Film"würdige" historische Ereignisse

Dieses Thema im Forum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wurde erstellt von Jago, 31. Januar 2007.

  1. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Es ist bemerkenswert, wie wenig Dokus oder Spielfilme über Marlborough und seine Gattin es auch in GB gibt, eigentlich ist mir gar keine bekannt, vor allem wenn man es mit der Fülle an Material vergleicht, das über Nelson und Wellington existiert. Dabei war der Duke vermutlich der erfolgreichste Stratege, den GB hervorgebracht hat, jedenfalls verlor er nicht eine einzige Schlacht und eroberte Dutzende von Festungen, ohne einen einzigen Rückschlag zu erleiden,darunter Verteidigungsanlagen, die wie Lille zuvor als uneinnehmbar galten. In Frankreich und Belgien gibt es ein Kinderlied "Marlbrough s´ en va t´en guerre", und eine Ballade von Ferdinand Freilighrat, die aber eher vom Prinzen Eugen handelt, der von der Reichshofkanzlei einen Brief bekommt, sich keinesfalls auf die Schlacht von Höchstädt einzulassen, den Eugen aber wohlweislich erst nach der Schlacht öffnet, als die französische Armee vernichtend geschlagen und der Oberbefehlshaber Tallard gefangen ist. In der historischen Schlacht konnte Prinz Eugen auf dem rechten Flügel wenig ausrichten gegen Maximilian II. Emanuel von Bayern, der sich geordnet zurückzog, als Marlboroughs Kavallerie im Zentrum die Oberhand gewann und die geschlagenen Franzosen in Blindheim einschloss.

    Eigentlich kenne ich Verfilmungen und Hörspielfassungen der Komödie "Das Glas Wasser", von Eugen Scribe von 1840 in der Lady Churchill eine (wenig sympathische) Rolle spielt.

    Unter Helmut Käutners Regie spielten 1960 Gustav Gründgens (Lord Bolinbroke), Hilde Krahl (Lady Churchill) und Liselotte Pulver als Queen Anne mit, von 1977 existiert noch eine Fernsehfassung mitO. W. Fischer
     
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  2. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Ich stimme dir zu, daß der Mangel an filmischem Material wirklich erstaunlich ist, vor Allem, da wie du gesagt hast, es sich eigentlich regelrecht anbietet, und sich die Geschichte ja fast selbst schriebe: Junger Mann aus verarmten Verhältnissen wird zum gefeierten Helden, große Schlachtszenen und Liebesgeschichte inklusive. :)

    Anscheinend gab es aber einmal eine BBC Serie über die Churchills, von 1969, genannt "The first Churchills", wie ich nach einiger Suche festgestellt habe. Die Serie soll auf der Biographie die von Winston Churchill geschrieben wurde basieren. Leider habe ich die Serie nie gesehen, aber bin gerade versucht sie mir zu bestellen, auch wenn der Preis mich zögern lässt. Auf youtube gibt es einen Ausschnitt, leider ohne Ton und etwas kontextlos: YouTube - First Churchills


    OT: Die Erwähnung des Liedes hat mich an meine erste 'Begegnung' mit Marlborough erinnert, dank des 'Chateau de Malbrouck' im Dreiländereck Luxembourg-Frankreich-Deutschland, wo er einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat...
     
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  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Auch wenn natürlich heute sicherlich in mancher Hinsicht überholt wirkend, finde ich das für die Entstehungszeit vom Auftreten, Kleidung und Frisur her garnicht mal so schlecht.:winke:

    Ich hatte ja gestern mal an den Wunsch gedacht, dass man etwas über einen deutschen Abenteurer wie den Pöllnitz oder einem Mann wie Grimm (der im Paris der Aufklärung) machen könnte. Angesichts der deutschen Desaster wie "Mein Name ist Bach" oder "Trenck - Zwei Herzen gegen die Krone" ziehe ich das doch lieber gleich wieder zurück. Es ist doch zu wahrscheinlich, dass sich ähnliche Geister daran wagen, das haben die armen historischen Persönlichkeiten nicht verdient. Da sollte man es lieber bleiben lassen.:still:
     
  4. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied


    1) Stimmt, man sieht dem Clip stark an, daß er etwas älter ist, aber das man sich immerhin bemüht hat. Die Kritiken, die ich bisher zwischen die Finger bekommen habe, beziehen sich in erster Linie darauf, daß sich die Serie anscheinend vom Stil her, nicht so gut gehalten hat. Anscheinend sei sie etwas steif und langatmig im Vergleich zu moderneren Verfilmungen historischer Stoffe, wobei zum Vergleich die BBC Serie "Charles II: The Power and the Passion" mit Rufus Sewell herangezogen wurde, die als dynamischer und leichter zugänglich charakterisiert wurde. Und dabei fällt mir gerade auf, daß John Churchill in dieser Serie auch vorkommt- in einer Nebenrolle, als Liebhaber von Barbara Villiers. :autsch:

    2) Es wäre schön mal Verfilmungen von deutscher Seite zu sehen- Stoff gibt es ja genug- und bis zur Erwähnung von "Trenck- Zwei Herzen gegen die Krone" war ich auch bei der Sache. Erinnere mich doch nicht an solche fürchterlichen Ereignisse! :cry:
     
  5. Fulcher

    Fulcher Aktives Mitglied

    Man kann sich jetzt z.B. "Königreich der Himmel" anschauen und den Eindruck bekommen, eine gewisse Verherrlichung der Kreuzritter als "unsere Helden" in einem ganz anderen Film über jene Zeit, würde dazu führen, dass die jeweiligen Filmemacher dafür als "Erzreaktionär" hingestellt werden würden. (England ist da heutzutage ein besonders typisches Beispiel für diese Entwicklung).


