Wagner- und Verdijahr 2013

3.
Danke, Wagner auch für die Heimsuchung Bayreuths. Niemals erwachte ich wegen durchzechter Nacht in Deinem heil‘gen Städtchen mit einem brummenden Schädel. Nein. Die Kellner sind so verwöhnt durch den alljährlichen Zustrom an Wagnerianern, dass sie es ja nicht nötig haben bei Gruppen von über 20 Personen nach 12 Uhr Abends noch zu bedienen. Nein, da werden die lästigen, potentiellen Zecher lieber vergrault. Darum auch hier, danke, oh Wagner! Welch manchen müden Cent habe ich wegen Dir wohl erspart!:yes:
...du scheinst dich vor Ort nicht genug auszukennen... da kann man, gerade zur Festspielzeit, sich prima die Kanne geben ohne Sperrstunde - man muss halt wissen, wo (und da sitzen nicht wenige, die im oder mit dem Orche...) psssst :):):):):):):)
 
Habe mich geirrt, zumindest in Belgien ist das Grétry-Jahr (200. Todestag): Gretry2013

Selbst eine ganze Oper vom Meister wurde wiederentdeckt und wird entsprechend gewürdigt! 4 seiner eigenen und eine Oper seiner Tochter Lucile stehen auf dem Programm. Bravo!
 
Zuletzt bearbeitet:
Erfurt hat da etwas vorgegriffen.<!--?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:eek:ffice:eek:ffice" /--><o:p></o:p>
Richard Löwenherz als Oper am Klavier mit Moderation wurde einmalig am 16.04.2011 aufgeführt. <o:p></o:p>

Für solche Experimente muss man jedem Opernhaus danken. Denn die Zuschauergunst hält sich bei diesen Ausgrabungen in Grenzen, sodass Einnahmen und Produktionskosten oft in keinem Verhältnis stehen.

Schade, dass es sich lediglich um eine konzertante Aufführung mit Klavierbegleitung handelt, zudem nur um einen einmaligen Auftritt - aber immerhin! :yes:
 
Für solche Experimente muss man jedem Opernhaus danken. Denn die Zuschauergunst hält sich bei diesen Ausgrabungen in Grenzen, sodass Einnahmen und Produktionskosten oft in keinem Verhältnis stehen.

Schade, dass es sich lediglich um eine konzertante Aufführung mit Klavierbegleitung handelt, zudem nur um einen einmaligen Auftritt - aber immerhin! :yes:

Unser Intendant Herr Montafon (neuerdings auch Schweizer Konsul) spielt da in der obersten Liga :).<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:eek:ffice:eek:ffice" /><o:p></o:p>
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In meinem Anrecht sind Aufführungen dabei, da hätte ich echt Bauchkneipen wegen der Ökonomie. <o:p></o:p>

Aber siehe da, der Mann versteht was vom Risiko, kann damit umgehen und offensichtlich auch leben.<o:p></o:p>
Jedenfalls, wenn ich dort bin, sind in der Regel alle Plätze besetzt.<o:p></o:p>
Auch beim „Leuchtenden Fluss“ – (Welt)Uraufführung -, „Das Waisenkind“, „Santa Chiara“, „Die Frauen der Toten“ (Begann mit einem Sarg!) u.v.a.mehr <o:p></o:p>
 
Unser Intendant Herr Montafon (neuerdings auch Schweizer Konsul) spielt da in der obersten Liga :).<!--?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:eek:ffice:eek:ffice" /--><o:p></o:p>
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In meinem Anrecht sind Aufführungen dabei, da hätte ich echt Bauchkneipen wegen der Ökonomie. <o:p></o:p>

Aber siehe da, der Mann versteht was vom Risiko, kann damit umgehen und offensichtlich auch leben.<o:p></o:p>
Jedenfalls, wenn ich dort bin, sind in der Regel alle Plätze besetzt.<o:p></o:p>
Auch beim „Leuchtenden Fluss“ – (Welt)Uraufführung -, „Das Waisenkind“, „Santa Chiara“, „Die Frauen der Toten“ (Begann mit einem Sarg!) u.v.a.mehr <o:p></o:p>

Das sind ja echte Raritäten, die bei euch zur Auffürung kommen. Wie ist denn die Resonanz beim Publikum? Eher verhalten oder experimentierfreudug?

