Hab gerade noch ein bisschen nachrecherchiert. Das Wappen scheint erst 1935 verliehen worden zu sein. Über einen adeligen Träger als Vorläufer ließ sich nichts herausfinden. Wenn das Wappen also 1935 verliehen aus dem Nichts geschaffen wurde und, wie Barner dann 1940 schreibt, dies wegen der Verortung der Cherusker hier der Fall war, dann ist das etwas anderes. Dann ist das keine - wie im obigen Beitrag insinuierte - Remininszenz, also eine ungebrochene Erinnerung an die Cherusker von der Zeitenwende bis ins Mittelalter, sondern gelehrtes "Wissen" (Wissen ist bewusst in Anführungszeichen gesetzt), das 1935 die Cherusker dort verortete. Da stecken dann noch die "fest umgrenzten Kulturareale" eines Gustav Kossinna drin, die davon ausgingen, dass der Bauer über Jahrtausende auf seiner Scholle saß. Wobei das Wort noch hier eigentlich fehl am Platze ist.
Dann ist Wikimedia/Wikicommons (bzw. dem/den Beiträger/n) vorzuwerfen, hier nicht die notwendige kritische Distanz zum Motiv der Wappenverleihung 1935 aufgebracht zu haben.
 
Vorherrschend Buchenwälder (was ist eigentlich mit der Gemeinen Esche - Fraxinus excelsior? Jenem kultischen Baum, weiß man eigentlich, wo dieser in der römischen Eisenzeit sein Hauptverbreitungsgebiet hat?)

In Mitteleuropa ist auf den meisten Standorten die Buche die vorherrschende Klimaxbaumart, d. h. die Art, die sich am Ende der Sukzession von einem baumfreien Standort über Strauch- und Pionierbaumartenstadien am Ende durchsetzt, da sie höher wächst als die anderen Bäume und diese am Ende ausdunkelt.

Andere Baumarten können zumindest bestandsbildend nur auf Sonderstandorten auftreten, wo es für die Buche zu nass, zu sauer oder zu flachgründig etc. ist, wenn sie nicht gezielt durch den Menschen gepflanzt oder indirekt gefördert werden (z. B. durch Waldweide).

Für die Eschen sind das vor allem feuchte Hanglagen z. B. in Bachtälern oder Hartholzauen, da sie mehr Feuchtigkeit im Boden verträgt als die Buche. Da sie anders als die Schwarzerle keine Staunässe verträgt und sie anders als Birken nicht zu sauren Boden verträgt, wächst sie nicht in Bruchwäldern oder Mooren.
 
Löst Euch von der Vorstellung eines irgendwie kriegerischen Germaniens. Das waren Bauern, für die auch die Religion nur eine Nebensache war. Der Alltag war Feld, Vieh und Wetter. Für alles andere war keine Zeit und auch kein wirtschaftlicher Ertrag: Subsistenzwirtschaft.

Vielleicht ist meine Sicht auch aufgrund meiner Kenntnis des Landlebens im heimischen Siegerland sehr erdnah...

Mit den Erkenntnissen der letzten Jahre (Dank auch an @Hermundure, der immer wieder Fundzusammenhänge dargestellt hat) wird allenfalls ein wirtschaftliches Netto-Plus durch Handel mit römischen Gebieten und wohl auch durch germanische Söldner in römischen Diensten gewesen sein.
Mit Schamanentum und großer Mystik hatten die nix am Hut.

Selbst jährliche überregionale Feiern werden eher an Wacken oder Rock am Ring erinnert haben.

Interessant finde ich eher dass innerhalb weniger Generationen ein Wechsel von zentralen / statischen Verteidigungsstrukturen wie z.B. Oppida zu einem fast völligen Fehlen von Befestigungsanlagen stattgefunden hatte. Das lässt eher an ein Stammesbewusstsein und Freiwilligenheer denken.
 
