Das serbokroatische Namenssuffix -ić: ein Gotizismus?

Dieses Thema im Forum "Südeuropa | Mittelmeerraum" wurde erstellt von Dr. Iotchev, 14. Februar 2008.

  1. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Na ich weiß nicht. Da fehlt ja dann der Namensbestandteil -rich bzw. -reiks.
     
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    genau, der fehlt da.
    das gotische -reiks ist verwandt mit keltisch -rix und lateinisch rex und bedeutet Herrscher, König etc. - - genau so, wie Du das zuvor schon erklärt hattest.
    auch got. thiuda als Volk (gens, z.B. Gutthuida) ist nachgewiesen.
    bei Ermanarich ist der erste Bestandteil problematisch
     
  3. BOIORIX

    BOIORIX Neues Mitglied

    Vielen Dank, Ravenik, Dieter, für Eure schnelle Reaktion.
    Akzeptieren kann ich's allerdings nur zumTeil. Bezeichnenderweise habt Ihr nämlich keine Referennzen angegeben, was auch sonst niemand tut. und das fällt mir seit Jahren auf: Die Namen scheinen niemand zu interessieren. Versuch ich's also selber:
    Also unter uns: Der Suffix "-reiks", in verschiedener Schreibweise, ist sehr verbreitet:
    kelt. Vercingeto -rix,
    germ. E-rich, E-rik, Eu-rik
    griech. He-ros
    pers. I-redsch
    slav. Ja-ros(-slav)
    osset./alanisch Bat-radz, Pete-rez
    Selbständig hat sich dieser indo-europâische Suffix im lat. rex , im indisch. Radja und germ. Recke.
    Es handelt sich da um einen "Helden", einen"Kriegskönig", NICHT um einen "Erb-Monarchen"
    "*Irmin-reiks/Ermana-rich" (vgl. Irmin-sul = "columna universalis") ist also ein Titel, kein Name, ud wie der Mann wirklich hiess, das wissen wir nicht!!!!
    zu Theoderich demnâchst etwas; jetzt muss ich weg.
    ALLES GUTE
    Boio
     
  4. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das halte ich für eine sehr gewagte Aussage, denn ebensogut könnte man behaupten, dass all die Friedrichs, Heinrichs, Richards, Amalarichs, Chloderichs und Theoderichs/Dietrichs der Geschichte gar nicht so hießen, sondern das Titel waren. Ermanarich entstammte einem Adelsgeschlecht, da war es wohl naheliegend, ihm einen Namen zu geben, der einen Anspruch auf eine entsprechende Position ausdrückte.
    Die sprachliche Verbindung zwischen Ermanarich und der Irminsul erscheint mir auch gewagt, vielleicht kann jemand, der linguistisch bewanderter ist, etwas dazu sagen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Juli 2011
  5. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ...kann es sein, dass Du nicht alle Beiträge liest? Zu den beiden Namen wurde in Kurzform alles nötige gesagt.
    sofern ich dir nicht unbedingt Fachliteratur über das Gotisch auflisten muss, sei darauf verwiesen, dass die gotischen Eigennamen ausführlich in Herwig Wolframs "Die Goten" besprochen werden; des weiteren interessieren Namen sogar sehr, und folglich gibt es viel Literatur über die Namen, die in Iordanes Getica auftauchen.

    ob der Eigenname Irmin sowie in den Komposita Irmindeot und Irminsul das Irmin- mit dem gotischen Ermanarich/Airmanareiks bedeutungsgleich ist, scheint fraglich - etymologisch geht Irmin- wohl auf *(e)irmanaz (groß, gewaltig, mächtig) zurück, ob das auch für den gotischen Namen Ermanric zutrifft, weiß ich nicht (Ermanaric übrigens die Schreibweise in http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/gotischeswoerterbuch/GotischeNamen.pdf) Da im gotischen Wörterbuch Ermanric unter Namen verzeichnet ist, fällt es schwer, an einen Titel zu glauben, zumal ein solcher Titel ansonsten bei den verschiedenen Gotennicht berliefert ist und auch kein zweitesmal vergeben wurde (der so genannte "gotische Richter" ist was anderes als der Eigenname Ermanaric)

