Wieso ging(en) in ganz West- und Mitteleuropa die Keltische Kultur(en) unter?

Dieses Thema im Forum "Die Kelten" wurde erstellt von Nuin, 18. Juni 2008.

  1. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Auch dieser "Trend" steht wohl auf der Abschussliste:

     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Juli 2008
  2. hyokkose

    hyokkose Gast

    Wenn das zutrifft, können wir zwingend davon ausgehen, daß diese Alemannen Latein beherrschten. In der ersten Generation als Zweitsprache, in der zweiten womöglich schon als Erstsprache.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 30. Juli 2008
  3. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Sure:devil:
    Schwäbisch ist deshalb ja auch so eine Weltsprache.:fs:


    Es handelt sich um das Gräberfeld von Saffig, im Mündungsgebiet der Mosel aus der Zeit um 550, 450 Gräber, 60 Grabsteine
     
  4. hyokkose

    hyokkose Gast

    Dann dürfte wohl b) gelten:

    Tatsächlich sind wir am Mündungsgebiet der Mosel schon am Rande des romanischen Sprachgebiets, das hier schon stark mit germanischen Siedlungen durchsetzt war. Darauf deuten die Ortsnamen der näheren Umgebung mit den für die Zeit nach der Völkerwanderung charakteristischen Endungen "-ingen"/"-heim" hin: Miesenheim, Bassenheim, Winningen, Bubenheim. Das 5 km entfernte Andernach war eine römische Siedlung, die von den Merowingern als Königsburg genutzt wurde. Daß in dieser Gegend zu dieser Zeit germanische Personennamen auftauchen, ist wahrlich kein Wunder.
     
  5. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Das AiD Heft findet es immerhin bemerkenswert.
    Die Formulierung "wahrlich kein Wunder" triffts demnach auch nicht.

    Ich bin über mittag schnell nach Hause gefahren, und habe die germanischbenamste Moselromanin nachgeschlagen, die Brestereien "4. Nachfrage usw." zu beenden.

    Ich bin selbständig, Personal hat Urlaub, mein Kompagnon ist seit Gestern im Krankenaus, zZ betrete ich den Sauladen morgens 6.30 Uhr und gehe abends um 22.30 Uhr. Aber 3. Nachfrage...... Jetzt möchte ich jemanden auf die Kirchweih laden, würde der Bayer sagen.

    Das Thema interessiert mich nach wie vor sehr,

    Aber neeee, das tue ich mir nicht mehr an.

    Ach so, eins noch.
    Ab ca. 600 sind in Deutschland keine Romanen mehr archäologisch fassbar.
    Quelle nochmals das AiD Sonderheft zur Völkerwanderung.

    And now, so long.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Juli 2008
  6. hyokkose

    hyokkose Gast

    Bemerkenswert finde ich es auch, als kleines Indiz für die einsetzende Germanisierung der romanischen Bevölkerung im 6. Jahrhundert. Aber eben kein Wunder.

    Dafür an dieser Stelle meinen herzlichen Dank. Nachdem Du eigentlich vergangene Nacht nachschlagen wolltest, habe ich mir erlaubt, noch einmal nachzuhaken.

    Ich bin hingegen schnell zur Bibliothek gefahren und habe mir das Buch Dieter Geuenich, Wolfgang Haubrichs und Jörg Jarnut (Hrsg.), Nomen et gens - Zur historischen aussagekraft frühmittelalterlicher Personennamen, Berlin/New York 1997 zu Gemüte geführt (der von Dir verlinkte Pressetext ist z. T. wörtlich aus diesem Buch abgeschrieben). Demnach kann von einer "Abschußliste" keine Rede sein. Die Leute schreiben ja nicht Hunderte von Seiten über die historische Aussagekraft frühmittelalterlicher Personennamen und starten ein riesiges Forschungsprojekt mit Konferenzen und allem Drum und Dranhalten, wenn sie wie Du überzeugt wären, daß die Personennamen keinerlei Aussagekraft hätten und komplett ignoriert werden könnten.

