Sah ein Knab' ein Röslein steh'n, Röslein in Laurins Garten

Biturigos beschrieb und kritisierte oben einen Perspektivwechsel von Dietrich zu Laurin, ohne ihn als solchen zu benennen. Der Begriff mag modern sein, die Methode ist jedoch sehr alt: Beispielsweise ist der Perspektivwechsel in Platons Höhlengleichnis ein Hauptthema.
Wie soll man hier nur Ordnung herstellen? Schon nach kurzer Zeit wuchern sie wieder, die Brombeerranken, bilden Ableger, und das Dickicht wird immer unansehnlicher und undurchsichtiger.

Gut. Perspektivwechsel. Kannst du machen. Wenn du denkst, dass dadurch deine Version, die ja Propaganda ist, für das mittelalterliche Publikum verständlicher wird. Zudem du ja schon Dietrich von Verona reiten lässt, wie immer, gegen das Zwergenreich in Tyrol im Wald - also Meinhard II., der nie Podesta Veronas war, reitet gegen Ezzelin den I. von Enn, in Tyrol, obwohl doch Meinhard II. Graf von Tyrol war und Ezzelin Ministerialer vom Fürstbistum Trient. Ah, das kannst du uns sicher wie Historio-topographisch erklären. Das ist ja deine Fachrichtung!

Gibt es irgendeine lokale Überlieferung oder Sage, eine Örtlichkeit, die den Laurin tatsächlich reflektiert?
Im 19.Jahrhundert war die Verortung von Laurins Rosengarten noch offen ,Zingerle schreibt von einer Zwergensage bei Meran,
"wo sich ob Plarsch am Fuße des Berges riesige Felsblöcke abgelagert haben, soll der Rosengarten des Königs Laurin gestanden sein. Im Inneren des Berges soll sich seine Krystallburg befinden, in der er noch wohnt" und erwähnt im gleichen Zug auch eine andere Verortung "Nach anderen soll der Rosengarten in Gratsch am Fuße des Schlosses Tirol geblüht haben. Noch heutzutage nennt das Volk einen Teil jener fruchtbaren Gegend den Rosengarten.” I.V. Zingerle (1850).

Zingerle, der "Tiroler Grimm", wie in Kindl nennt, bevorzugt als Standort der Sage jedoch das Schloss Tirol bei Meran, dass dem Land und der Grafschaft auch den Namen gab: "Wir finden in Südtirol drei Rosengärten, die sich um Laurin streiten sollen wie die sieben kleinasiatischen Städte um Homer. Diese sind: ein Rosengarten in Lana, der nichts als den Namen für sich hat, ein Rosengarten bei Algund und der auf dem Schlern. Der Rosengarten bei Algund ist ein Weinberg in der angenehmsten Lage und hat den Bestätigungs-Brief von der herrlichen Natur, wie das Zeugniß der Volkssage für sich [...]." (Algund liegt in der Nähe von Schloss Tirol, Schlern ist ein Berg in der Schlern-Rosengartengruppe).

Literatur: "Kritische Lektüre der Dolomitensagen Bd. III: König Laurin und sein Rosengarten" (San Martin de Tor: Istitut Ladin "Micurá de Rü", 2025) em. Univ. Prof. Dr. Ulrike Kindl
Zingerle, Mediavist des 19.Jahrunderts, Ignaz Vinzenz Zingerle – Wikipedia hat 1850 von drei überlieferten lokalen Sagen gesprochen: bei Schloss Tirol, der Rosengarten bei Algund, und bei Lana, Lana (Südtirol) – Wikipedia , und eben die lokalen Rosengartensagen bei Schlern, dem Bergmassiv. Zingerle scheint Schloss Tyrol bevorzugt zu haben. Die Burg ist Sitz der Grafen von Tirol, das Dorf und das Schloss gaben der Grafschaft den Namen. Von einer Überlieferung lokaler Sagen bei Castelfeder und Auer ist Zingerle und auch Wolff nichts bekannt.

Wo ist eigentlich Tirol im 13.Jahrhundert?
Der politischer Begriff war Tirol nicht das, was es heute ist. Historisch (und topographisch) übernahmen die Ostgoten im die Provinz Raetia
und das zugehörige Amt des Dux Raetiae primae und secunda Dux Raetiae primae et secundae – Wikipedia ,
die Langobarden schufen dann im 6.Jahrundert das Herzogtum (Dukat) Tridentum mit einem Dux an der Spitze, von dem hier schon öfters die Rede war, in dem zwei Bistümer lagen, Säben Säben, Bischofssitz – Historisches Lexikon Bayerns und Trient, Erzbistum Trient – Wikipedia , die erste fränkische Festung (Churrätien) war bei Meran. Das Fürstbistum Trient entstand erst unter dem letzten Ottonen und ersten Salier:
"Anfang des 11. Jahrhunderts entstand durch Übertragung der Grafschaft Trient (1004) durch König Heinrich II. an Bischof Uldarich I., der Grafschaft Bozen (1027) und der Grafschaft Vinschgau durch Kaiser Konrad II. an Bischof Uldarich II. das geistliche Fürstentum Hochstift Trient, mit dem der Bischof von Trient nun auch die weltliche Gewalt über die Stadt und eine über das Bistum hinausgehende Region erhielt. In dem mit 31. Mai 1027 datierten Diplom wurde der Bischof von Kaiser Konrad II. ausdrücklich mit herzoglichen und markgräflichen Rechten ausgestattet. Damit einher ging die formale Abtrennung der Grafschaft Trient von den Herzogtümern Kärnten und Baiern." (wikipedia).

