Sammelthread - Kurzkritiken über neue Spielfilme mit historischen Inhalten

Dieses Thema im Forum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wurde erstellt von lynxxx, 18. Januar 2007.

  1. Secundus

    Secundus Aktives Mitglied

    Die Zeit des Monumentalfilmes mit tausenden Komparsen nun mal vorbei.
     
  2. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Ahja? Letztens bei dem Attila-Film fand also die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern auch Nachts/Abends statt? :D
     
  3. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Mönsch Leute inner Antik war ALLES grau und öde im das Mittelalter war DUNKEL, deshalb!!
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Da fehlt ein Buchstabe.
    Ansonsten hier vielleicht OT, aber ich glaube angeblich sollen bei "Der Mongole" noch sehr viele echte Statisten aufgetreten sein.

    Vielleicht brauchen die Menschen auch erstmal wieder eine Übersättigung an technischem Firlefanz, um dann wieder zu echten Heeren statt Pixelarmeen zurückzufinden.:grübel: (Finanziell dürften doch die tausenden Komparsen weniger das Problem sein, werden doch durch die übertriebenen Gagen eh im Budget sicherlich relativiert.)
     
  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    In asiatischen Produktionen werden meist immer noch Massen an Komparsen eingesetzt.
     
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  6. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Die Legende von Goemon

    Dieser japanische Film spielt im Japan des späten 16. Jhdts. und handelt von der Ermordung Oda Nobunagas, den letzten Regierungsjahren Toyotomi Hideyoshis und dem Kampf um seine Nachfolge. Im Mittelpunkt des Films steht jedoch Goemon, quasi der japanische Robin Hood, dessen historische Existenz im Gegensatz zu seiner englischen Entsprechung aber unzweifelhaft ist.
    Die historischen Ereignisse werden allerdings eher frei dargestellt, oft wird von den wahren Geschehnissen abgewichen. Z. B. gibt es keinerlei Hinweise, dass Toyotomi in Odas Ermordung verwickelt war wie im Film behauptet. Auch Goemons Leben wird etwas frei erzählt, aber zumindest bietet der Film auch eine Erklärung für eine der Abweichungen. Der Film enthält auch einige Anachronismen. Er überzeugt jedoch durch die brillante Optik. Die Kampfszenen sind arg übersteigert, aber absolut beeindruckend in Szene gesetzt.
    Im Kino lief der Film hierzulande wie die meisten asiatischen Produktionen anscheinend leider nicht, er ist jedoch kürzlich auf DVD erschienen.

    Die Bildqualität des Trailers ist leider eher schlecht, davon sollte man nicht auf den Film schließen:
    YouTube - The Legend of Goemon - Deutscher Trailer




    Mulan - Legende einer Kriegerin

    Eine chinesische Realverfilmung der bekannten Geschichte aus dem Jahr 2009, die bei uns direkt auf DVD erschienen ist.

    Die Geschichte ist wohl so weit bekannt: Im 4. Jhdt. n. Chr. wird die Nördliche Wei-Dynastie von den Reiterkriegern der Rouran angegriffen. Als ihr altersschwacher Vater zum Kriegsdienst eingezogen werden soll, verkleidet sich seine Tochter Hua Mulan als Mann und zieht an seiner Stelle in den Krieg.

    Ich habe mir den Film angesehen und fand ihn im Wesentlichen ganz gut. Der historische Hintergrund wurde einigermaßen korrekt wiedergegeben. Hauptdarstellerin Zhao Wei sieht allerdings absolut nicht wie ein Mann aus; dass sie alle für einen Mann halten, ist ausgesprochen unglaubwürdig. Vor allem in den Szenen, wo sie mit anderen Soldaten zu sehen ist, merkt man den Unterschied. In einer Nebenrolle ist übrigens Jaycee Chan, der Sohn von Jackie Chan, zu sehen. Die Rüstungen wirken ein bisschen billig und nicht wirklich metallisch. Aber es gibt schöne Massenszenen, und der knapp zweistündige, eher melancholische Film wird nie langweilig.

    YouTube - MULAN - DVD Trailer deutsch/german [HD]




    Centurion

    Historischer Hintergrund ist die römische 9. Legion, die möglicherweise 117 n. Chr. in Britannien vernichtet wurde, was historisch aber umstritten ist.
    Wie auch immer, im Film geht es um eben diese 9. Legion, die im Jahr 117 n. Chr. unter dem Kommando von Virilus gegen die Pikten in Schottland zieht, dabei in einen Hinterhalt gerät und fast vollständig vernichtet wird. Virilus wird von den Pikten gefangengenommen. Nur sieben sonstige Legionäre überleben und müssen sich durchs Feindesland schlagen.
    Virilus wird von Dominic West gespielt, Olga Kurylenko spielt eine Piktin, Regie führt Neil Marshall. Gedreht wurde der Film im Februar und März 2009 in Großbritannien.

