Mithraismus als Vorlage des Christentums?

Dieses Thema im Forum "Religionsgeschichte" wurde erstellt von daimos, 18. November 2004.

  1. melek

    melek Neues Mitglied

    Man könnte es auch so sehen , daß er sich schlicht politisch nicht durchgesetzt hatte . So klein war doch seine Anhängerschaft gar nicht . ;-)

    Jedenfalls wollte ich damit ausdrücken , daß auch dem Christentum der Dualismus keineswegs fremd war . Ohne allerdings damit einen direkten Bezug zum Mithra-Kult herstellen zu wollen .
     
  2. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Natürlich nicht; nur war das auch bereits beim Judentum so.
    Allerdings kommt das dualistische Weltbild, welches das Judentum - und damit auch das Christentum - beeinflußt hat, nicht vom Mithraismus, sondern vom Zoroastrismus, wobei jedoch auch dies nicht der einzige Einfluß ist und die Stärke dieses Einflusses nicht klar ist; weswegen dieser Einfluß ebensowenig zu überzeichnen ist.
    Wir hatten uns in einer früheren Diskussion einmal dieser Sache anzunähern versucht - dazu zwei exemplarische Beiträge:
    http://www.geschichtsforum.de/95218-post3.html
    http://www.geschichtsforum.de/95448-post8.html
     
  3. melek

    melek Neues Mitglied

    Ja . Ich habe oben ja auch geschrieben :

    " Allerdings hätte ich diese Dualität eher als zoroastrischen Einfluss gewertet ."

    :)
     
  4. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Na ja. Schwarz-weiß, heiß-kalt, gut-böse, das liegt so auf der Hand, dass da wohl kein Einfluss notwendig ist, um drauf zu kommen.

    Manchmal kommen mehrere auch unabhängig voneinander auf die gleiche Idee.
     
  5. melek

    melek Neues Mitglied

    Grundsätzlich schon . Aber in diesem Falle liegen die Gemeinsamkeiten doch deutlich näher , und der kulturelle Austausch fand ja statt .
     
  6. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Ich empfehle, dazu v.a. den zweiten von mir verlinkten Beitrag nochmals zu lesen.

    Gut vs. Böse wie auch der Monotheismus waren bereits vorher bekannt; die scharfen Abgrenzungen sind der markante Aspekt, welcher nach Zarathustras Tod auch im Judentum - und damit auch im späteren Christentum - hervortrat.
    Und nochmals deutlich: Einfluß ist gegeben, Stärke und Einzigartigkeit jedoch nicht endgültig geklärt...

    Allerdings sollte darüber - wenn nötig - im erwähnten Thread diskutiert werden, weil es mit dem hier besprochenen Thema des Mithraismus nicht mehr direkt zu tun hat...
    :fs:
     
  7. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Das sehe ich, wie meine Vorredner völlig Anders. Sicherlich hat es auch im Christentum eine entsprechende Strömung gegeben, die eine derartige Sichtweise vertrat. Sie wurde aber als Häresie ausgeschieden, zieht aber noch heute als Gnosis eine Spur von Verwirrung über das Wesen Gottes im Christentum nach sich.
    Im eigentlichen Dualismus sind „guter Gott“ und „böser Gott“ einander relativ gleichwertig und die Entscheidung des Menschen für einen dieser Beiden hat einen Einfluss auf den Ausgang des Konfliktes. Im Christentum dagegen ist der Teufel ein gefallener Engel. Ein einst zwar mächtiger, nichts desto Trotz aber ein Diener Gottes, der sich gegen seinen Schöpfer gewandt hat. Dieser gefallene Engel wurde (noch) nicht von Gott zur endgültigen Rechenschaft gezogen, sondern vorerst nur aus dem Himmel verbannt. Die Entscheidung des Menschen für Gott oder seinen gefallenen Engel hat keinerlei Auswirkungen auf das Ergebnis der „versuchten Revolution“ oder den Fortgang der Welt. Grund genug die Idee des Dualismus zu verwerfen.
    Der Dualismus, der im Mithrasglaube zum Ausdruck kommt hat also Bestenfalls über die Gnosis eine Zeit lang Einfluss auf das Christentum nehmen können, ist aber damit gescheitert. Desto Unglaubwürdiger wird nur die Intention, das Christentum als Raubkopie des Mithrasmythos anzusehen.
     
  8. Xenophon

    Xenophon Neues Mitglied

    Mithras und Christus

    Ich denke seit einiger Zeit über dieses Thema nach:
    Das Christentum, wie wir es heute kennen, ist ein Mischmasch aus dem Mithraskult bzw. dem Kult des sol invictus, und verschiedenen anderen antiken Kulten, so vor allem dem der magna mater, unter Ausschluss des Judentums.
    Beispiel:
    Wenn Christen heute noch singen: Christe, du bist er helle Tag // vor dem die Sonnniht scheinen mag, dann beten sie in Wahrheit nicht Christus an, sondern Mithras.
    Die Berufschristen wehren sichmit Händern und Füßen gegen diese Theorie, aber mir leuchtet sie ein.
    Dazu Fragen?
     
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  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Frage Nr. 1, wer sind denn Berufschristen?

    Ansonsten kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand unabsichtlich Mithras anbetet, nur weil es Parallelen zum Mithraskult gibt.

