Zur Bedeutung rechtsradikaler Einstellungen in der deutschen Gesellschaft

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von thanepower, 13. Oktober 2010.

  1. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @thanepower

    Das mit den Formalien ist so eine Sache, am Ende des Tages müssen das die Mitdiskutanten und schlussendlich die Moderatoren entscheiden.

    Extremismus/Radikalismus egal von wo ist nicht mein Thema, gleichwohl ich es sehr intersssant finde.

    Ich befinde mich da auf "gefühlt" sehr unsicherem Terrain. Die Artikel bei Wiki sind stark zeitgeschichtlich, politisch und juristisch geprägt. Arne hat in seinem #15 geschrieben:

    "Das heißt, wir dürften bei der Definition von politischen Modellen nicht nach den Wählern gehen, die mal das, mal jenes wählen, sondern das Modell an sich betrachten."

    Ich würde an dieser Stelle einfach nur das Wort "Wähler" streichen und eventuell durch den staatsrechtlichen Begriff "Souverän" ersetzen und dann kämen wir m.E. zum Kern der Fragestellung, und zwar des "Modelles" oder des entsprechenden Gesellschaftsentwurfes.

    Um dabei nicht in eine philosophische Diskussion abzudriften, wäre m.E. die Kategorie "Extremismus/Radikalismus" immer in einen historischen Kontext zu setzen. Da der Begriff des Extremismus/Radikalismus einem historischen Bedeutungswandel unterliegt und unterlag. Hinzu kommt die Wirkungsmächtigkeit extremistischer/radikaler Modelle. Beispiel: Heute würden die Ziele der "Thule-Gesellschaft" eher als Spinnerei gelten, in der WR waren sie wirkungsmächtig und galten als rechtsextremistisch, manch einem Zeitgenossen der WR vllt. auch als extrem-rechtskonservativ.

    Will sagen, der Begriff Extremismus/Radikalismus sollte jeweils für eine genau bestimmte historische Epoche definiert werden, da er einem Bedeutungswandel unterliegt. Ein gleichsames "springen" zwischen historischen Epochen halte ich daher für suboptimal und verwirrend.

    Zurück zum Thema.

    Rechtsradikalismus in der deutschen Gesellschaft.

    Unmittelbare Nachkriegszeit, Reintegration von ehemaligen Nazis (Spruchkammerverfahren, Ergebnis der Reeducation usw.)

    Manifestierung "rechtsradikaler" Ideen im Parteiensprektrum (DRP, NPD und sonstige Gruppierungen).

    "Latenter Rechtsextremismus", das wäre m.E. das schwierigste Feld. Weil, nur Xenophobie als Kriterium heranzuziehen, einfach nicht aus meiner Sicht ausreichend ist.


    M.
     
  2. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    @ Thanepower: lass dich doch nicht gleich entmutigen ;) - wie du siehst, ist der Thread ja von uns offen gehalten, und dass ein solches Thema kontrovers diskutiert wird, ist erwartbar. Da hier ja Fragen der Geschichtsdidaktik, Geschichtsbilder, Grundtendenzen der deutschen Geschichte und auch langfristigen Wirkungsweise politischer Einstellungen besprochen werden, die es nicht erst seit heute gibt, finde ich es durchaus diskutabel, ohne dass man auf aktuelle Ereignisse zurückgreifen muss.
     
  3. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    @ Melchior: hier möchte ich noch einwerfen, dass in der politischen Betrachtungsweise und öffentlichen Diskussion "Extremismus" noch eine relativ neue Begrifflichkeit ist.

    Extremismus ? Wikipedia

    In der Weimarer Republik, in der die Einstellung, Politik auch mit gewalttätigen Mitteln außerhalb der Parlamente fortzuführen, noch recht verbreitet war, hätte man ihn wohl nicht verwendet, auch nicht die Begrifflichkeiten linksradikal/rechtsradikal.
     
  4. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Ach, warum Das jetzt. Niemand klagt dich an, sondern es wird einfach nur festgestellt, daß sich hier ein schwierige Diskusion entwickeln könnte.

    Das Thema an sich ist wichtig und mit deinem Beitrag 20 hast Du es sehr gut dargestellt.
    Aber es ist halt auch ein sehr komplexes Thema und wird sehr viele Sichtweisen darlegen, somit sind kritische Beiträge vorprogrammiert.