Tyrol war ein Begriff, der im 11. und 12. Jahrhundert auf eine "kleine Grafschaft" beschränkt war Gefürstete Grafschaft Tirol – Wikipedia , die sich erst im 12. Jahundert aus dem Herzogtum Bayern herauslöste (siehe unten Karten), und war genau wie die oben genannten Grafschaften Bozen und Vinschgau Lehen der Fürstbischöfe von Trient. Der Aufstieg der Grafschaft erfolgte in einem eng begrenzten Zeitraum. Wo war zur Zeit der Entstehung des Laurin Tyrol? Meiner Ansicht nach nicht bei Castelfeder. Das war noch das Fürstbistum. Der Stammsitz der Grafen war weiter Schloss Tirol Schloss Tirol – Wikipedia

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Schon nach kurzer Zeit wuchern sie wieder, die Brombeerranken, bilden Ableger
und das ist ein wahres Wunder, denn ihr fleißiger Gärtner hat keine Zeit!! Schau mal @Biturigos :
in einem Bruchteil seiner Freizeit
Für eine ausführliche Diskussion in deinem Sinne fehlt mir die Freizeit.
und nun @Biturigos erkennst du vielleicht, dass hier
das verkannte Genie
seine spärlichst abgemessene kostbare Freizeit damit vergeudet hat, uns Kleingeistern ein topographisch-analytisches Gedankengebäude nahezubringen, welches zu begreifen uns aber das geistige Rüstzeug fehlt (ich vermute, das nötige Rüstzeug befindet sich in den dornenumwehrten Rüstkammern der Brombeerfestungen - aber das ist nur meine laienhafte Vermutung) Wie dem auch sei: angesichts der in kürzester Freizeit verfertigten Textmassen werde ich nie verstehen können, wie ein raufboldiger Diskussionsraubritter namens El Quijote von dieser Missidee geritten werden kann:
Das glaube ich dir nicht, denn ironischerweise fehlt es dir offensichtlich überhaupt nicht an der Zeit, wortreich um Antworten drumherum zu lavieren.
;):D:D
 
Für mich ist die Frage;
  • Für den Hintergrund des Laurin- und Rosengartenmotivs macht der TE den Aufstieg der Grafen von Tirol auf der einen Seite und das langsame Absinken der Herren von Enn in die Bedeutungslosigkeit aus.
  • Wer hätten aber dann in der kleinen Region östlich der Etsch überhaupt die Akteure sein können, die Vorlage für Dietrich und Laurin?
Der aggressivste und erfolgreichste Akteur ist Meinhard II. von Tirol.
  • Er wird aber Graf von Tirol erst 1271, nach der einvernehmlichen Erbauseinandersetzung mit seinem Bruder.
  • Bis 1271 ist er lediglich Graf von Görz.
  • Bis 1259 ist er in Geiselhaft beim Bischof von Salzburg.
Meinhard III. von Görz wird erst ab 1253 Graf von Tirol und Görz (dann als Meinhard I.), durch die Heirat mit Adelheid, der Tochter des letzten einheimischen Tiroler Grafen Albert III. von Tirol.

Die Herren von Enn sind lediglich Ministeriale und Lehensnehmer des Bischofs von Trient.

Spielte Ezzelino III. da Romano in dieser Region überhaupt eine Rolle?
 
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Was ich hier entziffern kann, ist das Wort litteram. Ich bin wie gesagt kein Profi, aber die er-Kürzung kenne sogar ich.
Letztlich eine Frage der dazu verfügbaren Zeichenvorlagen...
Soweit ich sehe, geht es in diesem Text um das von Markgraf Dietrich von Landsberg gegründete Hospital in Weißenfels; der Text bricht mitten im Satz ab.
Dann folgen zwei Seiten, die ursprünglich wohl leer waren, die zweite ist jetzt noch fast leer. Auf diesen Seiten haben verschiedene (!) Schreiber kurze Schriftproben ohne inneren Zusammenhang hinterlassen, in lateinischer, deutscher und tschechischer Sprache.
Hier entscheidend: Die erste Unterschriftsseite entspricht der Rückseite des Weißenfels- bzw. Thüringen-Meißen-Textes... Markgraf Dietrich von Landsberg ist der Onkel von Graf Friedrich I. von Thüringen-Meißen, der sich 1286 mit Meinhards Tochter Agnes vermählte... die Feststellung der Erstellungszeit (um 1285, eher etwas früher), der Bezugsbereich zu Thüringen-Meißen in einer Handschrift (Ende 13. Jh.) aus Oberitalien (am ehesten wohl Tirol-Trentino) in der Zeit vor der Vermählung des Grafenpaares.
Zum hier diesbezüglich eingeworfenen Nikolaus von Eger klafft eine Lücke von zwei Jahrhunderten, während Nikolaus von Enn noch in den potentiell betroffenen Bereichen und Zeiten aktiv war. Außerdem passt der Text ohnehin nicht zu einem Mönch.
Das ist dasselbe kurzgesprungene Argument wie von Zeitzeugen, dass Historiker ja nicht dabei gewesen seien. Es blendet aus, dass Historiker eben selber auch oft Zeitzeugen sind. Genauso hier: als gäbe es keine mediävistischen Germanisten aus Südtirol....
So wie I. V. Zingerle, der auf einige topographischen Anfragen von J. Zupitza nicht weiterhelfen konnte.
Mein Freund, das verkannte Genie....
Dazu muss man kein Genie sein, aber vielleicht aus deiner Warte schon.
Der Themenbezug ist auch hier nicht wirklich gegeben.
Also eher Ansichtssache aber hier nicht entscheidend
Das glaube ich dir nicht, denn ironischerweise fehlt es dir offensichtlich überhaupt nicht an der Zeit, wortreich um Antworten drumherum zu lavieren. Was du an Zeit sparen könntest, wenn du direkt konkrete Antworten auf konkrete Fragen gäbest, anstatt wortreich vom Thema abzulenken, da hättest du mittelfristig Unmengen an Zeit gespart.
Solche Texte/Inhalte aus dem Gedächtnis sind viel schneller geschrieben, als aus größeren Mengen Quellenmaterialien die dazu richtigen Stellen herauszusuchen, wenn man sie nicht gerade zur Hand hat bzw. darin recherchiert. Schließlich sind die Orte der Germanistik bekannt und quasi per Knopfdruck über Datenbanken verfügbar. Außerdem ist das kein Drumherumlavieren, sondern eine direkte Antwort.
Das war eine These, als Bedingungssatz verfasst: "Wenn... dann...." Da steht nicht, dass die Autoren definitiv aus der Region kamen.
Dann anders rum: die obskuren Spielmänner der av. DE (du hast ja keine genannt, wie ich die Ortsnamen) kamen aus dem damals gesamten deutschsprachigen Raum, deren Namensnennungen aber zufällig auch in einem Radius von 25 km mit Zentrum Herrschaft Enn passen. Wau, sehr interessanter Zufall und steile (Hypo-)These.
Gibt es irgendeine lokale Überlieferung oder Sage, eine Örtlichkeit, die den Laurin tatsächlich reflektiert?
Wie hier schon gesagt, ist "Laurin" eine (Namens)Konstruktion.
Von einer Überlieferung lokaler Sagen bei Castelfeder und Auer ist Zingerle und auch Wolff nichts bekannt.
Das waren in erster Linie Romantiker…. Die Festung/Burg bei Castelfeder war mit Vurmian-Firmian (Sigmundskron) bis um 1200 eindeutig bedeutender, als die Burg Tirol. Die Burg Tirol überholte dann um 1270 herum diese Stellungen definitiv. Meinhard II. dürfte dabei alle Dokumente und sonstige Spuren vernichtet haben, die diese ursprünglich höher gestellten Positionen des Landes darstellen würden. Wie bekannt, war Meinhard von Macht getrieben und nicht blöd.
Wo war zur Zeit der Entstehung des Laurin Tyrol? Meiner Ansicht nach nicht bei Castelfeder. Das war noch das Fürstbistum. Der Stammsitz der Grafen war weiter Schloss Tirol
s.o. In der Phase Laurin wird die Stellung Castelfeder komplett ausgelöscht (in der Virginal-Phase wird sie noch als Burg Arone/Oran genannt und beschrieben) und später durch die Burg Tirol ersetzt. Die Burg Tirol spielte in den av. DE nie eine Rolle, nur die südliche Stellung der Tiroler Grafen bei Salurn (Tiroler Wald/Tann), die von den Grafen aber nur vorübergehend gehalten werden konnte und erst ab 1285 ständig.
Wer hätten aber dann in der kleinen Region östlich der Etsch überhaupt die Akteure sein können, die Vorlage für Dietrich und Laurin?
Östlich der Etsch befand sich die Herrschaft Enn. Ezzelin I. hatte aber zuletzt erwähnte Gebiete innerhalb eines Radius von 25 km zu verwalten und zu verteidigen (Enn, Teile der Grafschaft Eppan und Flavon u.a.).
Die Herren von Enn sind lediglich Ministeriale und Lehensnehmer des Bischofs von Trient.
Du unterschätzt die Herren von Enn immer noch. Sie waren u.a. Sekretäre und manchmal Stellvertreter der Trienter Bischöfe, wenn er nicht vor Ort war. Ezzelin I. war ein Verwandter von Bischof Graf Egno von Eppan.
Spielte Ezzelino III. da Romano in dieser Region überhaupt eine Rolle?
Ja, vor allem seine welfischen Vorfahren, die diese Region verließen, als die Staufer kamen und einen Staufer als Bischof einsetzten. Wahrscheinlich hatten sie u.a. auch die Herrschaft Enn im besitzt, da sie in einem alten Verkaufsvertrag als solche bezeichnet werden. Daher auch die frühe Verwechslungsgefahr und die nachfolgenden Verwandtsverbindungen beider Familien.
 
