Sammelthread - Kurzkritiken über neue Spielfilme mit historischen Inhalten

Dieses Thema im Forum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wurde erstellt von lynxxx, 18. Januar 2007.

  1. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    3:10 to Yuma
    Ein sehr guter klassischer Western mit zwei top aufgelegten Darstellern (Bale, Crowe) und High-Noon Finale. Sicher nicht alles ganz original aber dennoch spannend anzusehen.
    8/10
     
  2. Hans forscht

    Hans forscht Aktives Mitglied

    Ich bin ja mit großen Erwartungen in 10.000 BC reingegangen und dann reichlich enttäuscht worden. Wer baut denn sein Steinzeitdorf auf einen Bergkamm?:nono: Und was machen die Pyramidenbauer:confused: in dieser Zeit, etc., etc. pp. Die hätten sich vielleicht vorher mal so ein bißchen über das informieren sollen, worüber sie da gefilmt haben.
    Ich hoffe Du bringst was besseres zustande! Viel Glück!
     
  3. Balduin

    Balduin Gesperrt

    10.000 BC ist geschichtlich absoluter Quatsch. Ich hab ihn mir angeschaut und gemerkt es war viel Unsinn dabei. Hätte man gefiltert, ja das darf nicht sein und das nicht, hätte man nichts mehr vom Film mitbekommen. Mein altertümliches Geschichtswissen ist begrenzt, aber soviel weiß ich auch, dass das meiste nicht passieren kann.
     
  4. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Der Film ist doch beste Fantasy-Unterhaltung. Was anderes will der Film auch nicht vermitteln.
     
  5. Hans forscht

    Hans forscht Aktives Mitglied

    Ich habe eine Zeitlang ein Pub Quiz gemacht und kann Euch sagen, bei so markanten Zeitpunkten wie Krönung Karl des Großen, Napoleon, etc. konnten sich die meisten Teams (!) noch nicht mal ratend grob dem Zeitraum annähern. Deshalb führen solche grob falschen Darstellungen auch dazu, daß viele Leute das unbesehen glauben, weil sie gar nicht merken, wie verworren da die Geschichte durch den Quirl geht. Deshalb hat's mich schon ziemlich geärgert.
     
  6. Henricus Grotus

    Henricus Grotus Gesperrt

    Die Berater für diesen Film haben wohl unter Drogen gestanden. FG*
     
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Der Mongole (2007)

    Erzählt wird die Geschichte des Temüüdschin und dessen Aufstieg zum Dschingis Khan. Hierbei liegt der Schwerpunkt des Films auf seiner Kindheit, dem Tod seines Vaters und seinem entbehrungsreichen Leben als junger Mann, der schweren Lage seiner Familie, welche von der des mächtigen Anführers Yesügai in eine ziemliche Bedeutungslosigkeit und Armut gestürzt wurde. Temüüdschin hat in seiner Jugend viele Verfolgungen zu ertragen. Sein Blutsbruder Jamukha, der Temüüdschin anfangs half, seine Braut Borte aus den Händen der Merkiten zu befreien, wurde als der später erbittertste Feind Temüüdschins dargestellt. Bis dahin dass er ein großes Heer vereinigen konnte, wurde das Leben Dschingis Khans als hart dargestellt. Mehrfach wird er als Sklave oder Gefangener gezeigt, wobei das Leben in Tangut als Sklave besonders hervor zu heben ist. Der Krieg gegen Jamukha um die Einigung der Stämme wurde jedoch eher kurz abgehandelt. Am Ende wird das weitere Leben des Dschingis Khans offen gelassen, bzw. nur kurz erwähnt, da es wohl den Rahmen des 2-stündigen Films gesprengt hätte.

