Englische Langbogen

Dieses Thema im Forum "Die angelsächsischen Reiche" wurde erstellt von Themistokles, 26. Oktober 2004.

  1. Kalojan

    Kalojan Neues Mitglied

    Grundsätzlich richtig. Aber du vergisst einige Punkte:

    1. Es gab durchaus bogenfähiges Holz, dass zB den Skythen zur Verfügung stand. Im Norden des skythischen Siedlungsgebietes war das Land, das in den Quellen als "Land der Wälder" bekannt war. Sicherlich, war man als Skythe wohl daran weniger interessiert, sich nen Blankbogen mit 2-Meter zu schnitzen, wenn man vom Pferd aus schießt. ABER, die Skythen hatten genauso Infanterie, die Bogen bewaffnet war. Sie haben aber trotzdem NICHT Blankbögen verwendet.

    2. Der Balkan ist reich an Eibe. Bis heute. Trotzdem wurde der Eibenbogen verdrängt, durch den Kompositreflex.

    Leistungsmäßig gibt es mehr als genug Untersuchungen zu dem Thema, bei dem man einen englischen Langbogen mit einem Hunnenbogen verglichen hat, und so ziemlich alle Tests haben das gleiche Ergebnis: Der Hunnenbogen schlägt den Langbogen um Längen, in Belangen wie Schusskraft und Reichweite. Einziges Problem, wenn auch die Russen dafür Lösungen fanden, war die feuchtigkeitsempfindlichkeit (was die Römer im übrigen auch nicht daran hinderte, ihr Heer mit Kompositbögen, und nicht mit Langbögen auszustatten, auch wenn sie im tiefsten Germanien im Einsatz waren.
     
  2. Luziv

    Luziv Neues Mitglied

    Diese Vergleiche zwischen Komposit- und Holzbogen, die Du erwähnst, welche Zuggewichte wurden da verwendet? Eine Rekonstruktion eines römisch-sassanidischen Kompositbogens für die Gruppe von M. Junckelmann kam auf ein Zuggewicht von 80 lbs und Schußweiten um 190 Meter bei Pfeilenergien E-Null = 62 Joule. Das ist nicht gerade beeindruckend.

    Daß Kompositreflexbögen vergleichbar starken Holzbögen überlegen waren/sind, muß man eigentlich nicht besonders diskutieren, das ist reine Technik, Materialkunde und Physik. Die englischen Bogenschützen zeichneten sich aber eben durch die Verwendung sehr starker Kriegsbögen (120 bis 180 lbs, im Schnitt wohl ca. 150 lbs mit Pfeilen von ca. 100 g und Energien von E-Null = ca. 140 Joule), exzellentes Training und massenhaften Einsatz aus, was die zahlreichen englischen Siege, die aus der Kombination von teilweise schwergepanzerten Nahkämpfern und Bognern in Defensivposition herrühren, erklärt.

    Englische Bogenschützen konnten aber auch als Scharfschützen eingesetzt werden. So deuten einige Quellen aus dem 15. Jhr. an, daß nicht auf den Mann gezielt wurde, sondern z.B. auf das Gesicht. So was erfordert langjähriges Training und große Erfahrung beim instinktiven Schießen, ist aber machbar. Von Schleuderern wird ja in der Bibel auch berichtet, daß sie einzelne Haare ihres Gegners treffen konnten, sicher übertrieben, aber es zeigt die Richtung.

    Solche Treffsicherheit war wohl zum Teil auch notwendig, da Bögen gegen die gehärteten Plattenpanzer des späten 15. Jhr. eher alt aussahen. Häufig wird von prominenten Toten immer im Zusammenhang mit Pfeilverletzungen gesprochen, die bei Verlust oder Öffnen des Helmes geschahen. Natürlich trug nicht jeder (bzw. eher wenige) auf den Schlachtfeldern solche guten Plattenpanzer.

    Daß auch große Mengen von Bogenschützen gegen Ritter mit Plattenpanzern (da meist noch nicht gehärtet) auf gepanzerten Pferden wenig wirksam waren, zeigt die Schlacht von Verneuil am 17.08.1424, wo die englischen Reihen von schwergepanzerter Mailänder Söldnerreiterei frontal durchbrochen wurden; daß die Engländer trotzdem gewannen, lag nur an der Professionalität von Bedfords Truppen und dem Zusammenhalt im entscheidenden Nahkampf.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Mai 2010
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  3. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Das hat auch einfach den Grund, dass es bei den Skythen zwar Krieger gab, die sich kein Pferd leisten konnten, aber eben keine spezialisierten Infanteristen waren, deren Waffen sich von denen der berittenen Krieger unterschieden. Und warum sollten sich diese auch große Mühe dabei geben einen effektiven Langbogen herzustellen (wie er in Europa mindestens erst 1000 Jahre später aufkam) wenn sie sich dann doch gleich auf ein Pferd setzten, wenn sie eines auftreiben konnten?