    :friends:
     
  5. Arne

    Arne Premiummitglied

    Hmm, ich möchte nicht als Spiel- oder Spaßverderber da stehen. Die Entscheidung, ob ein Thema historisch oder (poitisch-)aktuell ist und damit hier in das Geschichtsforum passt, steht mir auch nicht zu. Das ist Sache der Moderatoren hier.

    Mich ärgert nur immer und überall, daß politische Positionen unsauber und undifferenziert als "rechts" (vom Sprecher/Autoren) vermengt werden. Hier wird ganz einfach etwas in einem Topf verrührt, was nur wenige Gemeinsamkeiten hat. Man kann über alles diskutieren, nur müssen die Begrifflichkeiten sauber bleiben.

    Wenn ich über die Eigenarten der Franzosen sprechen möchte, dann nenne ich sie Franzosen und nicht Westeuropäer, denn über Spanier, Portugiesen und so weiter, will ich gar nicht reden.

    Ich schätze dich nach deinen Beiträgen als gebildeteten Menschen mit analytischen Fähigkeiten ein, daher möchte ich dich zu mehr Differenzierung bitten, denn wir sind hier nicht beim Wahlkampf auf der Straße.
     
  6. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @thanepower

    Das wäre schade! Klar, das Thema birgt Brisanz und vllt. auch manchen Ärger; wäre aber schade, wenn Du Dich absentierst.

    M.
     
  7. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Rechtsextremismus im Kontext historischer Ereignisse würde mich interessieren, wie die Problematik im Bezug auf die DDR zu werten ist.

    In den 80iger Jahren hatte die DDR nicht nur als Jugend-Subkultur die gesellschaftskritischen Probleme mit Punks zu bewältigen, sondern schon in der Zeit des SED-Regimes gab es geistige wie auch zeichendarstellende Verbreitung des Nationalsozialismus.

    Skinheads der braunen Liga, waren gerade in Ost-Berlin sehr aktiv und bereiteten den VoPos (Volkspolizisten) schweres Kopfzerbrechen, nicht nur in gewalttätigen Straftaten.

    Aus einer Szene-Kultur mit Treffpunkten in ganz Ost-Deutschland (DDR) noch bis 1989, die öffentlich nicht politisch aktiv werden konnte, rekrutieren die Parteien, wie DVU oder die Republikaner anfang der 90iger Jahre ihren Mitgliederstamm für den Osten.

    Was hat die sozialistische-kommunistische Erziehung der jungen DDR- Burschen falsch gemacht?
     
  8. Ostpreuße

    Ostpreuße Neues Mitglied

    Zum einen dürfte innerhalb der Jugend sicherlich eine prinzipielle Anti-Haltung eine Rolle gespielt haben. Andererseits kann man eine Gesellschaft nicht in wenigen Jahrzehnten völlig umkrempeln. Eltern und Großeltern geben ihre Standpunkte an ihre Nachkommen weiter - natürlich auch, wenn sie selbst in der NS-Zeit sozialisiert wurden. (Und die NS-"Bewegung" war schließlich eine Massenbewegung.) Auch in der DDR gab es beispielsweise einen latent vorhandenen Antisemitismus.
     
  9. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Naja...:grübel:

    Die Generationsfrage war mit Jugendlichen in den 80iger Jahren wohl nicht mehr gegeben.
    Immerhin hatten zumeist die Großeltern den realen Nazionalsozialismus mit erlebt, aber die Eltern der Subkultur Sprösslinge, waren schon mehr oder weniger vom DDR Staat geprägt.

    In der Szene der späten 80iger JAhre waren aber nicht nur schlägernde Skinheads brisant, sondern viel gefährlicher waren die sogenannten "Faschos" einzuordnen, die alte Werte wieder auf ihre Fahnen schrieben und dabei stand das DDR Regime meist machtlos gegenüber.

    Zollte da die eine Diktatur der anderen den erpresserischen Wert zur Bevölkerung?
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Oktober 2010
  10. Ostpreuße

    Ostpreuße Neues Mitglied

    Nur ein Beispiel: Anfang der 80er war mein Kumpel 20 Jahre alt. Sein Vater war noch Berufssoldat in der Wehrmacht gewesen. Und das ging beileibe nicht spurlos an dem Jungen vorbei.

