Von Jagdflugzeugen, deren Entwicklung, Leistungen und Einsätze

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Gil-galad, 28. Oktober 2008.

  1. Gil-galad

    Gil-galad Aktives Mitglied

    Das hätte ich erwartet. Ich wusste zu dem Zeitpunkt als ich meinen Kommentar geschrieben habe nicht, in welcher Höhe die Luftkämpfe stattfanden. Ich hätte eigentlich erwartet, dass die P-38 bzw. die USAAF ihre überlegenen Flugeigenschaften in der Höhe ausgespielt hätten, was offensichtlich nicht stattfand.

    Es ist mir eigentlich ein Rätsel warum man die Einflugshöhe hier so niedrig gewählt hatte. Radar zu unterfliegen dürfte in dieser Zeit herzlich wenig Sinn machen, da immer noch sehr viel auf Sicht erfasst wurde. Zudem verlieren die schwer beladenen P-38 in dieser Höhe auch noch ihren Geschwindigkeitvorteil.
     
  2. Loudon

    Loudon Neues Mitglied

    mein Vater erzählte, dass zu der Zeit anfliegende Bomberverbände recht frühzeitig im Radio gemeldet wurden. Meist waren sie noch über Griechenland/Yugoslavien als die Radiomeldungen kamen.
     
  3. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Um die Bomben sicher ins Ziel zu bringen MUSSTE die einsitzige P-38 tief fliegen. Es war ja nicht wie bei den Viermotorigen, die mittels ihrer Zielgeräte und Bombenschützen aus großer Höhe präzise treffen konnten. Dass man P-38 mit Eskorte einsetzte kann ich nur so erklären, dass zuvor ein Tiefangriff mit Liberators auf Ploiesti gründlich in die Hose gegangen war (August 1943).
     
  4. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Nix mit Rundfunk!
    Drahtfunk hieß die Parole:winke:
     
  5. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    @Loudon meinte, dass über den Volksempfänger die Bevölkerung frühzeitig gewarnt wurde. Sirenen wurden erst kurz vor dem Angriff ausgelöst, wenn das genaue Ziel feststand.
     
  6. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Pardon,

    ich habe(hatte) 2 ältere Geschwister die Blitzmädel/Flakhelfer waren, wie Papa vom Kessel hinter "Waschlavoir" erzählte, erzählten die vom "Kommandogerät XYZ" usw. usf, und vom Drahtfunk erzählt, der Volksempfänger war ans Telefonnetz angeschlossen, bei irgendeiner Stufe des Luftalarms wurden die Rundfunksender abgeschalten und die Telefonbesitzer im Land haben den Volksempfänger auf Drahtfunk umgeschalten.

    gabs natürlich nicht nur im Gau Württemberg,

    hier noch ein Link aus Emden
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Februar 2009
  7. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Das mag ja technisch zwischen den Zentralen und Kommandoständen so gewesen sein. Aber Otto Normalverbraucher warnen? Wer hatte damals denn schon Telefon? Eine Goebbelsgeige stand dagegen in fast jedem Haushalt. Meinst du, das die Sender via Drahtfunk angeleitet wurden? Das letzte Stück zu den Apparaten musste auf jeden Fall als Radiowelle.
     
  8. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Nein, ernsthaft nicht.
    Klar, wer kein Telefon hatte, bekam die Infos nicht.
    Aber jeder Telefonbesitzer (so wenige waren das damals auch nicht, zumindest das 1939er Telefonbuch meines Lebensmittelpunkts hat schon ganz schön Einträge, waren schon vierstellige Nr.) konnte sein Radiogerät an den Drahtfunk anschließen.
    Dann natürlich Polizei, Technische Nothilfe, Rathäuser, Behörden, Feuerwehr, örtlicher Luftschutz, Krankenhäuser, Ärzte, kommt schon ganz schön was zusammen.

    Wenn Ihr immer die Links nicht lest.....
    werden die Beiträge halt immer länger.
     
  9. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Das widerspricht allem, was ich bisher gehört habe. Es wurde Voralarm gegeben, sobald Bomberströme einflogen - das war FÜR ALLE das Zeichen, das Radio einzuschalten.
     
  10. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Du musst Dich eben nicht auf das "Hörensagen" irgendwelcher Leute verlassen:pfeif:
    Frag einfach immer nur mich:scheinheilig:

    Ich sag ja, bei irgendeiner Stufe des Alarms wurden dann die Rundfunksender abgestellt, die konnten ja zur Orientierung von den Bombern angepeilt werden.