    Bei dem Film fallen die entscheidenden Namen und ganz grob hält er sich auch an die nachweisbaren Fakten. Hinzu kam, dass der Regisseur scheinbar einige Freiheiten hatte, da gerade aus der frühen Zeit Dschingis Khans mehr Vermutungen als gesicherte Fakten vorliegen. Allerdings vermittelt der Film das wohl falsche Bild, dass sich der Erfolg Dschingis Khans einzig auf die gerechte Verteilung von Beute und dem somit sich entwickelnden Versammelns vieler Leute um hin herum erklären ließe. In Wirklichkeit gelang es ihm geschickt durch Verhandlungen Verbündete unter den Stämmen für sich zu gewinnen, die er schließlich späterhin unter seine Herrschaft bringen konnte. Dieser Aspekt fehlt, außer dem Bündnis mit seinem ehemaligen Gefährten Jamukha gänzlich. Die Schlachten sind wohl teilweise etwas wunderlich, besonders in der letzten, in welcher schwere Reiter als eine Art Geheimwaffe eingesetzt werden, wobei diese mit jeweils zwei Schwertern um sich hiebend irgendwie besonders erfolgreich sind. Aber da fehlt mir zu einer abschließenden Einschätzung bezüglich der Authenzität leider die Sachkenntnis. Der Gegenstand des Films ist sicherlich der Aufstieg Dschingis Khans und seine Schwierigkeiten dabei. Vordergründig geht es danben auch um seine Liebesbeziehung zu seiner Frau Borte. Der schwerwiegende Konflikt mit den Tartaren kam garnicht zur Sprache.

    Insgesamt kam mir trotz der sicherlich aufwändigen Schlachtszenen der Film sehr langatmig vor. Packend fand ich ihn nie, auch in den Schlachten nicht. Irgendwie war es schwer in die Handlung rein geholt zu werden, auch wenn die Darsteller Tadanobu Asano und als Borte Khulan Chuluun sicherlich bemüht waren. Am schönsten waren noch die Eindrücke von der ganz speziellen mongolischen Landschaft, der Weite der Steppe usw..

    Mich würden andere, sachkundige Meinungen zu dem Film interessieren. Aus dem Bauch herraus würde ich 5 von 10 Punkten geben. Zwar war er nicht schlecht der Film, aber eben nicht so spannend, ihn nochmals anzusehen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. August 2008
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  8. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Ein virtueller Grüner für deine Kritik.
    Dieser Film soll ja angeblich der erste von drei Teilen sein. Da werden dann manchmal die üblichen Sehgewohnheiten nicht bedient, weil alle drei Akte=Filme als Ganzes zusammen gesehen werden müssten. Aber ansonsten keine Ahnung, hab ihn noch nicht gesehen.

    Ich habe aber in den letzten Tagen, einen kurzen Sendebeitrag gesehen, der drei gröbere historische Fehler aufzeigte. Ich hab nichts gegen historische Ungenauigkeit, wie z.B. bei Braveheart, einen meiner Lieblingsfilme dieser Thematik, aber der "Mongole" soll doch angeblich historisch korrekt(er) sein?
    Leider habe ich eben gesucht, aber im Netz keinen Hinweis auf meine gesehene Sendung gefunden, ich weiß auch nicht mehr, ob es auf 3Sat, BR3, arte, oder wo auch immer gewesen war...

    Wie dem auch sei, hier gibt es einige Dossiers zum Thema:

    von Amélie Schenk:
    Dschingis Khan - ARTE
    NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND
    ZDF.de - Die Mongolen
    Lover, Monster, Grokhan
     
  9. Ich habe "Der Mongole" gesehen, und würde dem Film 8/10 geben. Und das aus mehreren Gründen:

    Er zeigt die Gedankenwelt der Mongolen nEn sehr gut, und auch den Zustand vor Dschingis und nach Dschingis. Außerdem, endlich mal ein Film, der nicht die Mongolen Dämonisiert, und sie als Menschen sieht; weder als Götter, noch als Dämonen, sondern einfach als Menschen. mWn ist er auch, im Vergleich zum Großteil des Hollywood Mists, ein Film, der nicht allzu ungenau ist. Die massivste ungenauigkeit war, das sein ehemaliger Schwurbruder Jamucha eigentlich nach der Schlacht stirbt, und auch die Schlachtszene.
    Wo wir bei meiner Lieblingsszene wären: Die monumentale Schlacht, die im Film dargestellt wird, ist ein Augenschmaus, ein wahres Leinwandgemälde, das meiner Meinung nach auch "Hero" übertrifft, auch wenn die Ausrüstung der angreifenden Reiter nicht ganz stimmt. Aber ansonsten wurde erstaunlich genau auf die richtige Ausrüstung geachtet.
    Ich kenne auch den anderen Film Bodrovs, Nomad-The Warrior, der mir auch sehr gut gefallen hat, und kann sagen, der Mann versteht sehr viel von seinem Handwerk, vielleicht mehr als manche andere aus den USA.

