Die Malteserkarracke Santa Anna von 1522 - das erste Panzerschiff?

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Gegenkaiser, 8. November 2008.

  1. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Ein schönes Thema Gegenkaiser, das mal wieder mehr Fragen aufwirft, als man befriedigende Antworten darauf finden wird.
    Ob die Bleiplatten nun als nur als Schutz vor Parasiten, zum Abdichten gegen Wasser oder als zusätzlicher Schutz gegen Projektile welcher Art auch immer oder für alles zusammen gedacht waren, werden wir wohl nie herausbekommen. Es sei denn es werden originale Schriftstücke mit Bauplänen, Forderungen der Auftraggeber, Bemerkungen der Schiffsbauer usw. gefunden, als echt befunden und eindeutig übersetzt. Bis dahin können wir nur spekulieren oder vermeintliche Tatsachen als falsch entlarven.
    Als Panzerschiff würde ich die Santa Anna nicht bezeichnen, auch wenn ich glaube, das die Bleiplatten (so sie denn wirklich wesentlich über die Wasserlinie reichten) einen zusätzlichen Schutz boten. Auf jeden Fall wurde dieses Monster dadurch nicht schneller, wie ein Bericht weiter ober besagt, nachdem sie wegen ihrer Langsamkeit von der übrigen Flotte verlassen wurde.
    Das sie eine schwimmende "Burg" war, deren "Eroberung" selbst durch 35 Galeeren nicht möglich war, ist bei der Besatzung und Bewaffnung schon möglich. Allerdings dürften die 50 Galeeren auch nicht sehr groß und nur mit kleinkalibrigen Geschützen bewaffnet gewesen sein (falls überhaupt bewaffnet).
    Aufgrund ihrer Langsamkeit passte sie meiner Meinung nach auch nicht mehr in das Konzept des Malteser Ritterordens. Dieser wollte ja auch Beute machen und das geht nun mal nicht wenn die Beute schneller ist als der Jäger.

    Wie auch schon in anderen vor mir, glaube ich das hier viel zusammengedichtet wurde.
    Ich habe meine Zweifel, das Segelschiffe eine maßgebliche Bedeutung bei der Erstürmung von Festungen haben. (In Tunis soll es zu dem Zeitpunkt der Belagerung zu einem Aufstand von mehreren tausend Sklaven gekommen sein.)

    Das die Santa Anna 6 Monate autark war halte ich auch bei ihrer Größe für völlig übertrieben. Bei etwa 700 Mann Besatzung und etwa 2 Litern Wasserverbrauch pro Mann und Tag wären das schon über 1200 200-Liter-Fässer. Und dann noch Proviant, Ersatzteile, Handwaffen, Rüstungen, Pulver und Geschosse für wer weiß wie viele verschiedene Kaliber.
     
  2. Gegenkaiser

    Gegenkaiser Gesperrt

    Findige Beobachtung! Das bestätigt mich in meiner Ansicht, daß nichts über ein Quellenstudium geht. Neben den Bosio im Original wären noch zwei weitere (Sekundär-)quellen aufschlußreich:

    Es handelt sich um:
    1. Brockman, Eric, Last Bastion: Sketches of the Maltese Islands (London, 1961)
    2. Wismayer, Joseph M., The Fleet of the Order of Saint John 1530-1798 (Malta, 1997)

    Vielleicht verspürt ja jemand mit leichtem Zugang zu einer Unibibliothek Lust, den drei genannten Werken nachzugehen. Das könnte die Diskussion weiterbringen, den nach R.A.'s scharfsichtiger Beobachtung halte ich die ganze Frage der Panzerung für in der Schwebe liegend.
     
  3. duxalamannorum

    duxalamannorum Mitglied

    Die koreanischen "Schildkrötschiffe" des 16.Jhdt. ( erste Exemplare entstanden bereits Anfang des 15 Jhdt.) werden auch als Panzerschiffe bezeichnet. Die Panzerung bestand aber nicht aus Metall, sondern aus starken Holzplatten. Die Schiffe konnten sowohl gesegelt als auch gerudert werden. Die Bewaffnung bestand vorwiegend aus Kanonen ( 30 Kanonen).
     
    1 Person gefällt das.
  4. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Zu der Quellendiskussion kann ich leider nichts mehr beitragen. Was mich interessiert ist die Einordnung dieses Schiffes und die Bezeichnung als ein Panzerschiff.

