Warum die Lippe nicht erwähnt wird, dürfte daran liegen, dass man das Flüsslein nicht als Handelsweg nutzte.
Dass man die Lippe als Handelsweg nutzte, ist sogar - Bagatellisierungen wie
Flüsslein hin oder her - archäologisch nachgewiesen.
Fakten gibt es bei Euch auch nicht und lesen lernt man in der Schule.
Es gab sehr wohl Fakten. Z.B. hat Sepiola am Rhein gezeigt, dass die Städte am Rhein bei Ptolemaios fehlerhaft eingetragen sind. Ich habe dasselbe für die Baetica gezeigt. Käubler, auf den du hingewiesen hattest, aber mit einer Äußerung, die ich bei ihm nicht wiedergefunden habe*, hat das für Mittelitalien getan. Alles wichtige Gegenden des römischen Reiches, die von der Infrastruktur her nicht an der Peripherie lagen. Das sind Fakten. Und das, obwohl wir gar nicht in der Pflicht gewesen wären, Fakten zu bringen. Denn ob vor Gericht oder in der Wissenschaft:
Die Beweispflicht liegt bei dem, der behauptet.
Du hast behauptet (zumindest habe ich dich so verstanden), dass du Orte in Germanien zuweisen könntest. Einen Beleg dafür hast du bisher nicht gebracht.
Du hast behauptet (zumindest habe ich dich so verstanden), dass die bisher als Quellorte interpretierten Punkte [die Ptolemaios so ganz nebenbei gesagt auch explizit als 'Quelle' bezeichnet (πηγή, meist in der Pluralform πηγαὶ, bei der Donau und Weichsel spricht er auch mal vom 'Kopf', κεφαλὴ, des Flusses)] < das sind im Übrigen Fakten!, die Orte seien, bis wohin die Flüsse schiffbar gewesen seien. Gut, das könnte man ggf. mal als Arbeitshypothese bei κεφαλὴ gelten lassen. Aber bei πηγή?
Überprüfen wir nun die Arbeitshypothese κεφαλὴ ('Kopf') sei evtl. nicht der Quelltopf des jeweiligen Flusses, haben wir die Weichsel, weit außerhalb des römischen Einflusssphärengebietes. Römischer Handel über die Nord- und Ostsee bis an die Weichsel wäre mir jedenfalls nicht bekannt (was nicht heißt, dass römische Handelswaren nicht auch bis dorthin gelangten). Dass κεφαλὴ also bei der Weichsel den obersten schiffbaren Punkt meint, ist schon mal unwahrscheinlich.
Gut, schauen wir uns das bei der Donau an.
Bei der Donau ist der als κεφαλὴ bezeichnete Punkt sehr weit westlich: 30° ptolemaiischer Länge, 46°20 ptolemaiischer Breite. Südwestlich von Arae Flaviae (Rottweil, 30°40 ptolemaiische Länge, 48°00 ptol. Breite)
Sieht also schon so aus, als sei mit κεφαλὴ τοῦ Δανουβίου ποταμοῦ schon ein Ort gemeint, an dem die Donau (bzw. einer ihrer Quelleflüsse) entspringt und nicht einer bis wohin sie schiffbar gewesen sei.
Sprich, die Arbeitshypothese, das κεφαλὴ ('Kopf') nicht einfach ein alternatives Wort für πηγαὶ ('Quellen') ist, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit als widerlegt gelten. Von deiner These, dass hier nicht die Quellen, sondern die Grenzen der Schiffbarkeit gemeint seien, bleibt nichts übrig, da die These schon von Beginn an im klaren Widerspruch zu Ptolemaios' Wortwahl stand.
*dass man eine Literatur- oder Quellenstelle falsch erinnert, ist kein Problem. Mich hat aber schon irritiert, dass du nach meinem Hinweis, dass das von dir Behauptete bei Käubler nicht zu finden ist, keinerlei Reaktion gezeigt hast, etwa nach dem Motto: "Sorry, ich hab mich vertan, ich suche die richtige Literaturstelle heraus."