Sammelthread - Kurzkritiken über neue Spielfilme mit historischen Inhalten

Dieses Thema im Forum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wurde erstellt von lynxxx, 18. Januar 2007.

  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Danke geschichtsfan07 für den Hinweis! :winke:

    ... die blauen Fräcke, die man schon aus "The Madness of King George" bei den Whigs kennt. Sie entsprechen der schlichteren Werthermode, die mit blauen, einfachen Röcken Wolltuch und derlei auf vielen Bildern der Zeit vorkommt.:)
     
  2. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Einen kurzen Einblick in die Mode des Regency erhält man hier Regency Mode
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Und zu was passt nun dieser Hinweis? Im Thread vielleicht vertan?

    Welcher Film in letzter Zeit spielte denn in der Zeit des Regency außer "Becoming Jane"?:confused:
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Wie peinlich.

    "Becoming Jane" spielt ja auch nicht im "Regency" sondern in den 1790ern, wenn ich mich nicht irre.:autsch::red::weinen:
     
  5. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Der Zeitraum des Regency ist in diesem Link zu kurz gefasst, wie man unter anderem auch im Vergleich zur englischen Porträtmalerei der Zeit sehen kann. Die sonstigen Angaben und vor allem Illustrationen treffen allerdings die Mode des späteren Regency ziemlich genau.
    Der hier genannte Zeitraum (1811-1820) betrifft das politische Regency, das sich an George IV orientiert, während man das kunstgeschichtliche Regency von etwa 1738-1834 ansetzt, wobei die Grenzen wohl unterschiedlich gezogen werden. Im Anschluss daran war die viktorianische Epoche, wie Du weißt. :)

    Also lebten sowohl "die Duchess", als auch Jane Austen und ihre Romanfiguren im englischen Regency. ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. April 2009
  6. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Nachtrag:
    So malte Thomas Gainsborough die Duchess 1783:

    [​IMG]
     
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Aha, also umfasste die "Regency" die Regierungszeit George II. bis William IV.? Und was sind da die Gemeinsamkeiten durch diese "Kunstepoche" gewesen?
     
  8. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    "Cheri" 2009

    "Cheri" ist eigentlich eine Literaturverfilmung nach dem Roman von Colette. Aber hier werden ja immer wieder Literaturverfilmungen reingenommen.

    Der Film spielt in Frankreich zur Zeit der Belle Époque. Léa de Lonval (Michelle Pfeiffer) war früher eine gefeierte Kurtisane, welche zwar als die schönste ihrer Zeit galt, aber lange nicht soviel Vermögen aus ihren Gönnern herraus zu pressen wusste wie ihre Bekannte - oder gar Freundin ? - Madame Peloux (Kathy Bates), die wie eine Aristokratin auf einem herrlichen Schloss residiert. In der Gesellschaft von Madame Peloux lernt Léa deren 19-jährigen Sohn kennen, der allgemein nur Chéri (Rupert Friend) genannt wird. Léa gelingt es, obwohl sie wohl doppelt so alt wie Chéri ist, ihn zu verzaubern und lebt 6 Jahre mit ihm zusammen, bis seine Mutter seine Vermählung mit der 18-jährigen und recht hübschen Edmée(Falicity Jones), der Tochter einer noch immer aktiven, wenngleich wohl gleichfalls in die Jahre gekommenen Kurtisane Marie Laure(Iben Hjelje), wünscht. Kurz darauf muss Chéri die ungeliebte und seines Erachtens viel zu unerfahrene Edmée heiraten und während ihrer Hochzeitsreise vertreibt sich Léa die Zeit mit einem neuen, jungen Liebhaber am Meer. Chéri stürzt sich, zurückgekehrt aus Italien, aus Verzweiflung in ein unstetes Leben, immer seine ehemalige Geliebte zurückerwartend. Schließlich macht Léa ihm klar, dass ihre Beziehung keine Zukunft haben kann und sie trennen sich für immer.

