Nach Jahren habe ich "endlich" den Film gesehen. Als er damals im Kino lief, hat mich das Thema abgeschreckt. Verpasst habe ich aber nichts.
"Anonymous" UK, D, Regie: Roland Emmerich, 2011
Handlung: Als Erzähler tritt [wie in "Henry V"] Derek Jacobi auf, der uns in der Jetztzeit in einem Theater in den USA die Story von dem angeblichen Betrüger Shakespeare.
Dann erleben wir 3 Zeitebenen. In einer sehen wir Edward de Vere als Kind (Luke Thomas Taylor), der bei einer Theatervorführung Königin Elizabeth I. (Joely Richardson) auffällt, da sie das Theater liebt.
In einer zweiten Zeitebene sind wir einige Jahre später, als de Vere mittlerweile zum Earl of Oxford (Jamie Campbell Bower) geworden ist, der von William Cecil (William Thewlis) nicht nur ruiniert wird sondern auch dazu gezwungen wird seine Tochter zu heiraten. William Cecil und sein Sohn Robert (Edward Hogg) beäugen Oxfords Liebe für das Theater mit Argusaugen, da sie verbohrte Puritaner sind. Die Königin (immernoch Richardson) verliebt sich in Oxford und wird von ihm schwanger. Doch eine Affäre Oxfords stößt sie ab und so gelingt es den Cecils Oxford und die Königin auseinander zu treiben, während ihr Sohn in aller Abgeschiedenheit geboren wird.
In der 3. Zeitebene sind wir um 1600. Der mittlerweile schwer gezeichnete Earl of Oxford (Rhys Ifans) sucht jemanden, der seine Stücke dem Volk näher bringen kann, weil er mit dem zeitgenössischen Theater unzufrieden ist. Diesen Strohmann glaubt er in Benjamin Jonson (Sebastian Armesto) gefunden zu haben. Dummerweise plaudert Jonson das mit den Stücken gegenüber dem dummen, versoffenen Schauspieler Shakespeare (Rafe Spell) aus, dem es gelingt Jonson das Projekt zu entreißen und die Stücke Oxfords unter seinem eigenen Namen aufzuführen. Nicht nur, dass Shakespeare den ganzen Ruhm einsteckt, er erpresst auch von Oxford Geld für die Aufführungen, weil er andernfalls die Urheberschaft verraten würde. Gleichzeitig planen der junge Earl of Southampton (Xavier Samuel) und der Earl of Essex (Sam Reid) gegen die Umtriebe der Cecils vorzugehen und vor allem die Regierung von James von Schottland zu verhindern, da sie stattdessen Southampton als angeblichen Bastard der Königin auf den Thron bringen wollen. Zurückgekehrt von einer gescheiterten Expedition nach Irland versuchen sie in London den Staatsstreich. Oxford will dazu das Theater instrumentalisieren indem die Aufführung des "Richard III", in der Richard wie Robert Cecil als Buckeliger dargestellt wird, den Pöbel von London gegen Robert Cecil aufwiegeln soll. Doch kurz davor durchkreuzt Jonson die Pläne. Es misslingt ihm den des Schreibens unkundigen - aber angeblich das Lesen beherrschenden [sic.!] - Shakespeare im Kreise der Theaterkollegen bloß zu stellen worauf er im Tower Cecils Schergen den Staatsstreich verrät. Eine Katastrophe für die Umstürzler bahnt sich an, während Oxford auf dem Weg zur Königin (Vanessa Redgrave) ist, um sie über ihren wahren Sohn aufzuklären und mit der Macht seiner Worte zu überzeugen...
Die ganze Story hat - wie kann es anders sein? - etliche Logikfehler. So muss der Film natürlich irgendwie erklären, warum nach Oxfords Tod noch Werke von Shakespeare erschienen sind. Hier sind sie angeblich fast im Globetheatre durch die Schergen Robert Cecils verbrannt worden, dann aber von Jonson gerettet worden. Auch wird vom Erzähler die Lüge verbreitet, der echte Shakespeare habe nach Oxfords Tod nichts mehr geschrieben. Um die Handlung noch reißerischer zu machen wird es als allgemein bekannt angenommen, dass Elizabeth eben nicht "the virgin queen" war sondern mehrere männliche Bastarde hatte, die dann auch ihren Thronanspruch teilweise kannten. Außerdem ist der historische Shakespeare nicht nur ein schlechter Schauspieler, sondern auch ein Erpresser und Mörder.
Als positiv kann man bewerten, dass man bei Elizabeth als jüngere und als greise Königin mit Joely Richardson und Vanessa Redgrave nicht nur sehr gute und etablierte Schauspielerinnen sondern Mutter und Tochter ausgewählt hat, wodurch man kein Altern mit Computer oder Maske versuchen brauchte, während Oxford als junger Mann und alter Mann sich nicht sonderlich ähnlich sehen. Die beiden Cecils werden als Verkörperungen der Staatsräson und als Bösewichte dargestellt, während König James als dummer Kerl porträtiert wird. Überwiegend wurde in Babelsberg gedreht und London um 1600 entstand am Computer. Bei allem Aufwand hat mir die Darstellung der Charaktere nicht so gut gefallen. Auch fällt hinten herunter, dass Essex ein unfähiger Kommandeur war. Die ganze Geschichte um die jämmerlich gescheiterte Verschwörung 1601 hat man schonmal besser in dem Zweiteiler "Elizabeth I" mit Helen Mirren als Königin (2005) gesehen.
5 von 10 Intrigen.