Wer wäre eine Alternative zu Wilhelm II. gewesen?

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von Griffel, 28. Januar 2021.

  1. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Ja, ja Bismarck und Kaiser Wilhelm II. :)
    Kaiser Wilhelm der II. mochte wohl Bismarck und auch Moltke nicht zu recht.

    Hatten wir aber schon mal hier.
    Da suchte Freundin Laura113 Zitate von Wilhelm II. über Bismarck.

    Schau mal in diesen Thread: „Zitate von Wilhelm II. über Bismarck“.

    Ich habe mich da 2mal an der Diskussion beteiligt und schrieb da u.a.

    „… das Bismarck und Moltke im Vergleich zu seinem Großvater, der im Mittelalter heiliggesprochen worden wäre, nichts als >Handlanger und Pygmänen< gewesen seien, die die Ehre gehabt hätten, die Gedanken > Kaiser Wilhelms des Großen < ausführen zu dürfen.“
     
  2. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Nein, die Lückentheorie ist nicht überflüssig. Diese besagt ja nur, das die Verfassung keine Auskunft darüber gebe, was eben geschieht wenn König und Parlament sich nicht über einen Haushalt einigen können. Diese "Lücke" nutzte Bismarck, um festzustellen, das in so einem Falle der Monarch als Souverän das Recht besitze die "Lücke" zu füllen und zu entscheiden. Bismarck beschaffte also die Mittel für die Heeresreform - ohne Zustimmung des Parlaments - und dieses meinte, dies sei verfassungswidrig.
     
    Shinigami gefällt das.
  3. schaf

    schaf Mitglied

    Ich meinte Friedrich III.
     
  4. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Was hat denn nun Friedrich III. mit einer spekulativen Möglichkeit zur Absetzung Wilhelm II. und möglicher personeller "Alternativen" zu diesem zu tun?
     
  5. schaf

    schaf Mitglied

    Wir hatten vorher Wilhelm I. behandelt. So gesehen hat dieser Tweet schon lange nichts mehr mit dem Ursprungsthema zu tun.
     
  6. hatl

    hatl Premiummitglied

    Der Alte Fritz jedenfalls war schwul.

    Und auch des Kaisers (KW2) bester Freund Phillip zu Eulenburg, ebenso wie sein Reichskanzler Bülow, der mit dem Eulenburg in zärtlichem Briefwechsel stand.
    Es kann leider nicht geklärt werden, ob der Willi bei der Zeugung seiner Söhne nicht etwa den Eulenburg imaginierte.
    :D
     
  7. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Wird zumindest spekuliert und Voltaire hat es seinerzeit mal behauptet.
    Vielleicht mag da auch was drann sein, die Frage wäre dann aber, ob er das in einer derartigen Offenheit ausgelebt hat, dass das für die Bevölkerung überhaupt wahrnehmbar war, so das sich die Frage der Akzeptanz gestellt hätte, erscheint mir dann doch fraglich.


    ................ was unabhängig davon mich jetzt in den Feinheiten der Harden-Eulenburg-Affäre auszukennen und beurteilen zu können, was davon jemals bewiesen werden konnte und was im Bereich der Spekulation blieb, dann auch Eulenburgs Einfluss, seine soziale Existenz und sein Verhältnis zum Kaiser demontierte, während Bühlow als Kanler durch die Vorwürfe vernehmlich beschädigt wurde und seine Kanzlerschaft währte danach nicht mehr allzu lange, was sicherlich auch mit der Daily-Telegraph-Affäre zusammenhängt, nur wird man da auch fragen dürfen, inwiefern hier auch die Vorgeschichte zum Abgang Bülows noch beitrug.


    Tja, wer weiß, im Imaginieren war der Mann ja bekanntlich groß.

    Unabhängig mal davon ob nun Max von Baden in irgendeiner Form als Staatsoberhaupt in Frage hätte kommen können, halte ich die These, dass die deutsche Bevölkerung, für ein homosexuelles Staatsoberhaupt anno 1918 bereit gewesen wäre, doch für ziemlich gewagt.

    Aber vielleicht könnte man das an anderer Stelle diskutieren? Ich glaube einen Faden zur Geschichte der Homosexualität gibt es im Forum.
     
  8. Griffel

    Griffel Mitglied

    Man kann Max von Baden zumindest zugutehalten, dass Vorschläge für eine Verbesserung bzw. Veränderung der Situation gemacht hat!:eek: Dass das Ausland damals nicht darauf eingehen wollte, kann man ihm nicht anlasten.
     