Letztlich eine Frage der dazu verfügbaren Zeichenvorlagen...

Von welchen Zeichenvorlagen sprichst Du? Ich kann halt leidlich die Buchstaben lesen und kenne einige wenige Sonderzeichen. Mit einiger Sicherheit kann ich die Worte litteram consignari lesen, und Dein putziger Versuch, daraus das Kunstwort Tirolittam zu basteln, um auf Teufel komm raus irgendeinen Tirolbezug herzustellen, zeigt auf amüsante Weise, auf welchem Niveau Du hier unterwegs bist.


Hier entscheidend: Die erste Unterschriftsseite...

Entscheidend, ist dass der Text mitten im Satz abbricht. Das hast Du schon zur Kenntnis genommen? Was auf der nächsten Seite folgt, ist garantiert nicht die Fortsetzung des Textes.


die Feststellung der Erstellungszeit (um 1285, eher etwas früher),

Die Erstellungszeit von was bitte? Und wodurch genau festgestellt?
 
(Zeile 17) Dei gr[ati]a Decanus & rẽ [retro] litterã [litteram] ɔsignatã [consignatam] • Datu[m]
(Zeile 18) Vyalbus[???] • banni orientalis eiusdem dyoc[esis] Archi-
(Zeile 19) dyaconus • Rectori vel vicerectori hospitalis in Wi-
(Zeile 20) cenvels salutem in d[omi]no • Cum ad instanciam • M • de-
(Zeile 21) cani mxxxxx in Wicenvels parrochia posita est
(Zeile 22) sb in[ter]dicto divinorm • vos ipsos parochiales ta[m]quã[m]
(Zeile 23) inobediens recipi[a]tis in divinis • vobs ig[itu]r in virtute
(Zeile 24) obediencia pxxxxxxus & manda[mus] que p[ar]ochiales de
(Zeile 25) Wizenvels non tol[er]etis amplius in divinis • Alio-
(Zeile 26) quin qod[contra] vos inobedientem sexxxx xxxxx ordinem pate-
(Zeile 27) xxximus
 
Letztlich eine Frage der dazu verfügbaren Zeichenvorlagen...
Äh.... nein. Eine Frage der Paläographie, der Existenz von Deklinationsformen, des Kontextes....

So wie I. V. Zingerle, der auf einige topographischen Anfragen von J. Zupitza nicht weiterhelfen konnte.
???

Dazu muss man kein Genie sein, aber vielleicht aus deiner Warte schon.
Entweder ist mal wieder deine Ironie-Antenne nicht angesprungen oder aber die Antwort war schlagfertig, das kann ich gerade nicht entscheiden. In letzterem Fall: Chapeau.

Solche Texte/Inhalte aus dem Gedächtnis sind viel schneller geschrieben, als aus größeren Mengen Quellenmaterialien die dazu richtigen Stellen herauszusuchen, wenn man sie nicht gerade zur Hand hat bzw. darin recherchiert. Schließlich sind die Orte der Germanistik bekannt und quasi per Knopfdruck über Datenbanken verfügbar. Außerdem ist das kein Drumherumlavieren, sondern eine direkte Antwort.
Merkst du nicht, wie deine Antworten sich selbst konterkarieren? Wieder deine Erzählung, du habest keine Zeit, aber ellenlange Antworten, in denen du von Hölzken auf Stöcksken kommst, ohne konkret etwa zur Sache beizutragen und weitere Nebenthemen aufmachst? Das bekommt allmählich eine Systematik, dass du ausweichst und andauernd Nebenbaustellen aufmachst.
 
Discreto viro Nicolao in Egra
Was ich mich frage: wenn es heißt:
"Discreto viro Nicolao in Egra",​
dann ist es doch Dativ:
"dem ausgezeichneten Mann Nikolaus aus/in Eger",​
oder Ablativ:
"von dem ausgezeichneten Mann Nikolaus aus/in Eger".​
​
Aber, so unterschreibt man doch kein Dokument? Wenn es eine Federprobe ist, könnte es natürlich eine Federprobe für eine Widmung sein (mit Dativ).
Als ex libris würde ich einen Genitiv erwarten.