    Nur weil ein Bogen 2m lang ist, bedeutet das noch lange nicht, dass er besonders effektiv ist. Auch der Ötzi hatte einen Langbogen und du wirst mir wohl zustimmen, dass dieser nicht annährend die Schußkraft erreichen konnte wie ein englischer Langbogen aus dem Spätmittelalter.


    Und auf welcher Tradition beruhte der Bau der Eibenbögen auf dem Balkan? Mir ist kein Volk bekannt, das auch nur annährend so viele Bögen verwendeten wie die Germanen oder gar Engländer. Gab es überhaupt militärisch effektive Eibenbögen auf dem Balkan bevor der Kompositbogen verbreitet wurde?

    Außerdem gab es auch schon in der Völkerwanderungszeit laminierte Langbögen aus Eibe bzw. Weißtanne.


    Wenn mich nicht alles täuscht besaßen diese aber noch keine Siyahs, wodurch die hunnischen Bögen deutlich stärker wurden.

    hunnische Reflexbgen
     
  4. Kalojan

    Kalojan Neues Mitglied

    Im Grunde korrekt. Aber ich denke, man hat deswegen nicht auf Holzbögen gesetzt, weil man genau wusste, dass es eine unterlegene Waffe war im Vergleich zu einem Kompositbogen.

    Das ist genau mein Punkt: man baute dort, obwohl man Eibe zur Verfügung hatte (im übrigen wurde die Eibe für die Bögen der Engländer auch aus Südeuropa importiert), immer Kompositbögen. Wieso? Man wusste, das ein Eibenbogen in keiner Weise mit einem Komposit mithalten kann! Und die langen Typen, die man auch aus Relieffunden aus Assyrien kennt, wurden in der klassischen Zeit innerhalb kurzer Zeit durch den Skythischen Bogen verdrängt. Und man setzte Bögen durchaus recht häufig ein (Belegt ist es bei den Thrakern und Dakern, und auch die Griechen, im speziellen die Athener, setzten auch selbst Bögen ein).

    Stimmt so nicht ganz. Siyas sind seit der Partherzeit belegt. Das Novum des Hunnenbogens lag darin, dass die Siyas anders geformt wurden, und der Bogen eine sehr starke Asymmetrie hatte, was natürlich sehr leistungssteigernd ist.

    Yrzi-Bogen
    Das ist eine Rekonstruktion des Partherbogens von Yrzi, aus dem 1. Jahrhundert. Man sieht deutlich, dass er schon Siyas hatte.
     
  5. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Das halte ich allgemein für eine sehr gewagte These. Zumal uns die skythische Kultur vor allem durch die Grabhügel der Krieger- und Fürstengräber bekannt ist. Und klar die Elite benutzte den kurzen skythischen Reflexbogen. Aber auf Grund der wenigen Bogenfunde und noch dazu der schlecht erschlossenen armen Bevölkerungsschicht bezweifle ich einfach einmal, dass keiner mehr einfache Stabbogen verwendete.

    Ja, wie zum Beispiel auch aus Deutschland. Das spätmittelalterliche England importierte also nicht die Kompositbögen aus dem Balkan, sondern nur das Holz für ihre Langbögen. Klingt komisch, wenn man davon ausgeht, dass der Kompositbogen derartig überlegen war. Schließlich waren zu jener Zeit auch nicht die Bogenschützen aus dem Balkan, sondern die englischen Langbogenschützen die begehrtesten Söldner in Europa bis zu den Reisläufern.

    Die Assyrer selbst setzten bereits Kompositbögen ein. Schließlich war der Kompositbogen bereits seit den Akkadern in Mesopotamien bekannt.

    Dass der assyrische Bogen in der klassischen Zeit durch den skythischen verdrängt wurde stimmt auch nicht. Die Perser übernahmen zwar auch den skythischen Bogen, vor allem für ihre berittenen Bogenschützen, wie es zuvor bereits die Meder getan hatten, allerdings war der elamitisch-persische Kompositbogen mindestens genau so weit verbreitet.