Löst Euch von der Vorstellung eines irgendwie kriegerischen Germaniens. Das waren Bauern, für die auch die Religion nur eine Nebensache war. Der Alltag war Feld, Vieh und Wetter.
Könnte nicht gerade diese massive Abhängigkeit von Naturgewalten für eine hohe Bedeutung der Religion im Alltag sprechen?
Und der Umstand, dass jeder erfolgreiche Viehraub (oder Plünderung des Vorrats an Feldfrüchten) für die Betroffenen den Hungertod bedeuten konnte, für eine Notwendigkeit, den Umgang mit Waffen zu beherrschen?

Vielleicht ist meine Sicht auch aufgrund meiner Kenntnis des Landlebens im heimischen Siegerland sehr erdnah...
Da stellt sich die Frage, inwieweit man von heute noch Rückschlüsse ziehen kann. Aus dem ländlichen Raum stamme ich auch (wenn auch nicht persönlich aus bäuerlichen Verhältnissen), aber die Religiosität, insbesondere die Volksreligiosität, scheint mir mittlerweile auch im ländlichen Raum deutlich rückläufig zu sein.

Interessant finde ich eher dass innerhalb weniger Generationen ein Wechsel von zentralen / statischen Verteidigungsstrukturen wie z.B. Oppida zu einem fast völligen Fehlen von Befestigungsanlagen stattgefunden hatte. Das lässt eher an ein Stammesbewusstsein und Freiwilligenheer denken.
In Stämmen waren allerdings auch die Gallier organisiert, und sie hatten trotzdem ihre Oppida.
 
Löst Euch von der Vorstellung eines irgendwie kriegerischen Germaniens. Das waren Bauern, für die auch die Religion nur eine Nebensache war. Der Alltag war Feld, Vieh und Wetter. Für alles andere war keine Zeit und auch kein wirtschaftlicher Ertrag: Subsistenzwirtschaft.

Subsistenzwirtschaft spricht nicht gegen einen andauernden Kleinkrieg gegen die Nachbarn; zB um deren Vieh zu stehlen, respektive weil die das eigene gestohlen haben. Kriege mit größeren Heeren & Schlachten waren sicherlich selten, aber das muss nicht für Überfälle und Scharmützel gelten. Die Römer warben mE genau deswegen so gerne Germanen für ihre Legionen an.

Mit Schamanentum und großer Mystik hatten die nix am Hut.

Selbst jährliche überregionale Feiern werden eher an Wacken oder Rock am Ring erinnert haben.

Trance, Sex & Drogen; passt doch zu beidem, Schamanismus & Wacken, hervorragend... ;)
 
Es gibt doch den Bericht über einen nächtlichen römischen Überfall auf eine germanische Feier, wo die wehrlos trunkenen Germanen abgeschlachtet werden.

Ich meine nur: der Alltag innerhalb der Stämme war geregelt und friedlich. Stammeszugehörigkeit bedeutete auch Rechtssicherheit, gleiches Wertesystem.

Die befestigten bandkeramischen Siedlungen im Marburger Raum wirken auf mich weniger friedlich als die offenen germanischen Dörfer. Es gibt andererseits aber auch Funde von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen germanischen Gruppen in Norddeutschland und Skandinavien.
 
Zuletzt bearbeitet:
Was für mich bei der These der friedliebenden Germanen überhaupt nicht passt, sind die unzähligen Fehden der Stämme untereinander und dann in wechselseitigen und für den Dritten kaum überschaubaren Allianzen gegen die Römer.

Drusus führt 12/11 v. Chr. einen Feldzug gegen die Sugambrer und verwüstet deren Stammesgebiet, während die sugambrischen Krieger gerade die Chatten gerade in eine antirömische Koalition/Allianz zwingen wollen. Auf dem Rückmarsch treffen die Sugambrer (waren sie überhaupt siegreich gegen die Chatten? Zumindest haben sie antirömische Fraktionen gestärkt) dann auf die Drusus-Legionen, bekämpfen diese und die germanischen Auxilien, die sie bei Arbalo beinahe vernichtend schlagen können.