    Ich habe mir den Film jetzt auf DVD angesehen. Naja, er ist nicht schlecht, aber auch kein Meisterwerk. Historisch ist er bis auf ein paar Schnitzer halbwegs stimmig, aber die Geschichte ergibt öfters mal nicht wirklich Sinn. Teilweise erinnert der Film an den koreanischen Film "Musa der Krieger". Die Tonqualität lässt leider zu wünschen übrig. Die Action ist eher hart, weswegen der Film auch erst ab 18 freigegeben ist.

    YouTube - Centurion Trailer 2010




    Divine Weapon-Die letzte Schlacht der Mingdynastie

    Dieser Film aus Südkorea aus 2008 spielt im Korea des 15. Jhdts. Korea ist ein Vasallenstaat des von der Ming-Dynastie regierten China und hat schwer unter den übermäßigen Tribut- und sonstigen Forderungen und dem arroganten Auftreten Chinas zu leiden. Um es mit der übermächtigen chinesischen Armee aufnehmen zu können, arbeiten die Koreaner heimlich am Singijeon, dem ersten Raketenwerfer der Welt.

    Der Film ist wirklich gelungen. Er bietet Action, Intrigen und Romantik. Die Handlung ist allerdings weitgehend fiktiv. Den Singijeon gab es zwar wirklich, allerdings wurde er in Wahrheit schon im 14. Jhdt. erfunden, aber seine Wirkung wird wohl doch arg übertrieben dargestellt, außerdem gab es die im Film gezeigte Schlacht gegen eine chinesische Armee meines Wissens gar nicht. Der deutsche Titel ist natürlich auch Blödsinn, die Ming-Dynastie existierte bis im 17. Jhdt. und schlug noch viele Schlachten.

    YouTube - DIVINE WEAPON
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. November 2010
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  7. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Walhalla Rising

    In diesem dänischen Film spielt Mads Mikkelsen einen Wikingerkrieger, der seine Freiheit erkämpft und sich einer Gruppe von Kreuzfahrern anschließt. Doch statt im Heiligen Land landen sie in Amerika, wo das Sterben beginnt.
    Es handelt sich dabei aber um eine Billigproduktion. In den regulären Kinos lief der Film bei uns nie, sondern wurde auf DVD veröffentlicht.
    Ich habe mir den Film jetzt angesehen. Eines vorweg: Das ist kein Popcornkino, nichts für einen lustigen Filmabend. Der Film ist bestimmt nicht jedermanns Geschmack, viele werden ihn wohl ziemlich langweilig finden. Es gibt wenig Handlung und auch kaum Dialoge. Die Action ist hart, aber selten. Auch Schauwerte bietet diese Billigproduktion kaum. Trotzdem hat mir der Film gefallen. Man muss einfach bereit sein, sich auf ihn einzulassen, auf einen Film, der, ohne viele Worte zu machen, mehr durch die Kraft der Bilder, sehr philosophisch, mitunter geradezu meditativ ist. Es ist ein Film über einen Mann bzw. eine Gruppe von Männern, die in einer Zeit des Umbruchs ihren Platz im Leben suchen.
    YouTube - Walhalla Rising Trailer Deutsch
     
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  8. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    TV-Tipp am Rande.

    Gleich jetzt läuft übrigens auf ARTE (21:00) DIE BARTHOLOMÄUSNACHT (La Reine Margot). Eine der gelungensten Literaturverfilmungen der jüngeren Zeit, nach dem Werk von Alexandre Dumas. Mit Isabelle Adjani in der Titelrolle, Daniel Auteuil als Henri d'Navarre und Jean-Hugues Anglade mit einer sehr einprägsamen Darstellung des Charles IX.
     
  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Kann es sein, dass es zwei Filme mit sehr ähnlichem Thema gibt?
    Der Adler der Neunten Legion | Film | moviepilot.de

    Die Klamotten der Pikten wirken auf den Bildern, die ich bis jetzt sah, sehr skuril.
    Kann dazu jemand etwas sagen?
     
  10. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ja, das Thema ist fast dasselbe. Ich war auch etwas verwundert, da "Centurion" ein Flop war. Aber das wussten die Macher des "Adlers der Neunten Legion" natürlich noch nicht, als sie mit den Arbeiten daran begannen. Der neue Film lief bislang auch besser.
     
  11. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    In meiner Erinnerung und nach Goggle-Bildern waren die Kostüme und die Bewaffnung der Pikten eher Fantasy, wenn auch gute. Ich bin allerdings alles andere als ein Pikten-Experte... Es hatte aber keinerlei Ähnlichkeiten mit antiken keltischen Trachten, der Leder- und Fell-Anteil war mE zu hoch, manche Waffen so bestimmt nicht verfügbar und insgesamt: Die hätten in jedem Conan-Film als Barbaren mitspielen können; irgendwie kann ich nicht glauben, dass es so was wirklich gab. ;)
     
  12. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied


    Ich hatte kürzlich das zweifelhafte Vergnügen sowohl "Centurion" als auch "Adler der neunten Legion" zu sehen, und war auch etwas verwundert über das Aussehen der Antagonisten in "Adler". Jetzt hab' ich den Streifen auf Englisch gesehen, und weiß nicht wie die Leute auf Deutsch bezeichnet wurden, aber auf Englisch wurden sie als "Seal People", also Seehund/Robben-Leute/Volk bezeichnet.