    Öhm, das hab ich jetzt nicht ganz verstanden. Kannst du das für mich noch mal anders formulieren? :S
     
  11. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Der eine Militarismus hebt den anderen Militarismus nicht auf. Egal was sich das Team auf die Fahenen geschrieben hat.
    Aber dass kann wohl nicht der Ursprung des rechten Gedankengutes der Jugend in der DDR gewesen sein. Ich mein, der Nationalsozialimus wurde in den Köpfen der DDR Jugend so ins kleinste Detail zerkaut, daß Kinder schon mit 13/14 Jahren in als damals Gedenkstätten dargestellte "Gehirnwäschen", ehm. KZ geschleust (ja das Wort ist richtig gewählt!) wurden, um nicht der richtigen Geschichte zugführt werden, sondern mit dem angeblichen Faschismus der BRD geblendet zu werden.

    Kann es sein, dass eine ideologische Diktatur auf Grund von offensichtlichen Lügen ins Gegenteil umschlägt?
    Hat die Wirkung des unerbitterlichen Darstellen des Nationalsozialismus und des 2.Weltkrieges in allen Details dazu geführt, daß die Jugend alte Werte von Ehre und Pflichtgehorsam wieder aufnahm. Ich mein, immerhin hatte die NVA den preußischen Militarismus komplett übernommen, vom Kasernhofdrill bis zum Stechschritt...
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Oktober 2010
  12. Ostpreuße

    Ostpreuße Neues Mitglied

    Doch. Genau das. Die Familie hat auch hierbei eine prägende Funktion. ich habe unverholenen Antisemitismus bei meinen Mitschülern in der 4. / 5. Klasse erlebt. In diesem Alter kann so etwas seinen Ursprung nur in der eigenen Familie haben.
     
  13. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Bitte erklär mir Antisemitismus in der DDR genauer? Gegen wenn war eine Ablehnung gerichtet und warum?
     
  14. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Ich kenne die Verhältnisse in der DDR der 80er nicht, für die BRD würde ich soweit nicht gehen, aber einen gewissen Überdruss an extrem bemühter Unterrichtung über das 3. Reich konnte ich auch bei meinen Kindern in einem bestimmten Alter feststellen.
    Die alten "Werte" Ehre und Pflichterfüllung über eigenes, kritisches Denken sehe ich allerdings selten bis nie.

    Teilweise klang es ja schon an, mich würde am Thema die speziell deutsche Ausprägung der rechtsradikalen Einstellungen interessieren.
    Oder gab es diese nicht, dann hätte das 3. Reich auch z.B. in Rußland entstehen können.
     
  15. Ostpreuße

    Ostpreuße Neues Mitglied

    Ich selbst wurde wiederholt betont abfällig als "Jude" bezeichnet.

    Dabei sind meine dunklen Haare eindeutig auf die Salzburger Exulanten von 1732 zurückzuführen - und das waren zweifellos Protestanten. Aber diese Zusammenhänge kannte ich damals noch nicht...
     
  16. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Gut erkannt, rena!
    Genau das ist da Grundproblem. Ich denke, dass der Nationalismus in Deutschland schon vor der Gründung des Deutschen Reiches vorhanden war. Nur wurde die Problematik nie als öffentliche Herkunft revanchistischer Gedanken herangeholt. Oder doch? Aber dann wieder im Sinne der entgegengesetzten Ideologie, wie z.B. der DDR?
    Sind aber die "spieß-bürgerlichen" Grundwerte oder biederen nationalen Werte eines Deutschen immer vorhanden und werden z.B. durch übersteigerten Nationalismus überschwänglich, oder spielen augenscheinlich ungeordnet eine Rolle, aber sind dennoch verantwortlich für den Gehorsamm des Deutschen allgemein, egal ob als Nazi oder Kommunist in einer Diktatur?
     
  17. Ostpreuße

    Ostpreuße Neues Mitglied

    Also rechte bzw. faschistische Massenbewegungen und z.T. Regierungsformen gab es insbesondere zwischen den Kriegen in halb Europa. Italien, Spanien, Ungarn, Griechenland, Rumänien, Kroatien usw. usw. Das war kein speziell deutsches Phänomen.
     
  18. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Das stimmt und das waren fast alles auch Länder die irgendein Defizit zu überwinden hatten.
    Ich kriege das heute nacht nicht mehr zusammen, irgendwo da würde ich die Spur aufnehmen wollen.

    An dem Ansatz könnte man untersuchen, ob in Zeiten, wo das soziale Gleichgewicht besonders schwer gestört ist, die Neigung radikalen Führern hinterherzulaufen besonders hoch ist.