Auf einmal verlassen die Chatten das ihnen zugewiesene Siedlungsgebiet (freiwillig?) und lassen sich weiter im Norden an der Eder nieder. Jetzt haben die antirömischen Kräfte die Vorherrschaft und Drusus muss aus Rom zurückkehren, um sie wieder unter die Knute zu zwingen. Und so chaotisch geht es in einer Tour weiter, vielleicht sind das ja auch alles Missinterpretationen/Fehlübersetzungen der Überlieferungen, die diese Feldzüge behandeln, das weiß ich nicht.

Wenn es sich nur um rein friedliebende Ackerbauern und Viehhirten gehandelt hätte, die sich nicht um Herrschaft scheren und für die es keine Rolle spielt, ob sie ihre Rinder an einen Warlord oder an einen fremden römischen Besatzer abtreten, dann hätte Drusus es relativ problemlos bis an die Elbe und darüber hinaus geschafft und vielleicht in der zweiten Welle römische Siedler oder Menschen aus anderen römischen Provinzen in den neu eroberten Gebieten anzusiedeln, die dann in friedlicher Kooexistenz mit den Einheimischen leben.

Ja, ich weiß, überspitzt formuliert.
 
Okay, das verstehe ich.
Ohne römische Invasion eine friedliche Kooexistenz der germanischen Stämme. Zwistigkeiten über ein Thing und möglicherweise Zahlung von Blutgeld oder was auch immer geregelt.
 
Okay, das verstehe ich.
Ohne römische Invasion eine friedliche Kooexistenz der germanischen Stämme. Zwistigkeiten über ein Thing und möglicherweise Zahlung von Blutgeld oder was auch immer geregelt.

Ist das wirklich realistisch? Man wird sich "die" Germanen sicher nicht als tumbe Raufbolde vorstellen dürfen, die ohne Sinn und Verstand und ohne jede Möglichkeit zur Konfliktlösung aufeinander einschlugen, aber man sollte eben auch nicht das Kind mit dem Bade ausschütten und aus ihnen edle Wilde machen, die stets friedlich und im Einklang mit der Schöpfung ihren Acker bestellten. Ja, die Menschen werden gewiss Formen gefunden haben, Konflikte inner- und außerhalb der Stammesverbände zu regeln, aber es dürfte dennoch immer wieder zu militärischen Konflikten gekommen sein. Dazu reicht ja im Prinzip ein ehrgeiziger Mann aus einer mächtigen Sippe, der durch eine großzügige Beuteverteilung an Macht gewinnen möchte.

Anders gesagt: "Die Germanen" waren ebenso Individuen mit unterschiedlicher Lebenserfahrung wie wir heute. Wie würdest Du das Leben in Europa Anfang 2023 beschreiben? Es gibt Regionen, in denen Menschen recht friedlich zusammenleben, es gibt aber genauso Brennpunkte der Gewalt bis hin zu einem offenen Krieg, der sich heute jährt. Es ist auch damals gut möglich, dass die Chatten gerade im Frieden lebten, während die Cherusker in einen langwierigen Krieg verstrickt waren. Das muss nicht unbedingt immer mit den Römern zu tun gehabt haben, nur wissen wir eben von Auseinandersetzungen mit römischer Beteiligung mehr, weil die römischen Autoren sich dafür eher interessierten.
 
Hallo Stradivari,
, das habe ich so doch gar nicht gesagt.
Ja, es mag diese Rechtsordnung in den germanischen Stämmen gegeben haben, nur lese ich, dass während der Augusteischen Germanenkriege diese "fragile" Ordnung wahrscheinlich aus den Angeln gehoben wurde.
Das basiert z.B. auf Aussagen wie bei WP: Drusus-Feldzüge:
Der Landfeldzug des Drusus richtete sich zunächst gegen die Usipeter, die sich unterwarfen. Es folgten ein aufwändiger Brückenschlag über die Lippe, vielleicht bei Olfen. Das Sugambrerland zwischen Lippe und Ruhr fanden die Legionen unverteidigt vor. Die sugambrischen Krieger waren gegen ihre südlichen Nachbarn, die Chatten, zu Felde gezogen, um sie in ein antirömisches Bündnis zu zwingen.

