Spielfilme angesiedelt im 18.Jh.

Dieses Thema im Forum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wurde erstellt von Brissotin, 26. September 2006.

?

Was ist der beste Film zum Thema 18.Jahrhundert?

  1. Barry Lyndon (1975)

    17 Stimme(n)
    22,7%
  2. Gefährliche Liebschaften (1988)

    14 Stimme(n)
    18,7%
  3. Jefferson in Paris (1995)

    1 Stimme(n)
    1,3%
  4. Der letzte Mohikaner (1992)

    18 Stimme(n)
    24,0%
  5. Rob Roy (1995)

    2 Stimme(n)
    2,7%
  6. King George - Ein Königreich für mehr Verstand (1995)

    4 Stimme(n)
    5,3%
  7. Revolution (1985)

    4 Stimme(n)
    5,3%
  8. Farinelli (1994)

    2 Stimme(n)
    2,7%
  9. Marie Antoinette (2006)

    1 Stimme(n)
    1,3%
  10. Amadeus (1984)

    12 Stimme(n)
    16,0%
  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    1.
    Naja, das fand ich ja eben auch so in sich unplausibel. Marlborough als graue Witzfigur, die nichts auf dem Kasten hat und dann gelingt es seiner Gemahlin aber ihn wegen eines Genies, den man nirgends sieht, gegen Anfeindungen zu verteidigen.

    2.
    Diese Gossensprache erinnert ein bisschen an Bertrand Taverniers "Que la fête commence". Das war 1975 immerhin noch irgendwie inovativ. In einem Interview erzählte Tavernier mal gegenüber arte wie man zu den eigenwilligen Dialogen gekommen war. Man hat sogar Fernsehmeldungen aus der Entstehungszeit mit rein genommen und die Schauspieler durften stark improvisieren.
    Ich weiß nicht wie frei man im Fall von "The Favourite" war.

    Aber Deinem Urteil, dass es ein umstrittener Film zwischen Bewunderung und Enttäuschung ist, würde ich beipflichten auch wenn ich ihn nicht so schlimm fand. Ich fand ihn eher so mittelmäßig. Es war eben doch sehr ein Kammerspiel um Intrigen und so, wobei Massenszenen oder sonst irgendwelche Schauwerte umgangen wurden - ein bisschen wie einige ähnliche Kinofilme der 40er-60er, die in nem Studio die Geschichte großer Monarchen in Dialogen erzählen wollten.
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich bin erst kürzlich auf diesen Film gestoßen und habe ihn im Englischen Original gesehen. Ich weiß nicht, ob es den auch irgendwo auf Deutsch gibt.

    "The broken chain" USA 1993 (R: Lamont Johnson)

    Handlung: Der Film beginnt in den 1750ern. Die Six Nations verhandeln vor allem mit Sir William Johnson (Pierce Brosnan), der nicht nur selber eine Ureinwohnerin geheiratet hat sondern sich auch ansonsten versucht in die Struktur der künftigen Verbündeten einzufinden. Denn auch die Versammlung der führenden Frauen um Gesina (Buffy Sainte-Marie) hat ihren Teil mitzureden. Der junge Lohaheo (Michael Spears) begegnet in einer Vision dem Geist des Peacemakers (Graham Greene). Künftig wird Lohaheo eine kritische Haltung gegenüber den Briten einnehmen, welche zwar die Dienste der Six Nations nutzen um beispielsweise Fort Carillon einzunehmen doch ohne ihre Verträge einzuhalten. Denn die Siedler breiten sich dennoch aus und der charismatische Seth (Wes Studi) wird von ihnen getötet. Nach einem neuerlichen Abkommen verlässt Lohaheo (nun J.C. White Shirt) seinen Stamm. Er lehnte schon den Kampf gegen die Seneca ab und der Peacemaker versichert ihm, dass ein Bündnis mit den Briten der Untergang für die Einheit der Six Nations ist. Joseph Brandt (Eric Schweig) kennt Lohaheto schon lange und war sein Konkurrent um die Gunst von Catherine (Elaine Bilstad), die zusehends die Führung im Rat der Frauen gewinnt. Joseph ist auf die Schulen der Briten gegangen und bekommt im nächsten Krieg einen Posten als Offizier in den Reihen der Briten. Doch als die Continentals heranrücken gelingt es Joseph den gerade bei ihnen weilenden auf Neutralität bedachten Lohaheto zum Kampf gegen die Blauröcke zu überreden. Lohaheto ist geschockt, als er Natives unter ihnen erkennt und will verhandeln, wird dann aber von ihnen getötet. Der Krieg an der Seite der Briten zahlt sich für Joseph und die Seinen nicht aus. Auf einer Versammlung der letzten Anführer im Langhaus räumt Joseph seine Schuld ein, führt dann die die ihm folgen wollen am Ende des Unabhängikeitskrieges nach Kanada...

