Punischer Krieg/Corvus im römischen Schiffsbau

Ich möchte mich nicht weiter einmischen, aber beim Recherchieren zu einem anderen Thema fand ich in einer Rezension zu "Rom und Karthago" die Fußnote, dass man / frau heute davon ausgehen würde, dass der Corvus eine Art Enterhaken war, und keine Enterbrücke - verwiesen wird auf ein Buch "Die Antike und das Meer" von Raimund Schulz, 2005, Darmstadt. Siehe Fußnote 7 hier -> K. Zimmermann: Rom und Karthago | H-Soz-Kult. Kommunikation und Fachinformation für die Geschichtswissenschaften
Carolus hatte weiter oben auch schon auf kritische Sichtweisen auf den Corvus hingewiesen, zitiert wird von Der Welt der gleiche Historiker, Raimund Schulz.
 
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Josephus scheint etwas anderes unter Corvus zu verstehen. Er beschreibt eine Art Harpune mit Wiederholen und Flügeln.Allerdings ist die Übersetzung da schwer zu verstehen. Jedenfalls ist die Übertragung auf ein anderes Gerät ein Hinweis, dass das ursprüngliche Gerät außer Gebrauch gekommen ist.
Wo finde ich das?
 
Ich möchte mich nicht weiter einmischen, aber beim Recherchieren zu einem anderen Thema fand ich in einer Rezension zu "Rom und Karthago" die Fußnote, dass man / frau heute davon ausgehen würde, dass der Corvus eine Art Enterhaken war, und keine Enterbrücke - verwiesen wird auf ein Buch "Die Antike und das Meer" von Raimund Schulz, 2005, Darmstadt. Siehe Fußnote 7 hier -> K. Zimmermann: Rom und Karthago | H-Soz-Kult. Kommunikation und Fachinformation für die Geschichtswissenschaften
Carolus hatte weiter oben auch schon auf kritische Sichtweisen auf den Corvus hingewiesen, zitiert wird von Der Welt der gleiche Historiker, Raimund Schulz.

Jetzt müßte man natürlich nur wissen, wie R. Schulz auf diese Deutung kommt. Hat er den Polybios neu und anders übersetzt, hat er noch andere Quellen aufgetan oder vielleicht nur aus der Experimentalarchäologie (Nachbau einer Triere) Schlüsse gezogen?

Leider habe ich das Buch von Schulz nicht in der Nähe im Zugriff (müßte erst eine weitere Anfahrt auf mich nehmen), vielleicht ist einer der Mitdiskutanten in der Nähe einer gut sortierten Stadt- bzw. Universitätsbibliothek und kann hier Einblick nehmen und dann berichten: Schulz, Raimund, Die Antike und das Meer, Darmstadt 2005, S. 159f.
 
Hier gibt es ein paar Zeilen aus einem neueren Buch von Raimund Schulz:

... Polybios, der als einziger diese Enterbrücken beschreibt, meint, mit ihnen sei es den "römischen Landratten" gelungen, den Landkrieg auf die See zu übertragen und damit ihre maritime Unterlegenheit auszugleichen. Cassius Dio spricht dagegen nur von "Enterhaken an langen Balken", die man auf die feindlichen Schiffe warf, um diese heranzuziehen. Das war eine typische und gängige Art hellenistischer Entertechnik, und vieles spricht dafür, dass genau diese auch von den Römern angewandt wurde. Aber auch wenn man Polybios Glauben schenkt, können die "Raben" keine kriegsentscheidende Bedeutung gehabt haben. Denn ihr Einsatz war nur bei ruhiger See möglich, weil die Schiffe durch das Gewicht der Brücken toplastig wurden. ...

Feldherren, Krieger und Strategen
 
Ist damit das Ding hier gemeint? Steht aber nichts zur Quelle oder Josephus drin, und wird auch nicht Corvus genannt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Harpax
Die Bezeichnung "Corvus" ist ohnehin ein Problem. Da Polybios nicht auf Lateinisch, sondern auf Griechisch schrieb, nannte er den "Corvus" nicht Corvus, sondern "korax", was das griechische Wort für Rabe ist. Somit ist natürlich naheliegend, dass die Römer das lateinische Wort für Rabe, eben "corvus", verwendeten, aber unmittelbaren Beleg dafür bei einem lateinischen Autor (wie z. B. Florus) habe ich keinen gefunden. (???? Kennt jemand einen?) Leider ist Polybios die einzige erhaltene habwegs ausführliche Quelle zum Ersten Punischen Krieg, da die entsprechenden Bücher bei Livius ganz und bei Cassius Dio weitgehend verloren sind und es sonst nur Kurzdarstellungen gibt.
 