    Dieser Film trägt die eindeutige Handschrift von Stephen Frears, der es sich nicht nehmen lässt eine ganze Menge amüsanter Anspielungen auf sein Meisterwerk "Gefährliche Liebschaften" in den Film einzustreuen, was schon im Vorspann beginnt. Dem Film sieht man durch die fast betörende Ausstattung an, dass es ein Werk von Frears ist (und eine Pathé-Produktion). Man hört viel vom früheren wohl aufregenden Leben, aber dafür ist der Film erstaunlich bieder, auch wenn natürlich ein paar zerwühlte Laken zu sehen sind. Aber um Erotik oder gar Sex geht es in dem Film nun auch garnicht, wenngleich man darauf bei dem Begriff "Kurtisane" schließen könnte. Nein, es geht um die innere Tragik der Beziehungen der Hauptfiguren zueinander. Da wäre die unerwiderte Zuneigung von Edmée zu ihrem Gatten, den sie zumeist Fred nennt statt Chéri. Aber vor allem um die Unmöglichkeit einer langen Beziehung zwischen Chéri und Léa.
    Dem Drama wird ein wenig die Nebenhandlung und der Hintergund entworfen. So sieht man vom prosperierenden Paris recht wenig, keine Operetten, keine Bordelle (außer vielleicht für Sekunden am Anfang)... Immerhin gibt es ein paar Aussichten auf den Zeitgeist, hübsche Automobile, elegante Einrichtungen im Jugendstil, v.a. das Haus von Léa, Boxunterricht, die Cafés und edlen Lokale, die Drogenhäuser (erinnerte ein bisschen an "Sherlock Holmes - Der Seidenstrumpfmörder" (2004)). Trotz aller Beschränkung auf die Haupthandlung und die Charaktere ist es ein schönes Gemälde der Zeit und des Zeitgeschmacks.

    Wem viel am Schauspiel liegt, kommt nicht zu kurz. Für Michelle Pfeiffer ist die etwas vergangene Schönheit, die immerhin stetig wieder betont wird, eine dankbare Rolle. Kathy Bates (z.B. "Dolores") spielt gewohnt gut. Die Besetzung ist rundum gelungen bis hin zu den Nebenrollen wie Butler oder die Marie Laure.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. September 2009
  10. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Zu "Chéri": ich würde 8 von 10 verschütteten Tränen geben.:winke:
     
  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen

    "Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen"
    Margarethe von Trotta (Regie) 2008

    Schon vorab, keine Befürchtungen wegen des Wortes "Vision" im Titel, eben die Visionen der Hildegard von Bingen kommen bildlich bis auf einmal nicht vor und da ist es auch noch sehr milde dargestellt.

    Hildegard kommt als kleines Mädchen in das Benediktinerkloster Disibodenberg, wo die Nonnen innerhalb einer Klause getrennt von den Mönchen leben. Unter der Obhut der Mutter Jutta - Jutta von Sponheim - wächst sie und ein zweites Mädchen, das auch Jutta heißt heran. Nach dem Tod der Jutta von Sponheim, welche sich selbst geißelte, wird Hildegard (Barbara Sukowa) vom Abt Kuno (Alexander Held) zur Nachfolgerin der Toten ausgesucht und von ihren Schwestern dazu gewählt. Bereits um Jutta von Sponheim hatte sich ein gewisser Kult entwickelt, sie zog Gläubige an und verlockte den Adel zu Spenden, nun nimmt dies mit der Magistra Hildegard noch zu, was an ihren Kenntnissen zur Heilkunde und ihren allmählich bekannt gewordenen Visionen liegt. Bernard von Clairvaux unterstützt Hildegard, während ihre Visionen von manchen Klerikern angezweifelt werden. Der Bruder Volmar (Heino Ferch) schreibt die Visionen aber auch medizinischen Werke auf, welche ihr Hildegard diktiert. Durch den Selbstmord einer Schwester Klara (Paula Kalenberg), welche von einem Mönch geschwängert worden war, hat Hildegard ein Argument in der Hand, um mit ihren Schwestern aus dem gemeinsamen Kloster mit den Benedektinern auzuziehen. Gegen den Widerstand des Abtes hat sie einiges zu bestehen bis sie auf dem Rupertsberg bei Bingen ein Kloster mit schließlich genügend Einkünften zur Unterhaltung errichten lassen kann. Schon vor dem Auszug der Schwestern hatte sich eine junge Nonne namens Richardis von Stade (Hannah Herzsprung) ziemlich in die Magistra vernarrt und auch Hildegard schenkte ihr über die Maßen Zuneigung. Nachdem der Bruder von Richardis Bischof von Bremen wird, erreicht er, dass seine Tochter ebenfalls zur Leiterin eines Klosters Bassum erhoben wird. Nachdem sich Hildegard dagegen extrem sträubte, muss sie Richardis aufgeben, da deren Mutter eine bedeutende Förderin der Kirche war und auch der Bischof von Bremen und ihr eigener Bischof von Mainz auf das Fortgehen der Richardis von Stade hinwirken. Richardis stirbt in der Folge, Hildegard wird später wiederum krank, was oftmals vorkam. Nachdem sie wieder gesundet ist, beschließt sie weitere Werke zu verfassen und auf Predigerreise mit Volmar als Begleiter zu gehen. Mit ihrem Auszug auf die Reise endet der Film.