    Was mir sehr gut gefallen hat waren die Gebäude der Siedler bis hin zum stattlichen Anwesen von Sir William. Überhaupt scheint der Aufwand daran gemessen, dass es sich um einen TV-Film handelt ganz beachtlich. Die zahlreichen Kampfszenen sind auch so geschickt gefilmt, dass die wahrscheinlich geringe Anzahl an Komparsen garnicht auffällt. Sehr schön fand ich prinzipiell, dass der Film aus der Sichtweise des frustrierten Joseph Brandt die Geschichte von den Jahren kurz vor dem Siebenjährigen Krieg bis etwa 1784 schildert. Die unglaublich umfangreiche Handlung und zahlreichen Figuren mussten allerdings in etwa 90 Minuten hinein gepresst werden, so dass man oftmals die Beweggründe der einzelnen Akteure nicht sogleich verstehen kann. Für abseitige Aspekte wie Humor ist daher auch kaum der Platz so dass der Film sehr sehr traurig letztlich rüberkommt. Aber was soll man auch positives sagen, wenn die Hauptfiguren durchweg am Ende entweder tot oder die Ausweglosigkeit der Lage gebrochene Charaktere sind? Leider kenne ich mich garnicht aus wie stimmig nun die Kleider, Gebäude und anderen Gegenstände der Natives dargestellt sind. Dass viele Versatzstücke von Uniformen der Briten oder erbeutete Sachen der Franzosen tragen ist ja plausibel und bei Joseph Brandt sind auch einige Darstellungen überliefert.
    Die Zivilkleidung der Siedler ist teilweise sehr durchwachsen bis hin zu einem karnevalesk anmutenden Gewand von dem Verhandlungsführer am Anfang. Die Ausrüstung der Soldaten ist oftmals eher rudimentär - bei den Extras sieht man z.B. mal einen Continental ohne Patronentasche oder sonst einer Ausrüstung bis auf seine Muskete.
    Die Schauspielerriege fand ich schon allein von den Namen her beeindruckend mit vielen berühmten Gesichtern der 1990er, wenn auch ein Wes Studi und Graham Greene kaum was zu schauspielern bekommt.

    Insgesamt eine solide TV-Produktion mit zugegebenermaßen wenig Spannung oder Überraschungen. Daher 8 Musketen für Joseph Brandt.
     
    Scorpio gefällt das.
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Es gibt auch einen kanadischen Film zum selben Thema mit einem (zumindest mir) eher unbekannten Cast und einem anderen Schwerpunkt.

    "Divided Loyalties" CAN 1990 (R: Mario Azziopardi)

    Handlung: In diesem Film begegnen wir Joseph Brant (Jack Langedijk) bereits als erwachsenen Mann. Er ist zugegen als die 6-Nations mit Silbermünzen für die Herausgabe ihrer Länder abgespeist werden. Der stolze Anführer Pontiac (Denis Lacroix) wird von Brant tot aufgefunden - ermordet wie es scheint. Unter den Siedlern befindet sich der raffgierige Ebenezer Cox (John Bourgeois), der sich notfalls mit Gewalt das Land der Mohawk aneignen will. Der Tod von Sir William Johnson (Chris Wiggins) ist eine Zäsur. Brand geht nach London um direkt mit der britischen Regierung zu verhandeln, da er sich nur dem Krieg gegen die "Patriots" anschließen will, wenn er vom König George III. klare Zusagen bekommt. Angewidert vom Leben bei Hofe und der Haltung vieler Offiziere ihm gegenüber kehrt Joseph Brant mit wenigen Versprechen zurück. Da sich 2 der Anführer den "Patriots" anschließen sind somit die 6 Nations geteilt. Brant kämpft an der Seite der Briten gegen die "Patriots" und kann in der Schlacht bei Oriskany nicht nur seinen alten Widersacher Cox töten, sondern auch sein Ansehen als Anführer verbessern. Der eifersüchtige Walter Butler (Paul Gross), der Brant schon immer nicht ausstehen konnte, bekommt das Kommando über Brant und dessen Leute und lässt durch diese einen Ort angreifen, dessen Einwohner, Frauen und Kinder niedergemetzelt werden. Auch die Familie von Brants altem Freund Matt Randall (Dale Wilson) fällt dem Massaker zum Opfer. Brants Leute stehen am Ende des Krieges mit leeren Händen da und müssen in die Forts der Briten fliehen, als General Washington (Alan Scarfe) die Felder und Behausungen der Ureinwohner niederbrennen lässt. Schließlich wendet sich Brants Sohn Isaac (Tre Smith) enttäuscht von seinem Vater ab, den er für das Unglück seines Volkes verantwortlich macht. Auch mit Catherine (Pamela Matthews) eine wichtige Figur unter den Frauen zur Frau zu nehmen ändert nichts daran, dass die meisten der 6 Nations nicht auf Joseph Brant hören, als er 1792 in einer Versammlung gegen einen Krieg spricht ehe man alle Stämme bis zum Mississippi vereinigt habe. Die Versammlung wird unterdessen von Matt Randall und seinen US-Soldaten ausspioniert bis Randall nun Isaac Brant in die Hände fällt...