    Keine Ahnung habe ich inwieweit dies Flächendeckend vorhanden war, habe dies eigentlich für "Allgemeinwissen" gehalten. Bei uns gab es jedenfalls den Drahtfunk.
    Das Kästchen neben dem Telefon, an das ich mich noch erinnere, hat man vermutlich erst Ende der 50er abgebaut. War natürlich längst funktionslos.
     
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  11. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Es gab ja verschiedene Alarmstufen. Können wir nicht so zusammenkommen, lieber @Repo:
    Einflug über die Reichsgrenze - Voralarm - Radio sendet Luftlage
    Bomber kurz vorm Ziel (ca. 50 km) - nächste Alarmstufe - nahe Sender schalten ab
    (Sender für Volksempfänger hatten eine extrem kurze Reichweite)

    Man wird ja nicht bei jedem Einflug ganz Deutschland abgekoppelt haben, sonst hätte man ab 1943 den Apparat gleich weg werfen können.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Februar 2009
  12. Robe

    Robe Gesperrt

    Ich hab mal meinem Opa gefragt was mit Flugzeugen war. Kutscher(Funkwagen) mit 17 Jahre und das 1944. Da seine Eltern Landwirtschaft hatten konnte er Pferde leiten. Er hat fast keine Flugzeuge gesehen. Und Funken durften die auch nicht wenn Flugzeuge nah waren.
     
  13. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Vielleicht hätte er öfter mal nach oben sehen sollen. :)
    Aber Spaß beiseite, in ländlichen Gebieten außerhalb der üblichen Einflugrouten, vor allem weit im Osten, war das vielleicht schon möglich. Kommt halt darauf an, wo Opas Funkwagen stand.
     
  14. Loudon

    Loudon Neues Mitglied

    nochmal meinen Vater gefragt. Besagte Warnungen kamen immer Vormittags, viertelstündlich vom Soldatensender in Belgrad, normaler Rundfunk. Kurz darauf gab's den Voralarm dann und wenn die Angriffsrichtung feststand, den "richtigen" Luftalarm. Er konnte sich erinnern, relativ oft "Massenverbände im Anflug auf Rumänien" gehört zu haben, dann meist mit Ziel Ploiesti, oder seltener, komischerweise Veszprem in Ungarn.
     
  15. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Nochmal zu Ploesti, 10.6.1944.

    Nach den Berichten in Prien, JG 53, S. 1161 sowie JG 77, S. 2088/90 fand ein Teil der Luftkämpfe in der Nähe der Werksanlagen statt.

    Die anfliegenden amerikanischen Verbände wurden zunächst in Mizil gemeldet, so dass die Starts der Jagdgruppen gegen 8.00 Uhr stattfanden, also wenige Minuten vor den Luftkämpfen.

    Der Bombenangriff selbst konnte nicht verhindert werden, es gab schwere Schäden an den Crack-Anlagen und an sonstigen Einrichtungen mit erheblichen Bränden. Hier über Ploesti fanden dann die Gefechte mit der I./JG 53 statt, während die Verbände des JG 77 erst im weiten Bogen südlich Bukarest bis Branisti eingreifen konnten. Die Einsatzberichte belegen die Luftkämpfe in Bodennähe. Auf dem Abflug griffen die P-38 u.a. Eisenbahnziele und einen Flugplatz bei Bukarest an. Letzteres findet sich auch bei Neulen, der Luftkämpfe über dem Flugplatz schildert.
     
  16. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Natürlich.

    Steht doch auch im Link, ab "Luftgefahr 20" was immer das hieß.
     
  17. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Nur mal schnell nebenbei wegen der Navigation über Radiosender:
    Die Sowjets verlängerten auf Bitte von Gen. Hans-Jürgen Stumpff das Programm des Senders Minsk für zwei Stunden, um den Kampfverbänden der deutschen Luftwaffe bei ihren Angriffen 1939 auf Warschau Navigationshilfe zu geben.
     
