Sammelthread - Kurzkritiken über neue Spielfilme mit historischen Inhalten

Dieses Thema im Forum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wurde erstellt von lynxxx, 18. Januar 2007.

  1. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Vorsicht: Spoilergefahr

    Ich habe ihn mir auch gestern angesehen.

    Da "Flags of our fathers" eher verhaltene Kritiken bekam habe ich ihn in der Videothek liegen gelassen und hab mich nur für "Letters..." entschieden. Keine schlechte Entscheidung. Besonders Ken Watanabe als General Kuribayashi war sehr beeindruckend, selten ein so charismatischen Part gesehen. Auch die Schlacht war sehr gut in Szene gesetzt und positiv fand ich auch das man mit der Geschichte des strafversetzten Ex-Militärpolizisten auf den schon recht grotesk wirkenden japanischen Patriotismus eingegangen ist und die Seppukus und Kampf für den Kaiser-Beschwörungen nicht einfach so hat stehen lassen. Normalerweise ist man von amerikanischen Produktionen eher gedankenlose Kamikaze-Japaner die sich ohne nachzudenken für den Kaiser in den Tod stürtzen gewohnt.

    Nur eine Szene fand ich nicht gelungen. Und zwar wo diese Einheit in dem einen Berg, trotz anderslautenden Befehl, Selbstmord begeht und das obwohl die Schlacht gerade erst begonnen hatte. Die Begründung sei ein japanischer Krieger trette niemals den Rückzug an, doch nur der Koch hat's begriffen "Dein Tod nützt dem Kaiser gar nichts."
    Das keiner der Anderen auch nur mal darüber nachgedacht hatte scheint mir irgendwie überzogen. Aber vielleicht war ja auch wirklich so.

    Doch alles im allen íst "Letters from Iwo Jima" ein gelungener Film der endlich auch einmal die andere Seite der Front zeigt. Da ich "Flags..." nicht gesehen habe kann ich beide Filme nun nicht vergleichen. Doch nimmt man "Saving Private Ryan" als Maßstab so schlägt "Letters..." diesen um Längen. 8/10
     
  2. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    habe heute, äh, gestern (für Timo;))
    Zodiac - Die Spur des Killers

    (wie immer: kein SPOILER)

    gesehen. Spielt vorwiegend in den 60er und 70ern, und ist insofern historischen Inhalts, da er sich auf wahre Begebenheiten beruft.

    Historische Infos zum Serienkiller:
    Zodiac-Killer - Wikipedia

    Ist von David Fincher, der schon mehrmals Klasse Thriller drehte (z.B. Sieben, Fight Club, The Game, Panic Room).

    Dieser Film ist hingegen weniger ein typischer Thriller, als vielmehr ein "Zeitungsfilm". Ein Film, der dialoglastig akribisch die detektivische Arbeit der Reporter und der Polizei nachgeht, recht lang ist, und nicht mit falschen Erwartungen gesehen werden sollte, deshalb auch mein kleiner Post.
    Er ist also kein "typischer" Fincher, sondern eher vergleichbar mit dem Watergate Film "Die Unbestechlichen" mit Dustin Hoffmann und Robert Redford.
    Jemand, der gerne Krimis mag, wird aber trotzdem auf seine Kosten kommen. Sehr gute Schauwerte sind auch die liebevollen Rekonstruktionen des San Francisco der 60er und 70er. Schauspieler auf hohem Niveau.
    Filmmusik dagegen mau. (Wäre min. 1 Punkt mehr geworden, wenn Filmmusik wie bei JFK gewesen wäre. Schade, Chance vertan)


    Tipp:
    Bevor man ihn sich anschaut, ist es ratsam, sich mal die Namen und Gesichter der ersten 7 Schauspieler des Cast z.B. auf Zodiac (2007) anzuschauen und auswendig zu lernen. Ja, ihr habt richtig gehört... :) Der Film ist nämlich voller Namen und Schauplätze, so dass man sich schon konzentrieren muss, um alles zu behalten und alle Kniffe mitzubekommen.
    Also nicht ein Film, den man halbmüde schauen sollte. Immer hochkonzentriert bleiben. Dann bringt das mitkniffeln und miträtseln am meisten Spass.