Wie kann man denn jemand unter Waffengewalt dazu zwingen, ...? Die Chatten im Felde besiegen, damit die Überlebenden dann zusammen mit den sugambrischen Siegern gegen die Römer vorgehen?
Die Situation in den Jahrhunderten um Chr. Geburt und das Jahr 2023?
Vielleicht eher mit der Erschließung Amazoniens, dem Bau der Transamazonica und den Einfluß weißer Siedler auf die umliegenden Indiovölker. Oder ein Fort mitten in den Jagdgründen der Apachen und Komantschen - aber ohne Karl May-Romantik, sondern als plastisches Bild jenes besagten "Clash of Civilizations".
Das Bild habe ich aber schon einmal gebracht und es wurde mit gesagt, dass es Quatsch/Bullshit sei. Ja es passt nicht, weder die Lebens- noch die Wirtschaftsweise im Vergleich Germanen - Indianer, wohl aber die Begegnung an jener Kontaktzone am Rhein. Zumindest stelle ich mir das so vor, da ich keine Vergleiche habe.

Hier wird dieses Thema nochmal aufgenommen: Waren die Germanen Bauern oder Krieger?
Waren die Germanen Bauern oder Krieger? - Geschichte-Wissen
Germanen waren in erster Linie Krieger und zwar alle. Die eigene Sippe konnte nur überleben, wenn sie sich mit mehreren Sippen zu einem Stamm zusammenschloß und diesen auch mit Gewalt verteidigte. Erst in zweiter Sicht haben dann die Germanen auch andere handwerkliche Tätigkeiten ausgeführt. Aber über mehrere Jahrhunderte hat sich kaum etwas geändert. Siehe z.B. den Häuserbau und die Siedlungsstruktur. Auch kann man mit dem Märchen aufhören, daß die Germanen Bauern waren, die die Landwirtschaft nutzten. Hier hat Tacitus es genau beschrieben: „Wenn sie nicht zu Felde ziehen, verbringen sie viel Zeit mit Jagen, mehr noch mit Nichtstun, dem Schlafen und Essen ergeben. Gerade die Tapfersten und Kriegslustigsten rühren sich nicht. Die Sorge für Haus, Hof und Feld bleibt den Frauen, den alten Leuten und allen Schwachen im Hauswesen überlassen; sie selber faulenzen. …Sie bestellen Jahr für Jahr andere Felder, un doch bleibt Ackerland übrig. Denn ihr Arbeitsaufwand wetteifert nicht mit der Fruchtbarkeit und Ausdehnung des Bodens; sie legen keine Obstpflanzungen an noch umzäunen sie Wiesen oder bewässern sie Gärten; einzig Getreide soll der Boden hervorbringen. ….Für Winter, Frühling und Sommer haben sie Begriff und Bezeichnung; der Herbst ist ihnen unbekannt, der Name ebenso wie die Gaben…Die Mittel zu diesem Aufwand bieten Krieg und Raub. Und nicht so leicht könnte man einen Germanen dazu bringen, das Feld zu bestellen und die Ernte abzuwarten, als den Feind herauszufordern und sich Wunden zu holen; es gilt sogar für träge und schlaffe, sich mit Schweiß zu erarbeiten, was man mit Blut erringen kann.“

Damit will ich nur sagen, dass es nun mal diese Auffassung gibt. Tacitus Bild ist, nach alledem, was ich von Euch gehört habe, nicht besonders glaubhaft.
 
Zuletzt bearbeitet:
Vor allen Dingen dieser Absatz:
Bei den Chatten wurde eine eigene Kriegerkaste beschrieben: Keiner von ihnen hat Haus oder Hof oder sonstige Pflichten. D.h. sie leben nur für den Kampf und wenn der Frühling begann, dann wurde auf dem Thing beschlossen, gegen wen man Krieg führte bzw. wohin der nächste Raubzug ging. Es war nicht die Frage, ob es Krieg geben wird, sondern nur gegen wen?
Es sind also keine Spinnereien, die von mir kommen, sondern es gibt diese Auffassung.

