Spielfilme angesiedelt im 17.Jhd.

Dieses Thema im Forum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wurde erstellt von Brissotin, 21. Februar 2007.

Schlagworte:
?

Welcher Film zum Thema ist am gelungensten?

  1. Piraten (1986)

    6 Stimme(n)
    12,5%
  2. Stage Beauty (2004)

    1 Stimme(n)
    2,1%
  3. Die Allee des Königs (1995)

    2 Stimme(n)
    4,2%
  4. Das Mädchen mit den Perlenohringen (2003)

    6 Stimme(n)
    12,5%
  5. Die vier Halunken der Königin (1974) (Dreiteiler)

    2 Stimme(n)
    4,2%
  6. Moliére (1978)

    2 Stimme(n)
    4,2%
  7. Vatel (2000)

    2 Stimme(n)
    4,2%
  8. Cyrano de Bergerac (1990)

    5 Stimme(n)
    10,4%
  9. Zeit der Sinnlichkeit - Restoration (1995)

    1 Stimme(n)
    2,1%
  10. Der Kontrakt des Zeichners (1982)

    6 Stimme(n)
    12,5%
  11. The Libertine (2004)

    3 Stimme(n)
    6,3%
  12. Der König tanzt (2000)

    6 Stimme(n)
    12,5%
  13. Der Mann mit der eisernen Maske (1998)

    5 Stimme(n)
    10,4%
  14. Marquise - Die Rolle ihres Lebens (1997)

    1 Stimme(n)
    2,1%
  15. Der Schlangenkuss (1997)

    0 Stimme(n)
    0,0%
  1. -muck-

    -muck- Aktives Mitglied

    Absolut auch meine Meinung.

    Der Film ist ein Paradebeispiel dafür, warum mich gegenwartspolitische Untertöne in historischen Stoffen so kribbelig machen. Christina wird hier zu einer Folie für eine Aussage reduziert. Bloße Gerüchte über eine mögliche Bisexualität werden zum filmbeherrschenden Faktum; verbürgte Liebschaften mit Männern ignoriert.

    Ihre Ablehnung der Ehe wird feministisch rezipiert, während die echte Christina der Quellenlage nach deshalb nicht heiraten wollte, weil sie glaubte, als Tochter des großen Gustav Adolph mehr Anrecht auf die Regentschaft zu haben als irgendwer sonst. Was daran so schade ist: 'Girl King' wird Christina nicht gerecht.

    Die echte Königin wurde schon zu Lebzeiten, und auch in den ebenso frauenfeindlichen Jahrhunderten danach, immer überaus positiv dargestellt. Die wenigen negativen Stimmen kamen fast ausschließlich von ausgesprochen protestantisch beseelten Autoren, die ihr ihren Abfall vom Protestantismus übelnahmen.

    Beispielshalber ein Zitat aus Herders Conversations-Lexicon von vor bald 170 Jahren:

    C. war von Natur ein Mannweib¹ und wurde auch nicht weiblich erzogen; sie erwarb sich alle Kenntnisse, die ein Regent nöthig hat, leitete die Politik Schwedens trotz dem erfahrensten Staatsmanne, war entschlossen und kühn wie ihr Vater, dabei Freundin und Kennerin der Kunst und in den schönen Wissenschaften bewanderter als mancher Professor.

    ¹) Herders Lexikon bietet für 'Mannweib' eine "guthe" und eine "üble" Definition, nämlich die eines "männlich-edlen" Westens einerseits und der körperlichen Androgynie andererseits. Hier ist ganz offensichtlich die "guthe" Definition gemeint.​

    Kurzum, die echte Christina muss eine beindruckende Herrscherin gewesen sein. Im Film ist sie ein triebhaftes It-Girl, das mit wenig Weitsicht durch seine eigene Geschichte stolpert. Sehr schade, das.

    Und ja, die Ausstattung ist nicht besonders toll. Vielleicht ging mit der Anheuerung des schon in Hollywood berühmten Michael Nyqvist zu viel Budget flöten, wobei auch das den komplett ahistorischen Stil nicht entschuldigen kann. Apropos Nyqvist: das beste an diesem Film. Schade, dass er so früh sterben musste.
     