    Wenn mich da die Erinnerung an schottische Mythologie nicht im Stich gelassen hat, dann schließe ich, daß es sich dabei um eine Darstellung eines Volkes handeln soll, welches die Basis für "Selkies/Silkies" liefern soll. Selkies/Silkies sind mythische Seehunde/Robben die der Legende nach an Land kommen, ihren Pelz ausziehen und sonnenbaden. Sehr schön sollen sie auch noch sein, und wenn man den Pelz klaut und versteckt, dann muß der Robben-Mensch bei einem bleiben und den Pelzdieb heiraten. Die gräuliche Bemalung der Darsteller erinnert auch an Robben. Also das wäre zumindest meine Theorie.
     
  13. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    King Naresuan – Der Herrscher von Siam

    Dieser Film aus Thailand handelt vom bedeutenden König Naresuan von Ayutthaya (1590-1605), der Thailand von der Oberhoheit Burmas befreite. Es handelt sich dabei um eine der aufwändigsten thailändischen Produktionen.
    Allerdings ist der Titel der deutschen DVD-Veröffentlichung verfehlt, denn der Film zeigt eine Zeit im Leben Naresuans, als er noch nicht König, sondern erst Kronprinz war. Schwerwiegender ist aber etwas anderes: Es wurden fünf Teile gedreht, die offenbar das gesamte Leben Naresuans zeigen sollen, und das hier ist der zweite. Der erste Teil erschien aber nie auf Deutsch. Daher ist der Film am Beginn etwas verwirrend, weil Personen und Hintergründe als bekannt vorausgesetzt werden, die der thailändische Zuschauer aus dem ersten Teil kennt, der deutsche aber zum ersten Mal sieht. Daher wäre es wünschenswert gewesen, wenn dem Film wenigstens eine kurze Zusammenfassung des ersten Teils vorangestellt wird. Außerdem endet der Film auch irgendwie mittendrin, es bleibt also zu hoffen, dass wenigstens die Teile 3-5 noch auf Deutsch erscheinen.
    Ansonsten aber ist der Film wirklich gelungen, auch wenn er historisch nicht ganz korrekt ist. Er ist toll inszeniert, und nach dem etwas verwirrenden Beginn habe ich rasch Feuer gefangen. Einige Nebencharaktere wachsen einem ans Herz (sodass ich gerne sehen würde, wie es mit ihnen weitergeht), und auch die Kämpfe sind toll gemacht.
     
  14. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich habe bei den Kinostarts gesehen, dass vor einer Woche etwa "Die Prinzessin von Montpensier" in Dtl. angelaufen sein soll. Bei uns finde ich es in keinem Kino. Läuft der Film irgendwo anders?
    Die Bilder, die ich bis jetzt von dem Film gesehen habe, der im 16.Jh. spielt, sind nicht so arg berauschend, aber es hätte mich schon interessiert.
    Kann es sein, dass er garnicht erst in die Kinos kommt, weil "Henri IV" schon so ein Flop war?
     
  15. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    "Fetih 1453"

    "Fetih 1453" (Regie: Faruk Aksoy) habe ich nur auf Türkisch mit deutschen Untertiteln gesehen. Da in den Untertiteln immer wieder Rechtschreibfehler waren wie "Kreuritter Herr" oder "das" statt "dass" und schlimmere, kann es gut sein, dass die Untertitel auch inhaltlich etwas schlampig gemacht waren. Darum mag es sein, da ich kein Türkisch verstehe, dass ich ein bisschen den Inhalt durcheinander gebracht habe.
    Was mir an Ausstattung etc. aufgefallen ist, baue ich diesmal in die Inhaltsangabe ein.

    Handlung:
    Am Beginn des Films sieht man wie ein Mann im 7.Jh., der Mohammed getroffen hat (der natürlich im Bild nicht zu sehen ist, es ist ein türkischer Film), seinen Freunden offenbart, dass dieser den Fall von Konstantinopel im Zuge des Heiligen Krieges vorraussagte.
    Dann ist man in der ersten Hälfte des 15. Jh.. Es wird kurz erklärt, warum die Türken eventuell zu Mehmed II. kein Vertrauen haben könnten. Sein Vater hatte ihn einmal an die Regierung gelassen, dann aber in einer gefährlichen Situation wieder abgesetzt und selber das Steuer übernommen. Ein guter Kumpel vom Sultan Mehmed II. heißt Hasan. Er läuft im Film durchweg in komischen Lederklamotten mit Nieten rum, ungefähr wie manche Mittelalterbands (sein italienischer Gegenspieler ist in einem ähnlichen ledernen "Dingsda" gewandet;), siehe: Bilder zu Eroberung 1453 - der mit der schwarzen Klamotte ist Hasan). Eine Byzantinerin namens Era sieht man dann in einem Hafen, der Genua darstellen soll, wo sie sich einschifft, sie war als eine Art Vertreterin oder Handelsreisende (?) in Italien, um die Krähne ihres Adoptivvaters Urban an den Mann zu bringen. Am Kai verabschiedet sie sich von Giustiniani, einem italienischen Edelmann, der sie scheinbar heiraten möchte. Era ist scheinbar der Sexfaktor in dem Film, weil sie, wenn sie Frauengewänder trägt, immer einen riesen Ausschnitt hat. Die Schiffe in dem Film sind Galeonen, welche von den Segeln her eher nach spätem 18.Jh. ausschauen. Scheinbar gab es im 15. Jh. auch schon gefärbte Strähnchen, jedenfalls hat Giustiniani solche, trägt insgesamt irgendwie einen Ökodingsdalook (in Kriegszeiten hat er ja nur sein ärmelfreies Leibchen an).

