Die große Göttin

Dieses Thema im Forum "Die Kelten" wurde erstellt von Dendren, 5. Januar 2009.

  1. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    @Dendren

    Wenn du dich intensiver mit der Keltischen Religion auseinander setzen möchtest empfehle ich dir folgende Bücher.

    Bernhard, Maier: Die Religion der Kelten
    Die Religion der Kelten: Götter, Mythen, Weltbild: Bernhard Maier: Amazon.de: Bücher
    Ist sozusagen die Standarteinführung in der kelt. Religonsgeschichte.
    oder
    Fromm-fremd-barbarisch. Die Religon der Kelten
    "fromm, fremd, barbarisch. Die Religion der Kelten" ? Archäologische Nachrichten ? [Archäologie Online] ? ?

    So nun einiges zu der keltischen Religion.
    Wie schon die Vorredner deutlich gemacht haben stammen fast alle schriftl. Überlieferungen aus dem Bereich der Irisch-Schottisch-Walisischen Tradition, sind also zum großen Mittelalterlich bzw. in wenigen Teilen wohl schon im Frühmittelalter schon aufgeschrieben worden.
    Wenn dich das interessiert schau mal unter dem Stichwort Keltologie (U.A Raimund Karl wäre hier zu nennen).
    Davon abzutrennen, ist die sog. Latènezeit, also die Zeit von ca. 450-50 v.chr.
    Was mich an der Diskussion wirklich stört ist die Diskussion über Patriarchat und Matriarchat.
    Schaut man sich die Frühkeltische Zeit an (Späthallstatt-Frühlatènezeit) so gibt es eine ganze Menge von äußerst reich ausgestattete bestattete Damen u.A. die Fürstin von Vix, Die Fürstin von Reinheim.
    Mlgw. läßt sich daraus schließen das Frauen in dieser Zeit die gleichen "Ränge" inne hatten wie die Männer auch.
    Während der darauffolgenden Mittel- und Spätlatènezeit ändert sich im Bestattungsbrauch einiges (Von Körperbestattungen in Hügeln hin zu Brandbestattungen in Flachgräbern) aber es gibt hier auch immer wieder sehr reich ausgestattete Frauengräber. Daneben überwiegen aber deutlich die sog. Schwertgräber (wohl alles Männergräber).
    Ob das dann auch heist das die Männer das sagen hatten, bleibt spekulativ........... Insbesondere das Bsp. der Boudicca (Beitrage El Quijote) macht dies noch mal deutlich.

    Das Patriarchat ist doch in unserem Gebiet doch ganz klar auf die Christanisierung und die damit verbundenen Stellung der Frau im Christentum zurückzuführen.
    In fast allen Gesellschaftsformen der Vorgeschichte kann man vielfach nur spekulieren wie die Gesellschaft geführt wurde, zumeist waren beide Geschlechter genauso wichtig für Unterschiedliche Punkte der Politik, des Kultes etc.
     
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  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Eine wichtige Feststellung, die ich nur unterstreichen kann!

    Sicher ist auf jeden Fall, dass die keltische Frau eine erheblich freiere Stellung genoss, als z.B. die germanische, römische oder gar griechische. Trotz des häuslichen Paatriarchats besaßen sie Vorrechte in dreierlei Hinsicht. Es ist zum ersten die sowohl in den historischen als auch den mythischen Texten belegte Möglichkeit der weiblichen Herrschaftsfolge bei Töchtern und Witwen von Fürsten. Die ungemein prächtigen Frauengräber der Hallstattzeit, so das von Waldalgesheim, bestätigen das aus archäologischer Sicht. Das Wagengrab von Vix gehört, trotz der für eine Frau ungewöhnlichen Beigaben, vermutlich einer Dame.

    Hinzu kommt eine Reihe mutterrechtlicher Züge. Dazu zählt, dass Männer mitunter nicht den Namen ihres Vaters, sondern den ihrer Mutter angeben. Beispiele dafür kennen wir aus dem mittelalterlichen Irland. In denselben Zusammenhang gehört die Rückführung einer Familie auf eine Ahnfrau statt auf einen Ahnherrn, bezeugt durch die im 14. Jh. aufgezeichnete Sage von der schönen Melusine, von der sich die Grafen von Poitiers herleiten.