    Diese Wissenschaftler haben nämlich ernsthaft vor, anhand der Personennamen nicht nur Romanen und Germanen voneinander zu unterscheiden, sondern anhand der Personennamen sogar Alemannen, Langobarden, Franken etc. voneinander zu unterscheiden. Wie ich schon oft wiederholt habe, läßt sich anhand eines Einzelnamens keine zuverlässige Aussage über den einzelnen Träger treffen, aber darum geht es ja gar nicht. Der Trend ergibt sich erst aus einer Fülle von Daten. Daher gibt es ja auch mittlerweile eine
    * * *

    Dafür gilt dasselbe, was ich Dem Geist zum Thema "Kelten" geschrieben habe:

    Die romanische Sprache links und rechts des Rheins läßt sich in vielen Gebieten auch noch nach 600 nachweisen:

    - Moselromania: Romanisch um 1200 ausgestorben
    - Romaneninsel um Mayen: "Romanität über das 8. Jahrhundert hinaus"
    - Prümer Romanen: "Nebeneinander von Romanen und Germanen ... zur Karolingerzeit"
    - Romaneninsel um Saint-Avold: "im 8. Jahrhundert zumindest noch Spuren der Romanen"
    - Romanen der Westricher Hochfläche "vermutlich noch im 7. Jahrhundert"
    - Hochwaldromania: "bis in das 9. Jahrhundert hinein sprachlich intakt geblieben"
    - Mittelrheinische Romanen: "chronologisch gestaffelter Verfall dieser Sprachinsel ... vielleicht in der Kernzone von Boppard im 8./9. Jahrhundert"
    - Mainz und Umgebung: Germanisierung im 7./8. Jahrhundert
    - Mittlerer Schwarzwald: Assimilation der Romanen "im 9., vielleicht sogar erst im 10. Jahrhundert abgeschlossen"
    (Zitate nach Kleiber/Pfister)
     
  7. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Mal ewas seriöses zu den Kopfzahlen der "wandernden" Völker von Altmeister Delbrück
    Quelle: Wenn man da die Bevölkerung allein der Stadt Köln dagegensetzt
    im Jahr 340 allein 15.000 (Mainz, Trier, Yanten usw. usf. hatten auch eine Zahl Einwohner)die ankommenden Germanen dagegen max 80.000 mit allem drum und dran.
    Delbrück geht bei der Bevölkerung des römischen Reiches von 100 bis 150 Millionen Menschen insgesamt aus.
    "Irgendwoanders" hingezogen ist die indigene Bevölkerung nicht, mindestens hat man sie nirgends gefunden. Massengemordet wurde sie auch nicht, derweil die notwendigen Gräber fehlen. Im Weltall verschwunden auch nicht (mal wieder Däniken lesen, mit dem umgekehrten Weg müsste doch auch Kohle zu machen sein "Erinnerung an die Vergangenheit oder wie die Rheinromanen zum Mars zogen:devil:")
    Was bleibt als Erklärungsmuster? Westlich der späteren Sprachgrenze waren die romaisierten Kelten und die Romanen in der überzahl, östlich davon auch, nur waren sie zumindest sprachlich lange nicht so romanisiert.

    Dass Sprachen als "Herd- und Küchensprache" die Jahrhunderte überdauern können, dafür gibt es ausreichend Nachweise.
    Der "Spaten" jedenfalls findet ab 600 nichts "Romanisches" mehr.
     
  8. hyokkose

    hyokkose Gast

    Ich nehme an, Delbrück spricht hier von den "wandernden Volksheeren" der Goten, Vandalen oder Langobarden, die als geschlossener Haufen Tausende von Kilometer weit wanderten. Das trifft auf die Situation am Rhein nicht zu. Weder die Franken noch die Alemannen sind mit einem Schlag und als geschlossene Gruppe über die Grenze gekommen. Vielmehr haben sie jahrhundertelang "hereingedrückt". Wiederholt zogen die Franken plündernd durch die Rhein-Mosel-Gegend, wiederholt wurden die großen Städte wie Köln oder Trier von ihnen erobert - sage keiner, es sei dabei nicht jedesmal zu Bevölkerungsverlusten gekommen. Um "Luft herauszunehmen", griffen die Römer immer wieder zu dem Mittel, ganze Stämme auf römischem Boden anzusiedeln und größere Gruppen ins römische Militärsystem einzugliedern. Das hätte funktionieren können: Wie die früheren Kelten und Germani cisrhenani hätten die sich binnen weniger Generationen romanisiert, wenn... ja wenn sich nicht das Spiel in allzukurzen Abständen wiederholt hätte. Noch bevor die Laeten sich assimiliert hatten, kam schon der nächste Schub Franken ins Land. Als Dediticii, schließlich als Foederaten. Die Gründung des Merowingerreichs war keineswegs das Produkt der einmaligen Einwanderung eines geschlossenen "wandernden Volksheeres", das war der Schlußpunkt von 200 Jahren fränkischer Einnistung ins römische Reich. Nicht viel anders war es mit den Alemannen. Auch die sind nicht mit einem Schlag als wohlorganisiertes Volksheer unter "umsichtiger Führung" eingewandert.
     
