Film"würdige" historische Ereignisse

Dieses Thema im Forum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wurde erstellt von Jago, 31. Januar 2007.

  1. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Auch die Römer waren die Eroberer (und dabei mind. so "grausam" wie die Osmanen), und trotzdem gibt es jede Menge Römer-Filme wo man sich mit den Kaisern dank eines geschickten Drehbuches identifizieren kann. Auch wenn sie gegen barbarische Germanen kämpfen.

    Selbiges kann ebenso passieren bei den Osmanen. Kommt auf das Drehbuch drauf an. Religion spielt ja auch in den meisten Römerfilmen keine oder nur eine geringe Rolle, (ausser, wenn Jesus auftaucht) sondern eher universale Themen wie Liebe, Tod, Intrigen, Taktik bei Schlachten, Politik, usw. All dieses böten in gleicher Weise auch die Osmanen in einem Film.

    Man sieht ja den Erfolg eines Film wie Apocalypto, was mit "uns" nun gar nichts zu tun hat, aber ein toller spannender Film einer völlig anderen Welt ist. Oder Avatar.

    bakriHS, natürlich gibt es leider nicht so einen Film mit Clive Owen, das sind alles Wünsche.
     
  2. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Sorry @lynxxx, was würdest du hier wohl posten, stünde ein "toller spannender" Film über die Osmanen anstatt die Mayas zur Diskussion, der wie "Apocalyptico" auch etwas großzügig mit der geschichtlichen Wahrheit umgeht?

    Betr. deine Idee, einen Film über Mohammed zu machen: Wäre vielleicht vor 50 Jahren möglich gewesen - heute würde die komplette orthodoxe islamische Welt aufschreien und der Regisseur samt Hauptdarsteller wären so gut wie tot. Dir ist doch bekannt, dass es keine bildlichen Darstellungen des Propheten geben darf. Den Film wird es für uns also in diesem Leben und auf diesem Planeten nicht geben.
     
  3. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Na ja, die bildliche Darstellung des Propheten lässt sich umgehen, indem man das Geschehen dritte erzählen lässt. Mohammed tritt nie persönlich auf, er wirkt durch seine Taten. Es ließe sich bestimmt eine spannende Geschichte erzählen, ohne dass der Hauptdarsteller persönlich auftritt.
     
  4. Fulcher

    Fulcher Aktives Mitglied

    Die Welt der Griechen und Römer stellt nunmal ein wichtiges Fundament der europäischen Kultur dar, während die Osmanen (und zuvor die Seldschuken) jahrhundertelang als die Erzfeinde Europas angesehen wurden (auch wenn es zwischendurch immer wieder einzelne europ. Staaten gab, die mit den verhassten Osmanen Bündnisse geschlossen hatten). Es gab kaum ein Reich, das aus abendländischer Sicht so verteufelt wurde wie das ihre. Bei den Römern betraf dies zumeist nur einzelne Kaiser, ja selbst einige von ihnen, die dem Christentum sehr ablehnend gegenüber standen, wurden in späteren Zeiten noch verehrt.

    Ich mach mal ein Wunsch-Casting, wenn es jemals einen Film über die zweite Belagerung Wiens (1683) geben würde:

    König Jan Sobieski - Jan Peszek

    Karl von Lothringen - Nicholas Ofczarek

    Kaiser Leopold I. - Christoph Waltz

    Maximilian II. Emanuel - Volker Bruch

    Eugen von Savoyen - François Goeske

    Ernst Rüdiger von Starhemberg - Hans Sigl

    Georg Michaelowitz - Wojciech Klata

    Kara Mustafa Pascha - Ghassan Massoud

    Papst Innozenz XI. - Mario Adorf
     
  5. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Sorry BB, ich verstehe nicht, was du mit deinem ersten Satz sagen möchtest.
    Ich mag tolle spannende Filme, egal ob nun Aliens die Hauptrolle spielen, Wikinger, Afrikaner (Hotel Ruanda ist ein toller Film), oder sonstwer.

    Ich halte es für falsch einen Film nicht zu machen, nur weil irgendwo anders auf der Welt jemand sich auf den Schlips getreten fühlen könnte.
    Es hat auch niemand die Inder gefragt, als Indiana Jones II gedreht wurde, oder niemand fragte die Indianer bei den Massen an Western, usw. usw.

    Man muss ja nicht gleich das Leben des Brian mit Muhammad als Hauptrolle drehen... ;) Aber selbst das halte ich für ein Recht jeder Demokratie, notfalls mit Polizei vor den Kinos zu verteidigen und schwuppps, wären wir schon bei Politik und ich schweige still dazu.
     