    Insgesamt bleibe ich 2 Punkte unter Filmstarts.de und vergebe


    8 von 10 Punkten (inkl. ein Bonuspunkt wegen der authentischen Requisite und guten Schauspielern bis in die Nebenrollen)

    Ciao. und Gute N8.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Juni 2007
  3. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Hab mir nach langer Zeit mal wieder einen meiner Lieblingsfilme angeschaut: "Der Name der Rose"

    Durch des Eco-Buch hab ich mich seinerzeit durchgequält wie ein BILD-Kolummnist beim philosophischen Quartett, aber den Film mochte ich schon bevor ich eingeschult wurde. Na ja, damals lag's hauptsächlich an Valentina Vargas von der man danach nie wieder was gehört hat, leider. Heute schätze ich den Film vor allem wegen seiner erstklassigen Atmosphäre, des wunderbar gestalteten Sets, natürlich auch wegen den Darstellern die bis in die kleinste Rolle perfekt besetzt sind, der Stimme des alten Adson und von der Storie. Obwohl ich die schon in und auswendig kenne, ist es immer wieder ein spannendes Vergnügen ihr zu folgen.

    Mehr kann ich eigendlich nicht dazu sagen, außer 10/10 "Vergrößerungsgläsern"

    Remigio da Varagine: "Der Teufel, dem ich abschwöre, daß seit ihr Bernardo Gui!"
    Bernardo Gui blickt erschrocken auf.

    Oh, schon Viertel vor fünf. Wird Zeit ins Bett zu gehen.:gaehn:

    ----------------------------

    Edit: Hät ich beinah vergessen. Mir fiel beim lesen des Abspanns erstmals auf das Jacques Le Goff in beratender Funktion an der Produktion mitwirkte. Sachen gibts.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Juni 2007
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich war jüngst mit Frau in "Geliebte Jane" bzw. auf Englisch "Becoming Jane", wobei letzteres passender ist. Der Inhalt des Films ist, wie Jane Austen zur Literatin wurde, wie sie soviel Stoff zu einigen der berühmtesten und bedeutensten Romane der englischen Literaturgeschichte finden konnte. Es geht also darum, wie sie zu ihrem Charakter als Schriftstellerin und Mensch kam.

    Ganz kurz die Handlung. Jane Austen ist Tochter eines Geistlichen auf dem Lande und schon mehr als im heiratsfähigen Alter. Da die Eltern einen Sohn beim Militär untergebracht hatten, was wohl hieß dass man einen Posten kaufen musste, bleibt wenig Geld für die beiden Töchter übrig, von denen eine zumindest an einen niederen Geistlichen verlobt ist. Zum scheinbaren Glück der Austens hat der Spross einer nahen und reichen Adelsfamilie ein Auge auf Jane geworfen, den sie allerdings ablehnt, obwohl sie mit der Partie ihr eigenes Los und das ihrer Eltern deutlich verbessern könnte. Doch dann kommt auch schon der Mann ihrer Träume, ein angehender Anwalt aus London, Mr. Lefroy hinzu, der zwar ein Herr von Welt ist, aber eigentlich keinen Shilling in der Tasche hat, sondern samt seiner Familie von der Wohlmeinung seines Onkels abhängt, der ein Richter in London ist. Wie es sich für eine Schmonzette gehören würde, funkt es zwar zwischen den beiden, aber da der Onkel von Mr. Lefroy am längeren Hebel sitzt und so gar nichts von einer Vermählung seines Neffens mit der Tochter eines "obskuren" Geistlichen wissen will, gibt es eben kein Happy End, sondern Lefroy heiratet reich und Jane Austen wird zur alten Jungfer, da sie alle Anträge fortan ebenso wie bis zum Zeitpunkt des Treffens mit Lefroy ablehnt.

