Wie Muslime einst Christen zu Sklaven machten

Dieses Thema im Forum "Der Islam und die Welt der Araber" wurde erstellt von heinz, 3. Mai 2004.

  1. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Dass Seefahrer von gekaperten Schiffen gefangen wurden, ist ja bekannt. Mir geht es darum, ob muslimische Korsaren wirklich überfallartig an der deutschen Küste an Land gingen und dort ihr "Gewerbe" ausübten. In meinem Link weiter oben ist erwähnt, dass noch 1817 algerische Korsaren in der Deutschen Bucht auftauchten.
     
  2. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Nur dass es sich bei den Nordafrikanischen Seeräubern um Korsaren und nicht um Piraten handelte. Sie führten nur Kaperzüge gegen Schiffe und Küsten gegen die Ihre Stadt oder das Osmanische Reich Krieg führte. Wenn sie mal ein falsches Schiff erwischten gab es Protest und es mussten Entschädigungen gezahlt werden. In den Häfen gab es auch Konsule von neutralen Ländern über die man verhandelte wenn jemand freigekauft werden sollte.

    So erstaunlich es klingt, gab es da strikte Regeln die i.d.R. sogar eingehalten wurden.

    In den o.e. Buch von Ramiro Feijoo wird z.B. ein Fall erzählt, bei dem der Kommandeur eines Küstenwachturms einen gestrandeten Seeräuber hängen liess. Als Folge landeten die Korsaren bei nacht und Nebel, nahmen den Mann gefangen und hängten ihn an seinem Turm auf.

    In einem anderen Fall wurde ein gefangener Schiffsführer als vermeintlicher Apostat (Renegat) von der Inquisition gefangen gehalten und sollte hingerichtet werden. Der Bey von Algier und die Hohe Pforte selbst intervenierten und der Mann wurde "nur" auf die Galeeren geschickt.
     
  3. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    1817 gab es eigentlich nur noch wenige Algerische Korsaren. Es gab zwar noch Raubzüge bis zur französischen Eroberung 1830, die großen Zeiten waren jedoch längst vorbei und sogar das einst mächtige Algier hatte nur noch eine handvoll Schiffe.
     
  4. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ich sehe nur nicht ein, warum man es auf "muslimische" Sklavenjagd reduziert. Der Artikel ist in dieser Hinsicht einseitig und Irreführend. Sklavenjagd und Menschenhandel waren im Mittelmeerraum von der Antike bis ins 18. Jahhundert ein allgegenwärtiges Phänomen, dass sich nicht auf die Muslimische Seite begrenzte.
     
  5. querdenkerSZ2

    querdenkerSZ2 Aktives Mitglied

    Die Europäer beendeten den Handel mit arabischen Sklaven eben viel eher .
    Bei den Schwarzafrikanischen Sklaven arbeiteten die Weissen mit den Arabern doch prima zusammen .
    Brsailien stoppte den atlantischen Sklavenhandel 1852 nach dem England mit einer Blokade der Küsten gedroht hatte ,Spanien und Portugal liessen sich 1853 fürdie Aufgabe des Sklavenhandels von England mit Millionen bestechen .Frankreich Verbot den Sklavenhandl erst 1848 .

    Ein Grossteil der Afrikaner wurden dabei von Arabischen Händlern geliefert.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wenn Du jetzt auf den interkontinentalen Sklavenhandel anspielst, da sorgten die europäischen Kolonialmächte schon selber für ihre Versorgung mit Sklaven. Sicher, ein paar Sklaven wurden von arabischen Händlern zugekauft, das meiste ging aber direkt aus Parteinahme in innerafrikanischen Kriegen hervor. Wenn es da Zwischenhändler gab, waren das meist verfeindete Stämme, die ihre Kriegsbeute an die Europäer verkauften. Dazu haben wir sicher auch den einen oder anderen Thread. Hier sollten wir uns - trotz des reißerischen Aufmachers - auf die Versklavung von europäern durch meist nordafrikanische Piraten beschränken.
     
