Sind Österreicher "Deutsche"?

Dieses Thema im Forum "Österreich | Schweiz" wurde erstellt von freierbuerger, 16. Juli 2014.

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  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Sollte das ironisch gem eint sein, ist die Ironie nicht deutlich geworden. Sollte das ernst gemeint sein, dann ist das ziemlich daneben!
     
  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Österreichs staatliche Unabhängigkeit und das Anschlussverbot der Siegermächte existierten bereits vor Adolf Nazi. Wie sich das Verhältnis zwischen Deutschland und Österreich ohne die Kriegskatastrophe entwickelt hätte, bleibt völlig spekulativ.
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Grundsätzlich war die gemeinsame deutsch-österreichische Geschichte bereits mit dem Ausscheiden Österreichs aus dem Deutschen Bund beendet.
    Ob es ohne Hitler jemals zu einem "Anschluss" gekommen wäre, lässt sich nicht sagen - schon deshalb nicht, weil sich nicht sagen lässt, ob ohne Hitler das Deutsche Reich nicht vielleicht unter einem anderen Politiker einen ähnlichen Weg gegangen wäre oder ob ohne Hitler alles ganz anders gekommen wäre.
    Allerdings hatte in Österreich der Wunsch nach einem Anschluss nach dem verlorenen 1. WK und dem Zerfall Österreich-Ungarns vor allem auch mit den Zweifeln an der wirtschaftlichen Lebensfähigkeit Rest-Österreichs zu tun. Bis 1938 hatte sich aber längst gezeigt, dass Österreich trotz Weltwirtschaftskrise und 1000-Mark-Sperre durchaus auch alleine zurechtkam. Man kann aber nur spekulieren, ob der Anschlusswunsch nicht mit dem Verlauf der Zeit irgendwann ohnehin abgeflaut wäre. Das wiederum hätte aber wahrscheinlich auch davon abgehangen, wie sich Deutschland entwickelt hätte, ob also ein Anschluss an Deutschland grundsätzlich noch erstrebenswert erschienen wäre oder nicht. Schließlich traten bereits im Ständestaat die Christlichsozialen bzw. die Vaterländische Front für die Unabhängigkeit Österreichs ein, während man bei den Sozialdemokraten geteilter Ansicht war, ob die Nazis nicht das im Vergleich zu Dollfuß und Schuschnigg geringere Übel seien.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Juli 2014
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  4. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    @Ravenik: wie ist denn Deine Gefühlslage? Fühlst Du Dich eher österreichisch oder deutsch? Kennst Du Österreicher, die sich deutsch fühlen?
     
  5. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Was wirst Du aus seiner Antwort ableiten wollen? :nono:
    Vielleicht sind der südliche Teil der Bayern und ein stückle der Württemberger auch mehr Österreicher als Deutsche? ... Diese Frage stellt sich zumindest im Umkehrschluß und dabei müsste Dir auffallen, dass dein Gedankengang bzw. deine Frage keine Antwort zum Thema liefern kann.
     
  6. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Die Ausgangsfrage lautete "Sind Österreicher Deutsche?" Und da wäre es doch mal interessant, von einem Österreicher zu hören, wie er das sieht. Man muß ja nicht nur über Österreicher reden, sondern auch mit Österreichern.

    Eine gemeinsame Geschichte hatte Österreich mit den anderen deutschen Staaten bis 1866 und auch von 1938 bis 1945. Möglicherweise fühlen sich Österreicher nur als Österreicher oder auch Deutsche oder auch als Europäer oder auch als gemeinsame Erben der alten k u. k. Monarchie?

    Ich vermute, dass sich Österreicher primär als Österreicher fühlen, aber das sei jedem Österreicher gestattet, sich selbst zu definieren. Vielleicht haben Österreicher auch eine mehrfache Identität, die sich aus der Geschichte (frühere Zugehörigkeit zu deutschen Staatsgemeinschaften wie dem HRR oder Deutschen Bund, deutsche Sprachgemeinschaft oder Habsburgerreich oder heutige EU).

    Ich bin ja als Deutscher Rheinländer, Europäer, Angehöriger der deutschen Sprachgemeinschaft, in gewisser Weise Erbe des Römischen Reiches, des Fränkischen Reiches, des HRR, eng verbunden mit unseren niederländischen Nachbarn...

    :grübel:OMG - da kommen ja schon verschiedenste Identitäten zusammen=)
     
  7. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Die Frage ist eher hätte gäbe es ohne Hitler mit Österreich einen zweiten sich selbst als deutsch definierenden Staat, mit einer sich als deutsch mehrheitlich definieren Bevölkerung, namens Österreich auch nach 1945 gegeben und da muss man sagen, man weiß es nicht.