    Die matrilineare Verwandtschaftsbezeichnung wird als vorkeltisches Erbe gedeutet, ebenso die Frauenherrschaft (gynaikokratie) der Kantabrer im keltischen Spanien. Die mutterrechtliche Sippe in Irland heißt Clan, und dieser goidelische Ausdruck ist in die neuere Völkerkunde als Typenbegriff übernommen worden.

    Die bei Cassius Dio (LXII 6,3) erwähnte Männer-, Weiber- und Kindergemeinschaft in Britannien verquickt das Wissen um eine freiere Stellung der Keltenfrau mit dem "verklärten Wilden". Strabon (III 3,7) erwähnt einen Keltenstamm, bei dem Männer und Frauen gemeinsam tanzen, indem sie sich an den Händen halten, was bei Mittelmeervölkern ungebräuchlich war. Er wundert sich, dass die Stellung der Geschlechter "anders herum ist als bei uns" (IV 4,3).

    Überraschend aber ist die ebenfalls bezeugte Freiheit von Frauen in der Gattenwahl. Im Hinterland von Marseille soll es Brauch gewesen sein, dass ein Fürst, der seine Tochter verheiraten wollte, die Freier zu einem Fest lud, bei dem das Mädchen dem von ihr Erwählten ein Gefäß mit Wasser reichte.

    Dem Prinzip dieser "Damenwahl" entspricht die Freiheit, mit der keltische Frauen ihre Gunst verschenkten, ohne die in Griechenland oder Rom geforderte Heimlichkeit zu beachten. Cassius Dio (LXXVI 16,5) hat u.a. darüber berichtet.

    Schließlich ist noch zu erwähnen, dass keltischen Frauen bisweilen amazonen- bzw. walkürenhaftes Verhalten nachgesagt wurde. Diodor (V 32,1) stellt die Keltinnen an Kraft und Mut den Männern gleich.

    Es gäbe über die besondere Stellung der Keltenfrauen noch viel zu sagen, doch soll das einstweilen reichen.
     
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  3. Haerangil

    Haerangil Aktives Mitglied

    Dazu einige Kritikpunkte von mir:

    1. sagt die reiche Ausstattung eines Frauengrabes wirklich etwas über den "Rang" einer Frau in der Gesellschaft aus, sprich über ihre Rechtstellung?

    Eine Prinzessin von Vix KÖNNTE auch durchaus ein rein symbolisches Amt bekleidet haben ohne deswegen im tatsächlichen Alltag etwas zu sagen gehabt zu haben.

    2. Schwer zu deutende Angaben gibt es bei Cäsar, laut ihm gab es bei keltischen Hochzeiten eine Form von "Gütertrennung" d.h. beide Ehepartner brachten Besitz in die Ehe mit ein, dieser Besitz wurde dann gemeinsam verwaltet - während meinem Studium wurde mal die interessante Frage aufgeworfen ob solche reichen Frauengräber nicht auf solche Ehebräuche zurückzuführen sind, daß nämlich eine Frau aus einer reichen Familie eine sehr große Mitgift mit in die Ehe nahm und aus diesem Vermögen dann auch ihr Totenritual und ihre Beigaben stammten oder daraus bezahlt wurden...

    Die Familie des Mannes könnte IIRC im Todesfalle des Mannes auf die Frau eine Menge Druck ausüben, mitunter entsteht bei mir der Eindruck sie war der Familie des Mannes rechtlich unterstellt.

    Orgetorix verschacherte seine Mutter aus politischen Gründen an einen Verbündeten Biturigen...

    3. Judith Butler kritisiert den Begriff Patriarchiat. Die verschiedenen Gesellschaften in denen Frauen männern rechtlich oder anderweitig untergeordnet sind unterscheiden sich sehr stark untereinander so ,daß die Zusammenfassung unter dem Begriff Patriarchiat sehr stark vereinfachend ist und viele eigentlich im Detail sehr unterschiedliche Gesellschaftsformen
    über einen Kamm schert.

    4. Es gibt einige Beispiele aus der Geschichte die zeigen ,daß einzelne Frauen sich auch in eher patriarchialischen Gesellschaften durchaus mal zu politischer Macht kommen konnten... von daher sehe ich noch nicht ,daß eine Boudicca oder Cartismandua ein Argument für oder gegen ein Patriarchiat/Matriarchiat bei den Kelten wären.

    5. Aus dem irischen und walisischen Recht des Mittelalters gibt es den Brauch der "Erbtochter" die einen nicht vorhandenen ältesten Sohn vertreten kann.Auch sowas kann sich IMHO in der Grabbeigabe niederschlagen.