    Mehmed II. (Devrim Evin) sieht sich von Anfang an als den Auserwählten, Konstantinopel im Heiligen Krieg einzunehmen. Es gelingt ihm, die christlichen Reiche, auch die Byzantiner, mit einer Friedenspolitik hinters Licht zu führen. Kaiser Konstantin (R. Aktug) versucht aber mit Hilfe des Bruders des Sultans, der Orhan heißt und in den Händen der Byzantiner ist, eine Allianz aus unzufriedenen Türken und einem Fürsten zu schmieden. Hasan ist als türkischer Spion in Konstantinopel und erfährt durch eine weitere Spionin, welche zu so einer Art kaiserlichen Ballett mit leichtbekleideten Damen gehört (römische Dekadenz?), dass zwei Briefe an diesen Fürsten unterwegs sind. Natürlich schafft es Hasan (Ibrahim Cilikkol) einen der Briefe abzufangen und seinem Sultan zu bringen. Ziemlich rasch wird der verfeindete Fürst vom Sultan zum Frieden gezwungen, da der Fürst bereits im Angesicht des osmanischen Heeres klein beigibt.
    Nun hat Mehmed seinen Vorwand, um Konstantinopel anzugreifen und weist eine erhöhte Forderung "Alimente" (wie es im Untertitel hieß) für seinen Bruder zurück. In Konstantinopel selber herrscht Unzufriedenheit, weil sich der Kaiser gezwungen sieht, sich lieber den "Lateinern" zu unterstellen, damit er militärische Hilfe gegen die Türken bekommt, als standhaft in der religiösen Frage unterzugehen. Für ein Versprechen, dass Katholiken und Orthodoxe gemeinsam in der Hagia Sophia einen Gottesdienst feiern, schicken die Italiener auf Zutun des Papstes ein Kontingent Bogenschützen, welches hier im Film statt der für Genua bspw. charakteristischen Armbrüste mit türkischen Kmpositbögen ausgerüstet sind.
    Urban möchte in Konstantinopel immernoch seine Krähne loswerden. Weil er aber von den Häschern des bösen Kaisers (der guckt auch schon immer so böse! ;)) dazu gezwungen werden soll, stattdessen die Kanonen für die Verteidigung der Stadt zu gießen, wird er von Hasan gerettet und zum Sultan gebracht. Era hilft als Junge verkleidet, wobei die Verkleidung ähm etwas sehr durchschaubar ist, beim Gießen der Riesenkanone. Hasan macht sich an Era ran, die praktischerweise eigentlich Muslime ist, auch wenn Urban Christ ist. Giustiniani, der das irgendwann beobachtet, ist deswegen natürlich extra sauer. Statt der 60 Ochsen packen es ein paar, offenbar ziemlich starke Tiere das Riesengeschütz des Urban zur Belagerung heran zu ziehen.

    Endlich beginnt die Belagerung. Zur besseren Übersicht (?) tragen die Türken alle rote Uniformen bis auf die Protagonisten natürlich, die vor allem Unmengen an Schnüren an ihren Klamotten haben. Die Byzantiner sind, wie es sich für die Bösewichte gehört, durchweg in Schwarz oder Grau gewandet, die genuesischen Bogenschützen bis auf ihre Anführer auch. Sie tragen eine Art Uniform mit Nasalhelmen (wie übrigens auch Kreuzritter in einer kurzen Rückblende, die zur Zeit der Schlacht auf dem Amselfeld von 1448 spielt) und sowas wie eine Rüstung, welche aber bei vielen Türken nach Plastik aussieht.
    Kaiser Konstantin hält in einer Rennbahn eine dolle Blut- und Eisenrede. Zumindest in dem Moment sind scheinbar die Byzantiner mächtig motiviert. Als ein übliches Stilmittel seit "Herr der Ringe" haben beide Seiten unabsehbare Massen an Kämpfern, die einheitlich ausgerüstet scheinen und bunt durcheinander wuseln, also nicht in irgendwelchen Einheiten unterteilt zu sein scheinen. Dass die Byzantiner mit nichtmal 10.000 Mann extrem unterlegen sind, wird freilich unterschlagen, sieht auf jeden Fall rein optisch nicht so aus. Bei der Belagerung haben die Türken prima Taktiken. Beispielsweise reiten sie mit ihrer Kavallerie gegen die Mauern an und die Reiter schaffen es lange offenbar schwere Lanzen die Mauer hochzuwerfen, die mindestens 30 m hoch erscheint um damit die Byzantiner zu durchbohren, welche sich malerisch über die Zinnen lehnen und überhaupt kaum Deckung suchen. Praktischerweise gibt es auch keinen Graben vor den Mauern (!). Es gibt aber noch eine ganze Reihe von solchen Aktionen wobei sämtliche Gesetze der Physik und Logik in Münchhausen-Manier außer Kraft gesetzt werden. Die Belagerung zieht sich abgesehen von einer gewissen Schaffenskrise des Sultans so dahin, relativ blutig metzeln sich die Gegner nieder und kurzzeitig hofft Konstantin, dass die Ungarn rechtzeitig mit Verstärkungen eintreffen, da diese nach der Thronbesteigung eines neuen Königs sich nicht mehr an das Friedensversprechen mit den Türken gebunden fühlen und einen Krieg mit den Türken beginnen wollen.

