Seetüchtigkeit von Galeeren

Ich war am suchen, welche die letzten größeren Gefechte waren bei denen Galeeren involviert waren. Die Schlacht von Chesme 1770 dürfte eine davon gewesen sein. Auf türkischer Seite kämpften 13 Galeeren mit.

Battle of Chesma - Wikipedia, the free encyclopedia

Der vermutlich letzte Einsatz war der Russische Angriff auf Turku 1854.

Gehe ich recht in der Annahme, dass auf diesem Gemälde der Schlacht von Chesma vor allem Linienschiffe zu sehen sind?
Sie ersetzten ab dem 17. Jh. mehr und mehr die Kriegsgaleeren im Mittelmeer. Ob aber auch Venedig Linienschiffe baute, ist mir nicht bekannt. Möglicherweise fehlte den Venezianern das Geld dazu, nachdem die Stadt wegen der Verlagerung der Handelswege in den Atlantik zunehmend verarmte.
 
Gehe ich recht in der Annahme, dass auf diesem Gemälde der Schlacht von Chesma vor allem Linienschiffe zu sehen sind?
Sie ersetzten ab dem 17. Jh. mehr und mehr die Kriegsgaleeren im Mittelmeer. Ob aber auch Venedig Linienschiffe baute, ist mir nicht bekannt. Möglicherweise fehlte den Venezianern das Geld dazu, nachdem die Stadt wegen der Verlagerung der Handelswege in den Atlantik zunehmend verarmte.

Nein, auch Venedig, das Osmanische Reich, Malta und sogar der Bei von Algier setzten nach und nach auf Linienschiffe und Fregatten. In Venedig wurden einige sehr schöne solcher Schiffe gebaut, von denen ein paar später von Frankreich nach der Anektion Venedigs und dem Vertrag von Campo Formio übernommen wurden.

Diese Schiffe konnten jedoch nicht komplett die Rolle der Galeere ersetzen, sie wurden also im Mittelmeer und Baltikum von Schebecken und Ruderkanonenbooten ergänzt, die Schweden bauten dazu ihre "Schärenfregatten".

Bei Chesme bestand die Osmanische Hauptmacht aus Linienschiffen und Fregatten, in zweiter Linie waren jedoch auch 6 Schebecken und die erwähnten 13 Galeeren beteiligt.

Auf dem anliegenden Bild, einem Ex.Voto, ist der Kampf 1719 zwischen osmanischen und maltesischen Linienschiffen zu sehen.
 

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Venedig begann mit dem Bau von Linienschiffe ab 1667 beginnend mit einem Nachbau eines Britischen Schiffes. Ca. 68 Linienschiffe wurden in dem nächsten halben Jahrhundert gebaut. Ab 1724 begann man auch mit dem Bau von Fregatten.

Da die Lagune für die größeren Linienschiffe zu seicht war, musste man die größere mit "Kamelen" versehen um sie von der Werft in die offene See zu befördern. Diese Methode wurde auch noch verwendet als man 1810 den 74.er "Rivoli" für Frankreich baute.

Im Bild ein Schiff "Temeraire"-Klasse mit Kameelen. dazu gehörten die "Rivoli" und die Mont Saint Bernard die beide in Vendig gebaut wurden. Das Modell stammt aus dem Marinemuseum in Toulon.

Dazu die venezianische "La Fama"
 

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Eine weitere Schlacht, bei der Galeeren und Galeassen eine große Rolle spielten, war die Dardanellenschlacht von 1656. Auf der Seite der Venezianer und Malteser kämpften 29 Segelschiffe, 7 Galeassen und 31 Galeeren gegen die osmanische Flotte ,besehend aus 28 Segelschiffen, 9 Mahonen ( türkische Galeassen) und 61 Galeeren.
Die osmanische Flotte wurde bis auf 14 Galeeren und zwei Segler vollkommen vernichtet. Venedig verlor lediglich drei Segelschiffe in diesem Gefecht und die Admirale Marcello und di Mezzo verloren das Leben.
Ein Gemälde in Venedig, zeigt die Ausfahrt der venezianischen Flotte zu den Dardanellen.
http://jacopogiliberto.blog.ilsole2...rted/6a0133f4b1e466970b0153921debdf970b-800wi
 

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Eines der letzten Siege der Galeeren fand 1609 vor Zypern statt, als 50 osmanische Galeeren drei große Galleonen des Malteserordens eroberten.