    Ergo: Der Film hat genau die richtige Mischung von Schlacht und Dialogen, und versucht sehr genau eine so vielschichtige Persönlichkeit, wie Temudshin war, zu analysieren. Also 8/10.
     
  10. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    The Duchess

    Schon lustig, für den Oscar ist der Film schon nominiert, läuft aber immer noch nicht in den deutschen Kinos. Also irgendwas läuft da derzeit falsch. :motz:

    Nun ja, die Kritiken waren bis jetzt nicht so besonders. Wahrscheinlich wird der Film wieder typisch biedere Hollywoodkost wie "Das Halsband der Königin", aber angeblich zumindest im Bezug auf die Kostüme auf gutem Niveau.
     
  11. Ein Film der in den Kinos und in Deutschland wenig Beachtung gefunden hat:

    The Warlords

    YouTube - The Warlords Trailer Eng Subs ??? Jet Li Andy Lau Peter Chan

    An Meinungen dazu wäre ich sehr interessiert.

    Auch wenn die Qing Zeit mir nicht sehr vertraut ist, war ich von der Ausstattung sehr beeindruckt.

    Der Mongole ist als Film in der Mongolei selbst allgemein verhasst, die meisten Mongolen die ich kenne mögen den Film gerade deshalb nicht, weil er die Gedankenwelt der Mongolen falsch darstellt. Und das tut er tatsächlich.

    Der Hauptdarsteller ist Japaner, der Hauptgegenspieler ist Chinese (allein das ist schon ein Problem), der Resigeuer ist Russe usw.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 30. Januar 2009
  12. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Vorweg, falls nicht schon bekannt.

    Ich schaue Filme erstmal als Filme. Punkt.
    So wie ich Karl May damals erstmal als Abenteuerromane gelesen habe, und mich gefreut habe, dass ich sogar die Reiserouten auf einem Atlas mitverfolgen konnte, so wie ich bei Herr der Ringe auf der mitgelieferten Karte die Route mitverfolgte.

    Wir hatten und haben ja schon öfters die Grundsatzdiskussion geführt, inwieweit es ärgerlich ist, wenn historischer Unfug, oder falsche Details gezeigt werden. Solange ein Regisseur nicht rumtönt, er wolle die Historie so zeigen, wie sie nach heutigen Kenntnisstand war, und das auch noch ernst meint, und nicht zu Marketingzwecken nur behauptet, solange bin ich äußerst entspannt, und ich bin meist froh, aus diesem historischen Genre überhaupt etwas zu Gesicht zu bekommen. Natürlich kann man sich ärgern, dass wenn schon Millionen ausgegeben werden, wenn schon historische Köstüme genäht wurden, warum dann nicht originalgetreuer, sondern z.B. ein Mix aus Epochen.

    The Warlords habe ich letzte Woche die erste Hälfte von gesehen und ich war begeistert, denn darin sind die am besten choreographierten und nachvollziehbarsten Massenschlachten-Szenen, die ich seit Bravehaert und vielleicht Alexander gesehen habe. (Evtl. gibt es noch mehr Filme, die ähnlich gute Szenen von Schlachten hatten, die mir grad entfallen sind, z.B. Battle of Kingdoms hatte auch sehr gute) (Herr der Ringe war natürlich auch genial, ich spreche nun von "historischen" Schlachten, keine Fantasy.)

    Ich finde es gut, wenn eine monumentale Schlacht auch nachvollziehbar wird, wenn man also mitbekommt, wie welcher Truppenteil auch zum Gelingen der Strategie beiträgt, wie welcher Teil zum Sieg beiträgt. Oft ist die Choreographie einer Schlacht für den Betrachter nur ein Kuddelmuddel, oder die Schnitte so schnell, dass man nichts mitbekommt, oder die Ausschnitte zu klein. Hier wird zudem im Film auch gezeigt, wie Gliedmaßen abgetrennt werden, was ich begrüße, denn auf die Dauer ist ein Schwert in der Achselhöhle des gegnerischen Stuntmen beim Bauchstoß nicht sehr glaubwürdig.

    Wieso habe ich ihn nur zur Hälfte gesehen? Weil er entgegen der Ankündigung zur Hälfte auf chinesisch ohne Untertitel war, und ich dann abgebrochen habe. Vielleicht finde ich irgendwo noch eine durchgehend deutsche Version, um das Monumentalepos zu Ende zu schauen, und auch den Antikriegscharakter besser mitzubekommen, den er wohltuend abhebend von anderen chinesischen Epen haben soll.