    So wie jschmidt Meyers Lexikon von 1890, gibt es auch ein digitale Fassung im Internet von 1888. Darin wird anfänglich der Begriff des Panzerschiffes ein wenig „überdehnt“ und man könnte so alles als Panzerung interpretieren, so z.B. auch die o.g. Schildkrötenschiffe in Kora im 16. Jahrhundert.

    Doch der Begriff „Panzer“ oder „Panzerung“ steht immer im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Material Metall. So wird auch in diesen Lexikon der Beginn des Panzerschiffbaus auf den Bau der Gloire 1859 festgelegt.
    Das die Geschichte des Kriegsschiffbau so verlaufen ist, bedarf es auch keinen weiteren
    Interessant finde ich diese Bemerkung Gegenkaisers in sofern, dass hier ein Gegenbeweis von einem kompetenter Marinehistoriker oder Schiffbauingenieur gefordert wird. Die Behauptungen über dieses Schiff momentan aber keines Marinehistorikers bedürfen und einfach übernommen werden und im Internet verbreitet werden, ohne spezielles Wissen der Verfasser über den Schiffbau sowie die Geschichte des Kriegsschiffbau.

    Wenn eine so historische Behauptung aufgestellt wird,

    sollte man sich vorher mit dieser Materie beschäftigen und nicht so einen „Blödsinn“ in der Welt verbreiten.

    Wer überwacht eigendlich das Wikipedia? Kann man da alles schreiben, wie man lustig ist?
     
  5. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Richtig.
    Was aber eben zeigt: Es ist nur eine der möglichen Interpretationen.
    Letztlich geht es um den Originaltext von Bosio und die Frage, wie gut der das beurteilen konnte.

    Völlig richtig.
    Nur kann man daraus eben auch andere Folgerungen ziehen.
    Wären solche Platten völlig neu gewesen, wäre ein Mißverständnis über ihren Zweck leicht möglich.
    Da nun aber der Schutz des Rumpfs durch Metall bekannt war, wäre schwer erklärbar, wieso plötzlich von Panzerung die Rede ist, wenn diese gar nicht beabsichtigt war.
     
  6. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Grundsätzlich würde ich dem auch folgen.
    "Panzerung" kann man eigentlich ziemlich jede zur Defensive gedachte Abschirmung nennen, wenn sie eine gewisse Stärke hat.
    Bei Körperrüstungen ist "Lederpanzer" durchaus ein geläufiger Begriff.

    Und selbstverständlich kann man die Santa Anna (wenn die These überhaupt stimmt) nur in diesem weiten Sinne als "Panzerschiff" bezeichnen, nicht im Sinne der modernen Klassifizierung von Kampfschiffen.

    Das hatte ich jetzt nicht so streng verstanden.
    Ich würde eher sagen, eine Beurteilung dieser These durch einen Ingenieur in Bezug auf Statik etc. würde helfen, könnte die These auch widerlegen - aber wir diskutieren hier mangels Details nur Möglichkeiten, da kann man nicht über "Beweise" reden.

    Sie wird nur überwacht, wenn diverse Autoren sich streiten. Grundsätzlich kann man da wirklich alles schreiben, wie man lustig ist.
    Und der übliche Weg wäre, daß Du den betreffenden Artikel in den Punkten korrigierst, die Du für falsch hältst.

    Wobei man üblicherweise nicht die Gegensicht rausschmeißt und durch die eigene ersetzt (dann müßtest Du die klar belegen können), sondern (wie im englischen Beitrag zum Thema) die verschiedenen Standpunkte nebeneinander aufführt, damit sich der Leser ein Bild machen kann.
     
    1 Person gefällt das.
  7. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied

    Ohne genaue Baupläne lässt sich zur Statik auch nichts Genaueres aussagen.

    Grosse Schiffsbauten litten ja bewiesenermassen an Instabilitäten -
    die "Wasa " soll deshalb gekentert sein und die "Henry Grace a dieu "
    wurde umgebaut. Solche Konstruktionen unter Segeldruck zu steuern
    muss eine ungeheuer schwierige Aufgabe gewesen sein.

    So könnte man die ausgiebige Blei-Beplankung auch als Mittel zur Absenkung des Schwerpunktes einordnen , falls es durch Ladung und Ballast nicht zur ausreichenden Stabilität kam ?
    Nur so ein Gedanke....
     
  8. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Ihr braucht Daten?