Im von Carolus verlinkten Weltartikel kommen auch die Autoren von "Die großen Seeschlachten" zu Wort (deren Buch allerdings von C.H.Beck wegen Plagiatsvorwürfen zurückgezogen wurde, nach meiner Recherche aber nicht zu betreffender Stelle):
Karsten/Rader bieten drei Lösungsmöglichkeiten an. Erstens könnte Polybios eine besondere Form von Enterhaken gemeint haben, wie sie auch später – allerdings unter dem Begriff „harpago“ – in der römischen Marine bezeugt sind. Zweitens könnte die Überlegenheit des ominösen „Raben“ in karthagischen Schlachtbeschreibungen entstanden sein. Die Admiräle der großen Seemacht hätten sich damit für die unerwartete Niederlage rechtfertigen wollen. Zwar sind derartige Berichte nicht auf uns gekommen. Aber es ist gut möglich, dass Polybios, der in der Entourage von Scipio Africanus dem Jüngeren an der Eroberung Karthagos 146 teilnahm, diese Texte gelesen hat.
Und es könnte natürlich möglich sein, dass die Römer tatsächlich mit einer irgendwie gearteten Maschine experimentierten, sie aber schleunigst entfernten, nachdem sie ihre mangelnde Seetauglichkeit erkannt hatten."
Schulz spricht im gleichen Artikel von Sturmbalken, die Syrakus angewandt hätte, um Schiffe zu entern - da kam mir gerade die Idee, ob die Enterbrücke vielleicht erst dann hinübergeschoben wurde, nachdem man mit Harpagonen (Mehrzehl für harpago?) das gegnerische Schiff herangezogen und festgezurrt hatte....
https://www.welt.de/geschichte/arti...groesste-Schiffskatastrophe-aller-Zeiten.html
https://www.welt.de/geschichte/article120507001/So-vernichtete-Rom-die-Flotte-Karthagos.html

Die Stellungnahme des Verlages zur Rückziehung des Buches:
http://www.chbeck.de/_assets/pdf/pm_grosse-seeschlachten.pdf
 
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Die Bezeichnung "Corvus" ist ohnehin ein Problem. Da Polybios nicht auf Lateinisch, sondern auf Griechisch schrieb, nannte er den "Corvus" nicht Corvus, sondern "korax", was das griechische Wort für Rabe ist. Somit ist natürlich naheliegend, dass die Römer das lateinische Wort für Rabe, eben "corvus", verwendeten, aber unmittelbaren Beleg dafür bei einem lateinischen Autor (wie z. B. Florus) habe ich keinen gefunden. (???? Kennt jemand einen?) Leider ist Polybios die einzige erhaltene habwegs ausführliche Quelle zum Ersten Punischen Krieg, da die entsprechenden Bücher bei Livius ganz und bei Cassius Dio weitgehend verloren sind und es sonst nur Kurzdarstellungen gibt.

Zwar weder auf Griechisch, noch auf Latein, aber auf Englisch habe ich die Polybios-Stelle mit der Beschreibung des Corvus (auf Englisch: raven) gefunden: Corvus - Livius

Anzumerken ist, dass Polybios kein Zeitgenosse, sondern erst 40 Jahre nach dem 1. Punischen Krieg geboren wurde. Allerdings wird er wohl auf zeitgenössische Quellen zurückgegriffen haben können (möglicherweise sogar noch Zeitzeugen).
 
Zeitzeugen wohl kaum. Polybios wurde erst nach dem 3. Makedonischen Krieg nach Rom gebracht, also ca. 74 Jahre nach dem Ende des 1. Punischen Krieges und ca. 89 Jahre nach dem letzten belegten Einsatz des Corvus.
 