    "Vision..." ist ein sehr ruhiger Film. Humor ist wenn dann unterschwellig und maximal zum Schmunzeln angelegt (wir waren aber in einer Vorstellung mit einem extrem nervigen Publikum, das beständig lachte, da es scheinbar die Riten der Zeit nicht einordnen konnte). Betont werden in dem Film von Margarethe von Trotta von 2008 die wesentlichen Stationen im Leben der Heiligen und die Mannigfaltigkeit ihres Schaffens. Bis auf wenige Szenen und das geradezu bisweilen umwerfende Grün der Klostergärten und des Waldes auf dem Rupertsberg, als dort die Bauarbeiten beginnen, sind die Farben vom Stein der Klöster und dem Schwarz und Weiß der Gewänder der Hauptakteure geprägt. Das schafft schon ziemlich Atmosphäre. Die ergreifenste Szene fand ich, war die des Selbstmordes der Schwester Klara - aber ich finde eben auch Paula Kalenberg sehr ausdrucksstark. Beabsichtigt ist wohl, dass der Konflikt um den Weggang der Richardis einen zentralen Moment des Films spielen soll.

    Nebenbei bemerkt, Hildegard trifft im Film ganz kurz Friedrich Barbarossa (Devid Striesow) vor dessen Kaiserkrönung und prophezeit ihm diese. Er ist auf ihre Meinung gespannt, da er sich von ihren Visionen auch Vorhersagen für seinen Ruhm und Erfolg erwartet. Die Szene fand ich etwas nett.

    Die Ausstattung kann ich leider nur kaum bewerten.:rotwerd: Gerade die Personen, welche nicht direkt mit dem Kloster zu tun haben, wirkten mir manchmal eher nach Gromi, auch die Bewaffneten. Vielleicht kann dazu jemand etwas sagen, der sich mit dem HoMi besser auskennt.
    Aufgefallen war mir, dass die Jutta von Sponheim am Anfang schon viel zu alt ausschaute. Man blieb bis zur Szene mit ihrem Tod bei der selben Schauspielerin Mareile Blendl. Eigentlich hätte Jutta von Sponheim aber am Anfang des Films bloß 6 Jahre älter als die 8-jährige Hildegard sein müssen. Doch die Darstellerin war wohl 30. Der Nachteil daran war, dass man nach der Einblende "nach 30 Jahren" die sterbende Jutta sah. So konnte man sich denken, dass sie mit 60 ja in einem für die Zeit nicht so geringen Alter starb. Dass sie eben an ihrer Selbstgeißelung starb und das historischerweise mit nur 46 kam damit nicht so herüber. Die Selbstgeißelung ihrer "Mutter" sollte ja, folgt man der Aussage des Films, in Hildegard dazu geführt haben, dass sie die Liebe für so zentral hielt und auch im Film mehrfach Geißelung ablehnend verurteilt.
    Eine Frage noch an Kenner: ging es wirklich so inoffiziell und ungezwungen zu, wenn eine Magistra einen Bischof traf, wie es einmal zwischen dem Bischof von Bremen und Hildegard und einmal zwischen dem Bischof von Mainz und ihr der Fall ist?

    Insgesamt ein solider Film, wenn er auch nicht allzulang im Gedächtnis bleiben wird. Immerhin sah man gute Schauspieler an schönen Drehorten und bekam ein paar (mir nicht weit genug das Leben im Kloster beleuchtende) Einblicke in die Welt der Hildegard von Bingen. Mehr aber auch nicht. Also 6 von 10 Punkten für den Film. :)
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. September 2009
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  12. Gaius Marius

    Gaius Marius Neues Mitglied

    Eine neue HBO-Miniserie startet nächsten Monat auf eben jenem Sender.
    The Pacific ist der bekannten Serie Band of Brothers sehr ähnlich, wiederum folgt man den Spuren einiger US-Soldaten im 2. WK. In The Pacific geht es allerdings, wie man schon anhand des Titels erkennen kann, um die Kampfhandlungen im Pazifik.