Mir erscheint das keine Signatur zu sein, denn hier hätte sich der Unterschreibende nur mit der Bezeichnung "discreto" ausgezeichnet. Aber bezeichnet sich ein Adeliger selber als "discreto", nicht eher mit seinem Titel? Discreto ist für mich viel plausibler eine Höflichkeitsform in der Anrede.

Da sind @El Quijote, @Ravenik, @Sepiola und alle anderen gefragt, die im Rahmen von Studium und Beruf hochmittelalterliche oder hier eher frühneuzeitliche Urkunden und Texte gelesen haben.
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Was ich mich frage: wenn es heißt:
"Discreto viro Nicolao in Egra",​
dann ist es doch Dativ:
"dem ausgezeichneten Mann Nikolaus aus/in Eger",​
oder Ablativ:
"von dem ausgezeichneten Mann Nikolaus aus/in Eger".​
​
Aber, so unterschreibt man doch kein Dokument? Wenn es eine Federprobe ist, könnte es natürlich eine Federprobe für eine Widmung sein (mit Dativ).
Als ex libris würde ich einen Genitiv erwarten.

Mir erscheint das keine Signatur zu sein, denn hier hätte sich der Unterschreibende nur mit der Bezeichnung "discreto" ausgezeichnet. Aber bezeichnet sich ein Adeliger selber als "discreto", nicht eher mit seinem Titel? Discreto ist für mich viel plausibler eine Höflichkeitsform in der Anrede.
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Klar, der Satz bedeutet ungefähr so viel wie "Sehr geehrter Herr Nikolaus in Egra".

Wie schon oft gesagt, handelt es sich um eine Federprobe. Man hat dafür kein frisches Pergament verwendet, das war zu teuer, um das Schreibwerkzeug oder die Tinte auszuprobieren. Man hat eine unbeschriebene Seite gesucht, die für nichts anderes zu gebrauchen war, und wenn man ein Buch zur Hand hatte mit leeren Seiten, dann hat man halt so eine Buchseite benutzt. Der Inhalt des Geschriebenen spielt keine Rolle, man wollte halt sehen, wie die Schrift rauskommt. Was schreibt man in solchen Fällen? "abcdefg", "Morgenstund hat Gold im Mund", "Sah ein Knab ein Röslein stehn", "Romanes eunt domus", "Sehr geehrter Herr Dr. Klöbner"

Genau von dieser Art sind die Schriftproben auf den genannten Seiten.
 
Entscheidend, ist dass der Text mitten im Satz abbricht. Das hast Du schon zur Kenntnis genommen? Was auf der nächsten Seite folgt, ist garantiert nicht die Fortsetzung des Textes.
Das habe ich auch nicht behauptet. Ich habe lediglich behauptet, dass der Weißenfels-Text in der Zeit um/vor 1285 (vielleicht 1280-1284) geschrieben wurde und der nachfolgende (oberitalienische) Text zeitlich nicht weit davon entfernt verfasst wurde und dass es in dieser Zeit eine historische Verbindung zwischen Weißenfels (Thüringen-Meißen) und Tirol (oberstes Reichsitalien) gab.
Die Erstellungszeit von was bitte? Und wodurch genau festgestellt?
s.o., ergänzend: genannter Markgraf Dietrich von Landsberg starb 1285, dann fiel Weißenfels an seinen Neffen zu Thüringen-Meißen, der 1286 eine Tiroler Gräfin heiratete. Der Text kann also kaum viel später als 1286 verfasst worden sein, da hier Graf Dietrich schon längst keine Rolle mehr spielte.
Dann noch entscheidendere Ergänzungen, die für den Ministerialen Nikolaus (II) von Egna/Enn (+1296) sprechen und weniger für den Mönchen Nikolaus von Egra (+ um 1500):
Über Nikolaus Schwester Sofia erschließt sich, dass er ein Ghibelline gewesen sein muss, zumal sie mit einem der bedeutendsten lombardischen Ghibellinen-Führern verehelicht war: Markgraf Umberto II. da Pallavicini, der 1260 Generalkapitän von Mailand wurde und sich dort für Rechte der Ghibellinen gegen die Päpstlichen einsetze. O. Pausch verortet diese Schriften im Umfeld des lombardischen Statthalters - also dem Schwager dieses Nikolaus von Enn - da sie auch Briefe der Mailänder an den Papst enthalten (1979). Dadurch erklärt sich auch Nikolaus Haltung zum Ghibellinen Meinhard II.
Oberto Pallavicino – Wikipedia
Pallavicini (Adelsgeschlecht) – Wikipedia

Immer noch für den Mönch Nikolaus von Egra?
(Zeile 17) Dei gr[ati]a Decanus & rẽ [retro] litterã [litteram] ɔsignatã [consignatam] • Datu[m]
Das große T war also ein ET, das ich sonst als kleines et kenne... für solche Übersetzungen gibt es sicher Vorlagen mit tausenden Zeichenmustern, deren Erkennung KI trainiert wurden.
Äh.... nein. Eine Frage der Paläographie, der Existenz von Deklinationsformen, des Kontextes....
Wofür du oben bestimmt ein Programm verwendet hast… dann hast du sicher auch noch eine Datenbankprogramm, das dir die Stellen aus den diversen Varianten der av. DE-Texten herausfiltern kann, oder kennst jemanden in der ger. Mediävistik, der über diese Möglichkeit verfügt.
Zingerle konnte Zupitza nicht weiterhelfen, weil der gewiefte Meinhard II. es geschafft hat, die meisten übrig geblieben Varianten der av. DE auf "Tirol" zu projizieren und andere Spuren zu verwischen (s.o.) - aber nicht restlos. Daher vertrat Zingerle Meinhards gewollte Theorie, dass der Rosengarten um die Burg Tirol gelegen haben müsse. Nur eine genauere historisch-topographische Analyse der av. DE kann Meinhard im Nachhinein auf die Schliche kommen. Ergänzend: Zupitza, Dietrichs Abenteuer: Albrecht von Kemenaten, 1870, S. XXVII ff., XLV ff.
Merkst du nicht, wie deine Antworten sich selbst konterkarieren? Wieder deine Erzählung, du habest keine Zeit, aber ellenlange Antworten, in denen du von Hölzken auf Stöcksken kommst, ohne konkret etwa zur Sache beizutragen und weitere Nebenthemen aufmachst?
Und wieder: Die 3 Zeilen waren in 2-3 Minuten geschrieben. Zum Vergleich: allein im Heidelberger Virginal sind ca. 14.000 Zeilen zu durchforsten. Für eine manuelle Ortsnamenstextsuche durch mehrere solcher DE-Texte benötigt man mehrere Wochen. Dafür hat die germ. Med. bestimmt schon geeignete DB nach über 100 Jahre Editionsgeschichte!