    Also man kann als Beispiel verschiedene ähnliche Karracken annehmen.

    1.) Die englische Karracke Grace Dieu von 1418

    Das Wrack in der Nähe von Southampton gefunden worden. Die Rekonstruktion ergab folgende Abmessungen:

    ca. 1400 t

    Kiellänge 38,10m oder sogar 39,32m
    Breite 15,24m
    Tiefgang 6,71m
    Freibord Wasserlinie bis Oberkante Mittschiffsbrustwehr 7,92m
    Höhe Wasserlinie bis Oberkante Poopreling (Heckkastell) 18,29m
    Höhe Wasserlinie bis 2. Deck des Vorschiffes (Vorderkastell oder Back) 17,68m

    Nach Angaben Luca di Maso von 1430:

    Ca. 1500 t bis 1650 t

    Deckslänge 56,08m
    Breite 15,24m
    Höhe Wasserlinie bis Oberkante des Vorschiffes (Vorderkastell oder Back) 15,85m

    2.) Die englische Henry Grace á Dieu von 1514

    Kiellänge 38,1m
    Breite 12, 5m
    Deckslänge 53,34m

    3.) Das schwedische Stora Krafvel von 1534

    Kiellänge 39,62m
    Länge der Längsschiffmitte 43,04m
    Breite 12,19m
    Tiefgang 6,71m
    Höhe Wasserlinie bis Oberkante Poopreling (Heckkastell) 16,46m

    4.) Die Adler von Lübeck von 1567

    ca. 2000 t

    Kiellänge 36m
    Länge der Längsschiffmitte 49m
    Breite 14,50m
    Tiefgang 5,30m
    Höhe Wasserlinie bis Oberkante Poopreling (Heckkastell) 16,2m

    Als Vergleich eines der bekanntesten ship of the line:

    5.) Die englische Victory von 1760

    ca. 3.225t

    Kiellänge 49m
    Länge Kanonendeck 56,6m
    Breite 15,8m
    Tiefgang 7,76m
     
  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Vielen Dank an Köbis für die Vergleichsdaten.


    Ich möchte meine Frage zum angeblichen Bau in Nizza nochmal aufgreifen. Gibt es dazu weitere Hinweise oder Informationen über den Schiffsbau in der Zeit?
     
  10. Gegenkaiser

    Gegenkaiser Gesperrt

    Und weiter gehts. Im engl. Wikipedia-Artikel möchte ein Benutzer, ich glaube ein koreanischer Nationalist, auf Teufel-komm-heraus die Schildkrötenschiffe als die ersten "ironclad" der Geschichte bezeichnet wissen. Dabei erwähnt der angebliche Erfinder, der Admiral I Sun-sin, eine Deckpanzerung in seinem Tagebuch MIT KEINEM WORT. Auch die andere Hauptquelle des Siebenjährigen Kriegs (1592-98), sein Neffe, spricht nur von eisernen Dornen zur Abwehr von Enterversuchen, aber erwähnt ebenfalls nirgends Eisenplatte. Einzig in einem japanischen Bericht wird von Schiffen "mit Eisen bedeckt" gesprochen; meiner Ansicht nach kann sich das aber genauso gut auf die eisernen Dorne beziehen (ein Problem der Sprache: wenn man sagt, dass das Gesicht des Mädchens mit Sommersprossen oder der Waldboden mit Laub bedeckt ist, meint man auch keine lückenlose, geschlossene Bedeckung).

    Leider werden erstere beide Sachverhalte aber systematisch in der Halbfachliteratur unterdrückt, da westliche Autoren einfach unkritisch nachbeten, was in Korea heilige nationale Doktrin ist (und damit nicht Gegenstand wissenschaftlicher Kritik). Kurz gesagt, wer hat eine Quelle zur Hand, die auf die unzureichenden Beweise für eine Schiffspanzerung der Schildkrötenschiffe hinweist?

    PS: Ich habe noch zwei weitere Kandidaten aus dem 16. Jh. im europäischen Raum gefunden. Komme später darauf zurück.
     
  11. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Also, daß man eine Panzerung als solche nicht immer mit dem Hintergrund des Materials Stahl oder Eisen sehen muß, wurde schon mit weiter o.g. Definitionen erläutert.
    Somit spricht nichts gegen die Bezeichnung, daß es sich um gepanzerte Schiffe handelte, bei den Schildkrötenschiffen oder der Karacke. Wichtig ist die Funktion als zusätzlicher Schutz vor feindlichen Beschuß, dies kann aber auch eine doppelte Lage Holz darstellen.