    Und dass unter den Parthern der skythische Bogen bzw. ihre Weiterentwicklung dann den Vorzug fand, sollte eigentlich logisch sein, da sie ja selbst Skythen waren.


    Wohl fast jedes Volk setzte Bögen ein, aber deswegen spielte er noch lange keine wichtige militärische Rolle. Also mir wäre es zumindest was neues, wenn die Athener plötzlich die paar Bogenschützen als wichtiger ansahen als ihre Hopliten oder Peltasten. Oder die Thraker auch nur annährend so viel Bögen einsetzten wie die Engländer.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Mai 2010
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Gab es rundum Holzbögen und lässt sich eine Wahl zwischen beiden irgendwie feststellen?

    Ich wäre da eher Witege beipflichten. Für Reiterkrieger waren die kleineren Kompositbögen sicherlich besser geeignet.
     
  7. Kalojan

    Kalojan Neues Mitglied

    Du kannst bezweifeln soviel du willst. Fakt ist, der Skythenbogen hat den Stabbogen verdrängt. Dafür gibt es genug beweise.

    Die Daker setzten zwar den Stabbogen ein, der war aber sooo selten, das man kaum von echter Verbreitung sprechen kann.

    Da täuschst du dich gewaltig. Sie waren in Westeuropa gefragt (geringere Ansprüche, weil man nichts besseres kannte, und mehr zur Verfügung standen), auf dem Balkan hätte man sie ausgelacht. Da waren die Wallachen gefragt. Ebenfalls ausgezeichnete Bogenschützen waren die Serben und Bulgaren. Die Byzantiner hatten ebenfalls eine eigene Eliteschützentruppe. Allesamt in Sachen Qualität 1A. Ausrüstungsmäßig den Langbogenschützen der Engländer DEUTLICH überlegen.

    Im übrigen, hatte man im HRR sehr wohl kumanische Auxillias, und auch die Ungarn haben IMMER den Kompositbogen eingesetzt, trotz westlichem Einfluss. Auch zusammen mit der Armbrust.

    Kurz: Nur weil etwas im Westen nicht eingesetzt wurde, heißt es nicht, dass es schlechter war ;)




    Richtig. Aber die Bögen waren vergrößerte Varianten der skythischen Bögen.


    Wichtiger nicht. Aber auch ein Wichtiger Teil. Speziell für ihre Schiffe.

    Bei den Thrakern stimmt es, dass es eher wenig waren. Dennoch eine wichtige Fernkampfwaffe (es gab mehr Bogenschützen als Schleuderer, und die Geten waren berittene Bogenschützen).

    Nicht zu vergessen, das Kriegsführung in Mittelalter und Antike auch etwas mit Kultur zu tun hat. Das hat NICHTS mit der Qualität zu tun, denn Fakt ist, das Kompositbögen um einiges mehr drauf haben als Stabbögen. Das wurde oft genug bewiesen. Zb Hält ein Osmanischer Bogen den Weltrekord im Weitschuss, kein Langbogen. Und zwar ein Kurzer, mit höchsten 130cm Sehnenlänge (die hatten sogar weniger, max. 125 cm), und kein 1,90m Prügel.

    In wie fern eine Wahl? Das man so quasi beides zur Wahl hatte? Klar. Balkan eben. Man hatte beides zur Verfügung, aber man wählte den Kompositbogen. Egal ob zu Fuß oder beritten. Und das sogar die gleichen Typen. (Lässt sich super Anhand der bulgarischen Manasses-Chronik belegen)
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Mai 2010
  8. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Ich habe dir die Quellenlage geschildert...
    Ja der Stabbogen im Raum der Skythen war schlechter, aber bestimmt auch einfacher zu produzieren. Oder auf welchen Quellen beruht deine These über die Bewaffnung der skythischen Fußkrieger?

    Warum sollten sie auch SPÄTMITTELALTERLICHE ENGLISCHE LANGBÖGEN einsetzen und nicht ihr traditionelle Waffe???

    Das kann ich zurückgeben...
    Kurz: Nur weil etwas im Osten nicht eingesetzt wurde, heißt es nicht, dass es schlechter war...

    Falsch! Als die Elamiter und Akkader Kompositbögen einsetzten, gab es noch nicht einmal Skythen...



    Dir ist klar was meine ursprüngliche Aussage hierfür war? Und jetzt kommst du hier mit der Besatzung von Schiffen...