Nur zum Einstieg folgendes beispielhaftes Rechercheergebnis zur Feste Arone/Oran im Virginal, das ich 2003-4 im Zuge der Endidae-Exploration durchführte, wofür ich mehrere Tage benötigte: Heidelberger Virginal, Str. 185-190; Dresdner Virginal, Str. 60,9-61,4; Wiener Virginal, Str. 308-313. Grund war, dass ich bei dieser Exploration auf Befestigungsstrukturen gestoßen bin, die das gesamte Areal umfassten, und einige Monate später auf den Arone-Text im Virginal gestoßen bin, den ich sofort mit dem untersuchten Gelände verband…. (schließlich gab es ja auch keine größere Festungsanlage im "Waldgebirge Tirol" mit vergleichbaren Namen und direkten Zugang ins Hochgebirge) ... dann fiel mir ein Zusammenhang nach dem anderen zu. Aber ohne diese entscheidenden Einblicke in die "Mikrotopographie" (die oben Spott erntet) wären auch mir diese Zusammenhänge nicht so leicht aufgefallen.
 
Das habe ich auch nicht behauptet. Ich habe lediglich behauptet, dass der Weißenfels-Text in der Zeit um/vor 1285 (vielleicht 1280-1284) geschrieben wurde

Der Text der Seiten 46-48 besteht aus einer Abschrift mehrerer Texte, für einen davon habe ich mittlerweile eine Datierung (1273) gefunden. Erstellt wurde die Kompilation also irgendwann nach 1273.


Immer noch für den Mönch Nikolaus von Egra?

An wen richtet sich die Frage? Über einen Mönch Nikolaus von Egra habe ich keine Silbe verloren. Die Federprobe wird aus dem 14. Jahrhundert stammen.

Mit dem Text über das Weißenfelser Hospital hat weder ein Nikolaus von Egra noch ein Nikolaus von Enn irgend etwas zu tun. Autor des Dokuments, in dem Markgraf Dietrich und seine Frau Helena erwähnt werden, war der damalige Markwerbener Pfarrer Ehrenfried, in dessen Pfarrsprengel das Hospital lag. Für die Genehmigung sollte die Pfarrei einen jährlichen Geldbetrag erhalten, weitere Ansprüche der Pfarrei auf das Hospital seien ausgeschlossen. Als Zeuge wird Walther, Kaplan der Markgräfin genannt.
Die Nikoläuse von Egra, Enn, Myra oder von der Flüe sind bei diesem Vorgang genauso außen vor wie Kublai Khan.
 
Die Anzahl der im Virginal vorkommenden Orte ist sehr überschaubar.

Das ist das Land(?) Lane/Lune, die Herrschaft von Helfferich, dem Vater von Rentwein (der vom Drachen halb verschlungen wird, bevor Hildebrand und Dietrich von Perene/Berne (= Bern = Verona) eingreifen). Dort sitzt Helfferich auf seiner Burg Oran/Arone (uff der burg zů Aronen). Hier könnte man sich fragen, ob das vielleicht Arona am Lago Maggiore ist. Der Ort ist seit dem 10. Jhdt. belegt, aber es gibt dort keine Burg. Naja, künstlerische Freiheit. Als Grenzen von Lane werden die Flüsse Tron/Tune (Traun?), Septeme/Seitmen und genannt.
Raven = Ravenna, Ort der Rabenschlacht
Dietschach - ein Ort wo Hildebrand mal gekämpft hat.
Dirol/Tirolt ist das Herrschaftsgebiet der Königin Virginal. Ihre Burg ist Jeraspunt. Virginal hatte ein Seiden-Zelt, das aus Thamiat kam (vermutlich Damiette, Dimyāṭ/Dumyāṭ) Das ist nicht überrschend, Seidenstoffe und Luxusgegenstände sind in der mittelhochdeutschen Literatur oft mit Orten im arabisch-muslimischen Raum verknüpft.
Die Riesen, die das Land von Virginal bedrohen, kommen aus Arbynne/Arabein/Arabey - hier dürfte Arabien, die Kreuzzüge eine Rolle spielen. Marroch hingegen ist ein Land aus dem Besuch zur Hochzeit kommt.
Wien(en)
Gebiete die vorkommen sind Swoben, Franken, Walhenland, Lamparten (Lombardei) und Tuschkan/Tuschgan/Tuskan (Toskana), Ungerland (darin die Wigariser marcke), Priteinen (Britannien)/Engelland, Prússen (Preußen), Polant, Sahssen, Stire/Stiremarg (Steiermark), Spangerland (Spanien), Czecillgen (Sizilien)

Man det den potten er genúg.
Manch kleinhet edell unde klug
ward in und hohes dancken
in Tuschgan und in Spangerlant.
Marroch, Raymunt ward auch besant,
Czecillgen und in Francken,
in Polant und in Ungerlant
lud man all kunig und herren
und in dem reich czu Engellant,
die neh und auch die ferren.
Die kamen all czu der hochczeit
czu dinst und er der kunigein
und auch dem edlen Perner seit.


Dolos - ein Lehen, das Hildebrand von Virginal erhält.
Dunresberg???
Rine (Rhein) und Elbe
Jeraspunt - eine Burg-
Larmant/Lonriant/Lariant (Fluss)
Nitigers Burg Muter/Mauter, wo Dietrich gefangen gehalten wird, aber dank Nitigers Schwester eine Nachricht nach Arone senden kann.
Meigelon/Meigelan/Maylant Mailand
Ordenck/Ordneck Burg des Janapas/Janibus
Palen/Palden/Palerne - Palermo, Herkunftsort von Lieberdein

Es was ein lant, his Zertigein,
dar in ein herczogine fein.
Vil czauberey sie kunde.

Ich muss hier unwillkürlich an Kirke/Zirze denken.