1616 fand dann wieder vor Zypern am Kap Gelidonya ein Gefecht statt bei den 5 Segelschiffe aus Sizilien (damals zu Spanien gehörend) unter dem Befehl von Pedro Tellez de Giron, Duque de Osuna, ca. 60 türkische Galeeren zurückschlugen.

1668 gibt es noch ein reines Gefecht unter Galeeren vor Kandia zwischen 12 Venetianischen und 20 Osmanischen Galeeren.

1695 Gefecht bei Chios, 21 Segelschiffe und 26 Galeeren der Venezianer gegen 20 Segelschiffe und 24 Galeeren der Osmanen. Drei venezianische Segelschiffe gehen verloren gegen drei Osmanische Galeeren. Venedig muss daraufhin Chios räumen.

Bei dem nächsten Krieg zwischen dem Osmanischen Reich und Venedig, 1714 bis 1718 finden die größeren Gefechte unter Segelschiffen statt.

Spanien benutzt jedoch 1718 bei der Eroberung Siziliens noch 7 Galeeren.
 
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Im Jahr 1700 eroberte ein Galeerengeschwader der Malteserritter ,unter Führung des Bailo Spinola ,das osmanische Flaggschiff "Sultana Benhen". Der türkische Segler war ein 80-Kanonen-Schiff. Das Ereignis wurde auf Malta in mehreren Gemälden verewigt, und natürlich auch von mir :scheinheilig:.
http://4.bp.blogspot.com/-u27tOTnFGyg/Uijx7dGXYSI/AAAAAAAAIFg/yD6AtN1YrvA/s1600/fot+001.jpg
Die schwarze Galeere, auf dem verlinkten Gemälde, mit den Malteserkreuzen auf den Segeln ist die Capitana , das Flaggschiff des Ordens.
 

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Ich las, dass während einer Übergangsphase auch Galeassen zum Einsatz kamen. Wie unterschieden die sich von einer Galeere?
Wenn Galeassen ein Übergang sein sollten ,dann war dieser sehr lang, 250 bis 300 Jahre (zumindest in Venedig). Es wird oft behauptet, dass sie die Vorstufe zur Galeone gewesen seien. Das ist aber unlogisch, da es Galeonen zur selben Zeit schon gab, auch in Venedig.
Galeeren waren zwar ebenso lang wie eine Galeasse aber flacher und schmaler gebaut. Sie hatten nur maximal 5 größere Geschütze, die nur in Fahrtrichtung schießen konnten. Bei der Galeasse waren auch die meisten Geschütze am Bugkastell untergebracht aber es waren mehr und in zwei Etagen. Auch am Heck befanden sich Kanonen und ein paar kleinere Stücke auf den Breitseiten. Gegenüber einer Galeone war die Bewaffnung aber geringer. Galeassen waren in erster Linie für den Kampf gegen Galeeren konstruiert worden.
Ab dem 17. Jh. wurde der Rammsporn bei Galeassen weggelassen und statt seiner ein Galion, am Bug angebracht (Bild 3).