    Endlich schießt die Riesenkanone, nachdem Urban bei einem Unfall am Geschütz verwundet wurde, eine riesige Bresche in die Mauer. Praktischerweise liegen auch keine Schutthügel oder dergleichen an der Stelle und offenbar hat die Kraft des Geschützes zugenommen, weil es diesmal nicht nur ein Loch in die Mauer schießt, sondern sie gleich ganz zum Einsturz bringt. Jedenfalls tötet beim Angriff in dem zu erwartenden Duell, das sich ewig hinstreckt und durch die akrobatischen Einlagen (Menschen fliegen durch die Luft) der Kontrahenten gekennzeichnet ist (und mit der Zeit langweilig wird), Hasan den bösen Giustiniani. Nachdem die Byzantiner ihren besten Mann verloren haben, verlieren sie ihren Mut. Hasan darf Fahne schwingend wie der Heilige Sebastian von Pfeilen durchlöchert auf einem Fahnenturm endlich seinen Märtyrertod (denn davon ist ständig im Film die Rede) sterben, was Era mit ihren Adleraugen ganz prima aus einiger hundert Meter Entfernung und in Erwartung ihres Babys von Hasan (obwohl unverheiratet - nana!) erkennt und worüber sie sich als Heroin natürlich mächtig freut.

    Am Ende wird der Leichnam des Kaisers Konstantin dem Sultan vorgeführt. In einer sentimentalen Szene trifft der Sultan die Zivilisten in der Hagia Sophia und verspricht ihnen, dass sie bei ihrem Glauben bleiben dürfen. Deswegen sind sie alle mächtig happy und dann ist alles nicht so schlimm, der liebe Sultan nimmt auch, wohl für das Pressefoto, ein Mädchen auf den Arm.


    Für mich war auf die Dauer die Aneinanderreihung von mehr oder minder, eher minder, gelungenen PC-Animationen nervig. Besonders wenn die Figuren aus einer Kulisse in eine PC-Animation hinein schritten war das schon sehr lustig anzuschauen.
    Für die meisten westlichen Zuschauer wird wohl die Schwarz-Weiß-Malerei und die deutliche Parteilichkeit des Filmes und die ganzen Wiederholungen des Wortes "Heiliger Krieg" eher eine Gänsehaut auf dem Rücken bereiten. Von den Aussagen des Filmes her, fühlte ich mich an patriotische Filme wie "Die Kreuzritter" (Polen, 1960) erinnert. Die Feindbilder sind ähnlich platt wie in "300" oder auch dem "Patriot" (2000). Hier die moralischen Guten, da die dekadenten und fiesen Bösen. Etwas schwer war es scheinbar für das Drehbuch der Eroberung Konstantinopels eine wirkliche Legitimation beizugeben, außer eben der Vorhersagung durch Mohammed. Die Ausstattung erinnerte an Sat.1-TV-Filme wie "Die Kreuzritter" (2001). Mit den türkischen Rüstungen etc. kenne ich mich freilich nicht aus. Bei den Christen v.a. in Italien wirkte alles jedenfalls die Bekleidung eher nach der einer Hippiekommue als nach der Kleidung um 1450.
    Die Handlung ist ungefähr so einfach gestrickt wie bei "Königreich der Himmel", die Ausstattung mag ähnlich sein. Zu den Schauspielern kann ich nicht viel sagen, weil diese eigentlich nicht viel zu tun hatten, weil sie ohnehin vor allem Stereotypen bedienten. Mir ist keiner als schlecht oder besonders gut aufgefallen - sie haben ihren Job gemacht, wie man so sagt.

    Von mir kriegt der Film 4 verschossene Pfeile (statt Armbrustbolzen;)). Er war immerhin, das eine Duell ausgenommen, nicht langweilig.
     
