" (Spiegel, 44/2012, Seite 68)
    Lassen wir die Aussage so stehen, dann wird deutlich, dass die SS-Generale einer Veränderung der politischen Lage Rechnung getragen hätten. Die spätere Haltung Dietrichs zu Speidel (siehe #44) läßt sogar die Vermutung zu, dass sie nicht nur im Bild über die mil. Lage sondern auch über die Vorgänge des Widerstandes waren.
    Dennoch bleibt eine Öffnung der Westfront und die daran geknüpften Hoffnungen sowohl von Rommel (mil.) und des Widerstandes (polit.) Spekulation.

    Grüße
    excideuil
     
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  18. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Und wie ist dein Urteil darüber?
     
  19. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Würde mich auch sehr interessieren!:winke:
     
  20. beetle

    beetle Aktives Mitglied

    ich habe erst gestern mit dem lesen begonnen. Erste Erkenntnis: Rommel achtete darauf, sich selbst ins Gespräch zu bringen und zu bleiben. Vieles von dem, was später als Mythos gesehen wurde, hat er selbst angekurbelt.

    Ausserdem wird ihm von vielen Seiten (z. B. englischen Militär-Historikern) taktisches Geschick und auch "Draufgängertum" bescheinigt.
     

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