Ich verstehe diese ganzen Zweifel an dder Enterbrücke überhaupt nicht. Polybios beschreibt eindeutig ein vollkommen plausibles Gerät, welches überhaupt nichts mit dem, erst unter Agrippa eingeführten Schleuderenterhaken Harpax zu tun hat. Dass die Römer ebenso auch Enterlanzen (hasta navalis)einsetzten ,die auch schon die Griechen benutzten, brauchte der Schreiber kaum zu erwähnen, da diese längst üblich und nichts außergewöhnlich Neues waren. Ob das Ding Corax oder Corvus hieß ändert auch überhaupt nichts an der Beschreibung als eindeutige Brücke mit beplankten Boden, Geländer , an einem Mast befestigt .
Einfache, an Seilen befestigte, wahrscheinlich fünfzinkige Enterhaken wurden als eiserne Hand "manus ferrea" bezeichnet. Der Harpago wird von Livius als, an einer Stange, mit einer Kette verbundener Enterhaken, vermutlich ähnlich eines Wurfdraggens beschrieben. All diese Geräte können nicht als Übergangshilfe auf ein anderes Schiff, sondern lediglich um zwei Schiffe miteinander zu verbinden benutzt werden.
 
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Ich verstehe diese ganzen Zweifel an dder Enterbrücke überhaupt nicht. Polybios beschreibt eindeutig ein vollkommen plausibles Gerät, welches überhaupt nichts mit dem, erst unter Agrippa eingeführten Schleuderenterhaken Harpax zu tun hat. Dass die Römer ebenso auch Enterlanzen (hasta navalis)einsetzten ,die auch schon die Griechen benutzten, brauchte der Schreiber kaum zu erwähnen, da diese längst üblich und nichts außergewöhnlich Neues waren. Ob das Ding Corax oder Corvus hieß ändert auch überhaupt nichts an der Beschreibung als eindeutige Brücke mit beplankten Boden, Geländer , an einem Mast befestigt .
Einfache, an Seilen befestigte, wahrscheinlich fünfzinkige Enterhaken wurden als eiserne Hand "manus ferrea" bezeichnet. Der Harpago wird von Livius als, an einer Stange, mit einer Kette verbundener Enterhaken, vermutlich ähnlich eines Wurfdraggens beschrieben. All diese Geräte können nicht als Übergangshilfe auf ein anderes Schiff, sondern lediglich um zwei Schiffe miteinander zu verbinden benutzt werden.

Derselben Meinung bin ich auch. Die Römer haben allerhand komplizierte Maschinen verwendet, sowohl im Krieg wie auch im Frieden, viele davon von den Griechen übernommen. Sie bauten aufwändige Sturmrampen, Schleudermaschinen, Muerbohrer, komplizierte Mühlen und Kräne, bei der Belagerung Syrakus sollen sogar schwimmende Belagerungstürme zum Einsatz gekommen sein. Warum soll da so etwas einfaches wie eine Enterbrücke unwahrscheinlich gewesen sein?
 
Enterbrücken hats ja schon vorher gegeben, das römische Teil muß also irgendeine Besonderheit aufgewiesen haben um extra erwähnt zu werden.
 
Der Haken? Das Geländer? Die Breite? Das von oben Herunterfallen?

Ich würde auf den Haken und die Breite tippen. Das gegnerische Schicken war dadurch gefangen, konnte nicht ins Wasser fallen. Und 2 Soldaten nebeneinander sind auch von Vorteil.

Bei der Beschreibung der Belagerung von Jotapata schildert Josephus den Kampf auf den Brücken der Belagerungstürme. Auch wenn seine Rolle als Vorkämpfer eher etwas übertrieben scheint, ist Josephus doch Augenzeuge.

Dabei werden auch Speerschleudern erwähnt. In meiner Jugend las ich eine alte Übersetzung, wo auf gut deutsch Rabe steht und in einer Anmerkung ein Zusammenhang zum Corvus und zur Fixierung der Schiffe und der Holztürme gesucht wird. In den Übersetzungen von Clementz und Emdrös steht es anders. Da spare ich mir das im Griechischen Text zu überprüfen.

Ein Geländer in Kniehöhe scheint zunächst eher gefährlich. Doch in diesem Fall mag es eher Stütze sein.

Und ein herunterfallender Corvus ist doch weit schlechter abzuwehren als eine geschobene Planke.


(Der alten Übersetzung fehlt der Beginn. Ich hatte sie von einem Flohmarkt für ein paar Pfennige. Daher kann ich den Übersetzer nicht angeben. Es ist in Fraktur gesetzt und lang verliehen. Als ich nachlas fiel es mir wieder ein. Damals wollte ich ein Modell eines Belagerungsturms bauen.)
 