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  16. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    "Die Königin und der Leibarzt"

    Der Film "En Kongelig Affære" von Nikolaj Arcel behandelt wohl die berühmteste Episode der dänischen Geschichte des Zeitalters der Aufklärung. Königin Caroline Mathilde (Alicia Vikander) musste nach ihrer Vermählung 1766 von England nach Dänemark kommen. Ihren Angetrauten, den dänischen König Christian VII. (Mikkel Boe Følsgaard), lernt sie erst bei ihrer Ankunft in Dänemark kennen. Noch während ihrer ersten Zeit mit dem König registriert sie seine Unberechenbarkeit und Unbeherrschtheit, alles was einige Höflinge offen als Schwachsinnigkeit bezeichnen, wenn es der König nicht gerade hört. Er kann wenig mit ihr und sie nichts mit ihm anfangen. Schließlich geht er auf eine Reise, die ihn durch Europa führen soll. Dabei lernt er den Arzt Struensee kennen (Mads Mikkelsen) kennen, der in Altona tätig ist, aber auch dafür bekannt ist, aufklärerisch und wohl auch aufwieglerisch tätig zu sein. Struensee bekommt rasch das Vertrauen des Königs, der darunter leidet keine Freunde zu haben und wohl auch von den meisten unterschätzt zu werden. Struensee erkennt, dass der König an den Regierungsgeschäften kein Interesse hat, weil er ohnehin nur als Marionette der Ratsversammlung unter der Führung des (im Film) alten Herrn von Berenstorff. Streuensee gelingt es nicht nur Christian VII. von einem radikalen Sturz Berenstorffs und der übrigen Ratsmitglieder zu überzeugen, sondern auch, jedoch hier im Film eher ungewollt/unbewusst die Liebe der Königin zu gewinnen. Struensee gewinnt in einer neuen Regierung die Führung und begeht letztlich sogar den Fehler vom König ziemlich unumschränkte Vollmachten zu erlangen, was dazu führt, dass dem König, der sich zumindest kurzzeitig für die Staatsgeschäfte zu interessieren begann, sich wieder mehr und mehr zurückzieht und von Struensee nun ähnlich gegängelt und wie ein Kind behandelt wird wie ehedem durch die Hofclique. Christians Stiefmutter Königin Juliane Marie, die im Volk eigentlich unbeliebt ist, plant seit langem eine bedeutende Rolle für ihren Sohn Frederik (zu unterscheiden von Frederik, dem Sohn Christian VII.!). Sie schart daher um sich die Unzufriedenen, die von den rasanten Reformen Struensees vor den Kopf gestoßen werden oder die von Struensee fallen gelassen wurden, wie dessen ehemaligen Protegé von Rantzau (Thomas W. Gabriellson). Dem König wird Anfang 1772 in einem Staatsstreich die Verhaftung seines Günstlings Struensee aufgedrängt, wohlgemerkt indem man ihm und Rantzau allerdings versichert, dass Struensee nicht getötet werden soll. Bis zu ihrem Ende auf dem Richtplatz werden Struensee und sein Freund Graf Brandt (Cyron Bjørn Melville) über ihr Schicksal getäuscht und ihnen vorgegaukelt, dass der König sie nach alter Sitte kurz vor der Hinrichtung begnadige. Auf ihrem Totenbett übergibt die in Verbannung und geschieden von ihrem Gatten lebende Caroline Mathilde eine Art Rechtfertigungsschrift für ihre Kinder Frederik und Louise Augusta einer Vertrauten, welche diese dann später den beiden Kindern überreichen kann.

    Dieser Historienfilm ist ein ruhiger Film ohne Schlachtgetöse, Duelle, dazu erfundene Action, ja sogar ohne prickelnde Sexszenen (was bei dem Thema einer Affäre wohl überrascht). Die Sicht auf die Geschehnisse ist in der Regel aus der Perspektive von Struensee oder der Königin, manchmal auch sozusagen zur Erläuterung aus derjenigen der Gegenspieler. Das einfache Volk, das oft durch den Idealisten Dr. Struensee gebessert werden soll oder dann bei dessen Sturz als Mittel seiner Feinde dient, ist nur eine Randerscheinung. In weiten Abschnitten handelt es sich um ein Kammerspiel, das vor allem in Christiansborg oder manchmal auch in den Parks einer Sommerresidenz spielen soll.

    Schön waren die Handlungsorte gewählt und v.a. die Räumlichkeiten, die mir überzeugend und stimmig schienen. Schauspielerisch waren alle Darsteller bei der Sache, wobei mir die Darsteller des von Rantzau und des Königs Christian am besten gefielen, auch wenn auch andere Charaktere wie der des Doktors Struensee natürlich einiges hergaben.

    Die Kostüme waren nicht überragend, aber ganz ordentlich. Ich kenne leider keine sonstigen dänischen Filme, welche den Zeitabschnitt behandeln, um die Ausstattung einzuordnen. Bei den Statisten, den Livreen und dergleichen hätte ich mir mehr Recherche gewünscht, v.a. weil in Skandinavien die Quellenlage eigentlich sehr gut ist, wie ich aus einigen Werken weiß. Da scheint wohl alles aus irgendeinem Fundus geschöpft zu sein. Alle dänischen Truppen die vorkamen bestanden, eine übliche Schwachstelle in Filmen, aus einer Infanterieeinheit, die nichtmal beim Vorübergehen des Königs irgendwelche Anstalten zum Salutieren machten, sondern in der Regel (oder immer?) unmotiviert die Gewehre am Gewehrriemen über der Schulter hatten. :confused: Kennt sich jemand mit dänischen Uniformen aus und kann diese beurteilen? (Die Hüte sahen für mich OK aus.) Die regierende Königin hätte wohl wenigstens dann und wann ein Hofkleid tragen dürfen...
    Die Darsteller waren teilweise wie im Fall von dem Christian VII. gut ausgewählt. Bei Struensee war das aber leider nicht der Fall. Struensee lief im ganzen Film abgerissen herum, nie hatte er eine ordentliche Frisur und stets diese komische schwarze Krawatte (eine orginale WEISSE Krawatte von ihm von seinem Todestag ist noch erhalten). Wohl wegen der Verwegenheit, scheint derzeit Mode zu sein, hing dem Schauspieler laufend eine Locke im Gesicht. Hier der echte Struensee, nicht nur deutlich jünger als der Schauspieler (10-15 Jahre), sondern auch gepflegter: Datei:Struensee.jpg ? Wikipedia