  7. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Später aber nicht mehr. Ein "vorgeschobenes Argument" für die Aufteilung Afrikas um 1880 war der Ruf nach Unterbindung des Sklavenhandels vor allem in den bis dahin nicht erschlossenen Gebieten. Mit populären Büchern (siehe Reiseberichte oder Karl May "Im Lande des Mahdi") wurde dieser Standpunkt unter das heimische Bildungsbürgertum gestreut.
    Außerdem hat @El recht, wir sind damit OT.
     
  8. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    1766 kaufte der Marokkanische Botschafter in Spanien alle dort noch vorhandenen Nordafrikanischen Sklaven frei.
     
  9. querdenkerSZ2

    querdenkerSZ2 Aktives Mitglied

    Der Sklavenhandel auf Sansibar wurde erst 1897 gewaltsam von Britischem Militär abgeschafft .
    Bis 1852 war Brasilien einer der Hauptabnehmer für Sklaven aus Sansibar .
     
  10. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Ich kenne es von den Leuten aus den Elbmarschen. Hat man mir, schon in meiner Kindheit, so erzählt. Also das Wissen kommt vom Sagen her. Muss man dann so einordnen.
    Eine Quelle zum Nachlesen kenne ich jetzt leider nicht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Juli 2009
  11. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Mal einen einsamen Fischer oder Kauffahrer in der Nordsee fangen ist das eine. Aber meine Frage, ob auch Küstenplätze in Deutschland überfallen wurden, ist immer noch offen.
    Gefunden habe ich dazu bisher jedenfalls nix und sowas wäre bestimmt auch heute noch in Dokumenten und Erinnerungen erhalten geblieben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Juli 2009
  12. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Ich kann da jetzt Deinen Wissensdurst leider nicht wissenschaftlich stillen. Es waren sicher auch keine großangelegten Aktionen. Es wurden einzelne Marschhufendörfer immer mal wieder überfallen, die Frauen (eher weibliche Kinder) geklaut und dann weg. Sicher nichts, worfür ein Stadtschreiber seine Feder ins Tintenfass tunkte. Nur Kinder, davon überlebte ja ohnehin knapp die Hälfte. Wie gesagt, meine Großmutter und auch andere haben es mir erzählt. Nimm es als Anekdote hin. Mehr kann ich nicht bieten.
     
  13. Alagoano

    Alagoano Neues Mitglied

    Brasilien? Das ist mir neu. Bei Handelmann wird Sansibar nicht erwaehnt, und das ist bis heute die Referenz fuer brasilianische Geschichte.
    Fuer eine Quelle waere ich ausserordentlich dankbar.
     
  14. Alagoano

    Alagoano Neues Mitglied

    Jeder Artikel, den man schreibt, muss sich zwangslaeufig mit einem Teilaspekt eines Ganzen beschaeftigen, dieser hier halt mit muslimischer Sklavenjagd im Mittelmeer, wuesste nicht, was daran mehr einseitig sein sollte als bei anderen Betrachtungen eines Themas, die halt nur das Thema betrachten.
    "Irrefuehrend" muesstest Du mal naeher erklaeren, denn es gibt ja genug andere Literatur ueber nicht-muslimische Sklaverei. Die kann man ja zu Rate ziehen, wenn man mehr wissen will ueber das Grosse Ganze der Sklaverei.
     