    Jane Austens Leben wird in den Nachwörtern ihrer Werke zumeist als recht ereignislos beschrieben, außer dass ihr Humor und ihre ironische Ausdrucksweise wohl selbst unter den Verwandten gefürchtet war. Also musste der Regisseur den noch interessantesten und ergiebigsten Teil ihres Lebens, nämlich die Episode mit einem Gentlemen herausnehmen, um damit einen Film zu konstruieren, der bis auf das fehlende (!) Happy End, ganz aus einem ihrer Romane gemacht sein könnte. Dabei bedient sich der Regisseur mancher Zitate aus den Romanen und der Ausstattung und mancher Szene ist anzusehen, dass er wohl sowohl die 1995er Variante von "Stolz und Vorurteil", als auch die von 2005. So unterläuft der Fehler, wie in letzterem Versuch, dass Jane, obwohl aus ärmlichen Verhältnissen stammend, 1795 ein Kleid aus dem Empire (ab 1804) trägt. Ebenso wurde von der 2005er Verfilmung die Missinterpretation der Lebensumstände der Mittelschicht vorgenommen, so lässt der Regisseur Jane die Schweine füttern und die Mutter Kartoffeln ausgraben. Insgesamt streckt sich das Ende in etwas Langeweile wie Herzschmerz, während der Film anfangs recht hoffnungsvoll begann. Aber offenbar muss am Schluss die ganze Tragik der Handlung nochmals ausgekostet werden, indem man Jane Austen in die Gesellschaft aus dem mittleren Biedermeier setzt, obwohl sie eigentlich nur bis 1817 lebte. Neben der teilweise unpassenden Kleidung fällt die Stahlfeder immer wieder markant ins Auge, obwohl noch lange im Empire mit dem Gänsekiel geschrieben wurde. Um das Ganze auch für Herren erträglich zu gestalten gibt es zwei Boxkämpfe, welche auch tatsächlich zu der Zeit in Mode waren. Manche Einfälle sind ganz nett, so als auf die Lustbarkeiten Londons dieser Zeit wie Vauxhall Gardens hingewiesen wird. Einigermaßen artig sprechen die Damen und Herren zueinander und die Tänze sehen auch stimmig aus. Als positiv empfand ich die Auswahl der Darsteller von Anne Hathaway bis zum berühmten schottischen Schauspielen Ian Richardson, die ihren Rollen doch recht gut gerecht wurden. Scheinbar waren sie sich bewusst, dass es hauptsächlich um eine Ikone der englischen Literaturgeschichte ging, welcher man ein kleines Denkmal setzte und einmal wieder dazu einlud, ihre Bücher zu lesen.:yes:

    Insgesamt würde ich 6 von 10 Wehmutstropfen geben.;)
     
  5. Marcia

    Marcia Aktives Mitglied

    Danke für diese ausführliche Filmkritik!
    Ich habe kürzlich erst "Stolz und Vorurteil" gesehen und nun auch mit diesem Film geliebäugelt. Und da ich mich mit dieser Zeit nicht auskenne, dürfte er mich kaum enttäuschen.
     
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Welchen von beiden? http://www.geschichtsforum.de/f6/stolz-und-vorurteil-1995-2005-a-16006/
     
  7. Marcia

    Marcia Aktives Mitglied

    Ich habe den neueren Film gesehen. Dass es noch eine andere (sogar bessere ?) Verfilmung gibt, wusste ich nicht... Aber, wie gesagt, es ist nicht meine Zeit. Ich sehe so was, wenn ich mir mal einen richtig schööönen Filmabend machen will. ;)
     
  8. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Dann sei Dir hiermit die andere Version nahegelegt, die Dir, wenn ich Dich richtig einschätze, auch besser gefallen wird, als so ein Teeniefilm. Leider wird im Fernsehen (ZDF) bis jetzt nur die (entstellend) gekürzte Fassung der BBC-Miniserie präsentiert. Deswegen würde ich Dir die Originalfassung von BBC auf DVD ans Herz legen. Die ist zwar ein bisschen teuer, aber es lohnt sich, nicht nur wegen der durchweg hervorragenden schauspielerischen Leistungen und der höheren Authenzität und größeren Nähe zur Literaturvorlage... Kannst mir auch eine PN dazu schreiben.;)

    Eine kleine Anmerkung zu "Becoming Jane", hoffentlich ist das die neue jüngere Schauspielergeneration. :yes: Auch die Darstellerin der Schwester Janes Cassandra, hatte mal ein wohltuend wenig hollywoodtaugliches Gesicht. Insgesamt hatten alle, bis zu den großen alten und berühmten Mimen deutlich Spaß an der Sache. Leider ist Ian Richardson, den ich überzeugend fand, im Februar 2007 verstorben.
     