Auf den beiden Bildern sind beide Schiffstypen zu sehen. Auf dem ersten, welches ein Ausschnitt, einer allegorischen Darstellung der Seeschlacht von Lepanto zeigt, sieht man in der Bildmitte die sechs Galeassen der hl. Liga. Alle anderen Schiffe sind Galeeren.
Das zweite Bild zeigt eine Galeere im Vordergrund und dahinter eine Galeasse, am Markusplatz, vor Anker liegen. Galeassen verfügten immer über 3 Masten, die höher und dicker, als bei den Galeeren waren.
Galeerenmaste waren aus einem Baum gefertigt, Galeassenmaste aus Kanteln zusammengesetzt und mit Wullingen (Eisenringen) zusammengehalten.
 

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Da ich gerade an einer spanischen Galeere baue, zeige ich einmal ein paar Fotos ,auf denen der, noch unüberbaute Rumpf zu sehen ist. Auf den Fotos 1 und 2 erkennt man, wie schmal der Rumpf einer Galeere gebaut war. Er war restlos geschlossen , die Luken (fehlen hier noch) befanden sich unter den Ruderbänken. In der Mitte lief die Corsia ,der Gang für die Aufseher, wie eine Wirbelsäule durch das komplette Schiff. Mit ihren stabilen Seitenwänden stellte sie eine Längsversteifung des langen Schiffsrumpfes dar. In der Corsia stand die größte Kanone, die nach dem Schuss in die Corsia, wie in einen Kasten hineinrutschte.
Auf dem ersten Bild sind Bug-und Heckjoch zu sehen, die, neben den Auslegern den Apostis, den Balken, auf dem die Riemen ruhten trugen.
Ab dem 3. Foto sind die zahlreichen Ausleger (67 Stück pro Bordseite) zu sehen. Das letzte Bild zeigt den Rumpf von unten. Die beiden Längsbalken an den Auslegern sind die Stringer, die als Längsverstrebung der Ausleger dienten.
 

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sehr elegantes Schiff^^
Das stimmt. Galeeren waren äußerst elegant gebaute Sprinter und wegen ihrer Schönheit bis ins 18. Jh. Prestigeobjekte. Leider hielt das Aussehen nicht immer was es versprach. Das Leben an Bord war alles andere als elegant.
Die Real, das Flaggschiff von Don Juan de Austria habe ich schon einmal, in einem kleineren Maßstab gebaut (Fotos). Jetzt entsteht sie noch einmal - nur größer.
 

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Wenn ich mir die im Verhältnis zur breite des Schiffes riesige Lateinerrute ansehe, stellt sich mir die Frage wann die Segel gesetzt worden sind. Oder konnten die Segel auf Taschentuchgröße gerefft werden?

Apvar
 
Wenn ich mir die im Verhältnis zur breite des Schiffes riesige Lateinerrute ansehe, stellt sich mir die Frage wann die Segel gesetzt worden sind. Oder konnten die Segel auf Taschentuchgröße gerefft werden?
Die Lateinerruten waren enorm lang und die Segelfläche war für Schiffe mit einem derart geringen Tiefgang sehr gefährlich. Bei der spanischen Real war die Lateinerrute des Fockmastes noch relativ klein gegenüber der, des Hauptmastes. 100 Jahre später hatten Galeeren zwei annähernd gleich große Segel ,was das Segeln noch gefährlicher machte.( Foto: französische "le grande Reale" von 1690) Jean Marteillhe, der französische Galeerensträfling, der uns seine Memoiren hinterließ, berichtet darüber, dass man immer Angst hatte ,dass die großen Segel das grazile Schiff zum kentern bringen könnten. Besonders das Setzen der Segel war gefährlich. Deshalb gab es eine besondere Methode dafür. Das geborgene Segel wurde mit Binsengras festgebunden, dann die Rah nach oben gezogen und durch ziehen an einem Tau, rissen die Binsen und das Segel war mit einem Schlag aufgespannt.
Man hatte aber mehrere ,verschieden große Segel an Bord, die bei Bedarf, von den Ruderern ausgetausch wurden. Dafür ließ man die Lateinerrute bis auf die Ruderbänke herab und die Sträflinge knüpften das neue Segel an. Für den Fall eines Sturmes geb es auch ein kleines rechteckiges Sturmsegel aus dickerem Stoff.
Zitat Andre' Zysberg, Venedig und die Galeeren: "Die Galeeren des 17. und 18. Jh. sind mit einem beeindruckendem Takelwerk ausgestattet. Sie sind mit zwei ,wenn man den kleinen Besanmast mitzählen will ,sogar mit 3 Masten versehen , die zusammen eine Segelfläche von 800 Quadratmetern tragen können. Diese Schiffe, die es am Ende des Gasleerenzeitalters gibt ,gehören wohl zu den besten und schönsten Segelschiffen des Mittelmeeres und liegen ausgezeichnet im Wind."
 