Und wenn es einmal in einem Stamm keine Möglichkeit für Auseinandersetzungen gab, dann hat man sich anderen Kriegsherren angeschlossen. Als die Römer (u.a. mit Drusus) in der Dekade vor der Zeitenwende nach Germanien kamen, da trafen sie keine friedliche bäuerliche Gesellschaft an, sondern eine kriegerische raubgierige Meute. Varus kam daher auch zu dem Schluß, daß diese Germanen mit den Menschen wenig gemeinsam haben, sondern eher Tieren gleichen.

Fazit: Der Germane war kein friedlebender Getreidebauer, sondern ein Berufskrieger, der mit Raub und Krieg sein Leben gestaltete. Vergleichbar wären die Zulu in Afrika bzw. einige Indianerstämme in Nordamerika.
 
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Hier wird dieses Thema nochmal aufgenommen: Waren die Germanen Bauern oder Krieger?
Waren die Germanen Bauern oder Krieger? - Geschichte-Wissen


Damit will ich nur sagen, dass es nun mal diese Auffassung gibt. Tacitus Bild ist, nach alledem, was ich von Euch gehört habe, nicht besonders glaubhaft.
Der Verfasser dieses Textes „Ingo“, ist nicht wirklich zitierfähig (und das liegt nicht etwa daran, dass er nur mit „Ingo“ firmiert).
Die Behauptung „die Germanen waren alle Krieger und haben erst in zweiter Linie Handwerk betrieben, sie waren, wie Tacitus schreibt, keine Bauern“, ist Blödsinn. Das einzige, was an dieser Aussage stimmt, ist, dass im Prinzip jeder in der Lage sein musste, sich und seine Sippe zu verteidigen.
Wenn man mal das Fazit („Indianer“) aufgreift: 1491 waren die meisten Indianer bäuerliche Gesellschaften. Unser Bild vom büffeljagenden Ponyreiter ist das von den Indianern, wie sie den Europäern im 19. Jhdt. begegneten, als sie aus den fruchtbaren Gebieten in die Great Plains vertrieben worden waren, wo man bis zur Einführung der stählernen Pflugschar durch John Deere und trockenheitsresistenen Weizensorten keine Landwirtschaft betreiben konnte.

Sowohl bei den Indigenen Amerikas als auch bei den Germanen ist inzwischen archäologisch (und archäobotanisch) gut belegt, dass es sich um bäuerliche Gesellschaften handelte.
Du solltest dich von dem Namen der Seite Geschichte-Wissen nicht beeindrucken lassen. Der Betreiber ist ein junger Mann, der vor Jahren mal Mitglied hier im Forum war, eigentlich ein Politikforum gründen wollte und dann diese Seite gegründet hat, damals war er Abiturient und wollte Jura studieren. Die Seite ist also mitnichten eine Seite, wo professionelle Historiker publizieren, sondern Laien. Anders als bei Wikipedia, das ja auch oft genug kritikabel ist, fehlt hier bei Artikeln ein Korrektiv und dann kommt halt ab und zu so ein Schmarren heraus.

Also, dass irgendwer ins Internet seine Privatauffassungen bläst, belegt zwar, dass es „diese Auffassungen gibt“, aber das ist keine Fundierung. Es gibt auch evangelikale „Auffassungen“, dass die Bibel die Wahrheit über die Schöpfung der Welt erzählt und das, was uns die Naturwissenschaften erzählen, Blödsinn sei. Nur um mal die Wertigkeit zu skizzieren.
 
Hallo Stradivari,
, das habe ich so doch gar nicht gesagt.
Ja, es mag diese Rechtsordnung in den germanischen Stämmen gegeben haben, [...]