    Es scheint doch ein relativer Trend zu sein sich in Westeuropa eher mit dem Staat als nach ethnischen Kategorien sich zu definieren.
     
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  8. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die ethnische Herkunft oder Nationalität eines Staatsbürgers müssen nicht unbedingt einen Bezug zur Staasbürgerschaft haben.
     
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  9. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Wann ging es freien Bürger jemals um die Staatsbürgerschaft???
     
  10. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Ich habe diese Frage leider nicht verstanden. Was willst du damit sagen? :grübel:
     
  11. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Warum so pauschal? Auf mich (=Österreicher) trifft das nicht zu.

    Das könnte gut hinkommen. Tatsächlich wurde, als die Ständestaatsregierung Österreichs eine stärkere Abgrenzung vom Deutschen Reich unter Hitler versuchte, dabei nicht direkt versucht, eine eigenständige österreichische Identität zu konstruieren, sondern Österreich als zweiter deutscher Staat verstanden und eine Abgrenzung in diesem Rahmen versucht: Die Österreicher als die besseren Deutschen.
    Ob sich das ohne Anschluss und 2. WK bis heute gehalten hätte, lässt sich natürlich nicht sagen.

    Das wird eigentlich so gut wie nicht thematisiert. Da, wie auch Dieters Beitrag #119 sehr schön zeigt, Österreicher, die sich irgendwie "deutsch" bekennen, sehr schnell ins rechte Eck gestellt werden, wird das verständlicherweise von den meisten tunlichst vermieden. Das "offizielle" Österreich vertritt jedenfalls eine eigenständige Identität Österreichs, die sich allerdings im Wesentlichen in Fahne und Hymne erschöpft. Konterkariert wird das fallweise ein bisschen vor allem in den westlichen Bundesländern, in denen immer noch (auch von Landespolitikern) damit geliebäugelt wird, dass man mit dem nahen Deutschland doch eigentlich mehr gemein habe als mit dem fernen Wien.
    Eine Traditionslinie zur k. u. k. Monarchie wird zumindest offiziell kaum gesehen, da beginnt die Geschichte Österreichs quasi erst mit der Ausrufung der Republik. (Bei "Sissi"-Kitsch und dergleichen geht es in erster Linie um Tourismus und die Vermarktung des imperialen Erbes, nicht um Identitätsstiftung.) Diese Sicht hängt allerdings auch von ideologisch-politischen Präferenzen ab: Sozialdemokraten und Grüne wollen weniger mit der Monarchie zu tun haben als Konservative. Eine Rückbesinnung auf die k. u. k. Monarchie erfolgt (abgesehen von Monarchisten) nur, wenn es darum geht, sie als eine Art EU-Vorläufer hinzustellen (was meiner Meinung nach komplett an der historischen Realität vorbeigeht) und den Österreichern die Erweiterung der EU nach Osten und auf den Balkan schmackhaft zu machen.
    Das HRR und der Deutsche Bund spielen überhaupt keine Rolle. Das beginnt schon damit, dass die Habsburgerkaiser des 15.-18. Jhdts. landläufig als "österreichische" Kaiser bezeichnet werden. Natürlich wird von den meisten auch Maria Theresia für eine "Kaiserin von Österreich" gehalten. Der Kontinuitätsbruch von 1804/1806 wird zwar natürlich im Geschichtsunterricht behandelt, aber schnell wieder vergessen.
    Eine Identität als Europäer dürfte meines Erachtens kaum gesehen werden. Da die Gründe dafür vor allem tagespolitischer Natur sind, kann ich hier auf sie nicht eingehen.
    Innerhalb Österreichs spielt jedoch auch ein Bundesländer-Patriotismus mitsamt entsprechender Identität eine Rolle. Dazu muss man bedenken, dass die österreichischen Bundesländer nicht wie viele deutsche erst nach dem 2. WK konstruiert wurden, sondern als geographisch-politische Einheiten großteils seit 1000 Jahren und länger bestehen, sodass sich eine entsprechende Identität der Einwohner herausbilden konnte.
     
  12. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Der Satz mit den besseren Deutschen ist aber nicht ernst gemeint oder Ironie?