    Ich glaube, es gibt in diesem Zusammenhang wirklich genügend Hinweise, dass hier tatsächlich historische Ereignisse/reale Völker als konkrete Inspirationsquelle gedient haben. Auch wenn man das mit den ähnlichen Namen weglässt, bleiben dafür immer noch überzeugende Argumente übrig, vor allem, wenn es sich auf die Art der Kriegsführung bezieht.


    Da Tolkien ja sehr viele Sprachen für seine Fantasiewelt erfunden hat, ist die Bezeichnung der Orks recht verschieden, so gibt es auch die Form "Orch":
    Orks ? Ardapedia


    Ich meinte damit, dass eine Seite auf eine bevorzugte Art und Weise dargestellt wurde, was in Ridley Scotts Heimat ja offenbar auch so erwünscht ist (vielleicht auch aus einem Art schlechten Gewissen heraus, schließlich war Großbritannien lange die beherrschende Kolonialmacht). Typisch ist z.B. die erste Tat des Helden dieses Filmes: ein brutaler Mord an einem katholischen Priester.


    Das habe ich nicht gesagt. Ich würde einfach behaupten, dass er es übertrieben hat, d.h. er hat die Waage zu sehr auf der einen Seite belastet, so dass manche das Interesse an den Film verloren haben ("blockbuster" leben teilweise auch davon, dass sich manche die Filme mehrmals reinziehen wollen). Das Ganze hat eben nicht nur mit dem Unterhaltungswert sondern auch mit der Frage zu tun, inwiefern man sich mit den jeweiligen Charakteren identifizieren kann (eine Ausnahme bilden dabei diese vielen Indianerfilme, denn die profitieren vom romantisierten Image jener Völker).


    Da hatte ich mich auf die Diskussionen zum Film auf imdb.com bezogen.


    Diese Filme wurden allerdings interessanterweise mit Leuten besetzt, die weder zentral- noch ostasiatischer Herkunft waren. Ich finde es schon bezeichnend, dass selbst eine neuere Produktion wie der von dir erwähnte Attila-Zweiteiler einen Schotten für die Hauptrolle besetzt hat.


    Glaube ich nicht, denn schließlich spielten nordeuropäische Völker im Gegensatz zu den Hunnen bei der Entstehung der späteren englischen Nation eine wichtige Rolle.


    Ich glaube, Film-Produzenten vermuten in dem Fall, dass die hauptsächlichen Kinogänger ("Westler" + Ostasiaten) sich kaum mit den Osmanen identifizieren würden (in der Geschichte lange als der Hauptfeind des (christl.) Abendlandes erachtet und dann ebenfalls lange als der "kranke Mann am Bosporus" missachtet). Umgekehrt wäre eine ähnlich negative Darstellung der Osmanen wie in "Lawrence of Arabia" aus den oben genannten Gründen nicht mehr gern gesehen, so dass am Ende trotz des Potentials an spannender Unterhaltung ...... gar kein film gedreht wird, also weder "pro- noch anti-osmanisch".
     
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Vielleicht läuft das ja hierzulande mal auf ARTE oder sonst einem niveauvolleren Sender.:cool:

    Ganz interessant fand ich das Video YouTube - Kings & Queens: A History of Violence nur um sich mal zu veranschaulichen welche tollen und weniger tollen Schauspieler bereits englische Könige und Königinnen gespielt haben.
     
  7. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Äh...hat da einer der Edwards II ein weißes Unterhemd an?

    Für den Fall, daß du mal einen Blick auf "Charles II" werfen möchtest: http://www.youtube.com/watch?v=g0Vlf1Ze5XE&feature=fvw
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Mai 2010
  8. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich lese da:
    :winke:
     
  9. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

  10. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Fulcher, ich vergaß, dass es doch mal einen Film über das Byzanz des Justinian gegeben hat, den ich als Jugendlicher sogar mal gesehen habe:
    Kampf um Rom:
    Kampf um Rom I (1968)
    Kampf um Rom II - Der Verrat (1969)

    Und hier ist mir noch ne Rezension über den Weg gelaufen, indem festgestellt wurde, dass Kingdom of Heaven die Antwort des R. Scott auf den Irakkrieg sei:
    SEHEPUNKTE - Rezension von: Antike und Mittelalter im Film - Ausgabe 7 (2007), Nr. 12