    Ravenik und Brissotin gefällt das.
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Dann bin ich mal gespannt. Falls es in Freiburg läuft, wird's der Vollständigkeit halber von mir geschaut.
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Dies ist nun einer der spannenden Filmklassiker bei denen nicht nur die Filmkritiken voneinander abweichen, sondern auch praktisch keine mit meinen Beobachtungen irgendwie übereinstimmt. Da ist von hervorragenden schauspielerischen Leistungen und dem ganzen Gegenteil die Rede. Teilweise fragt man sich, ob die Kritiker den selben Film gesehen haben???

    "Das vergessene Tal" (James Clavel) 1971

    Handlung: Der deutsche Lehrer Vogel (Omar Sharif*) befindet sich in ständiger Flucht vor den Kriegsereignissen. Nachdem er durch Leichenbergen von Pesttoten in einem Wald (????) gekommen ist, landet Vogel in einem Dorf in einem scheinbar vom Krieg verschonten Tal. Doch auch der Hauptmann (Michael Caine) eines bunt zusammengewürfelten Haufens von berittenen Söldnern (erfährt man irgendwo, ob das Dragoner oder Arkebusierreiter sein sollen???) folgt Vogel auf dem Fuße. Der Hauptmann lässt sich von Vogel überzeugen, dass es doch für den Söldnertrupp besser ist über den Winter in dem Dorf zu bleiben und zu versuchen die zahlenmäßig deutlich überlegenen Bewohner des Tals nicht gegen sich aufzubringen. Gegen die Widerstände vor allem der nichtkatholischen Söldner müssen sich nun der Hauptmann und Vogel durchsetzen. Der Hauptmann hat offensichtlich Schwierigkeiten die Moral innerhalb seines Trupps aufrecht zu erhalten. Eine Achillesferse des Söldneranführers ist aber auch, dass er sich in die Geliebte des Großgrundbesitzers Gruber (Nigel Davenport) verliebt, während Vogel die schöne Anna (Madeline Hinde) vor dem Zugriff der Söldner - vor allem aber Hansens (Michael Gothard) - zu bewahren. Hansen versucht in der Folge nicht nur den Hauptmann zu ermorden, sondern führt auch weitere Plünderer ins Tal, welche allerdings im Kampf gegen die Bauern und die dem Hauptmann treu gebliebenen Söldner abgewehrt werden. Im nächsten Frühjahr verlässt der Hauptmann mit allen kampftauglichen Söldnern das Tal, um sich dem Feldherrn Bernhard von Sachsen-Weimar anzuschließen. Gruber, der immer auf eine Gelegenheit wartete die Söldner zu ermorden, wittert nun seine Chance. Angelika (Florinda Blonka), die Geliebte des Hauptmanns, fällt unterdessen als Hexe dem Geistlichen des Dorfes (Per Occarson) in die Hände, der sie foltern und dann verbrennen lässt, wodurch Vater Sebastian aber auch sein eigenes Todesurteil gesprochen hat. Gruber versucht den zurückkehrenden Hauptmann in eine Falle zu locken, was Vogel, der nicht im Tal bleiben will, zu vereiteln sucht ...

    Der Film spielt, wenn man die Berichte über die Kriegsereignisse als Richtschnur nimmt im Schwarzwald. Denn es scheint ja nicht sehr weit weg nach Rheinfelden zu sein. Aber die Topographie und Architektur passt einfach nicht in die Gegend. Es wurde auch in Tirol gedreht. Die Bauern sind auch von der Tracht her weder dem Alpenraum noch dem Schwarzwald irgendwie zuzuordnen.

    Die Grundidee, dass es ein vom Krieg noch nicht heimgesuchtes Tal gibt, ist eigentlich eine sehr schöne. Manche Gegenden wurden ja auch einfach weniger hart getroffen bzw. waren zu schwer zugänglich. Wir denken da an den Spreewald in den beispielsweise die Bauern aus der Lausitz geflohen sind. Dieses Spannungsfeld zwischen der Bedrohung von außen und dem "friedlichen" Leben im Inneren einer solchen Region ist schon interessant.