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  6. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Ich glaube kaum, dass Gladiator so ein weltweiter Erfolg, auch bei Shintoisten, Buddhisten, Hinduisten, Atheisten, usw. aber auch bei europäischen Christen geworden ist, weil sich irgendjemand selbstreflektierend mit der Rolle der Römer z.B. als Vorläufer des europäischen Rechts beschäftigt hatte. Es war einfach gute Unterhaltung.

    Leute schauen auch gerne Filme an, wenn sie denn gut gemacht sind, wenn sie "Feinde vor Jahrhunderten" zeigen. Dieses gilt für Wikinger, für Indianer, Franzosen und Napoleon, Briten, usw. ja selbst gute Kreuzfahrerfilme wie Kindom of Heaven sind Blockbuster in der islamischen Welt, auch wenn dort der "Feind" gezeigt wird, und ich glaube nicht, dass die dort in der Breite aufgeklärter sind, als wir es sind.

    Also warum nicht das letzte Mittelmeerimperium mal zum Thema eines Blockbusters machen, wenn schon Dschingis Khan und Timur Lenk und Atilla dieses wurden?
     
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  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    So geschehen in Mohammad, Messenger of God, Alternativtitel Mohammad, Messenger of Allah, einer englisch-arabischen Koproduktion von 1976, arab. Titel الرسالة - Die Botschaft.
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Hotel Rwanda ist ein ziemlich heftiger Film, der ziemlich hart an der Wahrheit liegt.
     
  9. bakriHS

    bakriHS Neues Mitglied

    Gebe Lynxx volkommen recht,es interessiert die zuschauer kaum ob es z.b über nazis oder um konqistadoren die gegen die indianer kämpft,vorgeht.Es soll die leute unterhalten,wie lynx sagte über dschinghis khan usw gibt es ja auch filme,einer davon ist ja "the mongol" eine russische produktion und ich war erstaunt wie gut sie das hinbekommen haben,es werden wohl eher die russen sein die eine verfilmung über die osmanen machen als hollywood und zurzeit machen die gut gelungene mittelalterfilme. Den einzigen gedrehten hollywood Buster über turkenvölker ist "the Nomad" da geht es um kasachen die gegen die mongolen kämpfen,und das war es schon
     
  10. Fulcher

    Fulcher Aktives Mitglied

    Jetzt müsstest du mir erst mal einen überzeugenden Beleg dafür geben, dass "Gladiator" in Süd- und Ostasien wirklich so erfolgreich war, wie du es gerade behauptet hast. Ich denke, der Film war in erster Linie in westl. Ländern ein großer Kassenschlager. Allerdings ist die heutige Weltkultur natürlich immer noch sehr "verwestlicht" und das hilft natürlich einem historischen Film, der hauptsächlich im alten Europa spielt (umgekehrt sind diese aufwändigen Historienschiken aus Ostasien vergleichsweise weniger erfolgreich).


    Ridley Scott hat mit "Kindom of Heaven" einen sehr politisch korrekten Film gemacht, was viele Zuschauer in Amerika und Europa durchaus moniert haben. Ich vermute, dass er zum Teil kein so großer Erfolg wie vergleichbare Filme wurde, weil die Filmemacher es damit übertrieben haben (siehe Daten bei boxofficemojo.com - lediglich 211 mio $ weltweit bei ca. 130 mio $ Produktionskosten).


    Filme über "Dschingis Khan und Timur Lenk und Atilla" waren bei uns "blockbuster"?

    Wie bereits gesagt, manche Imperien haben nunmal ein sehr schlechtes Ansehen und da gehört das Osmanische Reich eben zu jenen, die nachhaltig verteufelt wurden, während man anderen (besonders, wenn es sich dabei um andere Europäer handelte) später einiges wieder verziehen hat.

    Umgekehrt gibt es Menschen, die unabhängig voneinander verstanden haben, dass es in erster Linie die Osmanen waren, welche als Vorbild für die bösen Mächte beim "Herrn der Ringe" dienten - die Verfilmung war schließlich ener der größten Kinoerfolge der letzten 10 Jahre.
     
  11. Fulcher

    Fulcher Aktives Mitglied

    Dass die Russen einen Film über die Osmanen machen würden, kann ich mir schon vorstellen, nur halt nicht aus pro-osmanischer Sicht.
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Osmanen? Die Piraten vielleicht. Die anderen "bösen Menschen aus dem Süden" aber nicht unbedingt.

    Ist es denn Hollywoods Aufgabe, Filme über Turkvölker zu drehen? Warum mancht das nicht das türkische Pendant Yeşilçam?
    Besteht überhaupt ein Bedarf? Was sollen solche Filme leisten? Sollen sie unterhalten? Historische Aufklärung leisten? Ein gesellschaftliches Problem angehen? Sollen sie türkischen Nationalismus befriedigen? Oder der türkischen Gesellschaft im Ggt. den Spiegel vorhalten?
     
