Herkunft der Ungarn/Magyaren?

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von lynxxx, 24. November 2007.

Schlagworte:
  1. Tekker

    Tekker Gast

    Gibt es denn "das" Magyarische so überhaupt? Ich hege, denke ich z.B. an Dorfformen, leichte Zweifel... Ich versuche mal, eine entsprechende Karte zur Illustration zu finden. :)


    Edit: Gefunden hab ich im Netz nix, aber dies hier hatte ich gemeint. Entstammt dem schon oft genannten "Westermann".
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 26. Juli 2008
  2. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    "Das Magyarische" ist nur ein Produkt meiner Denk- und Schreibfaulheit.:winke:
    Ich bin beinahe sicher, dass es so etwas - abgesehen von der Sprache - nicht gibt; wahrscheinlich wird man, was Dorfformen usw. betrifft, größere "Völker-Klumpen" bilden und zumal die im historischen Verlauf eintretenden Konvergenzen in Rechnung stellen müssen.
     
  3. hyokkose

    hyokkose Gast

    Wie der Zusammenhang unmißverständlich ausdrückt, ist hier nichts anderes als die sprachliche Urverwandtschaft gemeint.

    Die faszinierende Silbe "Ur-" ist selbstverständlich relativ zu sehen. Das "Ur"-Uralische ist mitnichten eine der Ursprachen der Menschheit, noch ist sie zu irgendeinem Zeitpunkt vom Himmel gefallen. Sie muß - wie alle anderen natürlichen Sprachen der Menschheit auch - eine lange Kette von Vorgängersprachen gehabt haben, nur läßt sich diese Vorgängersprachen nichts mehr sagen. Das "Ur-" deutet lediglich den Punkt an, bis zu dem mit vergleichenden und rekonstruierenden Methoden noch wissenschaftliche Aussagen möglich sind.
     
  4. hyokkose

    hyokkose Gast

    Nun ja, nach meinen zugegebenermaßen oberflächlichen Eindrücken hat die ungarische Kultur mehr Gemeinsamkeiten mit der mitteleuropäischen Kultur als mit der der Steppenvölker. Soviel ich weiß, leben die Ungarn nicht in Filzjurten. Der Tokajer wird meines Wissens aus Trauben gewonnen und nicht aus vergorener Stutenmilch. Und so weiter... Kurzum, die ungarische Kultur würde ich erst einmal zu den europäischen Kulturen rechnen, auch wenn sich hier und da noch Spuren eines einstigen Erbes der Steppenvölker nachweisen lassen sollten.
     
  5. hyokkose

    hyokkose Gast


    Ja. Sowohl im Finnougrischen allgemein wie auch im Ungarischen. Ein iranisches Lehnwort im Ungarischen ist z. B. "ezer" (tausend) von iranisch "hezar".
     
  6. Natürlich hat sich die seßhaftigkeit und somit die entsprechenden kulinarischen Beonderheiten durchgesetzt. Aber Kulturell gesehen unterscheiden sie sich doch Deutlich von den zB Österreichern oder den Deutschen.

    Außerdem sind Jurten nur dann notwendig, wenn man nomadisch lebt. Lebt man nicht mehr nomadisch, braucht man das nicht mehr...

    Interessant. Danke.
     
  7. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Na da bin ich aber gespannt auf die Ergebnisse...

    Da meine ich eher einen Zusammenhang mit den Sami (Lappen) zu erkennen. Siehe Tracht und Joik.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Joik
    YouTube - yoik-n roll - joik/musikk
    Aber die sind ja auch (sprachlich) Finno-Ugrier.

    :ironie:
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Juli 2008
  8. tamas

    tamas Gast

    Wie hiess 1000 bei den Medern (-die sich eigentlich Medjer nannten)-weil auf alt Madjar-isch(der früher ebenfalls medjer geschrieben wurde)ging(und geht ) es so:
    1 = ez (Heute edj , "ez" bedeutet heute "dieser")
    10= Tez (Heute =Tiz)
    100=sez (100 heute= Sas, früher Sus=60 , zahlensystemänderung )
    1000=ezer
    10000=tezezer
    100000=sazezer

    Bist du sicher, das "ezer" übernommen wurde? oder villeich verliehen ?
     
  9. hyokkose

    hyokkose Gast

    Nun gehören seßhafte Lebensweise samt Architektur, Küche und so weiter nach meinem Verständnis ganz wesentlich zur Kultur. Die religiösen Bräuche übrigens auch, da unterscheiden die Österreicher sich von den Norddeutschen mehr als von den Ungarn.
    Was genau verstehst Du eigentlich unter "kulturell gesehen"?
     
  10. tamas

    tamas Gast

    Ich glaube, es hadelt sich um die hier, bin mir aber nicht sicher.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kham-Magar
    (werde nachblättern)
     
  11. hyokkose

    hyokkose Gast

    Nach Eva Korenchy, Iranischer Einfluß in den finnisch-ugrischen Sprachen, in: Denis Sinor (Hrsg.), The Uralic Languages, Leiden 1988, handelt es sich um ein iranisches Lehnwort im Ungarischen. Iranische Lehnwörter gibt es in vielen finnougrischen Sprachen, insgesamt 150 "sichere Lehnwörter". Davon entfallen auf das Ungarische 30, auf das Mordwinische 18, bei den anderen Sprachen sind es weniger.
    Das ist relativ wenig, wenn man das mit den Tausenden Lehnwörtern türkischer, slawischer, deutscher oder lateinischer Herkunft vergleicht.
     