    6. Cassios Dios Damenwahl beschreibt eine Caledonierin im 3. Jahrhundert nach Christus, IMHO muss man davon ausgehen ,daß verschiedene Stämme hier verschiedene Bräuche praktiziert haben. Z.B. wäre hier altertümlicher Einfluss möglich (vgl. die matrilinearität bei den Pikten - trotzdem waren sie nicht matriarchial!).

    7. Ich sehe auch bei vorchristlichen Kelten und Germanen wenig Hinweise auf Matriarchiat, eher auf "Patriarchiat" das sich nicht so sehr von dem des Mittelmeerraumes unterscheidet. Anhanmd der Quellen können wir aber sowieso nur vereinzelte Hinweise finden, und nur auf die Bräuche der Oberschicht.
     
  4. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Könnte es nicht auch ein Teil des Problems sein, dass wir Menschen des 21. Jahrhunderts "die Macht haben" anders definieren als unsere Vorfahren ?

    Es ist offensichtlich in jeder Kultur so, dass die Frau primär die Kompetenz für Kinderaufzucht und die soziale Organisation hat(te), während dem Mann die Großwildjagd, der Krieg und (oft) die Repräsentation der Sippe nach außen oblag.

    Man kann es auch so sehen, dass die Organisation der Gesellschaft durchaus die stärkere Machtposition ist, während das Gnu zu jagen eher die Drecksarbeit ist.

    In der industriellen Revolution begann die Musik da zu spielen, wo die Arbeit (formally known as Drecksarbeit) stattfindet, während die gesellschaftsbildende Funktion geringeschätzt wurde.

    Warum also muss man bemüht sein, irgendwo die Existenz von Kriegerinnen nachzuweisen ? Vielleicht waren die ja nur zu blöd, diesen Job an einen Mann zu deligieren ?

    Es wäre also eher relevant, die reale Wichtigkeit sowie die gesellschaftliche Wertschätzung der "männlichen" und "weiblichen" Aufgaben im Laufe der Geschichte zu beleuchten. Wie die verschiedenen Mythologien zeigen, stand am Anfang jedenfalls meist "die gute Mutter Erde".
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Januar 2009
  5. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Vermutlich gab es in allen Gesellschaftsformen Fälle in denen eine Frau aus Mangel an männlichen Vertretern einspringen durfte oder musste um den Bestand des Hauses zu sichern. Die öffentliche Erlaubnis hierzu wurde zumeist zeitlich begrenzt, indem es hiess, sie gelte als Oberhaupt bis ein Bruder, Sohn, Cousin, Neffe etc. sein Erbe antreten könnte.

    Selbst in Asien sind frühzeitlich mehrere Fälle verbürgt und letztens sah ich eine Reportage über eine Araberin, die sich entgegen der geltenden Gesellschaft zur Führerin des Hauses/Familie ernannt hat, als solche auch akzeptiert wird und nun hofft, dass einer ihrer Neffen eines Tages diese immense Verantwortung wird übernehmen können. Sie heiratet zum Beispiel nicht, weil sie das für unvereinbar hält. Eine Ehe bzw. eigene Familie nähme ihr Kraft, Zeit und Handlungsmöglichkeit im Hinblick auf das große Ganze.

    War es nicht auch bei Elisabeth II und Katharina der Großen so, dass andauernde weibliche Herrschaft nicht unbedingt vorgesehen war, dass das Gesetz also gebeugt wurde und das neue Recht dann in ihren Händen verblieb?
     
  6. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Nein, das Gesetz wurde nicht gebeugt, da in England und Russland die weibliche Erbfolge möglich war, wie z.B. auch in Spanien. Ganz im Gegensatz übrigens zu Deutschland und Frankreich, wo nach dem salischen Erbrecht keine weibliche Thronfolge galt.

    Das führte dazu, dass z.B. Kaiser Karl VI. die Pragmatische Sanktion erlassen musste, um seinem einzigen Kind Maria Theresia die Nachfolge innerhalb der habsburgischen Erlande zu sichern. Regierende deutsche Kaiserin konnte sie dennoch nicht werden, sondern nur ihr Mann Franz I. Stephan.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Januar 2009
  7. Dieter

    Dieter Premiummitglied


    Daran zweifelt kein Mensch, aber darum geht es hier nicht.