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Beeinflusst von (negativen) Erfahrungen gegen Korsaren der nordafrikanischen Barbareskenstaaten, die anscheinend erfolgreich mit Galeeren Schiffe abpassten, die in einer Flaute lagen, ließen die Investoren des berüchtigten William Kidd ein Hybridmodell bauen. Die in den 1690ern auf Kiel gelegte "Adventure Galley", mit der Kidd auf Piratenjagd gehen sollte, war eine Fregatte, die mit einem Ruderdeck versehen war. Die Adventure Galley erreichte unter vollen Segeln bei ca 2400 m2 Segelfläche eine Geschwindigkeit von bis zu 14 Kn und schaffte, mit Rudern angetrieben immerhin 3 kn, falls sie in eine Kalme geriet. Kidds Kaperschiff erwies sich als sehr seetüchtig und legte mehrere Tausend Seemeilen auf dem Atlantik und im Indischen Ozean zurück. Captain Kidd mangelte es aber an Fortune, statt Piratenschiffen brachte er erst am Ende seines Törns 2 Prisen auf, die ihn teuer zu stehen kamen. Die Eigner der gekaperten Schiffe beschwerten sich, und Kidd wurde am ende selbst als Pirat gehängt. Der Rumpf der Adventure Galley war 1698 so leck, dass die Crew das Schiff vor Madagaskar versenkte. Der aus New York stammende Abenteuerer und Kaperfahrer blieb selbst am Galgen von Tyburn vom Pech verfolgt, und der Henker brauchte zwei Versuche, um Kidd zum Tode zu befördern.

Das Design der Adventure Galley war aber anscheinend erfolgreich, und es wurden ähnliche Hybridformen noch einige Zeit eingesetzt und gebaut. Auch die East India Company ließ einige Rahsegler bauen, die mit einem Ruderdeck versehen waren, um beim kreuzen gegen den Wind oder in einer Kalme leichter manövrieren zu können.
 
@Scorpio,
solche kombinierten Antriebe gab es auch schon vor der Aventure Galley. Hier z. B. die sogenannte "Göke"(Kogge) von Kemal Rais vom Ende des 15. Jh. goke.jpg (image) Das Bild muss aber aus einer späteren Zeit stammen, denn diese Takelage passt nicht in das Jahr 1490 sondern muß mindestens 100 Jahre später entstanden sein. Diese bulligen, tiefliegenden Schiffe waren aber mit Riemen kaum fortzubewegen. Auch gab es geruderte Galeonen im 16. Jh. und die Venezianer bauten im 18. Jh. Hybridschiffe http://www.veniceboats.com/images/navi-fregata-nuova-alla-vela-580.jpg.
Gute Lösungen waren das aber alles nicht, da nur ganz schlanke, leichte Rümpfe ,mit geringem Tiefgang mit einem hohen Tempo gerudert werden konnten. Schon die etwas breiter gebauten Handelsgaleeren der Venezianer wurden nur im Hafen und bei Flaute gerudert. Felix Fabri erwähnt in seinem Pilgerbericht, dass die Pilgergaleere, in eine Flaute geriet und nur quälend langsam, per Riemen vom Fleck kam.
Bei Kriegsgaleeren verhielt es sich anders. Sie entfalteten ihr volles Tempo durch die Riemen.
 