    Noch bei Teilungsplänen 1943 durch die Alliierten spielte Österreich als Kleinstaat keine Rolle und sollte ggf. einem Süddeutschen Staat untergeordnet werden.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Teilung#Teheran_1943
     
  13. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Doch, irgendein österreichischer Politiker des Ständestaats hat, wenn ich mich recht erinnere (ich kann aber im Moment keinen Beleg liefern), sinngemäß gesagt, dass die Österreicher seit alters her kulturell hochstehend seien, während die Preußen (gemeint wohl vor allem die rechts der Elbe, also auch in Berlin) erst halb oder nur äußerlich zivilisiert seien.
    Der heute vergessene, damals aber recht erfolgreiche, der Regierung nahestehende österreichische Autor Joseph August Lux hat sich auch in diese Richtung geäußert. Die Preußen seien gar keine "richtigen Deutschen".
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Juli 2014
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  14. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Hüstel :fs:

    Ich bin kein Preuße, aber solche Gängeleien sind wohl einem vergangenen Jahrhundert geschuldtet. Aber wohl in Österreich haben sie sich bis heute gehalten , denn der Piefke oder Deutsche hat kein gleichwertiges ansehen.
    Zeugt von schwäche, wenn ein Bergvölkchen sich heute noch so darstellen muss. Ist nicht persönlich gemeint, gelle ...;)
     
  15. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Klar.

    Naja, in Deutschland gängige Ausdrücke für Österreicher wie "Schluchtenscheißer" zeugen auch nicht gerade von viel Respekt.
     
  16. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Also sagen wir mal so.
    Lebenserfahrung: Bis ich in 2011/12 beruflich und auch urlaubstechnisch nie etwas mit Österreich zu tun hatte, somit völlig Wertefrei war, hatte ich auch keine Ausdrücke für meine Nachbarn auf Lager oder ein wissen darum.
    Als ich aber beruflich plötzlich mit den Österreichern zu tun hatte, wurde ich als Piefke schnell in meine Schranken verwiesen und wer es noch ne Stufe härter mag, umgibt sich mit Wienern, denn die scheinen wohl ganz oben auf der Stufen der Überheblichkeit zu stehen.
    So und nun bin ich mit meinem jugendlichen Leichtsinn und vollkommener Unbedenklichkeit meiner Nachbarn gegenüber, dieses in Schubladen zu stecken eines besseren belehrt worden.
    Wie heist es doch so schön: Wie es in den Wald ruft, schallt es zurück.
    Wenn ich nicht unbedingt muss, werde ich keinen Fuß mehr nach Österreich strecken, schade eigentlich, weil ich glaube, das die wenigsten Österreicher ein Problem mit den Piefke haben, aber das zählt letztlich wohl nicht. Umgedreht sieht es wohl ähnlich aus. :cool:
     
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  17. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Die Diskussion um die Staatsbürgerschaft ist bei der Sache wie deutsch sind oder waren die Österreich wurscht.

    Es geht ob man sich als ein ethnisches Volk mit den Deutschen gefühlt hat.
     
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

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  19. Ilan

    Ilan Aktives Mitglied

    "Schluchtenscheißer" halte ich eher für einen typisch bayerischen "Kosenamen" und mir bleiben da ernsthafte Zweifel, dass der unter Piefkes besonders verbreitet ist. Was man dagegen eher hört ist "Ösis", was scheinbar unter Österreichern, warum auch immer, nicht besonders gern gehört wird.
     
  20. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    ich bin in mehreren deutschsprachigen Foren unterwegs, bisher habe ich bis auf manche Vokabelschwierigkeiten noch nichts gemerkt. Also Schwaben, Allemannen , Bayern und Österreicher sowie manche Schweizer und Italiener schreiben dann gelegentlich Hochdeutsch, und ich kann nur Schriftdeutsch und niederdeutsch :) ...
    Da gibts dann schon mal Mißverständnisse meinerseits.
    Die Frage der "Nationalität" ist da allerdings genauso häufig aufgetreten wie hier, nämlich garnicht. Selbst ein Bogenschießturnier namens "Österreich vernichtet Deutschland" mit allen liebevollen Frotzeleien kann zu keiner Antwort führen, da Leute beiderlei Herkunft in beiden Mannschaften mitschossen...

    Nur die staatlichen Grenzen setzen den Communitys eben Grenzen. Schick mal nen Bogen nach Österreich oder in die Schweiz ... Oder Holz aus der Schweiz, Südtirol oder Österreich nach Norddeutschland. Es nervt einfach.

    Was auffällt ist die Betroffenheit bei Unglücken . Es macht eben einen Unterschied, ob deutschsprachige oder andere betroffen wurden. Da ist dann doch eine größere Nähe
     
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