    Aber die Bezeichnung dieser Schiffe als erste Panzerschiffe ist völliger Unsinn. Denn schon allein Bauartbedingt, fallen die Schiffstypen schon unter bestehende Typenbezeichnungen, so die Dschunke oder die Karacke.
    Da sich diese Art des Schiffschutzes, vor allem in Verbindung mit dem Material Metall aber nicht durchsetzte, kann man hier auch nicht von Panzerschiffen reden.

    Diese Entwicklung fällt eindeutig auf die 1860iger Jahre zurück und stellt den Beginn des Panzerschiffbaus dar, der auch im engen Zusammenhang mit dem Beginn des Eisenschiffbaus steht.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 26. November 2008
  12. Gegenkaiser

    Gegenkaiser Gesperrt

    Zwei weitere Kandidaten für vorindustrielle Schiffspanzerung:

    - die holländische Finis Bellis, die 1585 bei der Belagerung von Antwerpen durch die Spanier mit Eisenplatten versehen in den Kampf geschickt wurde

    Quelle: J. Rudlov: "Die Einführung der Panzerung im Kriegschiffbau und die Entwicklung der ersten Panzerflotten", Beiträge zur Geschichte der Technik und Industrie, Bd. 2, Nr. 1 (1910)


    - die Iron Beard von Eric Hakonsson von Norwegen, deren Wasserlinie durch eine Eisenpanzerung verstärkt, vermutlich gegen Rammversuche
     
  13. Gegenkaiser

    Gegenkaiser Gesperrt

    Wer weiß mehr über dieses Schiff (oder besser: schwimmende Festung)? Es wird auch "fin de la guerre" oder "fin de la guerra" genannt.

    Eine Abbildung gibt es hier: Asedio de Amberes . Und eine kurze Beschreibung, aber keine Erwähnung von Schiffspanzerung. Trotzdem interessant:

     
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Bei Luis Cabrera de Córdoba in seiner Historia de Felipe II, rey de España von 1609, in der die Schlacht um Antwerpen sehr intensiv besprochen wird, finde ich zur Finis Bellis nur einen kurzen - spöttischen - Absatz:

    Quedaba a los de Ambers la última esperança en un navío de fuego, llamado por esto "Fin de la guerra", y en el principio de mayo se encaminó a combatir un fuerte hacia Ordán, pero no salió a los inventores como pretendieron, porque del mucho disparar quedó tan quebrantado que fue menester mucha industria para retirarle de junto al villaje, donde encalló; de tal manera que más no pudo navegar. Ni fueron de más efecto mill arcabuceros que iban dentro en dar el asalto, porque los rebatieron los defensores con fuerça y coraje, porque estando encubierto mos de la Mota con quinientos mosqueteros, descubriéndose encima del dique, cuando quisieron los herejes arremeter, hicieron gran matanza, y espantados se retiraron al punto.


    Denen von Antwerpen blieb nur eine letzte Hoffnung, die in dem Feuerschiff lag, welches deshalb "Ende des Krieges" genannt wurde. Anfang Mai machte es sich auf den Weg eine Befestigung zu bekämpfen, Richtung Ordán(?), aber dies kam den Urhebern des Plans nicht so aus, wie sie es sich erdacht hatten, da [das Schiff] vor soviel Beschuss so zerstört war, dass sehr viel Arbeitseifer notwendig war, es zum Städtchen zurückzuführen, wo es strandete, so, dass es nicht mehr navigieren konnte. Auch die tausend Arkebusier die darin fuhren, um den Sturm zu beginnen, brachten keinen weiteren Nutzen, denn die Verteidiger schlugen sie mit Macht und Mut zurück; Mos de la Mota war mit 500 Musketieren hinter dem Deich verborgen, enthüllte sich, als die Häretiker heranstürmen wollten und veranstaltete ein großes Gemetzel, so dass sie sich sofort erschocken zurückzogen.




     
    1 Person gefällt das.
  15. Gegenkaiser

    Gegenkaiser Gesperrt

    Also keine Erwähnung von Schiffpanzerung. Ich habe mir die Mühe gemacht und bin der zitierten Sekundärliteratur nachgegangen. Zwar wurde sie richtig zitiert, aber Rudloff und Kurlansky haben sich als Sackgassen erwiesen, da ohne weiterführende Hinweise. Hawley dagegen räumt richtig ordentlich mit dem Mythos auf, daß die Schildkrötenschiffe eine Eisenpanzerung gehabt hätten. In Wirklichkeit erwähnt keine einzige zeitgenössische koreanische Quelle eine solche Panzerung auch nur mit einem Wort - lesenswert.