Ich schließich da ebenfalls Galeotto an. Natürlich kann das ganze eine Abenteuergeschichte sein, oder falsch Überlieferung, aber mE ist hier doch die Wahrscheinlichkeit größer, dass Polybios keinen völligen Unsinn redet. Insgesamt gilt der doch als recht glaubwürdig für einen "antiken Historiker".

Zeitzeugen wohl kaum. Polybios wurde erst nach dem 3. Makedonischen Krieg nach Rom gebracht, also ca. 74 Jahre nach dem Ende des 1. Punischen Krieges und ca. 89 Jahre nach dem letzten belegten Einsatz des Corvus.

Zeitzeugen hin oder her, aber Polybios war doch auch ein (militärisch) gebildeter Mann, bevor es ihn unfreiwillig nach Rom verschlug. Der 1. Punische Krieg dürfte im ganzen Mittelmeerraum rezipiert worden sein, zumindest von den entsprechenden Schichten & Personen. Insofern kann er auch Informationen darüber erhalten haben, als die Sache noch nicht ganz so lange zurücklag.

Eher macht mich tatsählich etwas stutzig, dass er der einzig zu sein scheint, der als Quelle für den Corvus* zur Verfügung steht. Aber da kommen wir halt wieder zur insgesamt recht miserablen Quellenlage, was die Militärtechnik der Zeit angeht.

* Zum Begriff: Stimmt, dass Polybios griechisch schrieb hab ich auch i-wann mal gewusst. Wir könnten es ja Corvus (K)Corax nennen, da stolpert man beim googeln ohnehin ständig drüber. Leider sind wir dann bei ganz, ganz anderen Themen... ;)


Die Darstellung im dem Link/Buch finde ich nicht besonders stichhaltig. Auf der einen Seite wird gesagt, die Existenz des Corvus sei unwahrscheinlich und besser mit Enterhaken zu erklären bzw zu interpretieren (was Polybios definitiv nicht so beschreibt), und wenn es den doch gegeben habe sei er nicht ausschlaggebend gewesen. Auf der anderen Seite wird auf Modifikationen der römischen Schiffe verwiesen mit dem Ziel, mehr Marinesoldaten an Bord nehmen zu können.

Beides geht für mich Hand in Hand. Beides geht zu Lasten der Seetüchtigkeit und beschränkt die Einsatzmöglichkeiten. Wieso das eine (der Corvus) unwahrscheinlich oder unerheblich gewesen sein soll, dass andere (große Anzahl Soldaten) aber realistisch und bedeutend, erschliet sich mir nicht.

Die Aufgabe des Corvus nach kurzer Nutzungszeit lässt sich sehr gut mit den offensichtlichen Nachteilen erklären, und der Tatsache, dass die Römer nach den ersten bedeutenden Siegen die bisherige Überlgenheit der Karthager nivelliert hatten. Das Ziel, möglichst viele Soldaten mitzuführen, führte in der Folge zum Bau immer größerer Kriegsschiffe, die diesen "Zahlenfaktor" mit einer größeren Seetüchtigkeit (im Vergleich mit überfüllten Quinqueremen) verbanden. Wenn ich das richtig erinnere führte spätenstens die Seeschlacht bei Actium hier zu einem erneuten Umdenken, denn die Überlegenheit an großen Schiffen in der Flotte Mark Antons bracht ihm und Kleopatra diesmal nicht den Sieg, sondern sie unterlagen den (in der Masse) kleineren Schiffen Octavians.

Enterbrücken hats ja schon vorher gegeben, das römische Teil muß also irgendeine Besonderheit aufgewiesen haben um extra erwähnt zu werden.

Welche Enterbrücken hat es schon vorher gegeben? Ein Enterhaken ist keine Brücke. Eine Planke/Leiter, die zum Entern verwandt wurdeist aber mE doch deutlich anders gelagert als eine fest installierte Konstruktion, die nebenbei auch noch die Funktion des Enterhakens mit übernahm.
 