    Wir haben in unserer Gegend (Breisgau) ja auch einige Mithrasheiligtümer gehabt. Wäre ja interessant, welchen Austausch es da zu den Christen zu der Zeit gab.
     
  10. rukelie

    rukelie Neues Mitglied

    Mich würde interessieren wie du a) auf diese These gekommen bist und b) wie du sie denn belegst.
     
  11. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Wieso unter Ausschluss des Judentums? Die christlichen Religionen beinhalten fuderweise jüdische Elemente, nicht zuletzt ein ganzes Altes Testament.

    Christus als hellen Tag zu bezeichnen ist eine Metapher, die auch im Umgangssprachlichen nicht unbedingt einen versteckten Sonnenkult darstellt – das leuchtet wohl ein. Obendrein grenzt das Lied den Christus sogar gegen den Himmelskörper ab: "vor dem die Sonn nicht scheinen mag". Also: Christus toppt die Sonne. Für einen Mithrasjünger wäre das nicht denkbar.
     
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  12. Xenophon

    Xenophon Neues Mitglied

    Berufschristen sind alle, die aus ihrem Glauben einen Beruf gemacht haben, für den sie bezahlt werden, als Pastoren aller Dienstgrade.
    Der Mithraskult wurde von den Christen mit einer unglaublichen Grausamkeit verfolgt und die Mithräen wurden so gründlichzerstört, dass sie heute kaum noch aufzufidnen sind. Die mithräische Literatur, die es natürlich gab, ist ebenfalls vernichtet.
    Die Berufschristen mögen bis heute auf diesen sehr wesentlichen Strang ihrer Tradition nicht angesprochen werden.
    Noch mehr zu dem Thema?
     
  13. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Warum soll sich dann jemand aus der Gruppe der Berufschristen mit Händen und Füßen gegen Deine Theorien wehren, wenn er es doch nur als Brotberuf ansieht? Scheint mir nicht logisch.
     
  14. Xenophon

    Xenophon Neues Mitglied

    Ich will Dir ein Beispiel sagen:
    Jeder Pastor sagt an jedem Sonntag seiner Gemeinde, dass Jesus uns Dies oder Jenes gesagt hat.
    Natürlich weiß er ganz genau aus seinem Studium, dass das nicht zutrifft.
    Nicht Jesus hat das gesagt, sondern der Autor desjeweiligen Evangeliums hat Jesus diesen Satz in den Mund gelegt, um so seine Theologie zu belegen.
    Die "ipsissima verba" füllen, so soll Rudolf Bultmann gespottet haben, allenfalls eine Postkarte ud sind, das sage ich jetzt, eigentlich banal. Es handelt sich nämlich da um pauschale Aufrufe zur Buße.
    Wenn jemand aber einen Sachverhalt kennt, das Gegenteil aber öffentlich sagt, dann bezeichnet das Karlchen Miesnick, der ewige Quartaner, als Lüge, der pastor aber muss einen solchen Widerrspruch als Wahrheit verkaufen.
    Wie macht er das?
    Frag Deinen örtlichen "Seelsorger".
     
  15. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Naja ich unterstelle jetzt einfach einmal, dass diejenigen, die Theologie studieren, gläubige Christen sind...

    Und wie möchtest du widerlegen, dass diese Autoren die Worte nicht durch Gott empfangen haben? (Zur Info ich bin nicht gläubig! Allerdings, wirst du da sehr starke Schwierigkeiten bekommen, wenn du das einem Gläubigen weismachen möchtest.)
     
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  16. Zananga

    Zananga Aktives Mitglied

    Interessant ist das das wichtigste Fest der meisten Christen, das Weihnachtsfest, auf das Datum der Sonnenwende gelegt ist. Die andere Sonnenwende feiert man den Geburtstag von Johannes der Täufer.

    Das wird wohl auch was mit den Mithraskult oder dem Zoroastrismus zu tun haben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. August 2009
  17. Xenophon

    Xenophon Neues Mitglied

    Mithras und Christus

    Der Hymnus sagt, dass in der tat, dass die Sonne, also Mithras, hinter Christus zurück tritt, denn Christus ist der helle Tag, also die eigentliche Sonne. der Sonnenkult wird also auf Christus übertragen, der nunmehr die Sonne ist, weswegen auch Mithras vernichtet werden kann, was ja auch geschehen ist. Im übrigen ist das der Hinweis, der mir einfiel. Soll ich weitere Reste des Mithras-Kultes in der christlichen Religion hinweisen?
     
  18. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin


    Ich hab eine Aufsatzempfehlung für Dich: Thomas Nagel, What is it like to be a bat. Darin geht es darum, dass wir uns nicht in Fremdbewusstsein einfühlen können. Aber scheinbar hast Du das Rätsel gelöst und kannst nachempfinden, was in Priestern vorgeht - und das nicht nur exemplarisch, sondern allgemeingültig. :respekt:
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. August 2009
  19. tela

    tela Aktives Mitglied

    Und deswegen kennen wir auch nur ca. 1000 Mithräen im gesamten römischen Reich. Eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass die angeblich kaum noch aufzufinden sein sollen!
     
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  20. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    Jesus sprach: ich bin das Licht der Welt.
     

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