  9. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Etwas OT, aber das ist eindeutig zu hoch! Z.Zt Augustus waren es vielleicht 60 Mio. Im 4. Jh. wird die Weltbevölkerung auf etwa 230 Mio geschätzt, etwa gleichmäßig auf RR, Indien, China aufgeteilt (also je 70 Mio); dazu ein unerhebliche Teil im Rest der Welt...
     
  10. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Jetzt ganz OT - an der "Unerheblichkeit" des Restes habe ich mit Blick auf andere Kulturen meine Zweifel. (Mesoamerika, Neuguinea, Schwarzafrika).
     
  11. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Das ist genau das, was ich seit Beginn dieser Diskussion predige.
     
  12. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Um die Zeitenwende gab es da wirklich wenig.. selbst die etwa 20 Mio scheinen mir schon hoch gegriffen. Die für 1500 geschätzte Bevölkerung von Nord- und Mesoamerika (ca 20 Mio) oder auch in Südostasien (Khmer, Majapahiten) oder im Sub-Saharagebiet (Mali, Ghana, Songhai) baute sich erst viele Jahrhunderte später auf...
     
  13. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Das ist die Originalstelle aus dem Link:
    Es kommt mir ehrlich gesagt auch hoch vor, ansonsten rechnet der gute Delbrück die Heeresstärken der Schriftquellen allerdings so schonungslos herab, dass man ihm schon eine gewisse Kompetenz zurechnen kann.
     
  14. hyokkose

    hyokkose Gast

    An dieser Stelle muß ich nun bekennen, daß mir da wohl etwas entgangen ist. Jedenfalls hast Du es so wörtlich und deutlich nicht gesagt:

    Die Kelten auf römischem Gebiet wurden ebenso wie die vor den Franken und Alemannen auf römischem Gebiet siedelnden Germanengruppen binnen weniger Generationen romanisiert.

    Wie auch immer: Es ist erfreulich, daß wir in diesem Punkt übereinstimmen.
     
  15. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Alles richtig. Wenn das Wörtchen "wenn" nicht wär.

    Und deshalb wurden die, aus Zeitgründen, lediglich "teil"-romanisierten Germanen/Kelten östlich der späteren Sprachgrenze germanisiert.

    Im Gegensatz zu denen westlich der Sprachgrenze, die einige Generationen mehr Zeit zur Romanisierung, insbesondere sprachlich, hatten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Juli 2008
  16. hyokkose

    hyokkose Gast

    Dann hast Du vermutlich den Sinn meiner Aussage nicht richtig verstanden: Die Assimilation der Franken hätte funktionieren können, genauso wie die Assimilation der Kelten und Germani cisrhenani funktioniert hat.


    Die "spätere Sprachgrenze" westlich des Rheins hat sich erst tausend Jahre später eingependelt. Zu Caesars Zeiten gab es da keine unsichtbare magische Linie, von der aus gesehen "östlich" nur teilromanisiert und "westlich" erst so richtig romanisiert worden wäre. Im Gegenteil, die Romanisierung ging am Rhein offensichtlich viel zügiger vonstatten als im gallischen Hinterland. Für das ganze Gebiet zwischen "der späteren Sprachgrenze" und dem Rhein scheidet der von Dir ins Spiel gebrachte Zeitfaktor sowieso völlig aus.