    Dieser Film konzentriert sich ganz auf Joseph Brant und lässt anders als "The broken chain" keine anderen Hauptfiguren zu, welche Brants Entscheidungen vielleicht noch stärker in Frage stellen würden wie es Lahaheho in dem anderen Film getan hat. Darüberhinaus wird die Geschichte weiter gesponnen bis in die 1790er und es wird am Ende der Hauptaugenmerk von Brants Hass auf Ebenezer Cox auf den Konflikt mit seinem Sohn umgeleitet. Ich habe zu Ebenezer Cox ein historisches Vorbild, einen gewissen Captain Ebenezer Cox gefunden, der allerdings schon 1768 gestorben ist. Auch wurde Pontiac wohl nicht am Abend nach dem Abschluss des Vertrages von Fort Stanwix ermordet. Man sieht keine richtigen Hinterhalte und die Darstellung der Schlacht bei Oriskany scheint mir wenig glaubhaft bzw. wenig zu dem passend, was wir heute darüber wissen. Denn die Schlacht ist eigentlich ziemlich gut erforscht. Bis auf die Uniformen, die meistenteils "OK" sind, ist vieles von der Ausstattung nicht so gut gelungen, so z.B. der ganze Aufzug von Sir William mit seinem ulkigen Vollbart. Pierce Brosnan kam mir in der Rolle weitaus glauhafter vor. Anders als in "The broken chain" wird Brants Christentum betont, etwa wenn er auf dem ihm von den Briten nach 1783 zugewiesenen Gebiet gleich eine Kirche errichten möchte.
    Mir haben die schauspielerischen Leistungen insgesamt weniger gefallen und mir fehlte auch irgendwie dieser richtige Spirit.

    Eine ganz nette TV-Produktion mit einigen inhaltlichen Fehlern, daher 6 von 10 Kugeln.
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Der Schmarrn geht in die letzte Runde. Erstaunlicherweise, während sich Folge 3 und 4 in der ersten Hälfte der 1740er abgespielt haben, soll Teil 5 nun den Rest von Maria Theresias Leben in einem Zeitraffer in einem Teil abgearbeitet werden. Ich hatte schon insgeheim befürchtet, dass Dornhelm den Quatsch noch über Jahre fortsetzen wird, wenn er weiterhin wie in den 4 ersten Teilen das Ganze bearbeitet. Vielleicht hat ja jemand in der Presse erfahren, warum man sich nun dankbarerweise auf einen einzigen finalen Teil beschränkt hat. Wenn ich es gesehen habe, kommt vorraussichtlich ein Beitrag auf unserem Blog dazu.
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Mehr als nur frei, regelrecht rüpelhaft geht wohl diese Cooper-"Verfilmung" mit seinem Stoff um.

    "Sein Freund der Lederstrumpf" (The Pathfinder) USA, 1952, Regie: Sidney Salkow

    Handlung: Als der Krieg zwischen Franzosen und Briten ausbricht, wird Chingachgooks (Jay Silverheels) Stamm von Mingos niedergemetzelt. Er lässt seinen Sohn Unkas im Fort bei Colonel Duncannon (Walter Kingsford). Aus Rache für den Angriff bieten sich der Pfadfinder (George Montgommery) und Chingachgook dem Colonel an, der sie zusammen mit Lady Alison (Helena Carter) zum Spionieren zu den Franzosen schickt. Sie gibt sich dort als Paulette und eine Französin aus und wird mit Freuden von Col. Brasseau (Stephen Bekassy) empfangen. Doch natürlich durchschauen die Mingos Pfadfinder und können ihn als ihren Feind identifizieren und der Auftrag erweist sich als gefährlicher als gedacht...

    Der Film bietet alle möglichen Stereotype, was sogar soweit geht, dass der französische Offizier in den 1750ern eine blau-weiß-rote Kokarde am Hut hat, mal von den überhauptnicht in die Zeit passenden Epaulettes und so weiter zu sprechen. Sehr ignorant wird auch mit den Mingos und Mohikanern umgegangen, die einfach als Präriekulturen mit Tipis etc. dargestellt werden und das obwohl damalige Filme das schon besser hinbekommen haben. Columbia Pictures hatte damals offensichtlich kein Geld für aufwendige Settings und so wird einfach in modern aufgeforsteten Wäldern gedreht und die Palisade des britischen Forts sieht schon sehr lächerlich aus. Das britische Hauptquartier ist wohl einfach eine damals moderne Villa im Rustikalstil. Wenn man nicht wüsste, dass der Roman im 18.Jh. spielen soll würde man durch dieses Filmchen in so mancher Szene mit den Kleidern, die sich teils an "Vom Winde verweht" anlehnen wohl nicht drauf kommen... Sehr amüsant, wenn man im Hintergrund Gemälde sieht, die Menschen aus der Zeit zeigen.
    Erstaunlich ist die kritische Haltung des Helden gegenüber dem Landraub der Franzosen und Briten und der Einstellung, dass es für die Mohikaner eigentlich egal ist, wer sie beraubt.

    Unspannende, teils schmalzige Massenware. 4 von 10 Raketen-BHs.
     
    dekumatland und Ugh Valencia gefällt das.

Diese Seite empfehlen