  18. Spitfire

    Spitfire Neues Mitglied


    Diese Informationen bezog ich aus einer Dokumentation. Es ging sicher weniger um den militärischen Standpunkt, das war zwar AUCH ein Faktor (Produktionsanlagen), jedoch sollte auch "sichtbar für den kleinen Mann" den Japanern Schaden zugefügt werden. Dass die Brandbomben auf Tokio viel mehr Tote forderten, weiß nicht jeder! Sicher gab es nicht diese Umfrage, um diese zweite Bombe zu rechtfertigen...aber es hat sie m.W. nach vor dem Einsatz der zweiten Bombe gegeben, ich recherchiere aber sicherheitshalber noch einmal nach!
     
  19. Gil-galad

    Gil-galad Aktives Mitglied

    Focke-Wulf Fw 190: Entwicklung und A-Serie

    Nach längerer Abstinenz möchte ich mich wieder mit einem meiner Lieblingsflugzeuge zurückmelden. Den zweiten Teil liefere ich in naher Zukunft nach.

    Mit der Focke-Wulf Fw 190 möchte ich den wohl leistungsfähigsten Jäger der Luftwaffe vorstellen, der in größeren Stückzahlen produziert wurde.

    Bereits 1937 entwickelte man die Fw 190 als Ersatz für die erste Generation von Eindecker-Jagdflugzeugen, wie die Bf 109. Als Motoren testete man sowohl den DB-601-Reihenmotor als auch den DB-139-Sternmotor, wobei letzterer den Vorzug erhielt, da hier das Projektteam unter OIng. Blaser das bessere Entwicklungspotential sah. Die erste Versuchsmaschine startete am 01. Juni 1939 mit Hans Sander am Steuer zu ihrem Erstflug.

    Nach einigen Modifikationen ging die Fw 190 A mit einem gebläsegekühlten BMW-801-14-Zylinder-Sternmotor in Serie. Die Tests verliefen zur allseitigen Zufriedenheit, obwohl die Piloten, die mit vier MG 17 im Kaliber 7,92mm zu schwache Bewaffnung kritisierten. Bei ersten Einsätzen ab August 1941 von Le Bourget aus, zeigte sich der neue Jäger der Spitfire V, trotz der unzureichenden Bewaffnung, überlegen.

    Schon die zweite Serienversion (A-2) erhielt eine stärkere Bewaffnung, bestehend aus zwei 20-mm-MG FF in den Tragflächenwurzeln und zwei MG 17 in der Nase. Mit ihrer Höchstgeschwindigkeit von 614 km/h war sie der Spitfire V immer noch überlegen. Bis Ende März verfügte das komplette JG 2 über die Fw 190 A-2. Der wohl bekannteste Einsatz dieses Musters fand beim Durchbruch der Schlachtschiffe Scharnhorst und Gneisenau durch den Ärmelkanal (Unternehmen Cerberus) statt.

    Ab März 1942 lieferte Focke-Wulf dann die A-3 aus. Diese erhielt den 1700 PS starken BMW-801DG, sowie vier 20-mm-Kanonen und zwei 7,92-mm-MGs.
    Die RAF führte fast zeitgleich die neuen Jäger vom Typ Spitfire Mk. IX und Typhoon ein. Diese sollten die Landung bei Dieppe schützen, man hatte jedoch die Zahl der produzierten und eingesetzten Fw 190 unterschätzt. So trafen die britischen Jagdflugzeuge auf 200 Focke-Wulf-Jäger und schlimmer noch, auf die neue Subvariante A-4. Der neue Typ erzielte mit kurzfristiger Wasser-Methanoleinspritzung und dem neuen BMW-801D-2 mit 2100 PS eine maximale Geschwindigkeit von 670 km/h. Erstmals wurde mit dem Umrüstsatz U-1 auch ein Jagdbomber in Dienst gestellt.

    Aufgrund von Managementfehlern konnten die neuen britischen Typen das Gleichgewicht nicht wieder herstellen und bezahlten den Einsatz bei Dieppe mit dem Verlust von 106 Maschinen, wovon die meisten (97) dem neuen deutschen Jäger zum Opfer fielen. Die RAF konnte ja auch schwerlich ahnen, dass die Luftwaffe alle einsatzfähigen Fw 190 an der Kanalküste konzentriert hatte.

    Die Ausrüstung der Ostfront mit den Focke-Wulf-Jägern erfolgte erst Mitte 1942 als das I/JG 51 die A-4 erhielt. Auch das IV/JG 5 und das JG 1 bekamen die aktuellen Varianten. Jetzt kamen die Fw 190 bei immer mehr Geschwadern mit verschiedenen Umrüstsätzen und Verwendungen in Einsatz. Ende des Jahres hatte die Luftwaffe 1900 A-3 und A-4 geliefert bekommen, während die RAF lediglich über 500 Spitfire IX und Typhoon verfügte.