    J. Rudloff - Die Einführung der Panzerung im Kriegsschiffbau
    Mark Kurlansky - Die Basken. Eine kleine Weltgeschichte
    Samuel Hawley - The Imjin War

    Herunterladeort: Free File Hosting, mp3 file hosting, Host, Online Storage for Music, Videos, and Documents
     
    1 Person gefällt das.
  16. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ja, hier nicht. Das Problem ist natürlich, dass die Quelle zweieinhalb Jahrzehnte später verfasst wurde. Und der Zugriff auf unpublizierte Quellen ist natürlich schwierig. Ich habe die Stelle mit viel Mühe aus dem CorDE herausgezogen, das ist der Corpus Diacrónico del Español, eine Datenbank die eigentlich für sprachhistorische Zwecke von der königlichen spanischen Akademie für Sprache angelegt wurde. Der CorDE greift aber nur auf publizierte Quellen zurück, sprich, was an Briefen im Escorial oder in Simancas im spanischen Hauptstaatsarchiv liegt, ist nur durch den Archivbesuch zu erschließen. Möglicherweise gibt es ja die eine oder andere Relación an Phillip, die die Finis Belli besser beschreibt - oder auch eine niederländische Quelle, so profan diese auch sein mag. Eine Rechnung z.B.
    Allerdings, bei der Häme, die der Verfasser z.T. an den Tag legt, wäre doch eine detaillierte Beschreibung der Panzerung zu erwarten, wenn sie denn vorhanden gewesen wäre.
     
  17. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Ich denke mal, es wäre auch viel zu aufwendig (mal von den Kosten abgesehen) gewesen, eine Eisenpanzerung für Schiffe herzustellen. In der Zeit, wo es noch keine Walzwerke gab, hätte man jede Platte mühsehlig hämmern müssen. Da wäre man ab einer gewissen Größe auf technische Hindernisse gestoßen. Kleine Platten aneinandergenietet, die fliegen ab einer gewissen Beschußstärke sicher auch durch die Gegend. Zudem stellt sich die Frage, ab welcher Stärke ist eine Panzerplatte wirksam. Dazu hätten mit den verschiedenen Kanonenkalibern Versuche angestellt werden müssen. Da normales Eisen nicht die Härte von Stahl besitzt, wie er später im 19. Jahr. hergestellt werden konnte, wäre auch eine erhebliche Dicke von Nöten gewesen. Die Panzerung, zu der Zeit sinnvoll über der Wasserline angebracht, hätte den Segelschiffen zudem erhebliche Stabilitätsprobleme gebracht, die dann wiederum die Manövrierfähigkeit einschränken würden. Es wären, ohne Maschine, hilflose Klötze. Gegen die hätte man dann gut Brander einsetzen können, die die Takelage außer Gefecht setzen.
     