Mit "tumben Raufbolden" wollte ich eigentlich nicht Deine Auffassung wiedergeben, sondern sozusagen eine extreme Gegenposition. Vielleicht habe ich Dich falsch verstanden, aber bei Dir las ich eher heraus, dass die Germanen friedlich zusammenlebten, bis die Römer kamen. Dein nächster Beitrag hat das aber natürlich eingeordnet, und zweifellos hat das Ausgreifen des Imperiums politische Strukturen vor Ort verändert. Es wird von einigen Althistorikern (zB Mischa Meier) sogar die These vertreten, dass die römische Politik erst die Voraussetzungen für die Bildung der Großverbände geschaffen habe, die später das Reich in eine schwere Krise stürzten. Wir wissen aber eben nicht sehr viel über die innergermanischen politischen Querelen, weil römische Autoren darüber meist nur aus gegebenem Anlass berichten, also vor allem wenn es für die Römer von Interesse war.
 
Übrigens, eine physische/topographische Karte von Südniedersachsen zeigt es recht gut, dass der Teutoburger Wald eine Art natürliche Schutzbarriere bildet.
Heimat und Welt - Kartenansicht -

Da ist im Süden das Hessische Bergland, das Eggegebirge und gleich daran im Anschluss der Teutoburger Wald, ein bewaldeter Höhenzug.
Wenn die römischen Legionen über die Lippe in die Gegend von Paderborn kamen, mussten sie zwangsläufig durch enge Täler hindurch auf die andere Seite. Deswegen wundere ich mich, dass die Germanen, bzw. die antirömische Koalition den Weg nicht schon sehr viel früher gekappt hatte. Die Topographie spielte - wenn man nur den Blick auf der Karte hat - eindeutig den Verteidigern in die Hände.

Ja ich weiß, vorausgesetzt es gab schon einen organisierten Widerstand. Ja, gab es nicht in der Form.
 
Wenn die römischen Legionen über die Lippe in die Gegend von Paderborn kamen, mussten sie zwangsläufig durch enge Täler hindurch auf die andere Seite. Deswegen wundere ich mich, dass die Germanen, bzw. die antirömische Koalition den Weg nicht schon sehr viel früher gekappt hatte.

Naja, wir wissen wie die Bewaldung heute aussieht, was uns nichts darüber aussagt, wie sie damals aussah. Könnte man via pollenanalyse zwar nachvollziehen, bringt allerdings nichts wenn man nicht weiß, durch welche der Täler sich die Römer möglicherweise bewegt haben.
Militärisch sinnvoll wäre es natürlich gewesen eines auszusuchen, dass selbst und dessen Hänge wenig bewaldet waren und potentiellen Angreidern keinen Schutz boten, außerdem wäre es natürlich sinnvoll gewesen berittene Späher auf die vorausliegenden Hügel zu schicken um das Terrain zu überwachen.

Eine weitere Überlegung wäre die Frage, warum man den Weg früher hätte kappen sollen, wenn man eine Falle zu stellen gedachte?
Je weiter sich die Römer von ihren Stützpunkten entfernten desto unwahrscheinlicher war es, dass sie aus der Falle ausbrechen und sich unter einigermaßen erträglichen Verlusten bis in den eigenen Machtbereich durchschlagen konnten, würde ich meinen.
 
Danke Dir für Deine dezidierte Antwort.
Ein Blick auf die Topographie reicht natürlich nicht aus. Der Teutoburger Wald hat die Form einer Art "Schutzschild" aber das ist auch schon alles.
 
Man muss sich das auch mal logistisch überlegen. Da ist eine Bevölkerung, die hauptsächlich von Subsistenzwirtschaft lebt. Flache Hierarchien, im archäologischen Befund lässt sich kaum ermitteln, ob ein Gehöft einem Adeligen, einem Freien oder einem Unfreien gehörte - nehmen wir Tacitus' Germania in dieser Beziehung ernst (müssen wir nicht zwingend, können wir aber), dann gaben die Germanen (manchen) ihrer Unfreien eigene Gehöfte.