Schiffe mit gemischten Antrieb gab es noch lange. Die Sloops die Lt. maynard bei der Ergreifung Blackbeards verwendeten sollen ruderbar gewesen sein.

Die Spanier bauten in Havanna u.A. im 17. Jahrhundert fünf "Galeones agalerados" also galeerenartige Galeonen (vermutlich schmaler und ruderbar). Die Pläne einer Schebecke aus dem Marinemuseum in Madrid aus dem 18. Jahrhundert zeigen Öffnungen für Ruder.
 
Die Pläne einer Schebecke aus dem Marinemuseum in Madrid aus dem 18. Jahrhundert zeigen Öffnungen für Ruder.
Schebecken waren grundsätzlich ruderbar, konnten aber nur wenige Riemen einsetzen, weil sie nicht über die Besatzungsgröße einer Galeere verfügten. Auf diesem Gemälde, welches den Kampf einer spanischen Schebecke mit algerischen Galeeren zeigt sind bei der Schebecke nur 4 Riemen pro Seite im Einsatz. Segelschiffe hatten prinzipiell eine viel kleinere Mannschaft als Galeeren, deren Ruderknechte schon aus ca 200 Mann bestand.
https://upload.wikimedia.org/wikipe...celo_1738.jpg/1024px-Antonio_barcelo_1738.jpg
Hier noch ein paar Bilder eines meiner Schebecken-Modelle. Dieses stellt eine französische Schebecke dar, die am Heck über große Winkel verfügte , in denen die Riemen ,bei Nichtbedarf gelagert wurden (Bild 2 ohne, Bild 3 mit Riemen).
 

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Bedienung der Lateinersegel

Die Lateinerruten waren enorm lang und die Segelfläche war für Schiffe mit einem derart geringen Tiefgang sehr gefährlich. Bei der spanischen Real war die Lateinerrute des Fockmastes noch relativ klein gegenüber der, des Hauptmastes. 100 Jahre später hatten Galeeren zwei annähernd gleich große Segel ,was das Segeln noch gefährlicher machte.( Foto: französische "le grande Reale" von 1690) Jean Marteillhe, der französische Galeerensträfling, der uns seine Memoiren hinterließ, berichtet darüber, dass man immer Angst hatte ,dass die großen Segel das grazile Schiff zum kentern bringen könnten. Besonders das Setzen der Segel war gefährlich. Deshalb gab es eine besondere Methode dafür. Das geborgene Segel wurde mit Binsengras festgebunden, dann die Rah nach oben gezogen und durch ziehen an einem Tau, rissen die Binsen und das Segel war mit einem Schlag aufgespannt.
Man hatte aber mehrere ,verschieden große Segel an Bord, die bei Bedarf, von den Ruderern ausgetausch wurden. Dafür ließ man die Lateinerrute bis auf die Ruderbänke herab und die Sträflinge knüpften das neue Segel an. Für den Fall eines Sturmes geb es auch ein kleines rechteckiges Sturmsegel aus dickerem Stoff.
Zitat Andre' Zysberg, Venedig und die Galeeren: "Die Galeeren des 17. und 18. Jh. sind mit einem beeindruckendem Takelwerk ausgestattet. Sie sind mit zwei ,wenn man den kleinen Besanmast mitzählen will ,sogar mit 3 Masten versehen , die zusammen eine Segelfläche von 800 Quadratmetern tragen können. Diese Schiffe, die es am Ende des Gasleerenzeitalters gibt ,gehören wohl zu den besten und schönsten Segelschiffen des Mittelmeeres und liegen ausgezeichnet im Wind."