  18. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Die Santa Anna war nicht das erste Schiff dieser Art, über das die Johanniter verfügten. Bereits in Ihrer Zeit auf Rhodos hatten sie die große Karacke Santa Maria, die aber ein Beutestück war. Sie hatten sie von den Ägyptern erbeutet und für ihre Bedürfnisse umgebaut. Auch dieses Schiff war ,gegen Beschuß, mit Metallplatten verkleidet. Als die Ritter 1532 die Insel verlassen mußten, befand sich der Großmeister L'Isle Adam an Bord der Santa Maria. Nachdem der Orden auf Malta seßhaft geworden war, ging die Karacke vor Fort St. Angelo vor Anker und diente nur noch als Lagerschiff und später als Sklavengefängnis. Durch die Nachlässigkeit eines Sklaven, fiel sie einem Brand zum Opfer. 1522 wurde die Santa Anna in Nizza, nach dem Vorbild der Santa Maria gebaut. Ihren größten Ruhm gewann die Santa Anna unter dem Kommandanten Fra de Clermont .Da die Unterhaltung des Schiffes aber zu teuer war und Karacken nicht mehr zeitgemäß waren, ließ es der Großmeister d'Homedes 1548 abwracken und gegen zwei wendigere Galeonen ersetzen.
    Ich war dieses Jahr auf Malta und habe versucht dort näheres über die großen Karacken zu erfahren. Leider ziemlich erfolglos. Es gibt auch keine aufschlußreichen, zeitgenössischen Darstellungen dieser Schiffe. Die beiden hiergezeigten Bilder, sind die geläufigsten, zeigen aber vom Schiffstyp her keine Karacken sondern eher Galeonen.
    Viele der Beschreibungen der beiden Karacken sind sicher maßlos übertrieben. die Windmühlen dürften Handmühlen gewesen sein, die insofern ungewöhnlich waren, dass die Mannschaft statt des üblichen Zwiebacks, frisch gebackenes Weißbrot erhielt. Die Johanniter waren überhaupt die Ersten, die versuchten die Gesundheit ihrer Schiffsmannschaften, durch eine einigermaßen ausgewogene Kost, zu erhalten.
    Auch die Venezianer besaßen ein metallverkleidetes Schiff, die Galeone Candia, die durch die Seeschlacht von Preveza bekannt wurde, in der sie aber, auf Grund einer Flaute, kaum etwas gegen die Galeeren Chaireddin Barbarossas ausrichten konnte. Immerhin blieb sie aber durch ihren metallverstärkten Rumpf trotz zahlreicher Treffer schwimmfähig.
     
    1 Person gefällt das.
  19. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Ich bezweifle nicht, dass es nach den Überlieferungen so stimmt, aber ich glaube, es handelt sich hier mehr um Propaganda als um Tatsachen. Man wollte den Gegner einschüchtern.
    Ich kann mir ein mit einzelnen Metallplatten benageltes Schiff kaum vorstellen. Zudem im Mittelmeer und im 16. Jahrhundert. Artillerie spielte zu dieser Zeit dort eher eine untergeordnete Rolle. Seegefechte, die durch Kanonen entschieden wurden, sind mir bis auf 1588 gegen die Spanische Armada, nicht bekannt. Bei Lepanto, 1572, wurde gerammt und geentert.
    Auch wäre so ein Schiff, wie die Santa Anna, durch ihre Einzigartigkeit in einer Flotte eher isoliert und damit ein Klotz am Bein. Wenn es sie gab, dann tendierte ihr Kampfwert sicher gegen Null. Jeder hätte ihr davonfahren oder ihr ausweichen können. Vielleicht war sie nur ein Repräsentationsschiff, wie die englische "Great Harry" von 1514. Die soll 186 Feuerrohre besessen haben. Allerdings war sie eher eine Mißgeburt, die nur bei schönem Wetter gesegelt werden konnte, da sie gefährlich instabil war. Das man bei größeren Schiffen zu dieser Zeit auch noch auf bauliche Probleme stieß, zeigte der 1565 auf Kiel gelegte "Adler von Lübeck". Das seinerzeit mit 2000 Tonnen Wasserverdrängung größte Schiff war ständig leck, da sich der Kiel durch ungünstige Statik nach oben durchbog und die Planken gegeneinander verschob. Man war noch in der Lernphase für derartige Tonnagen.
     
    3 Person(en) gefällt das.
  20. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Diese Worte sind falsch gewählt, denn es handelt sich nicht um eine Verstärkung des Rumpfes, vor allem nicht aus Metall oder Stahl. Solche Verstärungen der Rumpfstruktur in Form von Diagonalbändern werden erst ab Anfang/Mitte des 19.Jahrhunderts benutzt.
    Grund hierfür ist die Stabilität eines Holzrumpfes, der nur eine begrenzte Länge aufweisen darf, da der Rumpf sonst über die Schiffsenden zerbrechen würde. Hinzu kam das enorme Gewicht der neuen Schiffsartillerie jener Jahre.

    Also kein Vergleich zu den hochbordigen und extem topplastigen Karacken. Hinzukommt, wenn die Platten überwiegend über der Wasserlinie angebracht wurden, daß sich so die Metazentrische Höhe zu hoch über der Wasserlinie befindet und somit das Schiff schon ohne ein Lüftchen kentern würde.

    Der Hinweis von Rurik, über die Herstellung und Befestigung am Rumpf ist ebenfalls ein Interessanter Aspekt. War es im 15. Jahrhunter möglich solche Eisenplatten herzustellen? Wie lange hätte es gedauert? Und vor allem, wie Schwer ist dieser "Panzer"?
     

Diese Seite empfehlen