Problematisch wird's erst dann, wenn die Zuschauerzahl merklich rückläufig ist oder aber der Intendant ein dickes finanzielles Minus erwirtschaftet, d.h. den Etat weit überzieht.

Bei solchen Opernproduktionen werdet ihr im übrigen überregionale Beachtung finden und das ist doch schon was! :winke:
 
Weil wir es gerade mit Antisemitismus (M.L.) hatten... <?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:eek:ffice:eek:ffice" /><o:p></o:p>
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Demnächst eine Koproduktion mit München und Münster -> Joseph Süß.<o:p></o:p>
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Allerdings für mich erst im Mai nächsten Jahres.<o:p></o:p>
Schauen wir mal was ich da von L.F. (1925) noch vorfinde.<o:p></o:p>
Diesen Roman habe ich seinerzeit regelrecht verschlungen, wie auch fast alle Werke von L.F. Mein Favorit von L.F.: „Die Füchse im Weinberg“.<o:p></o:p>
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Ökonomie Theater (Einnahmen – Ausgaben).<o:p></o:p>
Musste da mit meinem Nachbarn reden (Stadtverordneter).<o:p></o:p>
Ausgelastet gut, bis sehr gut, auch eine Menge Sitzplatz/Sessel – Paten (auch mein Nachbar), aber trotzdem Zuschuss. <o:p></o:p>
Aber wie geschrieben, wenn ich dort bin, in der Regel voll besetzt.<o:p></o:p>

Es kommt ja ökonomisch gesehen noch einiges hinzu.<o:p></o:p>
Da wären die phantastischen „Dom-Fest-Spiele“, da wäre To-Rent, die Sessel-Paten u.a.<o:p></o:p>
 
Weil wir es gerade mit Antisemitismus (M.L.) hatten... <!--?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:eek:ffice:eek:ffice" /--><o:p></o:p>
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Demnächst eine Koproduktion mit München und Münster -> Joseph Süß.<o:p></o:p>

Ein ambitioniertes Unternehmen, bei dem ihr überregionale Musikkritiker erwarten könnt.
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Ökonomie Theater (Einnahmen – Ausgaben)
Musste da mit meinem Nachbarn reden (Stadtverordneter).<o:p></o:p>
Ausgelastet gut, bis sehr gut, auch eine Menge Sitzplatz/Sessel – Paten (auch mein Nachbar), aber trotzdem Zuschuss. <o:p></o:p>
Aber wie geschrieben, wenn ich dort bin, in der Regel voll besetzt.<o:p></o:p>

Das hört man gern! :)

Gerade Thüringen ist ja in den letzten Jahren stark von finanziellen Kürzungen bei seinen Theatern betroffen worden, die Stellen wurden besonders bei den Orchestern und Chören reduziert und einige Theater komplett geschlossen.

Das ist der Fluch der Stadttheater mittlerer Größe, die von den finanziell klammen Städten getragen werden. Bei uns steht zum Glück ein Staatstheater, das weitgehend vom Land getragen wird und durch einen Staatsvertrag aus den 50er Jahren finanziell und institutionell fest verankert ist. Ein Freund von mir, Chorsänger in Halberstadt, fürchtet jeden Tag um die Existenz dieses kleinen Dreispartentheaters und natürlich um seine eigene. :nono:
 
Na ja, wenn’s kein OT gibt...<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:eek:ffice:eek:ffice" /><o:p></o:p>
Halberstadt ist S.A., aber trotzdem, man wünscht sich das die es hinbekommen.<o:p></o:p>

Thüringen...<o:p></o:p>
Da ist Meinigen – ein absoluter Renner und ein muss -, da ist Weimar mit den beiden Kunstwächtern vor der Türe (G+S), da ist das weltweit älteste Barock Theater in Gotha (Ekhoftheater).<o:p></o:p>
Ich glaube Eisenach (in Stiftung mit dem Meiniger Theater) geht es nicht so gut.<o:p></o:p>
Erfurt hat nach 90. ein nagelneues Opernhaus nach modernsten Erkenntnissen bekommen.
Steht hinter dem Dom und auf dem Platz wo früher Schreibmaschinen hergestellt worden.
Das alte Barocktheater ist in privaten Händen und da finden allerlei Veranstaltungen statt. Ich gehe am 04.10. zur: "The Rocky Horro Show".
 