    Als Film fand ich den Film recht langweilig. Ich glaube, dass man mehr hätte heraus holen können. Die Höhepunkte waren für mich, wenn der König in seiner bedauerlichen Lage gezeigt wurde, wenn er mal wieder "zum Spielen" geschickt wurde, weil er seiner Stiefmutter oder auch später dann Struensee auf die Nerven ging.

    Empfehlen würde ich den Film Leuten, die einen Einstieg in die dänische Geschichte suchen und die Zeit des Reformers und Arztes Struensee zählt sicher zu den spannendsten.
    Trotz der par Mankos würde ich dem Film insgesamt 7 von 10 Impfungen (war auch ein Thema im Film) geben.
     
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  17. Rodriguez

    Rodriguez Aktives Mitglied

    Der Film basiert auf dem Buch "Konstantinopel 1453: Die letzte Schlacht" von Roger Crowley.




    Saludos!
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 24. April 2012
  18. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Naja, basiert ist ja oft recht frei gefasst. Wenn ich da an "Marie Antoinette" oder "The Duchess" denke. Das sollte ja auch auf Büchern basieren, mit denen es aber so garnichts gemein hatte.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 24. April 2012
  19. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    "Les adieux à la reine" 2012

    Handlung:
    Der Film zeigt die Entwicklung in Versailles vom 14.-17.Juli 1789 anhand des Schicksals der Sidonie Laborde, einer jungen Bedienten in Versailles, welche seit ein paar Jahren der Königin vorliest. Mit der Zeit dringen immer mehr Informationen über die Zustände in Paris nach Versailles. Die ersten Bediensteten desertieren, geben sich aufmüpfig, rasch beginnt die Flucht eines Teils des Hofstaates, der sich durch ein Pamphlet direkt bedroht sieht, da darin die Köpfe vieler Adeliger gefordert werden. Laborde kommt der Könign immer näher, da sie von ihr zu einer Mitwisserin ihrer Liebe zu der Duchesse de Polignac, ihren Fluchtplänen nach Metz und letztlich ihrer übrigen Empfindungen auch über das Verhalten des Königs gemacht wird. Die Lebensmittel auch im Schloss werden knapper und die Stimmung immer bedrohlich vor allem als sich der König endlich dazu entschließt das Schloss zu verlassen und nach Paris zu gehen.
    Dann kommt der große Moment der Laborde, in dem sie ihre Anhänglichkeit zu ihrer Königin, der sie nicht nur loyal sondern liebe- und hingebungsvoll ergeben ist, beweisen kann. Sie soll sich als Duchesse de Polignac verkleiden und dadurch der Duchesse auf der Flucht helfen, da diese zusammen mit ihrem Gatten in der Kutsche verkleidet als Dienstboten mitreist. Mit der Flucht endet der Film.

    Am Ende des Films fragte ich mich offengestanden, wozu wurde er gemacht? Ich hoffte, einfach nur dass diese langweilige Aufführung rum geht.

    Die Darsteller:
    Diane Kruger scheint bemüht, doch ist sie in keiner Szene die Königin. Sie sieht ihr auch garnicht ähnlich und lässt keinerlei königliche Umgangsformen erkennen. Dadurch wirkt sie völlig leblos und für mich quasi als Königin unsichtbar, was mir ein bisschen erschwerte den Film zu verfolgen.
    Viginie Ledoyen spielt eine unnahbare Gabriele de Polignac, die laut der Aussage der Königin hier im Film so jung und anziehend sein soll, obwohl die historische Duchesse de Polignac 6 Jahre älter als die Königin war(!). Verwirrend ist ihre sonnengebäunte (und ungepuderte - im Gegensatz zu einem alten männl. Adeligen in einer anderen Szene) Haut, welche sie so garnicht zu einer Schönheit nach dem damaligen Verständnis macht und daher wieder wie im Falle der Darstellung der Königin, die ganze Rolle völlig unglaubhaft macht.
    Der Darsteller des Königs ist wie gewohnt zu alt oder sieht zumindest im Verhältnis zu zeitgen. Abbildungen zu alt aus. Die Darstellung ist v.a. im Vergleich zu J.-F. Balmer in "La Révolution française" (1989) komplett uninspiriert.
    Den Rest der Darsteller kann ich nicht recht beurteilen, sie waren verhältnismäßig OK.