    Ja genau, mit einem speziellen leichtem Pfeil. Das klingt wirklich wichtig für den kriegseinsatz...

    Den Beitrag von Luziv scheinst du ja gekonnt überlesen zu haben. Aber mich würde hier auch einmal eine Quelle bzw. einer dieser genügenden Beweise interessieren. Nur dass die Bulgaren Kompositbögen einsetzten ist für mich noch kein Beweis...


    Gab es wirklich jemals germanische oder gar englische Langbögen auf dem Balkan (mit Ausnahme der Züge der Goten)?

    Auch wenn es dir nicht in den Sinn kommt, entwickelte sich der Vollholzbogen auch weiter und nicht nur der Kompositbogen. Immerhin entstand der germanische Langbogen wohl erst zwischen 100 und 350. Und bis er zur bevorzugten Waffe in England im Spätmittelalter vergingen noch ein paar Jahre...

    Tolle Aussage...
     
  9. Kalojan

    Kalojan Neues Mitglied

    1. Siehst du auf irgend einer der berühmten Abbildungen (zB Kol-Oba-Vase), einen Stabbogen? Nein. Und zwar nicht bei berittenen. Auch nicht bei Leuten, die reich waren. Im Gegenteil.

    2. Die Bosporanen setzten ebenfalls den Skythenbogen ein. Kein Stabbogen zu sehen (wobei man hier sagen muss, dass es durchaus wohl eher daran lag, dass man mit den Skythen auch mit Waffen Handel trieb.). Die Bosporanen hatten zwar eine ausgeprägtere Kavallerielastigkeit, aber auch viele Fußschützen.

    3. Die Skythen hatten durchaus auch eigene Infanterie, die vor allem durch die Maioten gestellt wurde. (Quelle: Armies of the Macedonian and Punic Wars 359-146BC)

    Sehr richtig. Aber wenn der Langbogen so toll war, warum sollten sie ihn nicht übernehmen?

    Gute Aussage :rofl:

    Der Assyrerbogen war in der Zeit der Achaemeniden längst Passee, und vom Skythenbogen verdrängt. Die Perser veränderten ihn allerdings, und machten ihn um einen Tick größer (siehe die Darstellungen auf den Reliefs).

    Ja, aber da waren sie eben ein wichtiger Teil. Natürlich waren bei den Griechen die Zahl der Schützen nicht so immens, wie bei den Engländern. Aber dennoch nicht gerade ohne.

    Die Gleiche Leistung wäre mit einem Langbogen aber nicht möglich gewesen.

    Hoppla. War natürlich nicht beabsichtigt (Immerhin achte ich ja auch auf andere Quellen ;) )

    @Luziv: Nur 190Meter? Kommt mir sehr wenig vor. Gibt es irgendwo die Möglichkeit, das genauer durchzulesen?

    Wie stark die waren, konnte ich nicht recherchieren. Üblich waren aber bei Kompositbögen etwa die gleichen Stärken wie bei den Langbögen.

    Quellen sind vor allem die Vergleichsschießen. Aber für den Massiven Einsatz gibt es durchaus Quellen:

    "Die Tödlichkeit von serbischen Schützen erfuhren die westlichen Kreuzfahrer".

    "1189 schlug Zar Peter IV von Bulgarien vor, Friedrich Barbarossa, ihn mit 40000 Schützen auszuhelfen, was dieser aber ablehnte".

    Aus "Armies of the Middle Ages, Vol. 2" und "Armies of Feudal Europe, 1066-1300".

    Weiters haben sich die serbischen Schützen als absolut tödlich erwiesen für die Bulgaren in der Schlacht von Velbazhd, und die Janitscharen (die zu einem Großteil im Mittelalter Bogenschützen waren), erwiesen sich als absolut Gefährlich für die westlichen Heere in der Schlacht von Varna 1444.

    Nur zur Zeit der Daker. Aber in sehr kleiner Zahl. Bei den Illyrern weiß ich es selbst nicht genau, glaub aber, das auch da es eher im Norden verbreitet war, wenn.

    Klar entwickelte er sich weiter. Wenn auch nicht in dem Ausmaß wie die Armbrust oder der Kompositreflexbogen.

    Nur weil es dein Weltbild zerstört, heißt es nicht, dass es nicht wahr ist ;)
     
  10. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Keine Angst, mich kratzt das Thema nur halb so viel wie dich... Aber wenn du nicht normal diskutieren kannst, dann lassen wir es halt. Und ich lasse hier einmal die unsinnigen und falschen Aussagen deinerseits stehen.
     