Erfurt hat da etwas vorgegriffen.<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:eek:ffice:eek:ffice" /><o:p></o:p>
Richard Löwenherz als Oper am Klavier mit Moderation wurde einmalig am 16.04.2011 aufgeführt. <o:p></o:p>
Auf einem Hammerklavier? :cool: Meinetwegen auch ein Broadwood. Für die Begleitung nur von Sängern ist das damals ja auch denkbar. Es hat sich ja auch ein originales Klavier erhalten, das er gespielt hat und das sich heute im Grétry-Museum befindet.:yes: Mit großem Orchester wurde m.W. in der Zeit noch dem Cembalo der Vorzug gegeben. Es gibt ja ne eher angestaubte Einspielung aus den 1970ern. Vielleicht ist der Stoff im Vergleich zu "Guillaume Tell" oder "La jeunesse de Pierre le Grand" auch nicht mehr so zeitgemäß. "Zémire et Azore" wird ja scheinbar heute häufiger gespielt (u.a. auf Schloss Waldegg (Schweiz)). Dieses Jahr wurde in Waldegg auch "Le Huron", eines seiner ersten Werke, gegeben.
 
man kann es sich gar nicht genüßlich genug auf der Zunge zergehen lassen: das perfekte ebenmäßig proportionierte "Schöne" wird zur Chiffre der Verlogenheit, der Lüge, der Unwahrheit!

berühmte Beispiele:
- das arioso bella figlia de l´amore des Duca aus Rigoletto
- die vordergründig schöne-sentimentale Arie di provenza il mar il suol des Vater Germont aus La Traviata
beide, Duca und Germont, lügen

Das ist ein schöner Gedanke - aber dass Vater Germont hier lügt, ist dem Text nicht zu entnehmen. Sicherlich wirkt er etwas sehr bürgerlich und ehrpusselig; aber immerhin ist das Leben, das Alfredo und Violetta gerade führen, nicht eben zukunftsträchtig. Und zwei, drei Jahre weiter zu sehen ist für einen Mann wie Germont keine Schande und erst recht keine Lüge. Vater Germont wird in dem Stück als ausgesprochen redliche Figur gezeichnet.
 
Vater Germont wird in dem Stück als ausgesprochen redliche Figur gezeichnet.
Vater Germont zu Violetta:
GERMONT
D'Alfredo il padre
la sorte, l'avvenir domanda or qui
de' suoi due figli.

VIOLETTA
Di due figli!

GERMONT
Sì!
Pura siccome un angelo
Iddio mi diè una figlia;
se Alfredo nega riedere
in seno alla famiglia,
l'amato e amante giovine
cui sposa andar dovea,
or si ricusa al vincolo
che lieti ne rendeva.
Deh, non mutate in triboli
le rose dell'amor.
A' prieghi miei resistere no, no
non voglia il vostro cor.
...eine schwer zu glaubende Geschichte...

und anschließend recht gekünstelt rührselig (was eine gewisse Verlogenheit enthält) zu Alfredo:
GERMONT
Mio figlio!
Oh, quanto soffri! Oh, tergi il pianto -
ritorna di tuo padre orgoglio e vanto.
(Alfredo disperato siede presso il tavolino col volto fra
le mani.)
Di Provenza il mar, il suol
chi dal cor ti cancellò?
Al natio fulgente sol
qual destino ti furò?
Oh, rammenta pur nel duol
ch'ivi gioia a te brillò;
e che pace colà sol
su te splendere ancor può.
Dio mi guidò!
Ah! il tuo vecchio genitor
tu non sai quanto soffrì.
Te lontano, di squallor
il suo tetto si coprì,
ma se alfin ti trovo ancor,
se in me speme non fallì,
se la voce dell'onor
in te appien non ammutì,
also besagte berühmte Arie, die typisch für Verdi ist und gerne als "nur belcanto" verkannt wird.

Zwischen diesen beiden Zitaten hat Germont länger mit Violetta zu tun, er erkennt auch, wie es um Alfredo und Violetta steht - das hindert ihn allerdings nicht, gänzlich andere Bewertungen und Urteile zu fällen, z.B. zu Violetta:
GERMONT
Ah, dunque sperdasi tal sogno seduttore.

VIOLETTA
È vero! È vero!

GERMONT
Siate di mia famiglia
l'angel consolatore
Violetta, deh, pensateci,
ne siete in tempo ancor.
È Dio che ispira, o giovine,
tai detti a un genitor.
nein, als eine ausgesprochen redliche Figur ist Vater Germont nicht angelegt.
 