    Es geht hier um die Tatsache, dass die keltische Frau in der Gesellschaft eine bessere bzw. freiere Stellung hatte, als z.B. eine Römerin, Griechin oder auch Germanin. Dieser Fakt ist nicht wegzudiskutieren und es gibt auch keine Veranlassung, diese reichlich bezeugte Situation klein zu reden.
     
  8. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Sorry, ich meinte ElisabethI. Aber du hast recht. Mathilde von England war die erste englische Königin, die sich das Recht auf den Thron allerdings erkämpfen musste. Interessanterweise kamen die nächsten englischen Königinnen nur auf den Thron, weil es keinen männlichen Erben für Henry VIII gab. Jane Grey wurde ja getötet, weil ihr Vater einen Anspruch durchsetzen wollte, den man für nicht gerechtfertigt hielt. Nach ihr kam Mary Tudor und danach Elisabeth, beides nur, weil der Vater vorausschauend dafür gesorgt hatte, dass im Notfall eine seiner Töchter das Erbe antreten konnte und nicht in feindliche Hände fallen würde. Problematisch genug, da ja einige der Kinder als illegitim galten, da er die Ehen bzw. Verbindungen mit den Müttern hatte als illegitim erklären lassen.

    Katherina die Große konnte ihren Anspruch nach dem Mord an ihrem Gatten auch nur durchsetzen, weil sie die offiziellen Erben töten liess und ihr Sohn noch zu jung war um zu herrschen. :D
     
  9. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die weibliche Erbfolge ist - bis heute - unterschiedlich geregelt. In Großbritannien tritt sie erst dann ein, wenn kein männlicher Thronfoger mehr vorhanden ist. In anderen Staaten wie z.B. Schweden gilt - ich glaube erst neuerdings - die Regelung. dass die Erbfolge unabhängig vom Geschlecht erfolgt.

    Bereits mit Zarin Elisabeth I. Petrowna, der Tochter Peters des Großen, regierte von 1741 bis 1761 erstmals tatsächlich eine Frau in Russland selbst, Katharina war also nicht die erste souveräne Herrscherin.
     
  10. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Es stellt sich hier nur die Frage der Rechtmässigkeit. Katherina war ja eine Gattin, nicht die offizielle Erbin des Titels und der damit verbundenen Rechte und Pflichten.
     
  11. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Katharina II. versicherte sich zuerst der Unterstützung einiger Garderegimenter, in denen u. a. auch die Gebrüder Orlow dienten, dann ließ sie sich am 9. Juli 1762 zur Kaiserin ausrufen, währenddessen Zar Peter III. für abgesetzt erklärt wurde.

    Während Peter flüchtete, wurde Katharina noch am gleichen Tag in der Kasaner Kathedrale durch den Metropoliten Setschin zur Alleinherrscherin Russlands erklärt.

    Damit war sie rechtsgültig regierende Zarin.
     
  12. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Ja, sie liess erst Peter töten und dann Iwan VI.
    Selbst wenn ihre Günstlinge und Liebhaber ihr auf den Thron halfen und sie als Zarin proklamieren liessen, sehe ich hier nicht unbedingt eine Rechtmässigkeit. :S

    Olga die Heilige war 945-962 war die erste russische Zarin, die nach dem Tode ihres Gatten die Regierungsgeschäfte für ihren Sohn übernahm.
    Die nächste Frau auf dem Zarenthron war Sofia Lexejewna 1682-1689. Sie war die Schwester des vorherigen Zaren und wurde nach blutigen Kämpfen auf den Thron gesetzt und ein paar Jahre später gestürzt. Auch Katherina I. war nur eine Gattin und stand nicht in der direkten Erbfolge.

    In meinen Augen sind das schon Fälle von Rechtsbeugung und -Auslegung. :friends: Aber das gehörte in Russland scheinbar zum guten Ton (wie auch heute noch ...? *gruebel*)

    Pikannterweise sorgte Katherinas Sohn (aus Rache?!) dafür, dass Frauen fortan per Gesetz völlig und grundsätzlich von einer Thronbesteigung bzw. Erbfolge ausgeschlossen waren.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Januar 2009
  13. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Wenn die dafür zuständigen russischen Institutionen Katharina II. zur regierenden Zarin ausriefen, dann war sie auch legitime Alleinherrscherin. Ob das "moralisch" anstößig war, steht auf einem anderen Blatt. und wird in der Regel verneint.
     