    zu gotisch ajrmans, einem ua Personennamen erschlossenen Adjektiv:
    got. Wörterbuch http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/gotischeswoerterbuch/GOT-A.pdf
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Juli 2011
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Abgesehen davon, dass man mit sprachvergleichenen Methoden dem reiks durchaus auf die Spur kommen kann, wie das in diesem wie auch anderen Threads schon geschehen ist, haben wir ja gerade im Gotischen die komfortable Situation, dass wir hier auf Texte zugreifen können:
    miþþanei is rodida þata du im, þaruh reiks ains qimands inwait ina, qiþands þatei dauhtar meina nu gaswalt; akei qimands atlagei handu þeina ana ija, jah libaiþ.
    Die Stelle korrespondiert mit dem griechischen Originialtext:
    ταῦτα αὐτοῦ λαλοῦντος αὐτοῖς ἰδοὺ ἄρχων εἷς ἐλθὼν προσεκύνει αὐτῷ λέγων ὅτι ἡ θυγάτηρ μου ἄρτι ἐτελεύτησεν: ἀλλὰ ἐλθὼν ἐπίθες τὴν χεῖρά σου ἐπ' αὐτήν, καὶ ζήσεται.
    Die EinheitsÜbersetzung übersetzt hier mit Synagogenvorsteher.

    Deutlicher ist vielleicht "nu staua ist þizai manasedai, nu sa reiks þis fairhvaus uswairpada ut". Hier ist vom Herrscher der Welt die Rede, im griechischen Original ἄρχων τοῦ κόσμου.

    Das þiuda entspricht z.B. Bei Joh. 18, 35 dem griech. Wort ἔθνος:
    andhof Peilatus: waitei ik Iudaius im? so þiuda þeina jah gudjans anafulhun þuk mis; hva gatawides?

    ἀπεκρίθη ὁ πιλᾶτος, μήτι ἐγὼ ἰουδαῖός εἰμι; τὸ ἔθνος τὸ σὸν καὶ οἱ ἀρχιερεῖς παρέδωκάν σε ἐμοί: τί ἐποίησας;​
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Im Übrigen ist der Name Friedrich im Gotischen direkt belegt: im gotsichen Kalender in einer Eintragung zum 23. Oktober.
     
  8. BOIORIX

    BOIORIX Neues Mitglied

    ;@Dekumatland//Ich kann Dir Deine Frage nur zurückgeben:"Kann es sein, dass Du nicht alle Beiträge liest?" Ich habe acht indoeuropäische *-reiks-Beispiele gegeben- und auf Seite vier in diesem serbokroaten-thread finde ich grade mal ein paar Bemerkungen über den Namen Theoderich. Weist Du da mehr? Wie wär's?
    Was Wolfram angeht, so habe ich den vor etwa 40 Jahren gekauft, aber vor 6 Jahren verloren. An Namens-Analysen kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Viellst.eicht in der neueren Auflage? Mal sehen ob die noch zu kriegen ist.
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Insbesondere bei dem griechischen Beispiel bin ich mir fast sicher, dass es nicht korrekt morphologisch segmentiert ist. Bei dem -os dürfte es sich um das gängige grammatische Morphem Nominativ Singular der o-Deklination handeln, das <r> müsste Bestandteil des Lexems/Grundmorphems sein, also Her|os. Analog nehme ich das zum slawischen Jaroslav an. Ein Nachschlagen bei Wikipedia bestätigt mich in meinem Zweifel:
     
  10. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Allerdings wird "heros" nicht nach der o-Deklination dekliniert, denn das o im Nominativ Singular wird nicht mit einem Omikron, sondern einem Omega geschrieben: ἥρως. Das Wort wird nach der konsonantischen Deklination dekliniert, also Nominativ Singular ἥρως, Genitiv Singular ἥρωoς etc., Nominativ Plural ἥρωες etc. Der Stamm des Wortes lautet somit ἥρω, nur das ς ist die Endung: hero-s.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Danke für die Korrektur.
     

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