    Der Mongole fand ich auch recht gut. Eher ein ruhigerer Film, der in schönen Landschaften schwelt, und einer sehr schönen Schlacht zum Ende hin, allerdings wirkt sie ein wenig zu sehr nach billiger CGI? Vielleicht im Kino nicht? Naja, jedenfalls würde ich ihn auch nicht zweimal schauen, wie Brisso schon meinte.

    Haben wir nicht einen gesonderten Thread über "Der Mongole"?

    Wie ist denn die Gedankenwelt der Mongolen damals im Gegensatz zu dem Film?
     
  13. Legat

    Legat Aktives Mitglied

  14. HistoryMatters

    HistoryMatters Neues Mitglied

    hab auch noch nen' guten Film anzubieten:
    Jakob der Lügner


    In dem von Jurek Becker im Jahre 1968 verfassten Roman „Jakob der Lügner“ geht es um den im Ghetto lebenden Juden, Jakob Heym, dem fälschlicherweise der Besitz eines Radios angehängt wird.
    Jakob hat sich in dieses Gerücht zwar selbst hineinmanövriert, doch da der Besitz eines Radios im Ghetto strengstens verboten ist, will er dieses Gerücht so schnell wie möglich aus der Welt schaffen.
    Allerdings bemerkt er schnell, wie er durch seine erfundenen Radionachrichten über das stetige Vorankommen der Russen im Krieg gegen die Deutschen, den Ghettobewohnern wieder Hoffnung und neuen Lebensmut gibt und so beschließt er weiter zu lügen.
    Er gerät dadurch des Öfteren in Schwierigkeiten, doch der Glaube an eine bessere Zukunft lässt ihn nie den Mut verlieren.


    Wenn ich mich nicht ganz irre gibt es drei Romanverfilmungen. Ich hab vor 2-3 Jahren im zdf die Version mit Robin Williams gesehen und war schlicht weg begeistert. Das ist ein Film den ich wirklich jedem ans Herz legen kann. Der Film ist eindrucksvoll und tragisch.
    Wer sich den Film nicht kaufen/ausleihen will kann sich ja die Reclam Ausgabe des Romans besorgen!!!


    sg
    felix

    ereen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. März 2009
  15. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    The Duchess

    Kann mal jemand eine Kritik dazu schreiben?

    Manch einer hat die DVD ja schon als UK-Import.

    Ich lach mich nur schief, dass der Film immernoch nicht für die deutschen Kinos raus ist und mittlerweile kann man den sich schon als DVD kaufen. :rofl::rofl::rofl:
    Ist wohl ein Fall von, nix gewesen...

    Ne Kritik wäre ganz nett, vielleicht spare ich mir das Geld nach dem, was ich bis jetzt davon gehört habe, dürfte der Film trotz Kostümen, die in Ordnung sind, sehr schwache prüde US-Filmkost sein.
     
  16. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied


    Wink mit dem Zaunpfahl? ;) :D

    Okay, okay, die Kritik kommt dann so bald wie möglich von mir, es sei denn jemand anderer kommt mir zuvor. :)
     
  17. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    "The Duchess" (2008)

    Für alle Fälle setze ich hier dennoch der Vollständigkeit halber noch den Link zu Saint-Simones recht schöner Filmkritik zu "The Duchess". http://www.geschichtsforum.de/409596-post142.html Eine eigene von mir, wird wohl innerhalb der nächsten Tage folgen, das heißt, wenn der Film bei uns noch nicht aus den Kinos genommen ist, bevor ich es schaffe rein zu gehen. Ist er so dröge wie "Marie Antoinette", läuft er sicherlich auch nur ganz kurz in Freiburg.;)
     
  18. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    "The Duchess"

    Gut endlich war ich drin und ich muss sagen, es hat nicht mal wehgetan. Vorab: der Film ist wirklich nicht gerade spannend und entsprechend war das Kino so gut wie leer (vielleicht 20 Leute, die sich da rein verirrten), vielleicht ein Glück dass ich ihn noch im Kino zu sehen bekam, weil er wohl leichterdings nach der ersten Woche schon abgesetzt werden könnten, wenn ich mit der 19-Uhr-Vorstellung eine repräsentative Vorstellung anschaute.