    Was ich garnicht verstanden habe, ist warum diese Söldner zu einem großen Teil so komisch fantasymäßig daher kommen. Da ist der eine, Geddes, mit diesem nackten Oberkörper und komischen Lederstücken mit Nieten dran und dann dieses nach einem Motorradoutfit aussehende Gewand des Hauptmanns, obwohl dieser in manchen Szenen auch einfach eine Art Lederwams/Lederkoller trägt. Die Bauern erinnern manchmal mit ihren Fellwesten an einen Sandalenfilm oder Italowestern der billigeren Art. Dagegen gibt es auf der anderen Seite immer wieder den Versuch Zeitkolorit etwa auf der Kirmes im Frühjahr hinein zu bringen. Das ganze Konzept habe ich nicht wirklich verstanden.

    Die eigenwillige deutsche Synchronfassung, wo einmal von 100 bis 130 marodierenden Gefolgsleuten Hansens die Rede ist, welche v.a. im Anbetracht der zuvor vom Hauptmann vorgebrachten Argumentation keinen Sinn ergibt, hat zu einem etwas wirren Bild beigetragen. Die Handlung will auch nicht recht passen. Mal ist davon die Rede, dass der Sturm auf Magdeburg (1631) 12 Jahre her ist und dann wird wieder der Herzog von Sachsen-Weimar erwähnt, der 1643 bereits tot war. Die Söldner sprechen auch darüber, dass die Freiburger aus Hunger Hunde (oder ich habe da was verwechselt) essen müssten, während die Belagerung von Freiburg 1644 stattfand. Da des Hauptmanns Söldner von der Außenwelt abgeschnitten sind, können sie ja in jedem Fall noch nichts von den Ereignissen in Freiburg wissen, die erst Mitte 1644 stattgefunden haben also nach dem Aufbruch von dem Aufbruch von ihnen aus dem Tal, selbst wenn man jetzt annähme dass der Film anfangs im Herbst 1643 spielen soll. Durch diese Ungereimtheiten ergeben die Dialoge teilweise keinen Sinn. Auch wird nicht klar für welches Regiment die Söldner denn fouragieren. Anfangs scheinen sie Kaiserliche zu sein - das wird ihnen auch einmal vorgeworfen, als sie zum Herzog aufbrechen wollen - dann wieder scheinen sie dem protestantischen Lager anzugehören. Jan von Werth wird als kaiserlicher Heerführer bezeichnet, obwohl er 1644 noch in bayerischen Diensten stand. Wieso der Hauptmann auf einmal für Sachsen-Weimar glüht erfährt man auch nicht. Will sich der Hauptmann einfach den Siegern anschließen? Aber dann wäre ja Mercy der Richtige...

    Es ist schade, dass die eigentlich schönen Ideen des Drehbuchs in einem solch unausgegorenen Hin und Her enden. Dass der Hauptmann und auch Vogel als ausgebrannte Kreaturen erscheinen, was für mich absolut nachvollziehbar ist, das ist eines meiner Highlights an dem Film. Die Kameraarbeit ist teilweise wirklich schön.

    M.E. ist der Film trotz seines eigenwilligen Mixes aus Reportage, Horror, Drama und Kriegsfilm eher auf der anspruchsvolleren Seite. Leider gibt es auch mit dem Fokus auf den deutschen Kriegsschauplatz garnicht soviele Filme, die man als Vergleich heranziehen könnte.

    Daher insgesamt noch 6 von 10 unnötigen Nieten in nem ulkigen Lederwams von meiner Seite.


    * Schön, dass es damals schon eine Art von colour-blind-Besetzung gab. Für mich wirkt Sharif nie wie ein deutscher Lehrer. Aber er macht auf alle andere Weise die Sache so gut, dass das ungefähr für mich so verzeihlich ist wie Katharina Thalbach, die als Friedrich II. brillierte.
     
    dekumatland gefällt das.

Diese Seite empfehlen