Das große T war also ein ET, das ich sonst als kleines et kenne... für solche Übersetzungen gibt es sicher Vorlagen mit tausenden Zeichenmustern, deren Erkennung KI trainiert wurden.
Da gibt es ein schönes Standardwerk, 100 % HI (human intelligence, von Adriano Capelli.
Wenn man die tironischen Noten kennt (eine Kurzschrift benannt nach Ciceros Schreiber Tiro), dann ist das et (eher "7" als "T" statt &)

Man kann das & (<7>) eigentlich ganz gut vom <t> unterscheiden.

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Wofür du oben bestimmt ein Programm verwendet hast… dann hast du sicher auch noch eine Datenbankprogramm, das dir die Stellen aus den diversen Varianten der av. DE-Texten herausfiltern kann, oder kennst jemanden in der ger. Mediävistik, der über diese Möglichkeit verfügt.
Wenn ich ein Programm verwendet hätte, dann gäbe es vermutlich keine ? und keine ausge-xxx-ten Stellen in der Transkription. Außerdem habe ich eine Klammer an der falschen Stelle gesetzt.
(Zeile 22) sb in[ter]dicto divinorm < das t hätte außerhalb der Klammer stehen müssen.

Ich darf mich selbst aus einem anderen Thread zitieren:
Abgesehen davon verstehe ich den Mehrwert nicht. Ich bin doch Historiker weil ich mich mit Geschichte befassen will und nicht weil ich eine KI einsetzen möchte.
Ich kann zwar durchaus nachvollziehen, dass man KI als Hilfsmittel verwendet, wie etwa bei der Entzifferung von Archivalien, ABER damit bringe ich mich um die Entdeckerfreude.


Zingerle konnte Zupitza nicht weiterhelfen, weil der gewiefte Meinhard II. es geschafft hat, die meisten übrig geblieben Varianten der av. DE auf "Tirol" zu projizieren und andere Spuren zu verwischen (s.o.) - aber nicht restlos. Daher vertrat Zingerle Meinhards gewollte Theorie, dass der Rosengarten um die Burg Tirol gelegen haben müsse. Nur eine genauere historisch-topographische Analyse der av. DE kann Meinhard im Nachhinein auf die Schliche kommen. Ergänzend: Zupitza, Dietrichs Abenteuer: Albrecht von Kemenaten, 1870, S. XXVII ff., XLV ff.
Das ist alles ein bisschen wirr.
Der Punkt ist der: Du wirfst Zingerle vor, dass er Zupitza nicht helfen konnte, ziehst aber nicht in Betracht, dass Orte schlicht fiktiv sein können. Dass Zingerle Zupitzas Fragen nicht beantworten konnte, lag also nicht unbedingt daran, dass Zingerle bloß ein dummer Germanist war, der keine Ahnung von Südtiroler Topographie hatte, sondern dass Zupitzas Fragen, so wie gestellt, einfach nicht zu beantworten waren.

Ich will das mal an einem modernen Bsp. eines berühmten Autors, Träger mehrer Literaturpreise deutlich machen:

Der spanische Autor Antonio Muñoz Molina, der auch Kunsthistoriker ist und auch historische Sachbücher verfasst hat (empfehlenswert Córdoba de los Omeyas, in dt. Übersetzung erhältlich als Córdoba, Stadt der Kalifen) lässt seine Romane bevorzugt in der Stadt Mágina spielen. Diese Stadt gibt es aber gar nicht. Es gibt in der Provinz in der Antonio Muñoz Molina aufwuchs (er kommt aus Úbeda in der Provinz Jaén) einen Gebirgszug, der Sierra de Mágina heißt. Alles, was Antonio Muñoz Molina über Mágina preisgibt, ist, dass die Stadt in Andalusien liegt. Ist es seine Geburtsstadt Úbeda? Die Nachbarstadt Baeza? Die Provinzhauptstadt Jaén? Granada, wo er studierte und (lange) lebt(e)? Oder eine Mixtur dieser?
Auch dieses "Rätsel" wird niemand lösen, weil es eben keines ist. Es ist einfach ein fiktiver Ort, wie Jeraspunt. Ihn zu suchen oder zu glauben, dass Riesen aus Arabien kommen und "Heiden" gleichzeitig Juppiter und Machamet anbeten, wohingegen "getwarge" unterm Berg leben, geht daran vorbei, dass Fiktion eben Fiktion und nicht Historiographie ist.

Wobei ich vor ca. 20 Jahren mal bzgl. des Weland-Stoffes die Interpretation las, dass mit Zwergen "italienische" (römische) Bergleute gemeint seien, die eben kleiner als die Germanen gewesen seien und deren bergmännisches Know-how den Germanen wie Zaubermächtigkeit vorgekommen sei, weswegen die Zwerge der Dietrichsepik eben stets unterm Berg lebten und über gewisse Zauberkünste verfügten. Das immerhin ist einigermaßen plausibel.

Wenn also Zupitza sich von Zingerle meinetwegen die Identifizierung Jeraspunts erhoffte, dann stellte er jenem eine nicht zu beantwortende Aufgabe.

Und wieder: Die 3 Zeilen waren in 2-3 Minuten geschrieben. Zum Vergleich: allein im Heidelberger Virginal sind ca. 14.000 Zeilen zu durchforsten. Für eine manuelle Ortsnamenstextsuche durch mehrere solcher DE-Texte benötigt man mehrere Wochen. Dafür hat die germ. Med. bestimmt schon geeignete DB nach über 100 Jahre Editionsgeschichte!
Deshalb verstehe ich umso weniger, dass du so viel Zeit damit verschwendest, Behauptungen zu wiederholen, anstatt endlich mal damit anzufangen, die Belegstellen herauszusuchen.


Grund war, dass ich bei dieser Exploration auf Befestigungsstrukturen gestoßen bin, die das gesamte Areal umfassten, und einige Monate später auf den Arone-Text im Virginal gestoßen bin, den ich sofort mit dem untersuchten Gelände verband…. (schließlich gab es ja auch keine größere Festungsanlage im "Waldgebirge Tirol" mit vergleichbaren Namen und direkten Zugang ins Hochgebirge) ... dann fiel mir ein Zusammenhang nach dem anderen zu. Aber ohne diese entscheidenden Einblicke in die "Mikrotopographie" (die oben Spott erntet) wären auch mir diese Zusammenhänge nicht so leicht aufgefallen.
Sorry, aber da müsstest du ein paar Zusammenhänge erläutern (und zwar nicht mit dem üblichen Häppchen hinwerfen, zur Erinnerung: das hier ist ein Diskussionsforum, kein Ratespiel!):
a) welche Befestigungsstrukturen hast du entdeckt? (BTW: Was ist mit entdeckt gemeint, hast du auf LIDaR-Scans oder beim Spaziergang im Wald etwas entdeckt oder in einer Publikation)
b) wie sind diese datiert? Nutzungsdauer?
c) wie steht es mit dem Zusammenhang deiner Befestigungstrukturen mit Arone?
 