    Daneben werden hier noch einige antike Filme von Historikern untersucht, leider nicht aus dem MA oder Neuzeit:
    Der historische Film - ein studentisches Projekt der Universität Osnabrück
     
  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Sieht ganz stimmungsvoll, authentisch, hautnah aus, was man so sieht.
    Der Blick von unten auf das Blutgerüst erinnerte mich allerdings an die Klamotte um die 3 Musketiere mit Richard Chamberlain, Frank Finlay, Michael York und dem unvergessenen Oliver Reed in den Hauptrollen.:cool:
     
  12. Ostrogotha

    Ostrogotha Aktives Mitglied

    Ich hatte mich damals echt gefreut, als in der "Bravo" ein Artikel über die Dreharbeiten erschien. Anschließend habe ich mich gefragt, was die Filme außer den Namen der handelnden Personen überhaupt noch mit dem Roman gemein hatten.

    Nichts gegen die Filme an sich, aber den Inhalt des Romans sollte man am besten vorher vergessen oder ihn gar nicht erst gelesen haben. Der Roman bietet an sich schon Action-Stoff genug, keine Ahnung, warum man den auch noch für die Filme "vermurksen" musste. :grübel:
     
  13. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Das habe ich mich bei den Karl May Verfilmungen auch gefragt... :)
     
  14. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Na ja, die Romanvorlage wird selten einszueins übernommen, sondern es werden eigens reichliche Drehbuchschreiber beschäftigt. Dann mäkelt der Regisseur und ganze Passagen müssen umgeschrieben werden.

    Oft wird die Romanvorlage doch nur genannt um den Film für's Publikum interressanter zu machen und sich einen Anstrich von Ernsthaftigkeit zu geben. Ähnliches Problem haben wir doch auch häufiger bei Sekundärliteratur.
     
  15. Ostrogotha

    Ostrogotha Aktives Mitglied

    @Caro1
    Da hast Du im Prinzip recht, aber in diesem Fall fand ich das schon ziemlich heftig mit der Umschreiberei. Das ist mir so extrem bei "Quo vadis", "Ben Hur" oder "Die letzten Tage von Pompeji" nicht aufgefallen.
     
  16. Maria Leszczyns

    Maria Leszczyns Neues Mitglied

    Ich fände es wirklich sehr sehenswert, wenn endlich mal gute Verfilmungen über "Maria Theresia", "Albrecht v. Wallenstein", "30jähriger Krieg" und "Marie Antoinette" in Angriff genommen werden würden.

    Es wird gerade wieder ein neuer Hstorienfilm in Deutschland gedreht, über das Leben des Friedrich von Struensee, Leibarzt des dänischen Königs Christian VI., und Liebhaber von dessen Frau Caroline Mathilde von England.
    Der Film wird grauslich werden, aber sehr selber:

    Und hier das Video über die Dreharbeiten:

    http://www.hna.de/videos/?bcpid=41331472001&bclid=25736442001&bctid=629232881001


    Beim erneuten ansehen sehe ich es ganz deutlich - die Kutsche ist spätes 19. Jh.
    Die Kleider der Damen eine wahre Katastrophe, die eine sieht aus wie eine Prostituierte aus dem Wilden Westen...

    Und die Henker erst .... *schauder*
     
  17. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    @ Maria Leszczyns

    Sehr schön die Kleider des armen Struensee.

    Naja, kann man doch unter typische B-Doku abbuchen, wovon einiges produziert wird.
    Sein wir mal froh, dass das kein Spielfilm wird. Sonst setzen sich wieder noch mehr Klischees in den Köppen fest.

    Mit einer Verfilmung über Marie Antoinette, meinst Du jetzt eine filmische Biographie, oder?
     
  18. Maria Leszczyns

    Maria Leszczyns Neues Mitglied

    Ja richtig genau das meine ich,aber bitte eine bessere und authentischere als die von Coppola
     
  19. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    Immerhin stimmt ja mal schon die Uniformfarbe. Schon viel wert. Die Kutsche ist natürlich spätes 19. Jh. bzw. frühes 20. Jh. vor WK I.

    Struensee hat sich auf ein "Spiel" eingelassen, welches er verlieren mußte. Soweit zum Plot, so aus der Sequenz erkennbar.

    @Brissotin

    Solche, Du nennst es richtigerweise, "B-Produktionen" prägen aber das "Geschichtsbild". Insoweit wäre eine historisch korrekte Darstellung (soweit es das überhaupt gibt) wünschenswert, kommerziell wahrscheinlich nicht darstellbar.

    M.
     
  20. Maria Leszczyns

    Maria Leszczyns Neues Mitglied

    Naja aber in anderen Ländern schaffen sie es ja auch, auch wenn die historische Korrektheit viele grausame Szenen beinhaltete, s.z.B. in Frankreich "Die Bartholomäusnacht" und "Henry IV" auch wenn beim letzteren die Kleidung absolut was für den Müll war.
    Oder auch Spanien mit "Alatriste" und "Escorial"

    Und über England brauchen wir nicht reden, die sind eh unerreichbar, was historische Filme anlangt, man denke sich nur "Barry Lyndon"
     

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