    Anfang des Jahres 1943 stellte Focke-Wulf die A-5 vor, die einen längeren Motorraum und eine hohe Zahl von Rüstsätzen aufwies. Der Rüstsatz R6 war der wohl ungewöhnlichste und innovativste: Unter den Tragflächen wurde der WfrGr 21 befestigt, dessen 21-cm-Granaten die US-Bomberformationen aufbrechen sollten.

    Die nächste Version Fw 190 A-6 zeichnete sich vor allem durch die weiter verstärkte Bewaffnung aus, die um zwei zusätzliche 20-mm-Kanonen erweitert wurde. Auch verschiedene Rüstsätze brachten noch mehr schwere Waffen in Einsatz: Der R1 bestand aus sechs 20-mm-Kanonen unter den Tragflächen, beim R6 waren es sogar vier 30-mm-MK-108, womit sie der am schwersten bewaffnete Einsitzer des Krieges wurde. Den größten Erfolg erzielten die Fw 190 A-6 bei der Abwehr des Angriffs auf Schweinfurt und Regensburg (Operation Double Strike), bei dem es der Luftwaffe gelang, 79 Bomber abzuschießen und 121 zu beschädigen. Erst die modernen US-Begleitjäger wendeten das Blatt und machten die Tagangriffe der USAAF wieder ohne schwere Behinderungen durchführbar. Aufgrund der sich verschärfenden Nachtbombardements der RAF setzte die Luftwaffe die Fw 190 nun auch bei den „Wilde Sau“-Nachtjägern ein.

    Die nächsten Versionen waren die A-7, mit zwei zusätzlichen 20-mm-Kanonen in der Abdeckung der Nase und einem breiten Spektrum an verschiedenen Flächenwaffen, die A-8 mit einer GM-1-Stickstoff-Einspritzanlage und die A-9 mit gepanzerten Tragflügel-Vorderkanten.

    Von der FW 190 A stellte Focke-Wulf außerdem einige interessante experimentelle Flugzeuge vor, wie die V74 mit einer siebenläufigen SG 117 30-mm-Rohrblockkanone die mit einem Revi 242 Zielgerät ausgelöst wurde oder die V75 mit sieben nach unten gerichteten Mörsern zur Panzerbekämpfung.

    Die als Weiterentwicklung der A-Serie gedachten Typen Fw 190 B und C kamen über den Versuchsstatus nicht hinaus und wurden eingestellt.
     
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  20. Gil-galad

    Gil-galad Aktives Mitglied

    Fw 190 – Die Jagdbomber und die D-Serie

    Hiermit reiche ich den angekündigten zweiten Teil zur Fw 190 nach, ein Dritter wird sich mit der Ta 152 beschäftigen.

    Die beiden Serien F und G waren als Jagdbomber entworfen, stellten aber faktische Varianten der A-Serie dar. Die gepanzerte Fw 190 F („Panzerblitz“) erschien im Frühjahr 1944 auf den Schlachtfeldern. Man hatte die Anzahl der Bordwaffen auf zwei MG 17 und zwei 20-mm-Kanonen reduziert und dafür die Bombenlast auf eine 1000- und zwei 250-kg-Bomben erhöht. Der wichtigste Subtyp, die F-8, erreichte das III(Pz)/KG 200 im Herbst 1944 und konnte entweder vierzehn 21-cm-Raketengeschosse, sechs 28-cm-Granatwerfer oder 24 ungelenkte R4M-Raketen tragen.

    Die G-Serie kam noch wesentlich vor der Fw 190 F in den Einsatz. In Nordafrika nahmen sie im November 1942 mit dem SG 2 an den Operationen rund um die Landung der Alliierten in Nordafrika (Operation Torch) teil und eine erhebliche Anzahl operierte im Rahmen des Unternehmens Zitadelle, der Panzerschlacht um den Kursker Frontbogen. Obwohl beide Muster als Jagdbomber entworfen und eingesetzt wurden, konnten sie doch eine erhebliche Anzahl an Flugzeugabschüssen erzielen.

