Kriegerinnen unter den Wikingern

Dieses Thema im Forum "Die Wikinger" wurde erstellt von silesia, 8. September 2017.

  1. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Die Kriegerinnen im Triumphzug des Aurelian waren aber laut Historia Augusta vom Geschlecht der Amazonen. Der Triumphzug Aurelians war an barbarischer Exotik kaum zu überbieten. Von den Goten hatte er sogar einen von zahmen Hirschen gezogenen Streitwagen erbeutet.

    Der Amazonenmythos wurde noch im Mittelalter gepflegt.
    Laut Adam von Bremen war die Heimat der Amazonen zwischen Finnland und Estland. Die Amazonen hätten den schwedischen König Anund vergiftet.
     
  2. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Genauer schreibt die Historia Augusta, dass die zehn unter den Goten kämpfend gefangengenommen wurden. Beim Triumphzug wurde ihnen ein Schild o. ä. vorangetragen, auf dem stand, dass sie vom Volk der Amazonen seien.
    Da sie aber wohl kaum wirklich Amazonen waren, jedoch unter den Goten kämpften, werden sie wohl auch Gotinnen gewesen sein. Aurelians Triumphzug war darauf ausgelegt, ein großes Spektakel zu bieten, und "Amazonen" klang wohl spektakulärer.
     
  3. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Mythologische Gestalten wie Walküren sind kein Beleg für reale Schildmaiden. Und angesichts der Namenswechsel in der Nibelungensage ist die Diskussion darum, wer wonach benannt ist, müßig. Soll das alte Atlilied nicht aus der Zeit um 900 stammen? Und ging es beim Ursprung der Walküren nicht um Geister, die ursprünglich verschiedenes Geschlecht annehmen konnten?

    Dass es Frauen in der Funktion als Kriegerinnen gab, ist aufgrund des Strukturalismus belegt: Zu jeder Zeit, aus der wir genügend Quellen haben, kennen wir die ein oder andere Frau als Kriegerin / Soldatin. Da unsere Erwartungshaltungen dafür unerheblich sind, muss begründet werden, wenn behauptet wird, dass diese Erscheinung in einer Gesellschaft nicht vorkamm, während das Vorkommen als Normalfall zu gelten hat. Natürlich betrifft dies nur Ausnahmen. Diese mussten in heidnischem Umfeld im Gegensatz zum christlichen Umfeld nicht als die Ordnung verletzend abgelehnt werden. Daher konnten sie auch in die Sage eingehen.

    Wohl gemerkt: wer behauptet, dass es sich um mehr als seltene Ausnahmen handelte, muss dies wieder belegen.

    Und Frauen, die im Notfall zu Speer und Schild greifen, sind natürlich wieder nur normal, können dafür aber nicht als Kriegerinnen angesprochen werden. Auch viele der als ach so hilfsbedürftigen geltenden Burgfräulein werden sich im Notfall selbst gewehrt hat. Die Darstellung im Tower-Fechtbuch (ein Mönch unterrichtet einen Jüngling oder eine Frau) und die 'Hut der Frau' (eine Auslage beim Fechten mit dem Langen Schwert) werden oft als Hinweise gedeutet, dass selbst im christlichen Mittelalter adeligen Frauen für den Notfall wenigstens bestimmte Techniken beigebracht wurden. Ich würde diese Argumentation zwar nicht als unmöglich, aber definitiv auch nicht als zwingend beschreiben.

    Was den Triumphzug angeht, wissen wir nicht, ob es sich um Kriegerinnen handelte oder um Frauen, die in einer Notsituation einfach zu den Waffen griffen.
     
  4. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Es hat etwas gedauert, aber Walküren sind vor dem Hochmittelalter zu finden. Ich hätte gleich bei Paul Herrmann schauen sollen. Bei allen Nachteilen, nennt er doch immer konkrete Beispiele:

    In "angelsächsischen Glossen des 8. Jahrhunderts" will er "walcyrge = Eurynis, walcrigge=Herinis, waelcyrre=Tisiphona, waelcyrige=Bellona, Allecto" gefunden haben. (S.305; 8. Auflage 2007)
     
  5. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    So, in Ruhe weiter:

    Es ist bemerkenswert, dass wir hier gleichsam eine christlich-germanische Interpretatio griechisch-römischer Göttinnen oder weiblichen Mythengestalten haben: die Erinnyen und die Kriegsgöttin Bellona, also eher dunklen Gestalten, die für Rache und (sadistische) Gewalt stehen.

    Interessant wären hier die Fundstellenangaben, um das tatsächliche Alter der Glossen überprüfen zu können.

    Die Bedeutungsverschiebung zu allein weiblichen Gestalten könnte daher entweder dem Zufall des Vergleichs mit entsprechend weiblichen antiken Vorbildern oder auch einem negativen christlichen Frauenbild zu verdanken sein, also wieder mal nur ein schon durch das Christentum, bzw. die klassische Antike beeinflusstes Heidentum zu sehen sein.

    Aber das sind nur Assoziationen, die mir heute in den Kopf kamen. Es wäre zu schauen, ob es diese schon einmal gab und ob diese so haltbar sind. Allein auf dürrer Grundlage scheinen sie mir recht dünn, und sie wären elegant, da sie sich ins Bild einfügten, was zur Vorsicht mahnt.
     
  6. RAEDWALD

    RAEDWALD Mitglied

    Naja... :
    „ Doch als diese (die Frauen) sie mit einer neuen Art des Mordens erschreckten – sie schnitten nämlich die Kopfhaut mitsamt dem Haar ab und ließen sie, durch diese reichlich unehrenhafte Wunde entstellt, zurück[…] - Orosius. Historiae adversus paganos 5, 16, 17.

    Das ist schon mehr als nur verteidigen in meinen Augen.
     
  7. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ich lese die Stelle ("Mulieres graviorem paene excitavere pugnam, quae plaustris in modum castrorum circumstructis, ipsae autem desuper propugnantes, diu repulere Romanos. Sed cum ab his novo caedis genere terrerentur - abscisis enim cum crine verticibus inhonesto satis vulnere turpes relinquebantur - ferrum, quod in hostes sumpserant, in se suosque verterunt.") anders als (anscheinend) Du: Nicht die Frauen skalpierten die Römer, sondern die Römer die Frauen. Die Frauen verteidigten das Lager, aber als sie von den Römern durch das Skalpieren erschreckt wurden, töteten sie sich und die Ihren. Das "terrentur" bezieht sich meiner Meinung nach auf die "mulieres", das "ab his" auf die "Romanos". Das ergibt sich auch daraus, dass sich "sumpserant" und "verterunt" nur auf die Frauen beziehen können (die Römer begingen schließlich nicht Selbstmord), somit sind sie das Subjekt auch des zweiten Satzes. Ich übersetze also: "Die Frauen, die nach der Art von Lagern von Wagen umgeben waren, erregten einen beinahe schwereren Kampf, indem sie aber selbst herab verteidigten und lange die Römer zurückschlugen. Aber als sie von diesen mit einer neuen Art des Tötens erschreckt wurden - denn sie wurden, nachdem die Scheitel mit dem Haar abgeschnitten waren, mit einer genügend schändlichen Wunde schimpflich zurückgelassen -, wendeten sie das Eisen, zu dem sie gegen die Feinde gegriffen hatten, gegen sich und die Ihren."
     
    RAEDWALD und Riothamus gefällt das.
  8. RAEDWALD

    RAEDWALD Mitglied

    Ja, macht Sinn.
     

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