    Aber nun gut, zur Handlung:
    1774, Georgiana, eine Lady Spencer, (Keira Knightley) heiratet am Beginn des Films den Duke of Devonshire (Ralph Fiennes), was durch ein Arrangement zwischen Georgianas Mutter (Charlotte Rampling) und dem Duke zustande kam. Die Ehe ist gekennzeichnet von den Affären des Duke mit scheinbar verschiedenen Damen, v.a. aber durch seine Beziehung zu Elizabeth Foster(Hayley Atwell). Die Duchess und der Duke stehen den Whigs nahe und in den 1780ern, nachdem die Duchess dem Duke schon Töchter geboren hatte, engagiert sich die Duchess für die Whigs. Sie stellt bsw. Charles Grey(Dominic Cooper), der von Mr. Fox (Simon McBurney) protegiert wird, bei einer Wahlkampfveranstaltung vor. Es entwickelt sich eine verhängnisvolle Affäre zwischen Mr. Grey und der Duchess of Devonshire, die darin einen Ausgleich zum tristen und durch das Zusammenleben auf engstem Raume mit Bess Foster, der Mätresse ihres Gatten, und deren Kindern, scheinbar noch unangenehmeren Leben, sucht. Hieraus entspringt eine Tochter, welche die Duchess allerdings aufgeben muss. Die Tochter wird den Verwandten von Mr. Grey übergeben. Die Duchess entscheidet sich letztlich vor allem durch ihre Bindung an ihre Kinder für die Ehe mit dem Duke, statt ein ungesichertes Dasein mit dem Politiker Grey zu führen.


    Der ganze Film ist nur ein Ausschnitt aus dem Leben der Duchess of Devonshire(1757-1806), wohl einer der spannendsten und ambitioniertesten Frauengestalten des 18.Jh., die entsprechend auch Würdigung durch Historiker gefunden hat. Jedoch geht der Film über eine Darstellung ihrer angeblichen Leiden in ihrer Ehe und ihre Beziehung zu Charles Grey, 2nd Earl Grey(1764-1845).
    Ihre politischen Ambitionen bei den Whigs und auch ihr Verhältnis zu Charles Fox werden maximal mit einem leisen Häuchlein berührt. Man fragt sich ein wenig, warum das Volk denn der Duchess zujubelt (?), denn in dem Film sieht man weder Talente noch gewinnenden Charme an ihr. Ihre Spielsucht, ihr exessives Leben werden fast ganz ausgeblendet. Kurz man macht sie zu einer untadeligen Frau, die erst aus Rache fremdgeht.
    Kurz: Man hat fast den Eindruck als ob der Duke und die Duchess, um die sich alles dreht, nichts anderes als ihre Beziehung zum Gesprächsthema hatten.:autsch:
    Wo es sich andeutet mal interessant zu werden (nicht nur in den biederen Sexszenen), bricht der Film in allen Fällen ab.


    Fehler?
    Grundsätzlich wurde das Alter der Figuren völlig durcheinander gebracht.

    So sieht man am Anfang Charles Grey 1774 als stattlichen Mann mit anderen Adeligen um die Wette laufen. Dabei war er zu dem Zeitpunkt erst 10 Jahre alt!:fs: Überhaupt kommt der schon recht bedeutende Altersunterschied zwischen Grey und der Duchess garnicht zur Geltung. Stattdessen wird der Duke viel älter gemacht, als er damals war. Zum Zeitpunkt seiner Vermählung war der Duke 26, im Film wirkt er deutlich älter als 40! http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:William_Cavendish_5th_Duke_of_Devonshire.jpg&filetimestamp=20070815053622 Folgt man diesem Portrait von Batoni, welches auf einer der Reisen des Duke, in Italien, entstand, muss er für die damaligen Verhältnisse ein sehr schöner Mann gewesen sein. Peinlicherweise wird auf dem angeblich so großen Altersunterschied zwischen dem Duke und der Duchess beständig rumgeritten, der sich aber nur auf 9 Jahre belief - zum Vergleich: sie war immerhin auch 7 Jahre älter als Grey!
    Auch Georgianas Mutter, die Countess Spencer, war viel zu alt dargestellt. Zum Zeitpunkt der Vermählung ihrer Tochter war sie etwa 37! (und sah ein Jahr später so aus: Datei:Lady Georgiana Poyntz.jpg ? Wikipedia ) Die Darstellerin scheint aber die 50 überschritten zu haben...
    Überhaupt ähneln die Darsteller den historischen Vorbildern keinesfalls, was neben Ralph Fiennes besonders auf Keira Knightley zutrifft.