  12. Vor allem Bräuche und Traditionen. Architektur wurde stark durch die Österreicher beeinflusst, und bei der Küche genau umgekehrt. Hier haben die Ösis viel übernommen.

    Die Österreicher ähneln sehr den Bayern, und die Bayern sind halt anders als der Rest der Deutschen:pfeif::scheinheilig:

    Die religiösen Bräuche würde ich nicht unbedingt als Indikator nehmen...eher die Folklore, und Bräuche, die bis in Vorchristliche Zeiten zurückgehen.
     
  13. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Ich bemerke diesen "Knödel/Krautgürtel" z.B. in der Esskultur, den Raum würde ich weiter ansetzen, so vom Elsass im Westen über Süddeutschland, Sachsen, ehem. Schlesien, Tschechien, Österreich (zufällig Habsburg?), Ungarn grenzt nord-westlich sozusagen an diesen Gürtel aber du sagst @tamas bei der Küche haben die Ungarn eher die Österreicher beeinflußt, eine beidseitig fruchtbare Zusammenarbeit sehe ich beim Szegediner Gulasch.:winke:

    Kann ich dir zustimmen, welche z.B. meinst du bei den Ungarn?
     
  14. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Laut diesem Eintrag handelt es sich um eine sino-tibetische Sprache, was angesichts der Geographie auch Sinn macht. Nun weiß ich nicht ob schon mal diese zum Vergleich Ungarisch mit herangezogen wurden (Ich kann nur auf Ungarisch Zuprosten :D). Die bloße Namensähnlichkeit Magyar/Kham-Magar kann ja wohl keine Grundlage sein.
     
  15. Ja, so würde ich es sagen. Eine super Symbiose.

    So gut kenne ich mich nicht mit den Bräuchen der Ungarn aus. Aber die Bilder, die ich vom Leben in der Puszta gesehen habe, erinnern mich doch sehr an ihre Steppenwurzeln.
     
  16. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Schon richtig, aber die Puszta IST Steppe. Da prägt der Lebensraum logischerweise die Kultur. Niemand käme auf die Idee Prärieindianer und zentralasiatische Nomaden in direkte Beziehung zu setzen, nur weil sie viele Elemente gemeinsam hatten.
     
  17. Ist schon klar, aber wie gesagt, ich habe es nur als Beispiel genannt, weil so gut kenne ich die Ungarn nun auch nicht, ich hab mirben auf den Balkan spezialisiert.

    Na, so ähnliche Kulturen habe die Prärieindianer nicht. Die haben ja ein VÖLLIG anderen Glauben, als die Magyaren..

    im übrigen: Welchen Glauben hatten die heidnschen Magyaren? Waren es Tengristen?
     
  18. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Ich meinte gewisse Elemente der materiellen Kultur (z.B. transportable Behausungen) oder ihren Kriegerethos. Aber ich denke, soweit weit werden die Glaubensvorstellungen vor dem Heiligen Stefan nicht abgewichen sein, eben Naturreligion. Ich behaupte mal ohne Christianisierung und Sesshaftwerdung wäre es den Ungarn nicht anders ergangen als den Sarmaten, Hunnen oder Awaren - verschwunden im Orkus der Geschichte.

    http://www.free-hp.com/userdaten/28977489/download/urreligion_ungarn.pdf
    Wirkt nicht sehr seriös, aber das sollen andere beurteilen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Juli 2008
  19. hyokkose

    hyokkose Gast

    Warum das denn? Tausend Jahre Christentum und christliche Bräuche in ihrer regionalen Form gehören doch genauso zur Kultur wie alles andere auch. Warum müssen Bräuche vorchristlich sein, um als Kultur zu gelten?
    Zumal es mit dem Nachweis der vorchristlichen Herkunft oft schlechter aussieht, als man denkt. Vielfach werden Bräuche, die möglicherweise gar nicht so alt sind, aber deren Ursprung man nicht kennt, einfach mal so für "tausendjährig" erklärt.
     
  20. Brushian

    Brushian Gast

    Kann ich mir nicht so recht vorstellen, außer ein paar "Erfindern", "Künstlern" und "Kreativen" in Serbien, ist der Großteil der serbischen Bevölkerung recht russo-und slavophil.
    Sogar die größten serbischen Nationalisten erinnern zu gern an ihre slawischen Wurzeln.
    Solche Gedankenfürze wie die Thrakertheorie werden meist von relativ ungebildeten Leuten in den Raum gestellt, der Großteil der belehrten Ultranationalisten hebt allerdings sogar dagegen immer die große ethnische Verwandschaft zu den Slawen hervor.
    Allerdings bestreite ich nicht, dass rund um Serbien die Abstammungstheorien florieren.
    Soviel ich weiß sind die Tschechen auch stolze Slawen, getrübt wurde das Bild durch die sowjetische Knechtschaft, die nicht um so viel besser war als die deutsche Besatzung.

    An diesen "Star", kann ich mich auch noch erinnern, nicht zuletzt aufgrund dieser Verwarnung:

    [​IMG] Privat 06.10.2007
    09:33 Abgelaufen 1 Beleidigung anderer Benutzer hyokkose
    :yes:=):friends:
     

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