  14. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Bei der ganzen Diskussion muss man folgendes trennen:

    Erbfolge:
    matrilinear
    patrilinear

    Herrschaftsform:
    Patriarchat
    Matriarchat

    Es gibt aus der Ethnologie genügend Bsp. wo z.B. die Erbfolge matrilinear ist und die Herrschaftsform als Patriarchat gelten kann und natürlichch gibt es den umgekehrten Fall.
    Um nochmals auf das Ausgangsthema zurückzukommen, gerade die Gleichwertige und z.T. auch reicherer Ausstattung der Frauengräber ist m.E. ein ganz starkes Indiez für eine gehobenen Stellung.
    Viele Gegenstände sind ja nicht bloß als Schmuck beigegeben sondern hatten ja auch andere Bedeutungen.
    U.a wären hier die großen Kessel und Kratere zu nennen, die z.b. bei besonderen (kultisch, gesellschaftlich ?) Anläßen zu bewirtung der Gäste dienen könnten.
    Freilich hat Haerangil mit obiger Aussage einen guten Kritikpunkt, aber dann muss das genauso auch für die Männergräber gelten.
    Außerdem ist Geschichte bisher fast immer nur von Männern geschrieben worden, das Bild das damit wirft ist eben "durch die Augen von Männnern". Auf den Punkt der Verteuflung der Frau durch die (kathl.) Kirche möchte hier nicht weiter eingehen, damit läßt sich bequem einer neuer Thread füllen.
    Insgesamt schwingt auch bei unserer Dikussion die kulturelle Prägung mit, denkt doch mal daran wie lange es erst her ist das Frauen wählen dürfen oder ohne die Erlaubniss ihres Mannes einzuholen arbeiten zu dürfen oder um ganz aktuell zu bleiben wieviel Frauen sind Vorstandschef eines an der Deutschen Börse geführten Unternehmens ?
     
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  15. Haerangil

    Haerangil Aktives Mitglied

    eben diese angeblich reichlich belegte Tatsache sehe ich SO nicht.

    Helmut Birkhan widmet der Frage nach dem keltischen Matriarchat ein ganzes Kapitel in seinem Buch...

    aus der klassischen Geschichtsschreibung gibt es IIRC nur deine Cassius Dio Stelle, Boudicca und die dazu im Widerspruch stehenden Cäsar Passagen...

    Ich halte das Matriarchat nach wie vor für eine Erfindung Bachofens und kenne so spontan auch kein nachweisbares aktuelles Beispiel dafür ,daß es jemals tatsächlich ein Matriarchat gegeben hätte.

    Birkhan vergleicht das altirische und altwalisische Heiratsrecht recht überzeugend mit dem der Hindus (patriarchial!).

    Weitere Beispiele für Matriarchiat bei den Kelten fielen mir nur aus der Mythologie ein, diese Beispiele ziehen also nicht (vergleiche ähnliche Mythen bei den sehr patriarchialen Römern, Griechen, Hindus, ...)

    Reiche Frauengräber gibt es auch bei den Etruskern, fordert man deswegen ein etruskisches Matriarchat? etrusker
     
  16. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied

    Du verwechselst aber jetzt ein Matriarchat mit der hier angeführten gehobenen Stellung der Frauen.

    Ein Matriarchat würde über die weibliche Linie laufen, was bedeutet, dass ALLE Herrscher weiblich sein müssten. Davon ist hier allerdings nicht die Rede (zumindest bei mir nicht :D ).

    Mir gehts hierbei lediglich um die Feststellung dass AUCH Frauen legitimierte Herrscherinnen sein konnten, dass Frauen NICHT NUR für sog. "Weiberarbeit" taugten, sondern eben auch mal Kriegerinnen oder erwerbstätig sein konnten und zwar aus EIGENEM Recht und nicht, weil der Gatte es wünschte. Dass Frauen auch Land erben konnten, z.B., oder Besitz erwerben konnten, dass sie auch eine Wahl hatten, wen sie heirateten und dass sie anerkannt wurden und ihre Meinung ebenfalls zählte.

    Wenn man sich die klassischen patriarchalischen Kulturen ansieht, kann man beobachten, dass Frauen grundsätzlich mehr oder minder wie Vieh gehandelt wurden, zum Zweck des Machterhalts oder der Vergrößerung des Besitzes, ohne eigenes Mitspracherecht. Eine Frau in einer rein patriarchalischen Kultur taugt zur Kinderaufzucht und für die Haushaltsführung, aber sie wird nicht nach ihrer Meinung gefragt.