So ist also die Situation. Nun bekommt der Germane Y zufälligerweise mit, dass sich eine römische Heeressäule von Olfen aus durch die Senne in Richtung Porta Westfalica fräst. Was macht Germane Y? Er hat ein Pferd? Glück gehabt. Er reitet also los, um den Römern zuvorzukommen und alamiert seinen Dorfchef: "Die Römer kommen." Der schickt weitere Boten zu anderen Dörfern: "Die Römer kommen."
Die Germanen müssen sich erst organisieren, aber vermutlich haben sie bestimmte Orte (nennen wir sie nordisch "Thingplätze"), wo sie sich in solchen Fällen treffen. Nehmen wir weiterhin an, dass Frauen, Kinder und Alte sich aus den Dörfern zurückziehen entweder Fluchtburgen aufsuchen oder sich irgendwo abseits ihrer Dörfer verstecken.
Während nun die Germanen auf dem Thingplatz das weitere Vorgehen beraten, sind die Römer natürlich nicht liegen geblieben, wo unser Germane Y sie gesehen hat, sondern weitermarschiert.
Die Römer haben von Olfen bis zur Porta Westfalica (140 km) vermutlich so ungefähr vier Tage benötigt (35 km/Tag, ca. 7 Stunden Marsch, danach noch Lagerbau. Der Bote zu Pferd schaffte die Strecke in zwei Tagen. Aber da waren noch keine Boten ausgesandt zu anderen Dörfern und noch niemand war zum vorvereinbarten Treffpunkt genommen.
 
So ist also die Situation.

Hängt wahrscheinlich aber auch davon ab, wie gut die ganze Aktion vorbereitet war. Gegebenenfalls wäre wäre es ja durchaus möglich gewesen den "Germanen" in der Gegend bereits bei Abmarsch der Römer in Richtung des betreffenden Gebietes Nachricht zukommen zu lassen, dass die Römer vermutlich in den nächsten so-und-so vielen Tagen die Punkte X und Y passieren würden, wobei man dann natürlich die genaue Route im Vorraus hätte kennen müssen.
 
Der Punkt ist halt, dass, wenn du kein stehendes Heer hast, sondern eine subsistenzwirtschaftende Gemeinschaft, du einen Heeresbann erst einmal organisieren musst und das benötigt ein paar Tage Organisiationszeit.
Ich las mal vor 20 Jahren in einem Buch* die Behauptung, dass Syrien eigentlich nur jeden Morgen in Damaskus (80 km bis zum Golan) seine Panzer anlaufen lassen müsste, um Israel in ständiger Alarmbereitschaft zu halten und das israelische Wirtschaftsleben lahmzulegen.



*Israel, um Himmels willen, Israel von Ralph Giordano oder Schalom Israel von Friedrich Schreiber, eines von beiden.
 
Der Punkt ist halt, dass, wenn du kein stehendes Heer hast, sondern eine subsistenzwirtschaftende Gemeinschaft, du einen Heeresbann erst einmal organisieren musst und das benötigt ein paar Tage Organisiationszeit.


Das ist mir durchaus klar, und auch dass man eine solche Streitmacht nicht mal ebeen beliebig lange irgendwo stehen und warten lassen konnte, weil es dafür übeerhaupt keine Versorgungsinfrastruktur gab.

Allerdings ließ sich ja, vorausgesetzt das man die Route kannte durchaus vorheersagen, wann eein römisches Heer ungeefähr wo auftauchen würde, wenn es sich an sein normales Marschpensum hielt.
Entsprechend wäre es, wenn man die Route gekannt hätte und schon bei Aufbruch berittene Boten ausgeschickt hätte sicherlich möglich gewesen die Römer irgndwo nach einigen Marschtagen abzufangen.

Bei frühzeitigem Abgang der Information hätte man ja einen Teil der Zeit, den diee Römer zum Anmarsch benötigten zum Organisieren nutzen können.
 
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