    Das sehe ich für das 3. Reich auch so. Dann müßte sich der Rechtsradikalismus nach dem 2. WK doch inhaltlich geändert haben.

    Also an immerwährende Volkseigenschaften glaube ich nicht. Trotzdem ist das 19. Jhdt. für die Deutschen eine Zeit der nationalen Schwankungen und Unsicherheiten. Man schielte vielleicht neidisch auf so stabile Nationalstaaten wie Frankreich und England und schaffte es erst im letzten Moment dann doch noch einen ordentlichen Nationalstaat zu bilden. Das führte vielleicht zu übersteigerter Euphorie, die gesunde Kritik unterdrückte.
     
  19. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Ich höre hier gerade ein paar Ansätze der Germans-are-different-hypothesis raus, daher bin ich mal eben so frei und gehe etwas näher drauf ein.

    Die Germans-are-different-hypothesis geht davon aus, dass Deutsche ein genetisch bedingtes charakterliches Defizit haben, das sie fügsamer als andere Volksgruppen macht. Diese Hypothese beruht mehrheitlich auf den Verhörprotokollen, die nach dem Ende des 2. Weltkrieges im Zuge der Entnazifizierung angefertigt wurden. Dort wurde als Rechtfertigung immer wieder angegeben, dass man doch nur Befehle ausgeführt hätte. Überprüft wurde diese Fragestellung durch Stanley Milgram (Milgram Experiment) und dabei eindeutig widerlegt. Auch das ebenfalls sehr bekannte Stanford-Prison-Experiment untersucht den gleichen Sachverhalt und kommt ebenfalls zu dem gleichen Ergebnis. Das Verüben von Greueltaten, wie es im nationalsozialistischen Deutschland der Fall war, erfordert an Rahmenbedingungen Anonymität und Deindividualisierung der Menschen an denen die Greuel verübt werden ("die Juden", Ghettos, Verbote von zwischenmenschlichen Kontakten zur Tatzielgruppe, Ausgrenzung durch Kennzeichnung etc.), zudem sind klare Regeln und Vorschriften erforderlich. Je bürokratischer und reglementierter ein totalitäres System ist, desto leichter wird es für den einzelnen "doch nur einen Befehl auszuführen" und sich damit aus der moralischen Verantwortung für sein Tun zu ziehen. Klare Rollen und Machtstrukturen sind ebenfalls erleichternd, so weiß jeder genau was seine Aufgabe ist. Wobei es in totalitären Systemen selten Einzelrollen gibt, Rollenverteilungen gehen dabei immer mit einer Uniformität einher, was wiederum die Anonymität fördert. Mit dem Rollen- und Machtgefüge lässt sich übrigens auch das Phänomen erklären, warum bspw. viele Juden Deutschland nicht verlassen haben, solange es noch möglich war: ihre Rolle und die Machtstrukturen sahen das noch vor. Sie waren innerhalb des Sozialgefüges der Juden gebunden, ein Gehen wäre einem Verrat an den anderen gleichgekommen. Zudem hatten sie die "Opferrolle" auszufüllen, der sich ein Großteil auch gefügt hat. Beim Stanford-Prison-Experiment gab es Vergleichbares zu beobachten: die "Gefangenen" haben darum gebettelt gehen zu dürfen. Sie haben sogar angeboten auf ihre Bezahlung zu verzichten, wenn sie gehen dürften. Einer hat sogar seinerseits Geld angeboten wenn er nur gehen dürfe. Niemand der "Gefangenen" ist aber einfach aufgestanden und gegangen, obwohl das jederzeit möglich gewesen wäre, sobald er ein mit den Versuchsleitern vereinbartes Safeword ausgesprochen hätte. Sie sind nicht gegangen, weil sie die anderen nicht allein lassen wollten. Sie hatten alle zusammen den Eindruck, dass es weniger schlimm wäre, wenn sie es gemeinsam durchstehen.

    Rein aus dem Bauch raus: nein, die Neigung ist zu allen Zeiten gleich hoch. Zu Zeiten, in denen das soziale Gleichgewicht besonders schwer gestört ist, ist es meiner Einschätzung nach nur leichter, dass radikale Führer an die entsprechende Machtposition kommen, um entscheidenden Einfluss ausüben zu können.

    Gegenfrage: gibts die überhaupt, "die" deutschen spießbürgerlichen Grundwerte?
     
    thanepower, hatl und rena8 gefällt das.
  20. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    Die Germans-are-different-hypothesis, ist ein untauglicher biologistiescher historischer Ansatz und wie Lili m.E. richtig schrieb, widerlegt.