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  15. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Henry Morton Stanley, der sich u. a. als Apologet für den Kongo Freistaat Leopolds II. von Belgien einen Namen machte, prangernd in seinem Buch über seine Expedition zur Rettung Emin Paschas, der vom Mahdiaufstand im Sudan in der Äquatoriaprovinz des Khediven abgeschnitten wurde, die Praktiken der arabischen Sklavenjäger an. Im selben Buch erwähnt Stanley übrigens ironisch einen französischen Kardinal, der zum Kreuzzug gegen die Araber aufrief, die der Ausbreitung der "Zivilisation" im Wege standen. Als Wegbereiter der "Zivilisation" lobte Bula Matari (Der Felsenbrecher) auch das Maxim MG. Stanley, der als Journalist im Auftrag der New York Herald und des Daily Telegraph das Rätsel des Kongoverlaufs enthüllte, ließ sich auf seiner Expedition von Tibbu Tib, dem größten Warlord Ostafrikas gegen Entgelt begleiten. Dieser hatte mit seinem großen Traum, ein eigenes Privatimperium aufzubauen beinahe Erfolg. Bei der Ausbreitung der "Zivilisation" im Kongo gelang es ihm, sich mit den Belgiern, aber auch mit den Deutschen zu arrangieren, und eine Zeitlang war er sogar de facto Gouverneur am oberen Kongo, da er offiziell den Sklavenhandel aufgegeben hatte und sich als Elfenbeinjäger betätigte, denn selbstverständlich gab es im Kongo Freistaat oder anderen Kolonien der Europäer keine Sklaverei- so etwas hieß dort Zwangsarbeit.

    Später taugte Tibbu Tib, als erste Nachrichten über die Kongo Gräuel Europa erreichten nicht mehr so recht als Repräsentant der "Zivilisation", doch er erhielt Millionen an Entschädigungssummen und starb schwer reich in Sansibar.
     
  16. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Es ist eben eine der gängisten Formen etwas zu verfälschen, in dem man nur einen Teil der Fakten darstellt. Ich möchte mal behaupten, es gab damals keine "islamische" Sklaverei sondern schlichtweg Sklaverei so wie Verschleppung zur Lösegelderpressung.
    Der Autor erwähnt mit keinem Wort in seinem Artikel dass zur selben Zeit auch Nordafrikanische und Levantinische Seefahrer von Christlichen Korsaren entführt und versklavt wurden, oder dass sogar Christliche Gefangene von Christlichen Sklavenhändlern nach Nordafrika verschleppt wurden. Er analysiert auch nicht die Entstehung der Nordafrikanischen Korsarenstaaten oder die Zusammensetzung derer Bevölkerung, zB. die zahlreichen Renegaten oder die Vertriebenen Moriscos und Sepharden aus Spanien.

    Der Artikel selbst wurde schon weiter oben zur Genüge analysiert und kritisiert, ich empfehle die ersten paar Seiten nochmal nachzulesen. Was ich jedoch nicht verstehe, ist warum mir jemand einen roten Bommel verpasst hat, mit dem Kommentar "Am Thema vorbei" wenn ich doch gerade über den Artikel schrieb der diesem Thema als Anlass diente.
     
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  17. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

  18. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Aus dem Artikel:

    Einige zehntausend in drei Jahren? 606 Schiffe in drei Jahren? Anfang des 17. Jahrhunderts?

    Laut einer Aufstellung (https://www.historic-uk.com/Blog/British-Navy-Size-Over-Time/) hatte die Royal Navy um 1650 insgesamt noch weniger als 100 Schiffe.
     
  19. Divico

    Divico Aktives Mitglied

    Die BBC nennt etwa diese Zahlen, die sich allerdings wohl auf Handelsschiffe beziehen:

    Admiralty records show that during this time the corsairs plundered British shipping pretty much at will, taking no fewer than 466 vessels between 1609 and 1616, and 27 more vessels from near Plymouth in 1625.

    http://www.bbc.co.uk/history/british/empire_seapower/white_slaves_01.shtml
     
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  20. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Das klingt logischer. Der Übersetzer hat in obigem Artikel fälschlich die von der Admiralität aufgezeichneten allgemeinen Verluste als Verluste der Royal Navy interpretiert.
    Obwohl die Zahlen dennoch sehr hoch erscheinen.
     
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