  9. Naresuan

    Naresuan Aktives Mitglied

    Es kommt auch auf den Zeitpunkt an. August Bebel hatte am 21. Januar 1906 zu dieser Frage noch folgende Antwort:
    Wenn wir eine Reichsverfassung hätten, nach der der Kaiser vom Volk gewählt würde, und in der die Vorschrift enthalten wäre, der Kaiser muß aus einem der regierenden Fürstenhäuser gewählt werden, – ich gebe ihnen mein Wort, Prinz Ludwig hätte die größte Aussicht, deutscher Kaiser zu werden. Ich glaube, meine Parteigenossen, so wenig sie monarchistisch gesinnt sind, stimmten einzig für ihn.
    Alfons Beckenbauer, Ludwig III. von Bayern 1845-1921, Ein König auf der Suche nach seinem Volk, Regensburg 1987, S.96f

    Später und in Bayern selbst war die Beliebtheit Ludwigs III. von Bayern, des Millibauern, wohl weniger groß.
     
  10. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    In der Ausgabe des Caligula die nach dem Weltkrieg in den 1920er Jahren erschien, beschrieb Quidde, wie ihm die Staatsanwaltschaft auf den Fersen blieb und jahrelang betont unauffällige Kriminalbeamte seine Vorträge besuchten. Wilhelm II. hatte mal Bismarck und Moltke als Handlanger seines Opas bezeichnet, und er wollte Wilhelm I., der zu Lebzeiten eigentlich immer ein bescheidener Mann gewesen war, partout das Etikett "Wilhelm der Große" verleihen, und zahlreiche Beamte sind Wilhelm II. willig gefolgt, und in zeitgenössischen Dokumenten wurde Wilhelm I. tatsächlich immer öfter als "Wilhelm der Große" bezeichnet.

    Quidde hatte in Vorträgen sich geäußert, dass es unsinnig sei, dem Urteil der Geschichtswissenschaft vorzugreifen und aus Byzantinismus und Lobhudelei Wilhelm I. auf ein Podest heben zu wollen, das gar nicht angemessen ist, wogegen sich der lebende Kaiser wohl verwahrt haben würde.

    Von einem Wilhelm dem Großen zu sprechen, mache nur Sinn, wenn man ihn von einem anderen, von Wilhelm dem Kleinen unterscheiden wolle.

    Dafür hat Quidde schließlich ein paar Monate in München Stadelheim absitzen müssen. Die Haft hat Quidde als relativ heitere Episode im Gedächtnis behalten und darüber gescherzt. Die Beschädigung von Quiddes akademischer Karriere war dagegen ernster. Obwohl Ludwig Quidde einen guten Ruf hatte, ihm wurde zuletzt der Friedensnobelpreis verliehen- konnte er in Deutschland an keiner Hochschule Professor werden. Das persönliche Regiment des Kaisers stieß auch bei konservativen Persönlichkeiten auf Kritik, und Quiddes Caligula-Biographie gewann regelrecht Kultstatus. Die Person des Kaisers wurde darin mit keinem Wort erwähnt. Auch innerhalb von Historikerkreisen war Quidde eine Persona non grata geworden. Viele Kollegen gingen lieber auf Distanz, selbst wenn sie Quidde persönlich schätzten.
     
  11. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Wilhelm II. hatte sogar geruht, Bismarck und Moltke als "Pygmäen" abqualifizieren. Damit sollte Wilhelm I. natürlich überhöht werden, nur wusste eben jeder im Reich, dass das Verdienst der Reichsgründung eben das Bismarcks ist, und nicht das von Wilhelm I. Wilhelm I hatte auch keine Probleme damit; er hatte doch am Ende gesagt, das er (Wilhelm I.) ersetzbar sei, Bismarck nicht. Bülow wurde von ihm als "Luder" bezeichnet.

    Seine Mutter Victoria hatte ihm, vergeblich, mehr als einmal versucht, ein wenig demütig zu sein, weniger arrogant und egoistisch und auf die Gefühle anderer Menschen Rücksicht zu nehmen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. August 2021
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  12. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Kleiner Nachgang zur Lückentheorie:

    Der "Erfinder" der Lückentheorie war nicht Bismarck. Diese Idee stammte von Bismarcks Mentor Gerlach; mit der tat Bismarck dann schließlich den Liberalen im preußischen Landtag entgegen.
     

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