    Vermutlich hattest Du nur das Dekumatland im Sinn, aber auch hier war der Zeitfaktor völlig ausreichend. Die römische Herrschaft in Dakien war noch kürzer, mit dem Ergebnis, daß die dakische Sprache restlos ausgestorben ist und man dort heute Rumänisch spricht.
    Ein paar Generationen können reichen - es kommt natürlich immer darauf an, für wen die Zeit arbeitet:
    Welche Sprache hat denn in den rund 200 Jahren, in denen das Dekumatland unter römischer Fuchtel stand, laufend Zuwachs erhalten? Wurde irgendwann in dieser Zeit einmal ein nicht-romaniserter Stamm angesiedelt, so wie es am Niederrhein der Fall war?
    Dazu kommt, daß die Besiedlung dieses Gebiets vor der Römerzeit ziemlich dünn gewesen sein muß (das ist auch der archäologische Befund), auch wenn man nicht an eine "Einöde" als menschenleeres Gebiet glaubt.
    Fassen wir für das Dekumatland zusammen:
    1. Die Vorbevölkerung muß zahlenmäßig ziemlich gering gewesen sein.
    2. Der Zustrom von Siedlern kam aus den romanisierten Teilen des Reichs, nicht von jenseits des Limes
    3. Für eine Romanisierung der eingesessenen Bevölkerung war mehr als ausreichend Zeit vorhanden.
    4. Alle archäologischen Belege sprechen für eine sehr rasche kulturelle Romanisierung des Gebiets.
    5. Kein einziger Beleg spricht dafür, daß dennoch eine einheimische Sprache weit darüber hinaus weiter überlebt hätte.
    6. Auch Jahrhunderte nach dem Abzug der Römer lassen sich noch romanischsprechende Bevölkerungsteile auf dem Gebiet des ehemaligen Dekumatlandes nachweisen.

    Alles dies spricht dafür, daß auch die Bevölkerung des Dekumatlandes vor dem Alemanneneinbruch weitgehend, wenn nicht gar vollständig romanisiert war.

    Der einzige Gegen"beleg"? Herr Dr. Paret hat vor ca. 50 Jahren mal irrtümlich was anderes vermutet, leider ohne Indizien dafür anzuführen...
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Kein Wunder, ein Strom wie der Rhein ist auch ohne Melioration der Flussauen, Begradigungen und Ausbaggerung ein prima Verkehrsweg.
     
  18. Haerangil

    Haerangil Aktives Mitglied

    spannende Diskussion!

    was mich zu dem Thema ob sich die Bewohner jener Gebiete zu dem von euch gemeinten Zeitraum als "Kelten", "Germanen" oder "Römer" gefühlt haben interessieren würde ist:

    welche Rolle spielen die alten Stammesnamen noch?

    IMHO wenn man nicht mehr "Angehöriger von dem und dem Stamm" war sondern "bewohner von der und der Provinz" bzw. Siedlung...

    dann kann man doch auch an der "keltizität" der jeweiligen Menschen zweifeln, oder?
     
  19. hyokkose

    hyokkose Gast

    Die alten Stammesnamen lebten teilweise in der Benennung der römischen Verwaltungseinheiten, der "civitates" weiter, z. B.
    "Civitas Ubiorum" nach den Ubiern
    "Civitas Treverorum" nach den Treverern
    "Civitas Ulpia Sueborum Nicretum" nach den Neckarsueben

    siehe auch: Civitas ? Wikipedia

    Aber wie Du sagst, das war keine Stammesangehörigkeit, sondern eine römische Verwaltungseinheit.

    Alte, z. T. keltische Stammesnamen verbergen sich auch noch in Bezeichnungen heutiger Verwaltungseinheiten, z. B. in den französischen Regionen Auvergne (nach den Arvernern) oder Limousin (nach den Lemovicern)...
     
  20. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Und die 5 Legionen mit denen die Römer gegen die "geringe" Bevölkerung vorgegangen sind? Varus hatte 3.


    Vor den Römern gibt es im heutigen BW archäologisch eine ähnliche Situation wie nach der Christianisierung. Fundlosigkeit. Die unmittelbar zuvor wunderbar sprudelnden Quellen geben nichts mehr her. Etwa 50vor bis ca. 75 nach, so gut wie nichts. "Keltische" Viereckschanzen früher mal als militärische Anlagen, dann als Kultbereiche, derzeit als Gehöfte angesprochen, aber dann hat es sich.



    Es hat nicht funktioniert. Und wenn mein Onkel Brust hätte, dann wäre es meine Tante:devil:


    Wenn ich meinen Putzger "richtig im Kopf" habe, hat sich die Sprachgrenze seit 800 nChr. nicht mehr soviel verändert. Nix mit 1.000 Jahren.:winke:

    Du sprichst von Bregenz + Arbon? Das ist aber 1. Rätien nicht Dekumat, 2. sassen die Römer dort bis ca. 450, hatten also mehr als doppelt solange Zeit zum "sprachlichen Romanisieren"

    Jetzt dachte ich, der "negative Beweis" wäre verpönt.:confused:

    Und die schnelle Germanisierung? Kein Beleg?:rofl:
     

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