    Hier mal die offizielle Seite (mit Trailer):
    HBO: The Pacific: Homepage

    Und der Wiki-Link:
    http://en.wikipedia.org/wiki/The_Pacific_(miniseries)
     
  13. Secundus

    Secundus Aktives Mitglied

    Im neuen Robin Hood Film ("Gladiator Recycled") erfährt man endlich wer die Magna Charta entworfen hat:
    Es war der Vater von Robin Hood, ein Steinmetz.:autsch:
     
  14. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Ja, genau, hatte der nicht auch diverse Gebotstafeln an einen Moses geliefert? :grübel:
     
  15. Secundus

    Secundus Aktives Mitglied

    Mal im Ernst, der Film fängt ganz interessant an.
    Richard Löwenherz erscheint nicht als edle Lichtgestalt sondern als skrupelloser Plünderer. Auch Robin ist anfangs ein opportunistischer Hochstapler. :p
    Leider versinkt die Story dann in zuviel Geschichtsklitterung und unglaubwürdigen Wendungen.:S
    Der optische Höhepunkt war für mich die Szene wie das königliche Schiff die Themse hochfährt.:boot:
    Kurz vor Schluss ist den Autoren dann aufgefallen dass der Name Robin Hood noch gar nicht vorkam, irgendwie fällt dann dieser Name vom Himmel.:nono:
     
  16. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich habe bisher nur das Making of gesehen und war doch sehr erstaunt, dass Omaha Beach jetzt ins MA verlegt worden ist.
     
  17. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    Dass die Barone recht unschuldig daherkommen und allein der "erste Mann im Staat" wegen seiner Steuerpolitik die Bevölkerung und Großindustr..ähGrundbesitzer von Lämmern zu Löwen werden lässt, ist für Hollywood überraschend unpatriotisch.
    Da muss ich irgendwie an "Tea-Party" denken. Ich weiß nur nicht, ob mir da als erstes die historische Bostoner einfällt.
     
  18. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Ich hab bisher nur den Trailer gesehen. Als dort Cate Blanchett das Visier ihres Helmes schloss, entschloss ich mich auf die Videoauswertung des Films zu warten.


    Produzent Brian Grazer: "Wir wollten die politischen und historischen Fakten dieser Zeit möglichst genau zeigen. England war pleite, im Land drohte der Bürgerkrieg, und an der Spitze stand mit König John ein unfähiger Anführer. Vor diesem Hintergrund konnten wir die Geschichte ausbreiten, wie Robin Hood entstand."
    Kino-Kritik: Robin Hood - Robin Hood entdeckt sich selbst - Kino + DVDs - Home-Entertainment - magnus.de

    Solche Sprüche hat man auch schon zu "Gladiator" und "Kingdom of Heaven" gehört. Mal ehrlich, Scott sollte wieder SciFic-Filme drehen, das ist sein Genre.
     
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  19. Secundus

    Secundus Aktives Mitglied

    Stellenweise sind erstaunliche Details zu sehen, wie z.B. Kettenhemden mit integrierten Fäustlingen die im "Ruhezustand" an den Handgelenken baumeln, oder die Probleme eine Rüstung wieder auszuziehen. Andererseits gibt es wieder dicke Klöpse wie z. B. die Kremation des Sir Walter Loxley, wie im alten Rom....=)
     
  20. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Hab in diversen Trailer auch über die "eckigen" Eisenhüte gestaunt die ich bisher nur in der Kreuzfahrer Bibel oder bei wenige Reenactern gesehen habe, aber noch nie in einem Film. Aber dann hab ich in den Trailern ne Schaller gesehen (anmerking: ca 200 Jahre zu früh für den Zeitraum wo der Film spielt) und den Film als "Gladiator" im Mittelalter abgetan was "echtheit" angeht :D

    Nach diversen Rezensionen zu Urteilen ist "Robin Hood" aber nicht mal ein guter Film, selbst wenn man die historischen Ungenauigkeiten außer Acht lässt :(

    Bin daher am hadern ob ich mir denim Kino antue oder doch lieber auf die DVD warte.
     

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