Im kleinen Rosengarten spricht Hildebrand:
er ist Laurin genant.er heißt Laurin
im dienent alliu wildiu lant,ihm dient das ganze wilde Land, alle Zwerge sind im untertan
alliu getwerge sint im undertân:
er ist ein künec lobesam,er ist ein löblicher König, der kühnste aller Männer
küenest aller manne.
in dem Tiroldes tanneIm Tiroler Tann hat er einen zarten Rosengarten angelegt/gezüchtet
hât er im erzogen zarten
einen rôsengarten.
daz diu mûre solde sîn,Ein seidener Faden soll die Begrenzung (wörtl. Mauer) sein.
daz ist ein vadem sîdîn:
swer ime den zerbræche,wenn ihm jemand diesen Seidenfaden "zerbricht", an dem wird er sich schnell rächen!
wie balde er daz ræche!
der müeste im lâzen swæriu pfant,der müsste ihm eine teure Kompensation (wörtl. schweren Pfand) da lassen: den rechten Fuß und die linke Hand,
den rehten vuoz, die linken hand
 
Ûz riten die birsaere
durch hovelîchui maere:
daz ein was her Dietrich,
von Berne ein vürste lobelich,
daz ander was der snelle
her witege sîn geselle.
dô rîten die zwêne recken balde
birsen ze Tiroldes walde.
dô die zwêne küenen man
kâmen in den grüenen tan,
do riten si bî einer wîle,
des waldes wol siben mîle.
Dô kâmen die helde küene
ûf einen anger grüene
vür einen rôsengarten.

Mit guldînene borten, mit golde und mit gesteine
dâmite hête Laurîn der kleine
die rôsen schône behangen.
der in solde sehen an,
der muoste al sîn trûren lân.
Vil wünne an dem garten lac:
die rôsen gâben süezan smac
und darzuo liechten schîn
des kâmen si in grôze pin:


Na wenn das mal keine konkrete Wegbeschreibung ist: Im Tiroler Wald immer schön sieben Meilen geradeaus und dann landet man auf einer grünen Wiese und da ist dann der Rosengarten. :cool:
 
Im kleinen Rosengarten zerstören Witege und Deitrich den Rosengarten, aber irgendwie scheint sich danach Ernüchterung/Bedauern einzustellen (des kâmen si in grôze pîn).

Witge der wîgant sluoc​
die rôzen abe zehant​
[...]​
die guldînen borten​
wurden getreten in den plân​
[...]​
diu wünne wart zerstoeret,​
swaz vröuden an dem garten lac.​
die rôsen liezen iren smac​
und darzuo irn liehten schîn:​
des kâmen si in grôze pîn.​

Erst dann taucht Laurin auf:

Seht, dô kam dort her geriten​
ein getwerc mit swinden siten,​
daz was Laurîn genant.​
ein sper vuort ez in sîner hant​
bewunden wol mit golde​
als ez ein vürste vüeren solde.​
vorne an dem sper sîn​
dâ swebete ein banier sîdîn,​
daran zwêne winde​

Interessant dabei finde ich, dass Laurin/getwerc als Neutrum behandelt wird.
 
Na wenn das mal keine konkrete Wegbeschreibung ist: Im Tiroler Wald immer schön sieben Meilen geradeaus und dann landet man auf einer grünen Wiese und da ist dann der Rosengarten. :cool:
Da hat @El Quijote mal wieder dir Heilige Handgranate von Antiochia entsichert:

Von der Salurner Klause kommen die edlen Recken geritten, haben im Navi Âventiure eingegeben und am Fuß von Castelfeder, beim Sportplatz, im saftig-grünen Biotop, lassen sie ihre Rösslein grasen:
Denn der Leugenzähler sagt: 15 km = 7 Leugen¹!

Und oben schimmern im rosigen Licht der Porphyrfelsen und die Mauern von Castelfeder.

¹ 1 Leuge = 2,222 km,
ist halt ein Anachronismus
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich fand dort Kastanien und Eicheln (viele Flaumeichen), Pflaumen und Äpfel habe ich dort nur an den angrenzenden Bauernhöfen gesehen. @Lukullus hätte uns sicher gute Rezepte vorgeschlagen.

Aber, im Ernst: Natürlich ist das eine beeindruckende Anlage, wunderschön, landschaftlich ein Paradies. Und ich will mich nicht lustig machen über die Arbeit die hinter den Überlegungen des TE steht.

Aber ich denke dass wir den Rosengarten hier nicht finden werden.
 
Zuletzt bearbeitet:
An wen richtet sich die Frage? Über einen Mönch Nikolaus von Egra habe ich keine Silbe verloren. Die Federprobe wird aus dem 14. Jahrhundert stammen.
Allen die sich angesprochen fühlen. Nach den Reaktionen will die Mehrheit von einem (Mönch) Nikolaus von Egra ausgehen. Ob der Text/die Schrift mit der Nikolaus-Unterzeichnung Anfang?Mitte?Ende? des 14. Jahrhunderts oder doch Ende des 13. Jahrhunderts (um 1290) zuzuordnen ist, sollte sich feststellen lassen.
Das ist das Land(?) Lane/Lune, die Herrschaft von Helfferich, dem Vater von Rentwein (der vom Drachen halb verschlungen wird, bevor Hildebrand und Dietrich von Perene/Berne (= Bern = Verona) eingreifen).
Du scheinst eine jüngere Version gewählt zu haben, wo die Angreifer Araber waren. Bei älteren Versionen (vor 1270) scheint mir das noch keine Rolle gespielt haben. Btw. "Riesen" sind in diesem Zusammenhang nur die gegnerischen Krieger, im Gegensatz zu den eigenen "Helden".