  9. Marcia

    Marcia Aktives Mitglied

     
  10. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Danach kannst Du die Englische ja noch nachlegen. In Großbritannien sind nicht zuletzt durch diese Verfilmung, manche Jane-Austen-Zitate fast schon zu geflügelten Wörtern geworden, so sagte mir zumindest mal ein Brite.
     
  11. elysian

    elysian Neues Mitglied

    Man könnte aber auch andersrum sagen, die 2005er-Verfilmung von "Stolz und Vorurteil" läßt viel Überflüssiges weg und ist somit reifer.
     
  12. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das soll wohl ein Schwerz sein. Reifer eine Teenieverfilmung, bei welcher Umgangsformen der Zeit weggelassen werden?
    ( :motz: )
     
  13. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied

    In der 2005-Version ist NIX reifer :motz: nichtmal das Ende hält sich an die Romanvorlage. Hast du das Buch mal gelesen? Was ist denn das bitte für eine Art, ein derart bedeutendes literarisches Werk mit einer Szene zu beenden, die aus einem schmalzigen 50er Jahre Ritterfilm stammen könnte? Dass sich ein Mr. Darcy aus dem Morgennebel schält, vor allem in dieser seltsamen Gewandung - soll wohl ein Morgenrock sein !?? - und auf eine Elizabeth Bennet zugeht, sie küsst und "Ich liebe dich" sagt ist verdammt weit hergeholt *hrmpf*.
    Und sie haben nicht unbedeutendes weggelassen, sondern viele der bissigen, wirklich erheiternd wirkenden Gespräche zwischen Elizabeth und Mr. Darcy weggelassen.
    Eine Keira Knightley als Ms. Elizabeth Bennet ist auch nicht gerade glücklich besetzt. Die Dame wird im Buch als "mittelmäßig hübsch" bezeichnet, sie ist also keine strahlende Hollywoodschönheit wie Miss Knightley... sehr schlecht besetzt, dieser Film, vom kürzen des Romans auf den verkümmerten Rest, der dann noch im Drehbuch landete (man will ja nicht gleich alles selber schreiben :motz:) rede ich mal gar nicht erst.

    Ich weiß, dass Colin Firth bis heute als Mr. Darcy gilt und sich dafür hasst, diese Rolle angetreten zu haben, dennoch bin ich definitiv eine der Befürworterinnen der BBC-Version... die gibts mittlerweile auch auf deutsch zu kaufen, 6 Stunden bissige Kommentare auf 2 DVDs, unbedingt empfehlenswert!:yes:
     
  14. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich kann mich mal kurz nicht enthalten:rotwerd:, aber ich befürchte dass im Empire kaum ein Mann eine Frau Knightley umgarnt hätte. Die Modekupfer zeigen was damals als schön galt. Daher nehme ich und viele, die sich mit der Zeit beschäftigen, eher an dass ein Jennifer Ehle damals als weit schöner gegolten hätte. Frau Knightley entspricht eben dem langläufigen Geschmack von 2007, aber nicht dem von um 1800.

    Susannah Harker als Jane Bennet sieht dann hingegen wirklich aus wie das absolute Empireideal von einer Frau. Kein Wunder, dass Mr. Bingley hin und weg war.:pfeif:
     
  15. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied

    Blonde Haare, blaue Augen, ein schmales Gesicht und die Figur einer antiken Göttin... ja, da magst du Recht haben =)
     
  16. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Der Blick, die Arme und die Augen, die scheinbar immer von unten nach oben gucken. Irgendwo hatte ich mal ein Bild von einer Empiredame gefunden welche exakt genauso aussah.
    Für Leute, die nicht im Bilde sind, hier die blonde Dame lnks neben dem Mann mit Lockenkopf (damals auch ideal) GoneMovie -> Pride and prejudice Colin Firth Jennifer Ehle Crispin Bonham-Carter
    Nicht das von mir gesuchte Bild, aber diese Dame galt damals auch als hübsch: http://www.marquise.de/en/1700/pics/1799_1.shtml

    Ansonsten weiter im speziellen Thread.:yes:
     
  17. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Elizabeth The Golden Age

    Ich habe den Film noch vor Weihnachten gesehen und muss sagen, dass ich lange nicht so eine langweilige Verfilmung eines spannenden Stoffes angeschaut habe.