Da unterschätzt Du die Moralvorstellungen der Zeit ; wenn es heißt: "Ihr Bruder hat was mit ner Nutte",
möglicherweise unterschätzt du Verdi? La Traviata ist eine wirklich rührende, bewegende Hommage an G. Streponi - seine Frau und deren Geschichte. Verdi heiratete eine "anrüchige"... Und mit enormer Sensibilität, musikalisch weitaus mehr als im Text (der nicht von Verdi ist), wird das alles dargestellt -- und damit auch die gesellschaftliche Verlogenheit, letztere nicht nur in den Chorszenen sondern auch in der Figur des Vater Germont.
 
rezeptionsgeschichtlich ...
heute... stürzt sich nach wie vor restlos alles auf Wagner, weil dieser einst gesagt hatte, er seie eigentlich kein Musiker, sondern Dichter... Hurra, endlich gab es einen Komponisten, über dessen Musik man ohne musikalische Kenntnisse loslegen durfte :D:D und das hat sich bis heute gehalten.
Das geht mir denn doch etwas zu flott:

Wagner hat schließlich nicht nur gesagt, er sei primär Dichter, sondern bekanntlich seine Opernlibretti selbst verfasst. Folglich darf man in die Beurteilung seiner Werke die Operntexte in besonderem Umfang einbeziehen.

Zweitens hat er selbst den Mythos vom Gesamtkunstwerk gefördert: Folglich darf man Text und Musik getrost in engem Zusammenhang sehen.

Drittens - und das betrifft nun die Rezeption - wurde und wird sein dichterisches Opus von Wortführern des Wagnerkults wie etwa dem bereits verstorbenen Marcel Prawy oder dem gern als Experten eingeladenen Dieter Borchmeyer als Perle der Dramenliteratur gepriesen.

Da darf man sicherlich auch einmal prüfen, inwieweit die Qualität des bei Wagner ganz besonders wichtigen Textes die Hochschätzung, die ihm entgegengebracht wird ("größter Dichter deutscher Zunge", "große Poesie"), rechtfertigt.

Soviel erst einmal zum Anfang - ich bin erst kurz dabei.
 
Vater Germont zu Violetta:
Pura siccome un angelo
Iddio mi diè una figlia;[...]

...eine schwer zu glaubende Geschichte...

Dafür gibt es kein Indiz. Aus dem Zusammenhang gesellschaftlicher Verhältnisse im 19. Jahrhundert überaus plausibel.

und anschließend recht gekünstelt rührselig (was eine gewisse Verlogenheit enthält) zu Alfredo:
Mio figlio!
Oh, quanto soffri! Oh, tergi il pianto -
ritorna di tuo padre orgoglio e vanto.
(Alfredo disperato siede presso il tavolino col volto fra
le mani.)
Di Provenza il mar, il suol [...]
also besagte berühmte Arie, die typisch für Verdi ist und gerne als "nur belcanto" verkannt wird.
Diese Stelle ist absolut glaubwürdig, zumal dieses Verhalten auch mit seinem späteren in völliger Übereinstimmung steht. Dass der Vater andere Ziele und Wertvorstellungen hat als der Sohn, kann man wirklich nicht als „Verlogenheit“ bezeichnen.
Zwischen diesen beiden Zitaten hat Germont länger mit Violetta zu tun, er erkennt auch, wie es um Alfredo und Violetta steht - das hindert ihn allerdings nicht, gänzlich andere Bewertungen und Urteile zu fällen, z.B. zu Violetta:
GERMONT
Ah, dunque sperdasi tal sogno seduttore.
VIOLETTA
È vero! È vero!
GERMONT
Siate di mia famiglia
l'angel consolatore
So etwas nennt man einen Konflikt, nicht Verlogenheit.

nein, als eine ausgesprochen redliche Figur ist Vater Germont nicht angelegt.
Unzweifelhaft: Doch! Man bekommt Mitleid mit diesem anfangs harten und von gesellschaftlichen Zwängen bestimmten Vater – übrigens ein Gefühl, das sich in den rund fünfzig Stunden, die man in Wagneropern zubringen kann, keine Sekunde lang einstellt – womit wir beim Thema wären.
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Wagner hat schließlich nicht nur gesagt, er sei primär Dichter, sondern bekanntlich seine Opernlibretti selbst verfasst.
sollte es dir darum gehen, dem Wagner im Pantheon der Hochliteratur bestenfalls einen Gnadenplatz in der Garderobe zu geben, und diesen auch eher für seine Novelle "Pilgerfahrt zu Beethoven", so rennst du bei mir offene Türen ein.
...gesagt und geschrieben hat Wagner vielerlei, z.B.
Wagner schrieb:
jetzt bin ich auch ein Lisztspieler
ohne auf dem Podium am Flügel irgendetwas Liszt adäquates hervorgebracht zu haben... :)

einigen wir uns doch so: notfalls muss man die großen Komponisten, wenn sie ihr Licht unter den Scheffel stellen, vor sich selbst in Schutz nehmen :)