Entern dürfte vor den punischen Kriegen eine reine Sache von Piraten gewesen sein, die es auf Fracht und lebende Gefangene abgesehen hatten. Kriegerische Auseinandersetzungen bestanden wohl eher darin, die Schiffe der Gegner mittels Rammsporn und Feuerkörben zu vernichten und sich auf Distanz mit Pfeilen, Schleudergeschossen etc. zu bekämpfen.
Da den Römern die nautischen Erfahrungen für ausgefeilte Schiffsmanöver fehlten und sie darin dem Seefahrervolk der Punier hoffnungslos unterlegen waren, setzten sie auf das, worin sie die Besten waren, den Nahkampf. Eine Brücke, die sie in Mannschaftsstärke auf ein anderes Schiff laufen ließ, war da eine naheliegende Möglichkeit die Kräfteverhältnisse umzukehren.
Nun kann man auch annehmen, dass eine solche Vorrichtung nur einmal einen Gegner überraschen kann. Beim nächsten Mal waren die Karthager wohl darauf vorbereitet und hatten ,möglicherweise Gegenmaßnahmen ergriffen. Dann liegt es nahe dass ein unhandliches Monstrum, welches auch eine gewisse Instabilität auf das eigene Schiff brachte, seinen Sinn verlor und wieder verschwand. Mittlerweile dürften auch die Römer versierter im Umgang mit der See geworden sein.
Wie schon mehrfach gesagt, bin ich nicht der Meinung, dass der Corvus die erstaunlichste technische Leistung der Römer war und verstehe deshalb die Zweifel daran nicht. Man hatte eine Technik, die man vom Landkrieg her kannte(z.B. auf Belagerungstürmen), auf Schiffe montiert.
 
Ich verstehe diese ganzen Zweifel an dder Enterbrücke überhaupt nicht. Polybios beschreibt eindeutig ein vollkommen plausibles Gerät, welches überhaupt nichts mit dem, erst unter Agrippa eingeführten Schleuderenterhaken Harpax zu tun hat. Dass die Römer ebenso auch Enterlanzen (hasta navalis)einsetzten ,die auch schon die Griechen benutzten, brauchte der Schreiber kaum zu erwähnen, da diese längst üblich und nichts außergewöhnlich Neues waren. Ob das Ding Corax oder Corvus hieß ändert auch überhaupt nichts an der Beschreibung als eindeutige Brücke mit beplankten Boden, Geländer , an einem Mast befestigt .
Einfache, an Seilen befestigte, wahrscheinlich fünfzinkige Enterhaken wurden als eiserne Hand "manus ferrea" bezeichnet. Der Harpago wird von Livius als, an einer Stange, mit einer Kette verbundener Enterhaken, vermutlich ähnlich eines Wurfdraggens beschrieben. All diese Geräte können nicht als Übergangshilfe auf ein anderes Schiff, sondern lediglich um zwei Schiffe miteinander zu verbinden benutzt werden.

Es geht einfach nicht.

Wenn du im Mittelmeer zwei Segelyachten bei stillster See neben einander legst und von einem Deck zum anderen hüpfst hast du locker einen Höhenversatz von sagen wir mal 30cm. Locker. Wahrscheinlich sind es 50cm oder mehr. Du musst dich immer überwinden. Da kannst du jeden fragen, der schon mal segeln war. Ruhige See gibt es nicht, irgendwas rollt da immer.

Über 8-10 Meter Auslage kriegst du einen Versatz von 2-3 Metern. Das würde natürlich nie halten. Erst recht nicht, wenn zwei Schiffe mit jeweils wieviel Tonnen auseinanderstreben. Den Corvus würde es so schnell rausreissen, wie er drin war.

Dieses o.a. Bild, auf dem Zenturionen in vollem Wichs dicht an dicht auf einer wackeligen Planken stehen ist einfach lächerlich. Die würde es wegkegeln wie nix und in voller Rüstung ist es nix mit Schwimmen.

Deswegen benutzt man zum Entern Leinen mit Haken und keine festen Konstruktionen. Und wenn die zwei Schiffe sicher direkt nebeneinanderliegen, kannst du auch noch ein paar Planken rüberschmeissen. Auch wenn mir jetzt kein Grund einfällt, wozu das jetzt gut sein soll.

Und deswegen benutzt man einen Corvus, vulgo Gangway, auf deutsch "Landgang" nur vom Deck zur Mole und nie von Schiff zu Schiff. Klappt einfach nicht.