    Ausstattung
    Am positivsten sind mir noch die Möbel und Tassen aufgefallen. Die Drehorte waren OK, aber auch nicht überragend. Oftmals wirkten die Säle erstaunlich leer.

    Ansonsten muss ich zugeben: Mit einem extra geringen Budget kann man nunmal nicht den Hof von Versailles darstellen und auch nicht den von 1789. Bei den Kostümen und den Statisten wurde an allem Möglichen gespart. Ist das gesamte Budget für die Modell-Hauptdarstellerin draufgegangen? Man möchte es fast denken, wenn man sich die langweilige und unglaubwürdige Darstellung des Hofes anschaut. Nicht nur ein gewisser Teil der Höflinge lief in alten Lumpen rum - nein, quasi alle vom König bis zum niedersten Bedienten scheint in eine alte Mottenkiste gegriffen worden zu sein. Man will zumindest beim Betrachten der Kostüme hoffen, dass das nicht neu extra für den Film hergestellt wurde.
    Da ist die Hauptrolle der Sidonie, die eine komische Anglaise mit Rückenschnürung trägt, die einem auch noch andauernd in den Blick gestreckt wird. Zur Königin läuft die Vorleserin mit einer Art moderner Einkaufstasche. =) Zum Ende hin trägt sie ein offensichtlich maschinenbesticktes Jäckchen, was irgendwie nach H&M-Vintage-Mode aussieht; wenn einem einfällt wie arm das Mädchen sein soll, ist es ja sowieso unlogisch, dass sie ein besticktes Jäckchen haben soll. Aber Logikfehler reihen sich da sowieso aneinander.
    Die Königin trägt irgendwelche billigst zusammengenäht Kleider, die ebenfalls oftmals irgendwie unmotiviert bestickt sind und auf keinem Auge nach irgendetwas aussehen, was die Königin 1789 oder zu irgendeinem anderen Zeitpunkt getragen hätte. Ah so, und es sieht aus, als hätte man für den Schmuck ordentlich bei Bijou-Brigitte zugeschlagen.=) So entsteht ein seltsamer Gegensatz zwischen ihrem billigen Schmuck und ihrer überhaupt viel zu modernen Erscheinung und den tollen zeitgenössischen Möbeln und Räumen.
    So ziemlich genauso sieht es auch bei dem Rest des Hofstaates aus. Man fand offenbar nicht genug Uniformen und Livreen in der Mottenkiste. So tragen die Soldaten des Garde Francaise, die ja eigentlich übergelaufen sein sollen, dann aber immernoch bis zum Ende auftreten, total unterschiedliche Stücke. Es gibt keine einheitlichen Livreen und die Livreen passen den Schauspielern und Statisten garnicht. Scheinbar war man sich zu schade, mal bei früheren Produktionen anzufragen, denn das Sujet Marie Antoinette ist doch in den letzten Jahrzehnten oft genug bemüht worden und man hätte sicherlich auf nachgemachte zum Hof passende Livreen zurückgreifen können.
    Die Frisuren - soll ich sie noch erwähnen? Sie waren oft ebenfalls total daneben. Man muss nur mal Szenenfotos mit Porträts der Königin und der Duchesse vergleichen...
    Als einziges waren die Kleider der Geistlichen einigermaßen stimmig, wenngleich ist mir eher Soutanen gewünscht hätte.
    Ich will hier einfach mal abbrechen. Es reicht zu sagen, dass die Ausstattung grauenhaft war, und das vor allem gemessen daran, dass es sich um eine franz. Produktion handelt. (Man hätte sich doch zumindest, wenn schon nicht an zeitgen. Abbildungen und Originalen an älteren Produktionen wie dem Film von 1989 orientieren können!)

    Verhalten und Umfang des Hofstaates
    Irgendwie devotes Verhalten war nicht zu erkennen und wenn Sidonie zwischen dem adeligen Hofstaat einfach so ungezwungen rumläuft, dann ist das nichtmal mit den Auflösungserscheinungen desselben zu erklären. Von Anfang an, also auch schon am 14.Juli wirkte das Schloss wie ausgestorben, ausgenommen die heruntergekommenen Gänge zwischen den Unterkünften der Adeligen in ein paar Szenen.

    Fazit
    Die Perspektive der Bedienten, trotz vieler Logikprobleme (warum sieht sie, wenn sie im direkten Umfeld der Königin ist, so schäbig aus?), ist interessant. Mit historischen Fakten wird wohl ähnlich frei umgegangen wie in "Marie Antoinette" (2006). Der Film von Benoît Jacquot erging sich dabei trotz des eigentlich ergiebigen hist. Hintergrundes in einer Dramaturgie der Langenweile. Die wenigen schönen Seiten wie die Atmosphäre der Räume wurden insgesamt durch die Lieblosigkeit der Ausstattung weitesgehend nigiert. Schade, eine Chance mit einer eigentlich spannenden Geschichte wurde vertan.

    3 von 10 vergossene Tränen zum Lebewohl der Königin. :cry:
     
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  20. AnDro

    AnDro Neues Mitglied

    Das könnten teilweise auch abgesessene Gardes du Corps gewesen sein. Die Uniformierung war jedenfalls nicht ganz schlüssig.
     

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