Auf der Suche nach Informationen darüber, wie die Lateinersegel auf den Galeeren bedient wurden, habe ich deine Beiträge über beruderte Segelschiffe durchgelesen und bin sehr erfreut, dass ich hier fündig geworden bin. Ich wäre sehr dankbar, wenn du mir vielleicht noch bei einigen anderen Fragen weiterhelfen könntest:
- wurden die Segel von speziellen, nur dafür zuständigen Leuten bedient?
- wieviele waren es, z.B. auf einer Galia grossa und gab es verschiedene Ränge?
- wie war ihr Ansehen gegenüber den Ruderern? (wenn die keine Sklaven oder Sträflinge waren und alla sensile ruderten, mussten sie ja eine gewisse Geschicklichkeit haben)
- Stammen deine Angaben aus dem Buch, das du nennst oder gibt es dafür noch andere Quellen?
Die Memoiren von Jean Martheille kenne ich schon.
 
- wurden die Segel von speziellen, nur dafür zuständigen Leuten bedient?
- wieviele waren es, z.B. auf einer Galia grossa und gab es verschiedene Ränge?
- wie war ihr Ansehen gegenüber den Ruderern? (wenn die keine Sklaven oder Sträflinge waren und alla sensile ruderten, mussten sie ja eine gewisse Geschicklichkeit haben)
- Stammen deine Angaben aus dem Buch, das du nennst oder gibt es dafür noch andere Quellen?
Die Memoiren von Jean Martheille kenne ich schon.
Freut mich, dass es Dich interessiert.
Die Ruderer waren für das Anknüpfen der Segel an die Lateinerrute zuständig. Die weitere Handhabung der Takelage unterstand echten Matrosen, die in der Hierarchie einer Galeere ,auch schon zu den Zeiten der freiwilligen Ruderer über diesen standen. Ruderer waren schon immer der niederste Rang ,auch wenn sie bis zur Renaissance etwas besser behandelt und verpflegt wurden als später ,als fast nur noch Sträflinge und Sklaven am überlangen Scaloccio-Riemen arbeiteten. Wenn Du die memoiren von "Jean Marteilhe" besitzt so finden sich darin auch Aufstellungen der Mannschaft. Auf einer französischen, gewöhnlichen Galeere befanden sich1 Kapitän, 5 Offiziersmajore 27 Seeoffiziere, 100 Soldaten, 25 Ruderseeleute, 26 Matrosen, 8 Hellebardiere, 3 Schiffsjungen und 300 Galeerensklaven. Auch auf den Galeeren anderer Nationen war die zusammenstellung ähnlich.
Die freien Matrosen hielten sich, wenn keine Segelmanöver ausgeführt werden mussten im Bugbereich auf und wurden daher "Matrosen der Rambade"(das Vorkastell) genannt. Die zusammensetzung der Mannschaft findet man auch in der "Architectura navalis" des ulmer Stadtbaudirektors Joseph Furttenbach aus dem frühen 17. Jh.
Deine Frage bezügl. der Galia Grossa betrifft hauptsächlich Venedig (auch wenn es in Frankreich und Genua ,im 15. und 16. Jh. Großgaleeren gab) . Auf Handelsgaleeren gab es zwei Klassen von Seeleuten. Zwölf sogenannte "Marsgäste" ,die in den Masten herumturnten(Galeerenmasten mussten wie Kletterstangen erstiegen werden und besaßen keinerlei Strickleitern) und 20 normale Matrosen stellten die erste Klasse, was sich auch an der Essenszuteilung zeigte. 160 Mann bilden die Rudermannschaft, die 2. Klasse und die bestand aus den kleinen Leuten der Lagunenstadt, die etwas mehr als Hafenarbeiter verdienten, aber sich trotzdem gern anwerben ließen, da sie unterwegs kleine Geschäfte tätigen und erworbene Gegenstände unter ihrer Bank verstauen und zu Hause, mit Gewinn weiterverkaufen konnten. Diese Fahrten waren weitaus beliebter als der Dienst auf Kriegsgaleeren, der neben der Gefahr keine Möglichkeiten für Geschäfte der Mannschaft bot.
 
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