Nicht mal um einen fetten Admiral in aller Ruhe von einem Schiff zum anderen zu bringen. Oder Rumfässer rüberzurollen oder sonst was
 
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Entern dürfte vor den punischen Kriegen eine reine Sache von Piraten gewesen sein, die es auf Fracht und lebende Gefangene abgesehen hatten. Kriegerische Auseinandersetzungen bestanden wohl eher darin, die Schiffe der Gegner mittels Rammsporn und Feuerkörben zu vernichten und sich auf Distanz mit Pfeilen, Schleudergeschossen etc. zu bekämpfen.
Da den Römern die nautischen Erfahrungen für ausgefeilte Schiffsmanöver fehlten und sie darin dem Seefahrervolk der Punier hoffnungslos unterlegen waren, setzten sie auf das, worin sie die Besten waren, den Nahkampf. Eine Brücke, die sie in Mannschaftsstärke auf ein anderes Schiff laufen ließ, war da eine naheliegende Möglichkeit die Kräfteverhältnisse umzukehren.
Nun kann man auch annehmen, dass eine solche Vorrichtung nur einmal einen Gegner überraschen kann. Beim nächsten Mal waren die Karthager wohl darauf vorbereitet und hatten ,möglicherweise Gegenmaßnahmen ergriffen. Dann liegt es nahe dass ein unhandliches Monstrum, welches auch eine gewisse Instabilität auf das eigene Schiff brachte, seinen Sinn verlor und wieder verschwand. Mittlerweile dürften auch die Römer versierter im Umgang mit der See geworden sein.
Wie schon mehrfach gesagt, bin ich nicht der Meinung, dass der Corvus die erstaunlichste technische Leistung der Römer war und verstehe deshalb die Zweifel daran nicht. Man hatte eine Technik, die man vom Landkrieg her kannte(z.B. auf Belagerungstürmen), auf Schiffe montiert.

Ich bin kein Experte in diesem Bereich, und habe daher nur andere Stimmen zitiert. Meine erste Frage, wurde der Corvus experimentell schon einmal ausprobiert? Darauf komme ich, weil ich neulich eine Dokumentation gesehen habe, in der eine Art Unterwasserrammsporn getestet wurde, der wohl in der Rennaissance technisch gezeichnet wurde, und gedacht war, um wie eine Miene Hafendurchfahrten zu sperren - er versagte Unterwasser kläglich, da der Wasserwiderstand die Wucht abmilderte. Ich sehe einige Schwierigkeiten für den Einsatz eines Corvus, er erscheint mir einfach zu unflexibel, um auf Bewegungen zu reagieren, meiner Ansicht nach kann es funktionieren, wenn durch Enterhaken das gegnerische Schiff schon gehalten wird.
Zum Entern, da kann ich dir nicht folgen, auch vorher schon wurden Schiffe gekapert, dafür war die Eroberung der wertvollen Schiffe zu prestigeträchtig. Der Spartaner Lysander eroberte zum Beispiel in der Schlacht von Aigospotamoi ca. 20 athenische Trieren. https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Aigospotamoi
 
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@Steffen, das ist durchaus richtig und wahrscheinlich auch ein Grund, weshalb die Brücke wieder verschwand. Ich würde auch nicht annehmen, dass die Brücke einfach auf ein fahrendes Schiff niederfiel. Da wäre sie zerbrochen, BzW. zwischen den Schiffen zermalmt worden. Man musste den Gegner auf alle Fälle ,zvor mit Enterhaken und Seilen miteinander verbinden, ehe man eine Brücke heuntergelassen hätte. Wenn sich der corvus allerdings in das Deck des Gegners fest gebohrt hatte, und die Brücke mit mehreren Personen beschwert war, dürfte das eine relativ feste Verbindung ergeben haben . Ein Katamaran hält auch, mittels starrer Verbindung zweier Schwimmkörper. Ohne den Haken (Corvus) hätte es nicht funktioniert. Eine Brücke, die nur locker auf beiden Rümpfen aufliegt wäre zum Übergang nicht geeignet und hätte den von Dir geschilderten Effekt gehabt. Möglicherweise war, zum Glück für die Römer das Meer bei den Seeschlachten von Mylae und Ecnomus das Meer sehr ruhig, was im Mittelmeer vorkommt. Nicht umsonst setzte man jahrtausendelang( viel länger als auf anderen Meeren) auf Ruderschiffe in der Region, da es häufige Flauten gab.
 
Und der Corvus war doch sicher mit einem Scharnier befestigt. Evt. auch erhöht. Das hätte doch einiges ausgleichen können.
 
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