    Die Spanier, Österreicher und so weiter sind durchweg alberne Stereotypen, wobei der Regisseur Kapur kein Fettnäpfchen auslässt. Als Sahnehäubchen gibts dann noch einen verwegenen Möchtegernpirat, der entgegen der zeitgenössischen Abbildungen eher als ein Penner statt wie ein Dandy daher kommt. Die Handlung des Films ist an vielen Stellen nachzulesen und Mummius Picius hat das Wesentliche schon charakterisiert. Ich habe lange nicht eine langweiliger Seeschlacht gesehen, als diese Darstellung des Kampfes der Armada gegen die Engländer.

    Dabei fällt ein erheblicher Gegensatz zwischen der Qualität der Schauspieler und der Regie auf. Rush und Blanchett gelingt es dennoch nicht ein Gedöhnskino mit langweiligen Zwischentakten und Gefasel aufzulockern, was wohl eine Herkulesaufgabe gewesen wäre.

    Einer der ersten Filme, bei denen ich das Geld zurück haben wollte. Also 1 von 10 nicht geflogenen Kanonenkugeln.:motz:
     
  18. Caitlin

    Caitlin Neues Mitglied

    Puuuh, dann hat es sich ja gelohnt, die Film völlig vergessen zu haben und nicht im Kino gewesen zu sein... ich warte dann mal getrost die DVD oder gar die TV-Übertragung ab :p
     
  19. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

    Obwohl der Film ohne große Actionmomente auskommt, sondern auf einer sehr ruhigen Ebene erzählt wird, weis er zweieinhalb Stunden lang das Interesse des Zuschauers auf sich zu lenken, was in erster Linie an den hervorragenden Darstellern liegt. Besonders Affleck der als Robert Ford mit fast schon krankhafter Bewunderung für Jesse James der von Pitt sehr zwiespältig und bedrohlich verkörpert wird. Besonders gut fand ich die zweite Hälfte des Filmes nachdem die Ford-Brüder sich eher unfreiwillig James anschlossen, die ganze Zeit über war die gespannte Situation zwischen beiden Fraktionen spürbar.
    Weiterhin gefiel mir die optische Inzinierung, wenn James durch Kansas City läuft meint man ihn durch die Linse eines Fernglases zu beobachten oder die stillen lakonischen Landschaftsaufnahmen. Dazu kommt noch die sachliche Erzählweise des Spechers der das Geschehen kommentiert als ob er eine Führung durch ein Freilichtmuseum leitet.

    Fazit: Der beste Film mit historischem Inhalt den ich in der letzten Zeit gesehen habe. Zudem ein Film der sich weitestgehend an die historische Vorlage hält.
    9 von 10 Schlangenköpfen
     
    1 Person gefällt das.
  20. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Die Schwester der Königin (2007)

    Erzählt wird die Geschichte der Mary Boleyn (Scarlett Johansson), welche die Geliebte von Henry VIII. (Eric Bana) war und entsprechend dem Film von Anne Boleyn (Natalie Portman) verdrängt wurde, nachdem Mary Boleyn angeblich einen Sohn dem König geschenkt hatte. Der Beginn des Films ist davon gekennzeichnet, dass sich die Familienmitglieder sämtlich den ehrgeizigen Plänen des Thomas Boleyn, ihres Vaters, und Thomas Howard unterordnen mussten, welche sich erhofften dadurch ihre Stellung bei Hofe zu behaupten oder erst zu erlangen. Da anfangs wohl Anne, entsprechend dem Film, für den König vorgesehen war, aber Mary stattdessen dessen Zuneigung gewinnt, entbrennt ein Kampf aus Rache, welcher eher von Seiten Annes gegen Mary ausgetragen wird, die sich, ans Kindbett gefesselt nicht wehren kann und in dem Anne über ihre Schwester triumphiert. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt und tatsächlich wird der Film bis zum Auseinanderleben des Paares Henry VIII. und Anne fortgeführt und den finalen Schluss bildet ein fiktiver Versuch Marys, ihre Schwester zu retten, indem sie persönlich beim König vorspricht.