  13. Fulcher

    Fulcher Aktives Mitglied

    Na hier z.B. ist jemand dieser Meinung:
    oykunme: Turks are Orcs
     
  14. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Eigentlich ist es fast schon eine Frechheit, solchen an den Haaren herbeigezogenen Mumpitz durch Verlinken auch noch aufzuwärmen.
     
  15. Fulcher

    Fulcher Aktives Mitglied

    Eien "Frechheit" ist es höchstens, ohne nachzudenken gleich "das stimmt nicht!" zu schreien.

    – J.R.R. Tolkien: A Biography
     
  16. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Aber Fulcher, "Der Herr der Ringe" ist ein Roman und Tolkien hat ihn im 20. Jhdt geschrieben, geprägt und beeinflusst von den Ereignissen seiner Zeit, den Weltkriegen, der Aufrüstung, der Blockbildung.
    Ich glaube, woher irgendein Vorfahr mal eingewandert war und was der mal erlebt haben könnte, kann in seiner Phantasie keine so große Rolle gespielt haben.
    Dass wir darüber sogar streiten können, zeigt den hohen Identifikationswert dieses großartigen Romans.
     
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  17. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    @Fulcher, das war Tolkien mit Sicherheit pupsegal. Es gab in Australien eine ähnliche Diskussion "Orks = Abos". Tut mir leid, wer so wie der Autor deines Links argumentiert, leidet unter Verfolgungswahn oder will nur PR. Getrollt wurde und wird nicht nur im WWW.
     
  18. Fulcher

    Fulcher Aktives Mitglied

    Es gibt zig Parallelen zwischen Tolkiens Werk und den Kriegen der Europäer gegen die Türken. Ist halt nicht "politisch korrekt", wenn man sie aufzählt. Eine weitere Übereinstimmung gibt es z.B. mit der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (Tolkien wusste als Linguist sicher von der damals bereits vermuteten Sprachverwandschaft zwischen heutigen Turkvölkern und den Hunnen), so starb der westgotische König Theoderich I. (bzw. Theoderid), obwohl siegreich gegen Attila, auf dem Schlachtfeld. Von seinen Söhnen hießen zwei Eurich und Retimer. Kombiniert man diese Namen erhält man Eumer, was "zufällig" an Eomer, dem Neffen und Nachfolger Theodens, des Königs von Rohan, erinnert. Außerdem hieß Theodens einziger Sohn Theodred, was wiederum stark an den eigentlichen Namen dieses westgotischen Herrschers gemahnt.

    Wie wurde Attila eigentlich beschrieben? Dem Geschichtsschreiber Jordanes zufolge war er ein "kleiner, jedoch breiter Mann, mit einem großen Kopf, kleinen Augen, einem teils grauen, dünnen Bart, einer flachen Nase, und einer gebräunten Haut."

    Und wie sollten Orks nach der Meinung ihres Schöpfers Tolkien aussehen?
    "...they are (or were) squat, broad, flat-nosed, sallow-skinned, with wide mouths and slant eyes; in fact degraded and repulsive versions of the (to Europeans) least lovely Mongol-types."
     
  19. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Ob die Diskussion über Tolkiens Roman in den Thread über filmwürdige historische Ereignisse paßt, mögen andere entscheiden, ich mag das nicht so stehenlassen.
    @Fulcher, du greifst eine Schlacht und einen Teil von 3 Teilen des Romans heraus und interpretierst aufgrund von Namensherleitungen. Und nun sind es nicht mehr die Osmanen vor Wien sondern die Hunnen und Theoderich.
    Um es noch einmal zu betonen, der "Herr der Ringe" ist ein Roman, Sprachen und Namen sind erfunden und entspringen Tolkiens Phantasie.
    Aber auch der phantasievollste Mensch schöpft aus seinem bewußten Wissen und aus unbewußt verknüpften Sagen und Märchen. Da kann es natürlich sein, dass Tolkien unbewußt gängige Stereotype und Klischees in seine Beschreibungen von bösen Figuren gerutscht sind.
     
  20. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Tolkien selbst hat sich immer gegen jegliche allegorische Interpretationen des "Herrn der Ringe" verwehrt. Schon kurz nach dem Erscheinen glaubten nämlich viele, dass sich Tolkien in dem Werk auf den Zweiten Weltkrieg bezog und zogen Parallelen.

    Er war ja auch Linguist und großer Mythenkundler. Tolkien pflegt einen sehr peniblen Stil. Da werden selbst die Lieder und die Gedichte, welche die Figuren vortragen, ausgearbeitet. Hätte er bei den Orks ein konkretes Vorbild vor Augen gehabt, hätte er das sicherlich deutlicher herausgearbeitet. Aber ich denke eher, sie stellen eine Neuschöpfung dar.
     

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