  11. Kalojan

    Kalojan Neues Mitglied

    Nun. Unsinnige und Falsche Aussagen wirst du mehr in deinen Beiträgen finden ;)

    Aber einigen wir uns darauf, dass wir uns nicht einigen können :)
     
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  12. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Hallo Kalojan und Witege ich habe hier zufällig ein Bild von Euch Beiden.
    [​IMG]
     
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  13. duxalamannorum

    duxalamannorum Mitglied

    Der Kompositreflexbogen war in Westeuropa seit der Völkerwanderungszeit bekannt und in Kreisen der Wohlhabenderen als Statussymbol sehr begehrt.
    Dieser Bogen war in der westeuropäischen Ritterschaft sehr wohl bekannt
    und wurde auch benutzt.
    Der Eibenselfbogen war billiger und schneller herzustellen, was vor allem für das ewig klamme englische Königstum wichtig war.
    Den Engländern waren die "Vorteile" des Kompositreflexbogens sehr wohl bekannt, trotzdem wurde der Eibenlangbogen bevorzugt. Dieser Bogen konnte einen schweren
    Kriegspfeil am effektivsten über eine weite Entfernung schleudern.
    Die Engländer brauchten eben keinen teuren und empfindlichen Kompositbogen, der in der Herstellung mehrere Monate benötigte.
    Im übrigen empfehle ich dringend die Lektüre der "Bibel des traditionellen Bogenbaus Bd.IV". Dort wurde von renommierten Bogenbauern nachgewiesen, dass ein optimal gebauter Holzbogen einem Kompositreflexbogen nicht unterlegen ist.
     
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  14. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Naja hast ja vielleicht doch ein wenig Recht...



    @Kalojan:

    Skythen:

    Ich habe doch bereits geschrieben, dass die Kriegerelite der Skythen natürlich Reflexbögen einsetzten. Ich wollte hierbei nur auf deine Aussage eingehen, dass selbst die "Infanterie" von der wir eben weder bildliche noch archäologische Quellen kennen auch ausschließlich teure Kompositbögen verwendeten.
    Aber eventuell kennst du ja auch richtige Quellen, die nicht nur aussagen, dass bei den Skythen nicht alle Kämpfer beritten waren. Der Ospreybezug ist hierfür wie auch der Verweis auf die Daker nicht wirklich nützlich.
    Evtl. sind dir ja auch Funde von Langbögen aus dem "skythischen Raum" vor dem Aufkommen der Reflexbögen bekannt, was ich allerdings bezweifle.


    Assyrer/Perser:
    Wann soll der Assyrerbogen genau verdrängt worden sein? In der Neubabylonischen Zeit? Meines Wissens nach wurden weiterhin die gleichen Waffen verwendet, auch noch zur Zeit der frühen Achaemeniden (zumindest eben bei den assyrischen und babylonischen Hilfstruppen). Im Gegensatz dazu verwendeten die Perser aber eben nie den assyrischen Bogen, sondern eben den elamitischen (seit ihrer Einwanderung in der Persis) oder skythischen (durch die Vermittlung der Meder). Aber wenn du dazu einen Literaturhinweis kennst, der dies widerlegt, würde mich das natürlich auch interessieren.

    Daker: Gibt es hier wirklich Funde bzw. Hinweise auf Langbögen wie sie in Nydam oder in Oberflacht gefunden wurden? Oder einfach nur Stabbögen im allgemeinen?


    Kumanen + Ungarn:
    Die Engländer setzten den Langbogen ja auch erst im Spätmittelalter vermehrt ein und nicht im Hochmittelalter, also zu der Zeit als die Kumanen so erfolgreich in der Schlacht auf dem Marchfeld gekämpft haben. Während den Kreuzzügen war ja immernoch die Armbrust die bevorzugte Waffe im Heer der Engländer.
     
  15. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Du kennst dich ja offensichtlich sehr gut mit den Langbögen aus.