    Insgesamt kann man den Film wohl inhaltlich als ein erstaunlich moralisches oder zumindest moralisierendes Werk ansehen, woran ein Moralist des 18.Jh. sicherlich seine Freude gehabt hätte. Auf der einen Seite haben wir Mary, welche garnicht an den Hof wollte, und eher passiv ihrem Schicksal ins Bett des Königs und wieder hinaus folgt und Anne, die als einigermaßen diabolische von Ehrgeiz schier zerfressene junge Frau präsentiert wird, welche scheinbar den König zu dem abgestumpften und gegrämten Mann macht, der seine Königin Katharina von Aragon verstößt um die Frau zu heiraten, welche er dafür und aus anderen Gründen schließlich hassen und hinrichten lassen muss. Gewissermaßen wird ein fataler Weg aufgezeigt, welcher zumindest von Anne aus so ziemlich freien Stücken betreten wird und den sie bis in ihr Verderben weiter beschreitet und ihren völlig unschuldigen Bruder durch den Verdacht des Inzest mit ihr noch mit zieht. Im Prinzip sucht der Film unter den Möglichkeiten für das Zerwürfnis zwischen Anne und Henry stets die für Anne unglücklichsten möglichen Varianten heraus, so versucht sie im Film tatsächlich mit ihrem Bruder George Boleyn zwar erfolglos den sexuellen Umgang, um eine Schwangerschaft zu erreichen, welche von ihren Fehlgeburten hätte ablenken sollen. Eine Schuld Annes wird also nicht nur auf ihren Charakter bezogen dargestellt und auf die Meinung bei Hofe, welche sich gegen sie richtete, sondern auch auf tatsächlich verwerfliche Handlungen, die aber historisch nicht gesichert sind. Grundsätzlich geht das Drehbuch recht frei mit den Geschehnissen um die Ehe Anne Boleyns mit Henry um, hat aber das Glück, dass diese nicht 100% gesichert sind und daher durchaus Anlass zu Spekulationen lassen. Da Elizabeth später in der Geschichtsschreibung Englands eine so glänzende Rolle eingenommen hatte, wurde wohl nie in der Filmwelt so negativ über deren Mutter zu Felde gezogen.

    Was die Ausstattung angeht, ist der Film recht nett. Allerdings kommen liebenswerte und interessante Details völlig zu kurz. Nie sieht man den König Tennis spielen, nie sieht man ihn jagen, dass er einmal zur Jagd bei den Boleyns aufbricht ist dann schon alles. Das höfische Leben wird nur angerissen, aber in der Tiefe nicht beleuchtet. So soll wohl nichts von der eigentlichen Handlung ablenken, was positiv oder negativ sein mag, wer sich für die Zeit etwas interessiert, ist aber leicht enttäuscht. Denn eigentlich dreht sich alles um die teilweise dramatischen Dialoge zwischen den Protagonisten und den Ränkeschmieden bei Hofe (T. Howard und T. Boleyn). Als oftmals sozusagen aufweckendes Element kommt das Galoppieren von Pferden und das Dröhnen der Hufe vor, welche soweit beliebte Mittel sind, dass auch Mary Boleyn nach London allein (!) reitet, um ihre Schwester zu retten.

    Insgesamt erlaubt sich das Drehbuch wohl viele Freiheiten und verkehrt manches wie dass Mary eigentlich die ältere Schwester war in dem Film, wohl auch um Anne als wunderliche und schwierige Figur heraus zu arbeiten, in das Gegenteil. Politik außerhalb der Beziehung, selbst die Funktion des Vaters der Boleyns als Berater Henry VIII. kommt nicht vor. Der Film ist dennoch recht nett und ich will ihm gern 5 von 10 Punkten geben.
     

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