    Was ist schön, was ist schade?

    Schön sind zweifellos die Kostüme. Scheinbar hatte sich das Porträt Batonis des Dukes so in die Vorstellungen der Verantwortlichen eingebrannt, dass man ihm immer Westen mit Borten verpasste. Insgesamt sind die Kleider recht zurückhaltend und selbst bei der Duchess kommt ihre Vorreiterrolle in Sachen Mode nicht zur Geltung und die Farbigkeit der Mode der 1770er und 1780er, die nicht nur von zeitgenössischen Bildern (Gemälde, Modekupfer....), sondern auch von Originalen her bekannt ist, fällt leider ein bisschen hinten runter. Der Duke soll scheinbar als graue Eminenz erscheinen, trägt er vom Anfang bis zum Ende ungefähr die selbe Mode, auch was die Frisur anbelangt.
    Ansonsten wurde aber viel Wert darauf gelegt, dass man die Eigenheiten der Mode der Engländer zu dieser Zeit ausmachen konnte. So tragen die Whigs auf der einen Wahlveranstaltung

    Eine Frage hätte ich: Ist diese Art Haube unter der "Turmfrisur" wie man sie in der Szene sieht, in welcher die Perücke der Duchess brennt, irgendwie belegt? Etwas ähnliches sieht man ja auch in "Revolution" auf dem Kopfe von Natasja Kinski. Aus Frisierbüchern der Zeit ist mir eine Abbildung einer solchen kleinen Haube zwischen Perücke und Kopf bei den Damen nicht bekannt.

    Damit wären wir bei den Perücken u.ä.. Diese sind fast durchweg schön gemacht, sie erinnern sehr an die Reproduktionen, welche man im Ausstellungskatalog "Dangerous Liaisions" vom Metropolitan Museum of Art New York sieht. Angenehm selten kommen Schönheitspflästerchen vor, die auch wirklich zu der Zeit völlig aus der Mode waren und maximal als abgeschmackt empfunden wurden (siehe Mirabeaus "Meine Bekehrung"!). Aufgefallen sind mir nur Lidschatten bei den Damen, die es nicht gab. Die Perücken der Herren sind in Ordnung und scheinbar englisch-schlicht. Ganz richtig tragen die Herren allesamt Perücken und darunter recht kurze Haare, was im 18.Jh. in England gewöhnlich war, während in Frankreich bsw. auch oft die eigenen Haare frisiert wurden.

    An Innenausstattung und Kleidung erkennt man, dass es eine Pathé- und BBC-Produktion ist.:yes:

    Sehr hübsch sind die Bilder auf die Drehorte. Da wurde ausnahmsweise in dem Film wirklich ein bissel das 18.Jh. in England eingefangen. Man sieht ein bisschen von Bath und natürlich Paläste, kleine Schlösschen usw.. Das Haus der Devonshires in London ist allerdings etwas zu schön, es galt damals als eines der hässlichsten der Stadt und auf einem Foto in der Biographie, die als Vorlage diente, erkennt man auch, dass dieses Urteil berechtigt war. Immerhin ist der Palast schön groß und man erkennt darin die wahrlich herzogliche Mondänität.

    Beim Theater, beim Kuren in Bath wie am Spieltisch trifft das selbe zu. Man wird mit ganz kurzen Sequenzen angefüttert, aber wie immer bei solchen Filmen wie auch bei "Marie Antoinette"(2006) wird dieses Mittel schlicht nicht ausgereizt und daraus ein Gewinn gemacht, da man schlicht nicht erfährt, was denn gespielt wird bsw.. Zumindest in einer Szene glaube ich das Pharaospiel erkannt zu haben, welches wirklich in einer gewissen Beziehung zur Duchess stand. Als weit besseres Vorbild in der Hinsicht über solche Details Zeitgeschmackt rüber zu bringen, mag "Barry Lyndon" dienen.:)