Ich konzentriere mich nachfolgend nur auf die entscheidenden Hauptorte, mit denen sich der Inhalt historisch-topographisch näher zuordnen lässt. Auf andere bekannte Orte wie Swoben, Franken..., die keine andere Funktion, als die der Koloratur dienen, gehe ich also nicht weiter ein. Dabei gehe ich vor

Um hier den Ort Lune der Herrschaft von Helfferich, einordnen zu können, muss genealogisch vorgegangen, d.h. auf die älteste bekannteste Version zurückgegriffen werden. Das ist die Version in der Thidreksaga, wo die frühesten Teile des Eckenlieds und Virginal noch eine Einheit bildete (Thidreks Kampf mit Ecke und Fasold). Dort heißt der Drachenverschlungene Sintram und sein Vater war Graf Reginbald von Fenedi. Lune könnte demnach eine Ableitung/Verkürzung von L(ag)une/Venedig sein. Fenedi entspräche Venetien/Venedig.
Dort sitzt Helfferich auf seiner Burg Oran/Arone (uff der burg zů Aronen). Hier könnte man sich fragen, ob das vielleicht Arona am Lago Maggiore ist.
Dieses Arona am Lago Maggiore liegt aber weder in Venetien (alter Thidreksaga-Bezug) noch im Waldgebirge Tirol (Virginal-Bezug). In Arona gibt es auch weit und breit keinen großen See. Dieses Narrativ dürfte auf die Visconti im 14. Jh. zurückgehen, bei denen ab 1277 auch das Wappenmotiv des Drachenverschlungenen auftaucht. Gemäß Wappenlegende hat dieses Wappenschild einer ihrer Vorfahren einem Sarazenenführer (Araber) entweder im Kampf vor Rom oder Jerusalem abgenommen. In Wirklichkeit dürften sie es von den Ezzelini da Romano bald nach ihrer Ausrottung 1260 übernommen haben. Letztere würden auch den Grafen von Fenedi/Venetien aus dem Thidreksaga-Bezug entsprechen, wo das Wappenmotiv des Drachenverschlungenen erstmals auftaucht.

Arone/Oran geht mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Urpfarre Auer zurück (1190-1234: Aura, Aure, Ore). In der südlichen Nachbarschaft befindet sich die Festungsanlage "Arone/Oran". In der Nähe befindet sich auch das Wappenmotiv des Drachenverschlungenen auf einer über 600 m langen Felswand:
1792785176181.png

Aus der Thidrekssaga (Der Kampf mit dem Drachen): Als sie [von Aldinsala kommend] aus dem Wald herauskamen, erblickten sie einen großen, langen und dicken Flugdrachen.... Sein Kopf war groß und fürchterlich... In seinem Maul schleppte er einen Mann (in voller Rüstung). Den hatte er von den Füßen bis hinauf unter die Arme verschlungen, aber Kopf und Schultern hingen aus dem Rachen heraus... (gekürzt). Von Aldein (Aldinsala, 1177: Aldin) aus dem Wald kommend lässt sich noch heute dieser lange dicke Flugdrachen erblicken, der 220 m über den Talboden "fliegt" und im Maul etwas hält: Je nach Sichtweise eine Ente/Ganz (siehe Enner Wappen) oder einen Ritter bis zu den Schultern. ca. 650 m (Länge) x 80 m (Höhe).
1792785573877.png

Enner Wappen mit Fuchs und Gans als Helmzier: Wappenbild von Wilhelm II. von Enn (End) in der Schlachtkapelle Sempach (CH); Siegel Ulrichs III. von Enn (Frauenfeld, StA Kanton Thurgau):
1792785782895.png

Die Edelfreien von Enn sind hier um 1160 von Bischof Adalbert II. von Trient (Staufer) eingesetzt worden. Sie dürften ursprünglich aus dem Raum St. Gallen gekommen sein, da sie (außer Nikolaus) die Herrschaft Enn um 1280 wieder in Richtung St. Gallen verließen und dort wieder schnell und gut aufgenommen wurden.
Vor diesen Herren scheinen die späteren Verwandten Ezzelini da Romano (Grafen von Fenedi/Venetien) hier die Lehen besessen haben, die bei Ankunft der Staufer diese verließen.
Dirol/Tirolt ist das Herrschaftsgebiet der Königin Virginal.
Als Waldgebirge Tirolt konnte es erst ab 1270 bezeichnet werden. Das Land nördlich von Trient wurde vor der Nennung Tirol nur als "Land im Gebirge" bezeichnet.
Ihre Burg ist Jeraspunt.
Bei Jeraspunt handelt es sich um eine Analogie zum Jochgrimm der Königin(nen) des älteren Eckenlieds. Das Jochgrimm ist ein historisch-archäologisch interessanter Gebirgspass in/nahe Aldein. Punt (ladinisch) bezeichnet einen steilen Weg.
Nitigers Burg Muter/Mauter, wo Dietrich gefangen gehalten wird, aber dank Nitigers Schwester eine Nachricht nach Arone senden kann.
Die befestigte Zollstation/Mautstation, die den Weg ins Gebirge (Truden, Jochgrimm, Fleimstal, Dolomiten...) kontrollierte (bei Montan/Pinzon). Sie befand sich in der Nähe des Schlosses Kaldiff (heute Ruine) und wurde von Nikolaus 1284 an Meinhard verkauft.
Ordenck/Ordneck Burg des Janapas/Janibus
Burg Orteneck ehemalige Burgstelle bei Ortental (Montan/Pinzon) 800 m von der Zollstation entfernt.
Bei der Zollstation Mauter und Orteneck könnte es zudem um Konflikte innerhalb der Adelsfamilie Enn gehandelt haben, die zwischen Staufer (Nikolaus II.) und Welfen (Ezzelin I.) gespalten war.
Na wenn das mal keine konkrete Wegbeschreibung ist: Im Tiroler Wald immer schön sieben Meilen geradeaus und dann landet man auf einer grünen Wiese und da ist dann der Rosengarten. :cool:
Tiroldes walde/tann entspricht der Tiroler Grenze bei Salurn, die von den Tiroler Grafen nur wechselhaft gehalten werden konnte und erst ab 1285 ständig. Von: do riten si bî einer wîle... wol siben mîle. das sind welsche Meilen: sieben venezianische/lombardische Meilen: 12,2/12,5 km.
Im Dresdner Laurin wird dazu die Ausweichvariante (semita Carolis) von St. Michael (Kloster der Eppaner) oder Pressano/Lavis über den Berg ("krummen steg") in deutschen Meilen angegeben (noch vier meille... sein michel teille) mit demselben Ergebnis: 4 deutsche Meilen: 30 km.
sprach maister Hildeprant,
„so weis ich euch die strosse
und zeuch mit euch zu hant.
So reit ir noch vier meille
und pleibt auf disem weg,
der weg sein michel teille
und auf der krummen steg
:cool:
 
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