Ich schließich da ebenfalls Galeotto an. Natürlich kann das ganze eine Abenteuergeschichte sein, oder falsch Überlieferung, aber mE ist hier doch die Wahrscheinlichkeit größer, dass Polybios keinen völligen Unsinn redet. Insgesamt gilt der doch als recht glaubwürdig für einen "antiken Historiker".
Zeitzeugen wohl kaum. Polybios wurde erst nach dem 3. Makedonischen Krieg nach Rom gebracht, also ca. 74 Jahre nach dem Ende des 1. Punischen Krieges und ca. 89 Jahre nach dem letzten belegten Einsatz des Corvus.
Zeitzeugen hin oder her, aber Polybios war doch auch ein (militärisch) gebildeter Mann, bevor es ihn unfreiwillig nach Rom verschlug. Der 1. Punische Krieg dürfte im ganzen Mittelmeerraum rezipiert worden sein, zumindest von den entsprechenden Schichten & Personen. Insofern kann er auch Informationen darüber erhalten haben, als die Sache noch nicht ganz so lange zurücklag.
Eher macht mich tatsählich etwas stutzig, dass er der einzig zu sein scheint, der als Quelle für den Corvus* zur Verfügung steht. Aber da kommen wir halt wieder zur insgesamt recht miserablen Quellenlage, was die Militärtechnik der Zeit angeht.
* Zum Begriff: Stimmt, dass Polybios griechisch schrieb hab ich auch i-wann mal gewusst. Wir könnten es ja Corvus (K)Corax nennen, da stolpert man beim googeln ohnehin ständig drüber. Leider sind wir dann bei ganz, ganz anderen Themen...
Die Darstellung im dem Link/Buch finde ich nicht besonders stichhaltig. Auf der einen Seite wird gesagt, die Existenz des Corvus sei unwahrscheinlich und besser mit Enterhaken zu erklären bzw zu interpretieren (was Polybios definitiv nicht so beschreibt), und wenn es den doch gegeben habe sei er nicht ausschlaggebend gewesen. Auf der anderen Seite wird auf Modifikationen der römischen Schiffe verwiesen mit dem Ziel, mehr Marinesoldaten an Bord nehmen zu können.
Beides geht für mich Hand in Hand. Beides geht zu Lasten der Seetüchtigkeit und beschränkt die Einsatzmöglichkeiten. Wieso das eine (der Corvus) unwahrscheinlich oder unerheblich gewesen sein soll, dass andere (große Anzahl Soldaten) aber realistisch und bedeutend, erschliet sich mir nicht.
Die Aufgabe des Corvus nach kurzer Nutzungszeit lässt sich sehr gut mit den offensichtlichen Nachteilen erklären, und der Tatsache, dass die Römer nach den ersten bedeutenden Siegen die bisherige Überlgenheit der Karthager nivelliert hatten. Das Ziel, möglichst viele Soldaten mitzuführen, führte in der Folge zum Bau immer größerer Kriegsschiffe, die diesen "Zahlenfaktor" mit einer größeren Seetüchtigkeit (im Vergleich mit überfüllten Quinqueremen) verbanden. Wenn ich das richtig erinnere führte spätenstens die Seeschlacht bei Actium hier zu einem erneuten Umdenken, denn die Überlegenheit an großen Schiffen in der Flotte Mark Antons bracht ihm und Kleopatra diesmal nicht den Sieg, sondern sie unterlagen den (in der Masse) kleineren Schiffen Octavians.
Enterbrücken hats ja schon vorher gegeben, das römische Teil muß also irgendeine Besonderheit aufgewiesen haben um extra erwähnt zu werden.
Welche Enterbrücken hat es schon vorher gegeben? Ein Enterhaken ist keine Brücke. Eine Planke/Leiter, die zum Entern verwandt wurdeist aber mE doch deutlich anders gelagert als eine fest installierte Konstruktion, die nebenbei auch noch die Funktion des Enterhakens mit übernahm.