    Ich denke auch auch, daß die Deindivudualisierung, die bürokratische "Ferne", der "Problemlösungswille" in totalitären Regimen, die juristische Exculpation, die formellen und informellen Zielüberschneidungen innerhalb der Täterkette, natürlich auch die propagandistische Begleitung und soziale Akzeptanz der Taten eine Rolle spielen und nicht zuletzt, die Einübung von Gewalt gegenüber den Opfergruppen und die formelle und informelle "Belohnungshierarchie" von Bedeutung sind. (Ops, der Satz ist etwas lang geworden) Persönlicher Haß gegen die Opfergruppen und natürlich auch pathalogische Neigungen spielen ebenso, allerdings in totalitären Regimen eher untergeordnet, eine Rolle.

    Back to the roots des Threaderstellers, Rechtsradikalismus bzw. Rechtsextremismus.

    Der Begriff "Rechtsradikal", ich verwende den jetzt auch synonym für "Rechtsextremismus" wird m.E. etwas inflationär gebraucht. Natürlich unterliegt der Begriff einer historischen Bedeutungsverschiebung. Darüber hinaus, wer hat die Deutungshoheit über diese Begriffe und an welchen Kategorien/Inhalten wird die Einordnung gleichsam festgemacht, auch das unterliegt einer historischen Bedeutungsentwicklung.

    Ich denke, da sind wir bei des "Pudelskern".

    Juristischer Ansatz

    Verlassen der legalistischen und judikativen Grundlagen des jeweiligen Staates. Soweit ich weiß, ist noch nie ein Rechtsradikaler in Deutschland wegen Verbrechen gem. §§ 81 bis 83 StGB angeklagt worden (bitte bei andersweitiger Kenntnis, Korrektur), §§ 129 und 129a lassen wir hier mal außen vor.

    Selbstverständlich sind wegen ihrer Taten Rechtsradikale wegen Verbrechen gegen die personelle Integrität (Mord, Totschlag, Körperverletzung) und Straftaten gegen Sachen (Brandstiftung, Sachbeschädigung etc.) sowie "Volksverhetzung", § 129a angeklagt und verurteilt worden, dazu kommt bestimmt auch "Nötigung", "Erperssung", Vergehen gegen das Waffengesetz, BTMG etc. und Ordnungswidrigkeiten hinzu.

    Sozialer Ansatz

    Hier wird es besonders "schwammig". Fragestellung, aus welchen Milieus rekrutieren sich Rechtsradikale. Xenophobie ist m.E. nicht ausreichend. Die Zugehörigkeit zu jugendlichen oder auch postjugendlichen Subkulturen m.E. auch nicht. Die exekutive Einordnung als "verfassungsfeindliche Organisation" durch den Verfassungsschutz oder den polizeilichen Staatsschutz auch nicht, inkl. gerichtliche Überprüfung durch die Verwaltungsgerichtsbarkeit. Von modischen Details mal ganz abgesehen.

    Wenn ich Studenten fragen würde; halten Sie islamistische Auffassungen/inkl. Gebräuche als "konservativ", "traditionell, heimatverbunden" oder "rechtsorientiert" ein, beachten Sie bitte dabei historische Konflikte "Genozid an den Armeniern", aktuelle Themen wir Rechtssprechung nach der "Scharia" sowie die Integrationsfähigkeit- und willigkeit der seit den 1960'er Jahren von der BRD angeworbenen bzw. später im Zuge der Familienzusammenführung Zugezogenen islamischen Bevölkerungsgruppen ein. Würde ich immer lesen, "rechts" bzw. bei guten Studis "konservativ", weil...

    Ich meine, der soziologische Ansatz ist der untauglichste Ansatz.

    Historischer Ansatz

    Ich meine, die historische Einordnung der Kategorie "Rechtsradikalismus" in Bezug auf den juristischen Ansatz taugt am besten zur Einordnung. Nämlich die Herstellung des Zeitbezuges. War Karl X. rechts und konservativ mit Blick auf die französische Revolution? War Ludendorff rechts und eventuell konservativ mit Blick auf die Weimarer Republik? Wäre er aus dem Blickwinkel Karl X. als rechts und konservativ einzuschätzen?*

    M.


    * Natürlich eine blödsinnige historische Fragestellung, aber ich denke, ihr wißt schon was ich meine.
    :winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Oktober 2010

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