Folglich darf man in die Beurteilung seiner Werke die Operntexte in besonderem Umfang einbeziehen.
man darf allerlei - aber Musik ist primär an musikalischen Kriterien zu messen.
 
Unzweifelhaft: Doch! Man bekommt Mitleid mit diesem anfangs harten und von gesellschaftlichen Zwängen bestimmten Vater – übrigens ein Gefühl, das sich in den rund fünfzig Stunden, die man in Wagneropern zubringen kann, keine Sekunde lang einstellt – womit wir beim Thema wären.<!--[if gte mso 9]><xml> <w:WordDocument> <w:View>Normal</w:View> <w:Zoom>0</w:Zoom> <w:HyphenationZone>21</w:HyphenationZone> <w:DoNotOptimizeForBrowser/> </w:WordDocument> </xml><![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml> <w:WordDocument> <w:View>Normal</w:View> <w:Zoom>0</w:Zoom> <w:HyphenationZone>21</w:HyphenationZone> <w:DoNotOptimizeForBrowser/> </w:WordDocument> </xml><![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml> <w:WordDocument> <w:View>Normal</w:View> <w:Zoom>0</w:Zoom> <w:HyphenationZone>21</w:HyphenationZone> <w:DoNotOptimizeForBrowser/> </w:WordDocument> </xml><![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml> <w:WordDocument> <w:View>Normal</w:View> <w:Zoom>0</w:Zoom> <w:HyphenationZone>21</w:HyphenationZone> <w:DoNotOptimizeForBrowser/> </w:WordDocument> </xml><![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml> <w:WordDocument> <w:View>Normal</w:View> <w:Zoom>0</w:Zoom> <w:HyphenationZone>21</w:HyphenationZone> <w:DoNotOptimizeForBrowser/> </w:WordDocument> </xml><![endif]-->
gewiß kann man Papa Germont glauben, man kann auch den leichtlebigen Duca mögen - das spricht sogar für die Raffinnesse von Verdi

was die 50 Stunden Wagner betrifft, so solltest du dein subjektives Missfallen nicht verallgemeinern (es ist unerheblich, ob du mit Bühnenfiguren Mitleid hast oder nicht)
 
Guter Librettist

möglicherweise unterschätzt du Verdi? La Traviata ist eine wirklich rührende, bewegende Hommage an G. Streponi - seine Frau und deren Geschichte.
Das mag ja sein, aber anders als bei Wagner wurde das eigene Erleben nicht unmittelbar zum Libretto. Da war der Librettist schon auch noch dazwischen, und der war gar nicht so schlecht - auch anders als bei Wagner. Er verstand es nämlich, die Figur des Vaters Germont so zu zeichnen, dass eben nicht ein Schwarzweißbild entsteht (vielleicht unterschätzen Sie da den Librettisten erheblich?), sondern dass man seine Position bis zu einem gewissen Grade verstehen kann. Das macht ja den klugen dramatischen Konflikt aus.

In solchen Fragen ist es immer etwas misslich, die Musik gewissermassen als entfaltetes Argument heranzuziehen; Sie sehen ja: Der Belcanto kann durchaus einschmeichelnd wirken, wenn der Text aber lügt (was im Fall Germonts nicht zutrifft), dann klingt er fast teuflisch. Hier sind die Grenzen der Musik erreicht, und deswegen dürfen wir uns vor einer Textinterpretation nicht einfach drücken.

Das etwas einfach gestrickte Regisseure - und vielleicht haben Sie bei Ihrer Argumentation bestimmte Inszenierungen vor Augen - Germont als Exponenten einer durch und durch verlogenen Gesellschaftsmoral darstellen, dafür kann Piave nichts. Das kann man machen, aber man sollte das nicht mit Feuer und Schwert als durch den Text vorgegeben verteidigen.
 
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