    Ich meine, dass die viele Mythen um weise Frauen und Feen in der keltischen Kultur durchaus das Bild einer Gesellschaft zeichnen, in der Frauen anerkannt wurden und durchaus auch ihre Meinung äußern durften, oft sogar um Rat gefragt wurden. Und, wie eben Boadicea, durchaus auch herrschen konnten.

    Netürlich werfen Mythen wie die von Morgan le Faye, sozusagen der bösen Königin ein schlechtes Licht auf die Frauen der damaligen Zeit, aber das tut eine böse Stiefmutter in Grimms Märchen auch... was ich damit sagen will: ich behaupte, dass Mythen, die von Frauen mit Macht berichten, absichtlich ein negatives Licht auf diese Frauen werfen, weil eine Frau, die Macht ausübt, in einer patriarchalischen Gesellschaft eine Katastrophe darstellt. Man bedenke die bösen Zungen der Zeitgenossen Katharinas und anderer Herrscherinnen, die diese Frauen verunglimpften.

    Ich weiß, ich bewege mich damit ziemlich auf der Alice-Schwarzer-Linie, aber es ist nuneinmal Fakt, dass Geschichte gerne geschönt wird, vor allem wenn es darum geht, eine fremde Kultur in das eigene Weltbild einzufügen. Zumal Geschichte, wie wir wissen, meistens von den Siegern geschrieben wurde.

    Und wie ich bereits sagte... immerhin waren die in den von dir angeführten Schriften genannten weiblichen Figuren wichtig genug, um genannt zu werden, was ja nun allgemein nicht oft der Fall war.
     
  17. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Ich habe gar keine Lust in diese leidige Matriarchat-Debatte einzusteigen.
    Diese reine Frauenherrschaft mag ein Mythos sein oder ein Angst-Thema von Männern, die sich mit ihrem vermeintlichen Patriarchiat nicht recht wohl fühlen, in jedem Fall ist es heutige Sicht und paßt weder zu unserem wenigen Wissen von Kelten noch anderer früher Völker.
    Ein Erbrecht über die weibliche Linie hat es mit Sicherheit gegeben und gibt es noch.
    Die bereits genannten Indizien aus Mythen, Sagen, Märchen und die verständlicherweise dürftigen römischen und frühchristlichen Quellen, lassen ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis für möglich halten.
    Die Geschichte der Menschheit ist älter als die durch Schriftquellen belegten 2000 Jahre, die nun zufällig patriarchalisch ausgerichtet waren.
    Zu später Stunde erlaube ich mir deshalb ein bißchen Philosophie, vielleicht eiert das Geschlechterverhältnis in Jahrtausendamplituden um den goldenen Mittelweg des gegenseitigen Geschlechterrespekts und wir sind g´rade mal wieder am Umschlagpunkt und in 2000 Jahren rätseln kluge Leute über Kronen in Männergräbern und können sich gar nicht vorstellen, wie man so leben konnte.
     
  18. Jürgen

    Jürgen Neues Mitglied

    Kriegerinnen soll es unter den keltischen Völkern vereinzelt gegeben haben, aber im Sinne einer Bevölkerungsplanung konnte es nicht sein, Frauen in den Kampf zu schicken.

    Mit dem Tod einer gebärfähigen Frau, wäre all ihre weitere Nachkommenschaft für das Volk verloren.

    Der Tod eines Mannes hingegen, braucht zu keinerlei Beeinträchtigung in der Anzahl der Nachkommen zu führen.

    Aus vorgenannten Gesichtspunkten wäre es, im Sinne des Weiterbestehens eines Volkes, widersinnig gewesen, die Frauen in den Kampf zu schicken.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Januar 2009
  19. Auch als Nichtsportler, es wäre auch aus anderen Gründen unsinnig gewesen. Es gibt bis heute Herren- und Damendisziplinen im Sport. Das hat gewisse - körperliche - Gründe. Das Menschenmännchen ist allgemein kräftiger gebaut, vielleicht dümmer, aber körperlich eben stärker und solange es in Kriegen auf Kraft ankam, war die Entscheidung eben klar. Die Damen wären massakriert worden.
     
  20. Um den Beitrag abzusetzen. Über die (angenommene) keltische Religion wissen wissen wir fast gar nichts, außer aus archäologischen Befunden, schon gar nichts über Urmütter oder Urväter. Es stellt sich aber zunehmend heraus, dass die Stämme der Kelten zumindest teilweise Kopfjäger waren, Begründung noch unklar.
     

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