    Ein englischer Langbogen scheint ja doch um einiges effizienter gewesen zu sein, als die Bögen aus Oberflacht oder Nydam. Gibt es Kenntnisse über die Entwicklungsschritte der ersten Langbgen zu den effektiven Waffe des Spätmittelalters bzw. wann diese entwickelt wurden?
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Mai 2010
  16. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Einen richtigen Langbogen aus Eibenholz zu bauen ist auch nicht so einfach und billig wie du es klingen lässt. Ich weiss die Quelle nicht mehr, aber irgendwann gab es in England nicht mehr genügend Eiben in ausreichender Größe. Man brauch ein relativ großen geraden Baum, und Eiben wachsen langsam und eher Buschartig, so dass man dieses Holz importieren musste, z.B. aus dem Baltikum.

    In Nordspanien wurden z.B. Armbrustbogen aus Eibe gebaut, und auch dort wurde das Material irgendwann knapp.

    Ein weiterer Grund neben der Überforstung war anscheinend, dass vielerorts die Eibe als "Hexenbaum" betrachtet wurde. Aus den Früchten machte man angeblich einen halluzinogenen Sud, der bei Hexenrithen eingenommen wurde. Desshalb ließ die Kirche diese Bäume fällen und verbrennen.

    So hat es mir vor etlichen Jahren ein Förster in Spanien erzählt. Die Eibe ist dort tatsächlich bis heute selten, obwohl sie früher dort weit verbreitet war.
     
  17. BigBen

    BigBen Mitglied

    Soweit mir bekannt ist, sind die Früchte der Eibe giftig und so manches Pferd ist elendiglich krepiert, nachdem es an einer Eibe genascht hat. Dies soll (?) wohl auch dazu geführt haben, daß gerade Kutscher jeden Eibenschößling, den sie entdecken konnten, herausgerissen haben.
     
  18. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    ts, ts, ts
    1. der sagenhafte Weitschußrekord der Osmanen und die gewaltigen Leistungen der Mongolen sind mehr Wunsch als Wirklichkeit. Es gilt ziemlich genau die Formel:
    Schußweite in m ist Vo in Feet/ Sekunde.
    800m Schußweite ~ 800ft/s ~290m/s nun liegt die Schallgeschwindigkeit bei 333m/s und die Bogenenden müssen sich am Ende der Beschleunigung immer noch schneller bewegen als der Nockpunkt, sie bewegen sich auf einer Kreisbahn.Und müssten da die Schallgeschwindigkeit überschreiten
    Der Weltrekord im Weitschuß heute liegt, man möge mich verbessern bei 434m (Compound)und der weiteste Schuß mit einem Selfbow bei 323m , sinnigerweise ein Haselnußbogen :)

    Ein ELB ist selten über 180cm, dadrüber wirds nämlich ne relativ lahme Flitche.
    Dann das Problem der Haltbarkeit und des Einsatzes in nassem und Feuchten Wetter:

    Einen halbwegs gewachsten ELB kann man ne halbe Stunde ins Wasser schmeißen und dann damit immer noch schießen, einen Komposit kann man dann nur noch kompostieren.

    Die Oberflachtbögen waren Jagdbögen, wie die meisten Weltweit verwendeten Bögen.
    Denn, tödlich, und zwar schnell tödlich, sind nur Brustverletzungen, und gegen die gabs Schilde. In militärischen Auseinandersetzungen machen Bögen , wie sie normalerweise geschossen wurden, so bis 80#, nur aua, aber der Kämpfer kann weitermachen. Wenn ich also als antiker/ mittelalterlicher Feldherr mit Pfeil und Bogen was erreichen will, brauche ich SEHR reichlich Pfeile und Bogenschützen .

    Ein guter Selfbow, auch einer aus Haselnuß kann einem Kompositbogen an Durchschlagskraft bei gleicher Zugkraft überlegen sein, nur , gutes Holz gibts deutlich weniger als schlechte Sehnen und schlechtes Horn.
     
  19. Turandokht

    Turandokht Aktives Mitglied

    Ausgerechnet die Früchte der Eibe sind das einzige, was an dem Baum NICHT giftig ist. Man sollte halt die Kerne ausspucken, obwohl die wohl im Verdauungstrakt nicht kaputtgehen. Sind eigentlich ganz lecker, die Eibenfrüchte.
     
  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ist denn ein Mary-Rose-Bogen (1545) wirklich soviel besser, als die Oberflacht-Bögen (völkerwanderunsgzeitlich)? Ich dachte, die wesentliche Verbesserung wären die Horn-Enden, welche ein mögliches Reißen/Splittern des Holzes verhinderten.

    Alos ft/s erkläre ich mir mit "feet per second". Kann jemand mal den Rest erklären? Ist sonst Fachchinesisch.
     

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