    Etliche Piloten erlangten einen hervorragenden Ruf mit dem Muster. Josef Wurmheller schoss über Dieppe an einem Tag sieben Spitfire Mk V ab und zwar mit einem Beinbruch und einer Gehirnerschütterung vom vorhergehenden Feindflug. Der viertbeste Pilot der Luftwaffe, Oberleutnant Otto Kittel, erzielte 220 von seinen 267 Luftsiegen mit der Fw 190 A-4 und -5. Walter Nowotny, Heinz Bär, Hermann Graf und Kurt Buhligen erreichten mit diesem Jagdflugzeug mehr als 100 Abschüsse. Bald schon erhielt die Fw 190 von den Alliierten den Beinamen „Butcher Bird“.

    Ein Manko der Fw 190 war der extreme Leistungsabfall in großen Flughöhen, womit sie sich beispielsweise der P-51D unterlegen zeigte. Bei den Sturzkampfbombern spielte das kaum eine Rolle, der robuste Sternmotor erhielt sogar guten Zuspruch, da er einige Schäden wegstecken konnte. Die Lösung sollte ein Reihenmotor bringen, wobei das Reichsluftfahrtministerium (RLM) den Jumo 213 und der Chefkonstrukteur Kurt Tank den DB 603 favorisierte, beide flüssigkeitsgekühlte 2000 PS V-12-Motoren.

    Ab Anfang 1942 testete man zahlreiche Modelle mit den Reihenmotoren, die mit ihren ringförmigen Gebläsekühlern in der Nase optisch aber immer noch an Flugzeuge mit Sternmotor erinnerten. Als sich im Lauf des Jahres 1943 abzeichnete, dass der Junkers-Motor früher verfügbar sein würde, konzentrierte sich die Entwicklung auf die Fw 190 D. Diese erhielt den Jumo-213A-1-Motor mit 1776 PS, die sich mit dem MW-50 kurzfristig auf 2240 PS erhöhen ließen. Das Team um Tank betrachtete die D-Serie aber immer noch als Notlösung, da sie auf den DB 603 fixiert blieben. Dabei handelte es sich hier um ein emotionales Problem, da der Jumo 213 ursprünglich als Bombermotor entworfen worden war. Bei den Fronteinheiten hielt sich deshalb hartnäckig das Gerücht, dass die Fw 190 D ein schwerfälliger zweitklassiger Jäger sei.

    Die Entwicklung der Fw 190 D dauerte von April 1942 bis Mai 1944, wobei anfangs mit umgerüsteten A-Modellen experimentiert wurde. Das endgültige Serienmodell, die D-9, genannt „Dora Neun“, hatte einen um 0,6m verlängerten Bugkonus und, zum Erhalt der Richtungsstabilität, eine zusätzliche Rumpfsektion von knapp einem halben Meter Länge. Weitere Veränderungen betrafen die Bewaffnung: zwei der vier MG 151/20 in den Tragflächen entfielen und die MG 17 wurden durch zwei 13-mm-MG 131 ersetzt. Zusätzlich erhielt die D-9 drei Bombenschlösser, ein Sturzflugzielgerät und die MW-50-Einspritzung.

    Als die Dora Neun im August 1944 an das III/JG 54 in Oldenburg ausgeliefert wurde, zeigten sich die Piloten von der neuen Maschine begeistert, obwohl Kurt Tank sie bei Frontbesuchen immer noch als Notlösung bezeichnete, deshalb erhielt sich auch den Beinamen „Dora/Mädchen von der Kellersteige“. Man betrachtete sie den alliierten Jägern, einschließlich der P-51D, als überlegen oder doch zumindest ebenbürtig. Allerdings konnte ihr volles Potential oft nicht genutzt werden, da kaum Druckkabinen verfügbar waren. Obwohl Focke-Wulf knapp 700 Jäger dieser Serie produzierte, kamen nur noch wenige zum Einsatz, da es an Treibstoff und Piloten mangelte.

    Bald nach Produktionsbeginn erhielt die Fw 190 D-9 die gewölbtere Kanzel der F-2 für bessere Rundumsicht. Unterformen waren die D-10 mit einem MG 151 im linken Flügel und einer synchronisierten Mk 108, sowie die D-11 mit zwei MG 151 und zwei Mk 108 in den Tragflächen.

    Trotz der sich verschlechternden Kriegslage produzierte Focke-Wulf eine beachtliche Menge Fw 190 mit insgesamt 20.087 Maschinen.

    Das erste Bild zeigt eine Fw 190 A-3 und das zweite eine Fw 190 D-9.
     

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