    Die Schauspieler waren durchweg in Ordnung, wenn auch wie oben genannt fast durchweg Fehlbesetzungen, weil sie nicht mit den historischen Vorbildern äußerlich harmonierten. Am ehesten erschien mir Ralph Fiennes, der berühmtere Bruder des in dem Mètier schon deutlich erprobteren Joseph Fiennes ("Shakespeare in Love", "Luther", "Der Kaufmann von Venedig"...), ein recht guter Schauspieler, der sich vielleicht damit für den Historienfilm empfehlen möchte. Keira Knightley - na gut, immerhin hat sie einen Gesichtsausdruck oder so mehr seit ihrem Debakel in "Stolz und Vorurteil" dazu gelernt.;)
    Ah bevor ich es vergesse, dieser Dominic Cooper scheint ja genial Danton zu ähneln. Mit der Perücke auf dem Kopfe kann man ihn noch besser mit ihm vergleichen. Ein paar Kilo zugelegt und Pockennarben ins Gesicht geschminkt und schon könnte es abgehen in einer Danton-Rolle...

    So inhaltsarm der Film auch war, könnte man sich noch eine ganze Weile darüber auslassen, doch ich will zu der Bewertung kommen.

    Vor allem wegen der Kostüme und der schönen Bilder teilw. würde ich dem Film noch 6 von 10 Stimmen für die Whigs bei der Unterhauswahl geben.:fs:=) Der Film hat nicht viel genutzt, aber ist eine nette Unterhaltung für nebenher und ich will auch dann über die kleineren und größeren Ungenauigkeiten hinwegsehen...:D Ein bisschen ist der Film vielleicht auch eine vertane Chance, wirklich sich der Person der spannenden Herzogin und Lebefrau anzunehmen, aber immerhin ist mehr als bei "Marie Antoinette" heraus gekommen - auch wenn die Seele der Figur irgendwie verfehlt scheint.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. April 2009
  19. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Allgemein zum Thema: Literaturverfilmung historischen Inhalts

    Ich hasse es wie die Pest, wenn bei einer Literaturverfilmung mit der Behauptung geworben wird, das Drehbuch halte sich genau an die historische Vorlage und dann gerade bei Autoren, die sich mit äusseren Beschreibungen zurückhalten (weil sie den Charakter als solchen sprechen lassen), die notwendigen Details nicht berücksichtigt werden.

    Das kommt mir gerade wieder im Zuge eines Groupreads hoch.

    Frage: Wenn gesagt wird, jüngere Schwestern seien größer und/oder kräftiger als ältere Schwestern oder Freundinnen, warum werden die Jüngeren dann doch grundsätzlich mit kleinerer Statur und feingliedriger gecastet?

    Das führt bei P&P 2005 (aber auch bei der 1995-er) dazu, dass die fünf Schwestern wie die Orgelpfeifen dastehen bzw. auf dem Sofa/Sessel sitzen, obwohl Lydia Bennet eindeutig die größte der Mädchen ist, und auch Georgiana Darcy größer und kräftiger als Lizzy ist.
    Darcy sagt im Buch gegenüber Caroline Bingley, auf deren Nachfrage, ob Georgie (innerhalb der letzten Monate) gewachsen sei, sinngemäß sie wären inzwischen mindestens gleich groß. Nachdem auch Darcy als ausnehmend groß und dunkel beschrieben wird, kann man davon ausgehen, dass die Familie grundsätzlich großgewachsen ist, also andere Geschlechtsgenossen, egal welchen Alters, überragt. Das gilt im besonderen für Georgie. Ich finde das sehr wichtig für die charakterliche Ausprägung, da man im Bezug auf ihre Schüchternheit und Größe davon ausgehen kann, dass sie auf den ersten Blink stolz und linkisch wirkt, auch wenn sie extrem freundlich ist, aber ungeübt im kommunikativen Umgang. Das findet sich in keiner Verfilmung wieder, obwohl gerade Lizzys schwesterliche Art und Georgies Dankbarkeit gegenüber Lizzy wichtig für den Plot ist. Ein Mann wie Darcy hätte sonst nie einen zweiten Antrag gewagt und damit einen zweiten Korb in Kauf genommen, bzw. er hätte seine Gefühle irgendwann ablegt und sie wären nicht verstärkt worden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. April 2009
  20. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Wenn zumindest das Alter noch halbwegs stimmt, finde ich das noch zu verschmerzen. Mich verwirrt vor allem ein nicht korrekt dargestelltes Alter der Figuren, aber auch die Haarfarbe ist ein wichtiger Punkt.
     

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